Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/700-mhz-ard-will-dvb-t-vor-mobilfunkunternehmen-retten-1306-99959.html    Veröffentlicht: 21.06.2013 19:17    Kurz-URL: https://glm.io/99959

700 MHz

ARD will DVB-T vor Mobilfunkunternehmen retten

Die Bundesnetzagentur will mit der Versteigerung der DVB-T- und Altfrequenzen Milliarden Euro einnehmen und schnelleres Internet ermöglichen. Doch die ARD will den terrestrischen Weg über DVB-T erhalten.

Die ARD ist dagegen, dem Mobilfunk weitere Fernsehfrequenzen zuzuweisen, weil das den terrestrischen Weg über DVB-T schwächt. Das gab die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt am 21. Juni 2013 bekannt. Dabei geht es um das als Digitale Dividende II bezeichnete Spektrum im Bereich von 700 MHz.

Die Netzagentur will die Frequenzen möglichst schon im kommenden Jahr für den Mobilfunk freigeben und versteigern. Diese Frequenzen könnten "einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Breitbandstrategie leisten", hieß es in einem Begleitschreiben von Netzagentur-Präsident Jochen Homann an den politischen Beirat, das der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vorliegt. Ziel sei es, bis 2018 Verbrauchern "auch in dünn besiedelten Gebieten einen Zugang zum schnellen Internet mit mindestens 50 MBit/s zu ermöglichen", berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Ein erster Teil des Spektrums im Bereich um 800 MHz war schon 2010 für rund 3 Milliarden Euro für LTE versteigert worden.

Zusammen mit den im Jahr 2016 auslaufenden Altfrequenzen, die Deutsche Telekom, Vodafone, E-Plus und Telefónica nutzen, erwartet die Bundesnetzagentur in einer neuen Versteigerung Milliardenbeträge.

Der Vorsitzende der Produktions- und Technikkommission von ARD und ZDF, Michael Rombach: "Das Internet ist auch für Rundfunkinhalte ein zunehmend wichtiger Verbreitungsweg. Aber das Internet kann die Fernsehversorgung über DVB-T nicht ersetzen. Beide Verbreitungswege sind keine Gegensätze."

Es gehe darum, langfristig in Deutschland ein System zur Rundfunk- und Mobilfunkversorgung zu etablieren. Nur so könnten die Vorteile beider Welten wirtschaftlich und technisch sinnvoll vereint werden. "Würden nun kurzfristig dem Rundfunk weitere Frequenzen entzogen, wäre der Weg zu einem konvergenten Rundfunk-Telekommunikationssystem verbaut", so Rombach.

Weder aus technischer noch aus wirtschaftlicher Sicht gebe es nach Meinung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Zeitdruck.

Über DVB-T wurden seit 2004 die öffentlich-rechtlichen Programme von ARD und ZDF nahezu flächendeckend, die Angebote von RTL, ProSiebenSat.1 sowie von weiteren Privatsendern vor allem in den Ballungsgebieten verbreitet. Nach dem angekündigten Ausstieg von RTL hatten ProSiebenSat.1 und Media Broadcast im April 2013 eine Vereinbarung zur Verlängerung der terrestrischen Übertragung mit DVB-T getroffen.  (asa)


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