Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/statt-384-kbit-s-telekom-soll-drosselung-auf-2-mbit-s-heraufsetzen-1306-99754.html    Veröffentlicht: 11.06.2013 18:53    Kurz-URL: https://glm.io/99754

Statt 384 KBit/s

Telekom soll Drosselung auf 2 MBit/s heraufsetzen

Die Telekom versucht, die Proteste gegen die DSL-Drosselung mit einem Zugeständnis zu beenden. Die Datenübertragungsrate soll nicht so stark reduziert werden wie bisher angekündigt, so ein unbestätigter Bericht.

Die Deutsche Telekom will die Übertragungsrate statt wie geplant auf 384 KBit/s nun auf 2 MBit/s drosseln. Das hat Caschys Blog aus zwei informierten Quellen bei der Telekom erfahren.

Die Änderung bei der Drosselung ist offenbar eine Reaktion auf die breiten öffentlichen Proteste und soll am 12. Juni 2013 offiziell bekanntgegeben werden.

Die Telekom hat den Bericht bisher nicht kommentiert.



Die Telekom kündigte am 22. April 2013 an, ihre Flatrate-Produkte nicht mehr für Neukunden anzubieten und ab 2016 die Drosselung umzusetzen. Später wurde bekannt, dass die Beschränkung auch Bestandskunden bei einem Vertragswechsel trifft. Bei Anschlüssen bis 16 MBit/s sind 75 GByte enthalten, dann wird auf 384 KBit/s gedrosselt, bei VDSL-Anschlüssen mit 25 oder 50 MBit/s sind es 200 GByte. Glasfaseranschlüsse mit 100 MBit/s werden ab 300 GByte gedrosselt, bei 200 MBit/s gilt dies ab 400 GByte. Sobald die Drosselung technisch umgesetzt ist, müssen Kunden für die volle Bandbreite zusätzlich zahlen.

Die Petition des Studenten Johannes Scheller für eine gesetzliche Verpflichtung der Provider zur Netzneutralität hatte sehr schnell die erforderliche Zahl der Mitunterzeichner gefunden. Das am 21. Mai 2013 veröffentlichte Ersuchen hat gegenwärtig über 74.664 Unterstützer.

Fast 200.000 Menschen haben eine Petition bei Change.org gegen die Drosselung unterzeichnet. Aktuell steht die Kampagne bei 195.792 Unterstützern. Auch die Argumentation für die Drosselung wurde für die Telekom immer schwerer zu halten.

Proteste und Erklärungsnotstand

Telekom-Sprecher Philipp Blank hatte die Drosselungspläne damit begründet, dass drei Prozent der Kunden mehr als 30 Prozent des Datenvolumens verursachten.

Golem.de hatte bei DSL-Anbietern erfahren, welche Traffic-Preise sie an die Telekom zahlen. Ein großer DSL-Provider, der namentlich nicht genannt werden wollte, bestätigte: Die Telekom verlangt von DSL-Anbietern für 1 GByte nur "wenige Cent". Dies sei zwischen DSL-Providern marktüblich. Dabei verfügt der Provider über Vergleichsmöglichkeiten, denn das Unternehmen vermarktet DSL-Zugänge von mehreren Netzbetreibern.

Ein Verkäufer für Traffic in Content Delivery Networks aus Deutschland vermutet, dass die Telekom nicht drosseln will, weil der Traffic zu teuer wird, sondern weil durch den extrem hohen Datentraffic in den Ballungszentren die Peering-Punkte im Netz volllaufen.

Der Ausbau der Peering-Punkte aber kann kaum mehrere Milliarden verschlingen, wie von der Telekom immer wieder vorgerechnet, und auch die Aufrüstung der Backbone-Netze kann kaum derart hohe Kosten verursachen. Denn die notwendigen Glasfaserkabel liegen bereits in der Erde, es werden in aller Regel nur zusätzliche Fasern in den Kabeln beleuchtet oder auf bereits genutzte Fasern zusätzliche Wellenlängen aufgeschaltet.

Nachtrag vom 12. Juni 2013, 9:07 Uhr

Die Telekom hat für den 12. Juni 2013 Neuigkeiten zur Tarifstruktur (Stichwort "Drosselung") angekündigt.  (asa)


Verwandte Artikel:
Videoload: Telekom prüft Video-on-Demand von Drosselung auszunehmen   
(31.05.2013, https://glm.io/99550 )
Fritzbox 7583: AVM zeigt neuen Router für diverse Vectoring-Techniken   
(23.02.2018, https://glm.io/132954 )
Telekom: "Glasfaser gibt es nur gemeinsam"   
(09.03.2018, https://glm.io/133245 )
Arbeitskampf: Warnstreiks bei Service und Technik der Telekom   
(09.03.2018, https://glm.io/133252 )
100 MBit/s: 745.000 Haushalte erhalten Telekom-Vectoring   
(08.03.2018, https://glm.io/133224 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/