Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-grid-2-rennspiel-leichtgewicht-fuer-unterwegs-1305-99493.html    Veröffentlicht: 29.05.2013 15:50    Kurz-URL: https://glm.io/99493

Test Grid 2

Rennspiel-Leichtgewicht für unterwegs

Codemasters hat für den Nachfolger des Rennspiels Grid mehr gestrichen als ergänzt. Grid 2 bietet zahlreiche Optimierungen für Notebooks und Einsteiger. Wir haben das schlanke Spiel über unseren Testparcours geschickt.

Codemasters befreit seine Rennspielserie Grid weiter von Simulationsballast. In Grid 2 gibt es, anders als im Vorgänger, keine Cockpitperspektive mehr. Ein Rückspiegel fehlt auch. Wer nach hinten schauen will, muss das über einen Knopf tun.

Im Solomodus gilt es, sich als der beste Fahrer der Welt zu beweisen. Gefahren wird in einer fiktiven neuen Liga, der WSR. Sie wird im Verlauf des Spiels von Selfmade-Mulitmillionär Patrick Callahan gegründet. Der Spieler ist der Vorzeigepilot von Callahans Liga.

Mit jedem gewonnenen Rennen bekommen Fahrer in Grid 2 Fans. Mehr Fans bedeuten einen größeren Einflussbereich der Liga, was wiederum mehr Austragungsorte auf der Erde freischaltet. Das Ligasystem ist simpel strukturiert und linear. Wird ein neues Auto benötigt, beispielsweise für ein Driftrennen, darf sich der Spieler vor Beginn für eins von zwei Autos entscheiden und bekommt es geschenkt.

Unter den circa 70 lizenzierten Autos sind einige besonders schnittige im Fuhrpark von Grid 2. Die schick modellierten Fahrzeuge wie der Giulietta Quadrofoglio Verde von Alfa Romeo oder Bugatti Veyron Super Sport stehen gut im Lack. Schade, dass wir die Autos in der Kampagne mit Sponsorenaufklebern zukleistern müssen - von Saison zu Saison mehr. Nur außerhalb von Saisonrennen können wir mit einfarbigen Wagen an den Start gehen.

Gutes Fahrgefühl und Mehrspielermodus

Beim Fuhrpark hat Codemasters einen guten Mix aus aktuellen Supersportwagen, Hot Hatches und Klassikern aus den 70ern und 80ern zusammengestellt. Ebenso gut ist den Entwicklern wieder der Mittelweg aus Arcade und Simulation beim Fahrgefühl gelungen. Für unseren Geschmack fühlen sich aber alle Autos etwas zu leicht an. Selbst ein im Spiel als schwer eingestufter Wagen wie der Mercedes C63 AMG fühlt sich federleicht an, was bei jedem Zusammenprall mit Bande oder Gegner spürbar wird. Zwar sind die Strecken abwechslungsreich, in der Kampagne verbringt der Spieler dennoch zu viel Zeit am Stück an wenigen Orten. Die dritte Saison der WSR spielt beispielsweise nur in Abu Dhabi, Okutama und Hong Kong.

Der Mehrspielermodus

Wer gegen seine Freunde antreten möchte, startet einen vom Singleplayer losgelösten Modus. Hier gibt es die Möglichkeit, Hotlaps und Highscores anderer Spieler zu schlagen oder sich in einer Lobby für ein paar Rennen zu verabreden.

Die übersichtlichen Menüs lassen sich flott bedienen. Uns hat es am meisten Spaß gemacht, eine individuelle Saison zu erstellen und gemeinsam auf Punktejagd zu gehen. Auch im Mehrspielermodus gibt es Onlineränge, in denen Spieler aufsteigen, um erneut den kompletten Fuhrpark nach und nach freizuspielen. In unserer Testversion stiegen wir äußerst langsam auf. Einige Entwickler von Codemasters erwähnten allerdings im Voicechat, dass sie die Balance für die Verkaufsversion noch anpassen wollen.

Grid 2 ohne dedizierte Grafikkarte

Grid 2 sieht aus wie die letzten Rennspiele von Codemasters, zum Beispiel Dirt Showdown. Es nutzt mit Ego 3.0 die gleiche Grafikengine. In der Außenperspektive erscheinen ruckartig Reflexionen von Häuserfassaden und Bäumen auf dem Lack der Autodächer. In der Motorhaubenperspektive klappt das Scrollen dagegen flüssig. Einige Schattenwürfe der Objekte am Streckenrand erscheinen erst sehr spät im Sichtfeld des Fahrers, was ebenfalls stört.

Ein weiterer Effekt, der uns nicht gefällt, ist das digitale Störsignal, das bei jeder Gegner- oder Bandenberührung auf den Bildschirm gezeichnet wird. Diese Darstellungsfehler sind äußerst hässlich. Abschalten lassen sie sich nicht.

Auf Desktop-PCs mit aktuellen Grafikkarten hätten die oben genannten Einschränkungen nicht sein müssen. Codemasters hat der Optimierung auf Laptops deutlich mehr Beachtung geschenkt.

In den Optionen gibt es alternative Grafikeffekte für Intels Grafiklösungen in Ivy-Bridge- und Sandy-Bridge-Prozessoren und eine zuschaltbare Batterieanzeige für Laptops. Ein dedizierter Laptop-Modus senkt den Energieverbrauch und ermöglicht längere Laufzeiten ohne Steckdose.

Wir haben Grid 2 auf einem Windows-7-Notebook mit Intel Core i5 3317, sprich Ivy-Bridge-Grafik ausprobiert. Das Rennspiel stellt auf Wunsch die Einstellungen automatisch ein und gibt das Bild in der nativen Auflösung für den Monitor aus. Intern wird die 3D-Grafik aber mit verringerter Auflösung berechnet und hochskaliert. Der Kompromiss aus Detailstufe und Bildrate ist besser als beispielsweise bei einem aktuellen Need for Speed oder Shift 2, die sich beide nicht einmal in den niedrigsten Einstellungen spielen ließen.

Grid 2 erscheint am 31. Mai 2013 für PC, Xbox 360 und Playstation 3. Wir haben die PC-Version getestet, die eine Aktivierung über Steam erfordert.

Fazit

Grid 2 ist einzigartig optimiert und daher absolut portabel. Auf einem Ultrabook sieht es, verglichen mit anderen Rennspielen auf dieser Plattform, konkurrenzlos schick aus. Davon abgesehen hat uns Codemasters Rennspiel aber überraschend oft gelangweilt. Der Karrieremodus ist wenig motivierend und monoton. Verglichen mit der freien Welt eines Forza Horizon gibt es in Grid 2 wenig zu tun. Durch die triste Präsentation kommt kein echtes Saisongefühl auf. Hier hätten Interviews nach den Rennen, eine Charakterentwicklung, KI-Gegner mit Persönlichkeit oder Koop-Modi für etwas Aufsehen gesorgt.

Grid 2 wirkt unaufgeregt und abgeklärt und liefert das gewohnt gute Fahrgefühl eines Codemasters-Rennspiels. Der Mehrspielermodus kann motivieren, sofern genug Freunde beim Rivalen-Modus mitmachen. Dass wir uns jedes Auto online erneut freispielen müssen und nur langsam im Rang aufsteigen, ist aktuell aber arg mühsam.  (mw)


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