Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/vp9-googles-neuer-videocodec-1306-99605.html    Veröffentlicht: 04.06.2013 17:40    Kurz-URL: https://glm.io/99605

VP9

Googles neuer Videocodec

In Kürze will Google die finale Version des neuen freien Videocodecs VP9 veröffentlichen. Dieser soll besser als H.264 sein, wird an dessen Nachfolger H.265 aber wohl nicht heranreichen.

Eine erste Testversion von Googles neuem Videocodec VP9 befindet sich bereits im Chrome-Browser, die Veröffentlichung der finalen Version und den Bitstream-Freeze hat Google für den 17. Juni 2013 angekündigt. Damit läutet das Unternehmen eine neue Runde im Kampf der Videocodecs ein. Während Googles Codec frei von Patenten und die Nutzung kostenlos sein soll, setzt die MPEG-LA mit H.265 auf einen patentierten Codec, für den Lizenzzahlungen fällig sind.

Vor drei Jahren hatte Google die Firma On2 gekauft und die Technologie des Codecs VP8 unter einer freien Lizenz veröffentlicht. Der Codec VP8 blieb jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. Das lag nicht zuletzt daran, dass sich in unabhängigen Tests schnell zeigte, dass VP8 im Vergleich zum weit verbreiteten Videocodec H.264 nur mangelhafte Qualität lieferte. In den Entwicklerlabors arbeitete Google deshalb seit einiger Zeit an einem Nachfolger.

Auf der Google-I/O-Konferenz hat Google nun einige Details zum neuen Videocodec verraten. Nach Angaben der Google-Entwickler benötigt dieser bei gleicher Qualität eine deutlich geringere Bitrate als H.264. Google hat selbst ein großes Interesse daran, die Datenrate von Webvideos zu reduzieren, denn sie sind einer der größten Kostenpunkte und auch eine Hürde beim Ausbau von Youtube.

Ein Vergleich mit dem H.264-Nachfolger H.265, der im Januar von der Internationalen Fernmeldeunion (Itu) unter dem Namen HEVC als Standard veröffentlicht wurde, gestaltete sich nach Angaben der Google-Entwickler als schwierig. Denn bislang gibt es nur wenige Produkte, die H.265-Videos erstellen können. Mit dem Referenzencoder bot H.265 leicht bessere Ergebnisse als VP9, dieser war laut den Google-Testern allerdings so langsam, dass er im Praxisgebrauch kaum einsetzbar ist.

Google hofft, dass sich VP9 schnell verbreitet. Der Videocodec soll gemeinsam mit dem Audiocodec Opus im Dateiformat WebM zum Einsatz kommen. Opus wurde im vergangenen Jahr von der IETF standardisiert.

Auch wenn H.265 geringfügig bessere Ergebnisse liefert, glaubt Google, dass sich VP9 durchsetzt, weil der Codec ohne Lizenzzahlungen genutzt werden kann. Entscheidend wird sein, ob Nutzer von VP9 befürchten müssen, wegen der Verletzung von Patenten verklagt zu werden. Die MPEG-LA, die hinter den patentierten Konkurrenzcodecs H.264 und H.265 steht, hat in der Vergangenheit immer wieder angekündigt, gegen freie Videocodecs wie Theora oder VP8 vorzugehen, da diese zahlreiche Patente verletzten. Dazu kam es jedoch nie.

Im März hatte sich dann Google mit der MPEG-LA auf einmalige Lizenzzahlungen geeinigt. Diese decken nicht nur die Nutzung durch Google ab, auch andere Softwareentwickler können VP8 kostenfrei nutzen. Zwar bestritt Google die Patentansprüche der MPEG-LA weiterhin, jedoch wollte man mit diesem Schritt Nutzern von VP8 die Sicherheit geben, dass sie von Patentverfahren verschont bleiben. Die Vereinbarung mit der MPEG-LA deckt auch die Nutzung des Nachfolgers VP9 ab.

Unklar ist allerdings noch, ob andere Patentinhaber gegen Google vorgehen könnten. So hat etwa Nokia angekündigt, es besitze Patente, die VP8 beträfen. Ob Nokia ähnliche Patentansprüche gegen VP9 geltend macht, wird möglicherweise entscheidende Auswirkungen darauf haben, wie erfolgreich VP9 sein wird.  (hab)


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