Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/3ds-kurztests-drei-hits-und-eine-identitaetskrise-1305-99450.html    Veröffentlicht: 27.05.2013 14:14    Kurz-URL: https://glm.io/99450

3DS-Kurztests

Drei Hits und eine Identitätskrise

Während es für die Wii U noch kaum Spiele gibt, können sich 3DS-Gamer nicht über zu wenig Nachschub beschweren. Wir haben uns die wichtigsten Titel der vergangenen Monate angesehen.

Luigi's Mansion 2

In diesem nur leicht gruseligen Action-Adventure saugt Marios grüner Bruder zahlreiche Geister in seinen Schreckweg 09/15, etwa so wie die Ghostbusters. Die Gespenster entdeckt er in Spukhäusern, die er im linearen Verlauf des rund zwölfstündigen Soloabenteuers erkundet. Luigi's Mansion 2 ist wundervoll detailliert gestaltet. Spieler müssen ganz genau hinsehen und jedes Detail erkunden, um zum nächsten Abschnitt zu gelangen. Das fühlt sich beinahe wie ein Point-and-Click-Adventure an.

Gerade weil das Erkunden und Entdecken so viel Freude macht, hat uns die Unterteilung in Untermissionen allerdings etwas gestört. Nach einem erfolgreichen Abschnitt geht es immer wieder abrupt zurück in das Labor von Professor I.Gidd. Die Handlung ist vorhersehbar und die Dialoge ziehen sich. Ganz anders Protagonist Luigi: Die Reaktionen des Klempners auf die Umgebung haben eine einzigartige Situationskomik. Er erschaudert im Spiel ganz gewaltig, erschrickt fein animiert und summt die Hintergrundmusik schüchtern mit - großartig.

Wir halten Luigi's Mansion 2 für eine ideale Ergänzung zum 3DS-Spieleangebot, gerade wenn es mal etwas behutsamer zugehen darf.

Donkey Kong Country Returns 3D

Die 3DS-Version des ursprünglich auf der Wii erschienenen Donkey Kong Country Returns (DKCR) sieht nicht ganz so schick aus wie das Original von 2010. Die Bildrate liegt spürbar unter den 60 Bildern pro Sekunde der Wii-Fassung. Das klassische Jump 'n' Run ruckelt aber nicht und lässt sich auf Nintendos Handheld besser steuern. Die Aktionen der Bewegungssteuerung werden auf dem 3DS mit Knöpfen ausgelöst und das Digitalkreuz ermöglicht ebenfalls präzisere Eingaben.

Die bessere Steuerung sorgt für etwas mehr Selbstbewusstsein bei den beinharten Geschicklichkeitseinlagen, die Donkey Kong Country Returns regelmäßig vom Spieler fordert. Oftmals mussten wir das korrekte Timing trainieren, bis wir ein Level erfolgreich beenden konnten. Im ersten Durchlauf ist ein Level selten zu schaffen. Für unerfahrene Spieler bietet die 3DS-Version von DKCR weitere optionale Vereinfachungen wie mehr Lebensenergie und einen Hilfemodus, wie in New Super Mario Bros. U. Hier zeigt aber nicht Super-Luigi, wie ein Level zu meistern ist, sondern ein mysteriöser, grauer Verwandter von Donkey Kong. Der Koop-Modus mit einem zweiten Spieler als Diddy Kong erinnert ebenfalls an das aktuelle 2D-Mario der Wii U.

Insgesamt gefällt uns Donkey Kongs 3DS-Abenteuer. Es ist tierisch atmosphärisch und schön schwer. Für jemanden, der den Titel bereits auf der Wii gespielt hat, lohnt sich die neue Fassung trotz einer zusätzlichen Welt nicht. Alle anderen bekommen hier Donkey Kong's bestes Hüpfabenteuer. Vergleichen wir den Titel mit Rares Donkey Kong Country von 1994, gefällt uns dort nur die Steuerung noch etwas besser.

Castlevania Lords of Shadow - Mirror of Fate



Wer von Castlevania Lords of Shadow - Mirror of Fate ein Spielerlebnis erwartet, wie es auf dem Game Boy Advance oder Nintendo DS geboten wurde, dürfte enttäuscht werden. Das erste 3DS-Castlevania ist vielmehr eine Mischung aus den ganz antiken Serienvertretern vom Super Nintendo und einem 2D-God-of-War.

Draculas Schloss ist eintönig und wenig aufregend designt. Es lohnt sich kaum, nach Geheimgängen oder neuen Waffen zu suchen. Die Steuerung ist mittelmäßig und weit entfernt von den präzisen, direkten Eingaben früherer Serienteile. Das liegt aber nicht nur daran, dass Spieler gezwungen werden, das 3DS-Slidepad zu nutzen, sondern auch an der ruckeligen Optik und ungenauen Kollisionsabfragen mit den Gegnern.

Wenn es ein motivierendes Element in Mirror of Fate gibt, ist es die Handlung. Sie erzählt einen bedeutsamen Abschnitt nach dem Ende des letzten Castlevania Lords of Shadow (360, PS3). Ein erster kompletter Rutsch durch massenweise gleiche, langweilige Gegner und uninspirierte Endgegner dauert rund zehn Stunden und beinhaltet etwa 90 Minuten an durchaus interessanten Sequenzen. So übernimmt der Spieler im Verlauf die Kontrolle über Alucard, den Protagonisten des nach wie vor bedeutsamsten Castlevania Symphony of the Night.

Insgesamt ist Mirror of Fate ein langweiliges Spiel. Im Ansatz finden Fans der Serie - speziell dem Reboot von Entwickler Mercury Steam - hier und da zwar tolle Ideen. Dennoch wurde massig Potenzial verschenkt. Castlevania steckt in einer Identitätskrise.

Fire Emblem Awakening

Fire Emblem Awakening verzichtet als erster Titel der Fantasy-Strategiespielereihe optional auf den sogenannten Permadeath, den endgültigen Tod von Charakteren. Ist das gut oder schlecht? Auf der einen Seite bringt gerade der Permadeath viel Dramatik ins Spiel und passt ideal zur Handlung, die voller Wendungen und Überraschungen steckt. Andererseits kann es frustrierend sein, wenn der Spieler nach dem Verlust eines Teammitgliedes das System ausschalten muss, um die Mission erneut in voller Stärke anzugehen.

Für Fire Emblem Awakening benötigen Spieler also eine Menge Selbstdisziplin, wenn sie die ganze Dramatik erleben wollen. Aber auch für das eigentliche rundenbasierte Taktieren auf den Schlachtfeldern wird diese benötigt. Nur wer das Terrain zu seinen Vorteilen zu lesen und zu nutzen weiß, geht als Sieger in das nächste Kapitel. Die Möglichkeiten der variantenreichen Kampftruppen sind bewährt komplex. In Awakening ist es sogar möglich, Figuren zu verheiraten und Kinder kriegen zu lassen, die darauf mit den vereinten Eigenschaften der Eltern mit in den Krieg ziehen.

Ein paar interessante Charaktere verteilt Nintendo über die Spotpass-Funktion des 3DS. 120 davon stammen aus früheren Fire-Emblem-Spielen (10 pro Titel). Sie können aber keine Beziehungen zu den Helden aus Awakening aufbauen oder mitreden. Sie kämpfen nur fleißig mit. Beim zweiten Durchspielen waren sie für uns dennoch eine große Motivationsquelle.

Großes Lob verdient die Musik. Von Herzschmerz über Triumph bis hin zu Verrat wird jede Szene vorbildlich untermalt. Jeder Charakter hat seinen individuellen Ohrwurm, der bei seinem Auftritt eingespielt wird.

Wer Fire Emblem noch nie gespielt hat, aber beispielsweise durch das neue Xcom Enemy Unknown letztes Jahr auf den Rundenstrategiegeschmack gekommen ist, findet in Awakening einen großartigen Einstieg in die Serie. Handlung, Charaktere und Präsentation befinden sich auf Spitzenniveau.  (mw)


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