Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-call-of-juarez-gunslinger-hoer-spiel-im-wilden-westen-1305-99430.html    Veröffentlicht: 24.05.2013 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/99430

Test Call of Juarez Gunslinger

Hör-Spiel im Wilden Westen

Der wilde, wilde Westen fängt im Downloadshop an: In Gunslinger folgt der Spieler mit dem Revolver in der Hand den Kneipenerzählungen eines alten Kopfgeldjägers - und erlebt dabei ein höchst unterhaltsames Abenteuer.

"Garretts Männer sind wie ein Haufen Hühner rumgerannt, denen man den Kopf abgeschnitten hat", erinnert sich der ebenso alte wie ehemalige Kopfgeldjäger Silas Greaves an eine Schießerei. Er sitzt in einem Saloon mitten in Kansas und erzählt bei einem Bierchen, wie das war, damals, im Dezember 1880 in Stinking Springs, bei seiner Begegnung mit Billy the Kid. Anders als die Bardame und die anderen Kneipengäste hört der Spieler die Abenteuer von Greaves nicht nur. In Call of Juarez: Gunslinger von Techland spielt er den Schilderungen des alten Mannes nach und begegnet dabei tatsächlich Billy the Kid, Jesse James und weiteren Westernhelden.

Dieses Erzählen ist in Gunslinger nicht nur ein Element im Hintergrund, sondern elementarer Bestandteil der Action, die sich immer wieder nach der Geschichte des alten Mannes richtet. Wenn er etwa von einer Flucht in letzter Sekunde redet, öffnet sich in der 3D-Welt tatsächlich ein Felsvorsprung. Und wenn Greaves berichtet, wie er urplötzlich einem Indianerhäuptling begegnet ist, fällt der im wahrsten Sinne des Wortes vom Himmel vor die Spielernase.

Das klingt etwas seltsam, funktioniert aber hervorragend und sorgt immer wieder für Überraschungen. Wenn Greaves von einer besonders heftigen Schießerei erzählt und plötzlich von Apachen statt von Cowboys schwadroniert, fällt ihm auch mal einer der Zuhörer ins Wort - worauf sich Greaves korrigiert: Es wären schon Cowboys gewesen, die hätten aber wie Apachen gekämpft. Gleichzeitig fährt das Geschehen wie ein rückwärts laufender Film zurück, und dann sind statt der eben noch kämpfenden Indianer tatsächlich Cowboygegner zu sehen.

Von diesem Element abgesehen, bietet die rund vier bis fünf Stunden lange Kampagne mit ihren 14 Levels eher simple Shooter-Kost. So gut wie alle Umgebungen sehen stimmungsvoll aus, unter anderem ist der Spieler in Westernstädtchen unterwegs, stellt sich in Felstälern dem Gefecht, erkundet Farmen und Ställe und kämpft auf einem fahrenden Zug. Die Levels sind sehr schlauchartig angelegt, viel zu erkunden gibt es nicht.

Verfügbarkeit und Fazit

Ähnlich unspektakulär ist das Gegnerverhalten: Die feindlichen Cowboys oder Banditen schießen fast immer, indem sie ab und zu aus ihrer Deckung springen oder auf vorgegebenen Skriptpfaden wandern. Der Schwierigkeitsgrad ist entsprechend niedrig, denn an den meisten Stellen lässt sich ein Gegner auch mit einem Revolver aus mehreren hundert Metern Entfernung abknallen - darauf wäre auch Billy the Kid neidisch gewesen. Eine manuelle Speicherfunktion gibt es nicht, die Checkpoints sind manchmal doof angelegt, aber wirklich ärgerlich ist das selten.

Für Abwechslung sorgen sehr an Arcade-Spiele erinnernde Extras: So kann Greaves manchmal Kombos aktivieren, indem er viele Gegner in kurzer Zeit erledigt, was dann besonders viele Punkte bringt. Ab und an hat er eine Spezialfähigkeit namens Konzentration zur Verfügung, die besonders in brenzligen Situationen hilft: Dann läuft die Ingame-Zeit langsamer ab und Feinde sind farblich hervorgehoben, so dass man sie wie Tontauben schießen kann.

Dazu kommen gelegentlich Duelle mit der erwähnten Westernprominenz: Dann muss der Spieler ein über dem Gegner wackelndes Fadenkreuz, den laut klopfenden Herzschlag und die Hand des Gegners im Auge behalten, um selbst in genau der passenden Sekunde per Mausklick zu schießen. Wer mag, kann dabei auch betrügen und einfach zuerst ziehen, was aber unehrenhaft ist und weniger Punkte bringt. Die Duelle lassen sich in einem speziellen Modus auch direkt und hintereinander absolvieren.

Gunslinger ist nur als Download für Xbox 360, Playstation 3 und Windows-PC über die gängigen digitalen Downloadplattformen verfügbar und kostet jeweils rund 15 Euro. Wer nicht bei Uplay kauft, sondern etwa bei Steam, muss das Spiel auch nicht bei Uplay aktivieren oder registrieren. Kenntnisse aus den früheren Call-of-Juarez-Spielen sind nicht nötig, Handlung und Szenario von Gunslinger sind vollkommen eigenständig. Es gibt keine deutsche Sprachausgabe, aber (ausschaltbare) Untertitel und übersetzte Bildschirmtexte. Die USK hat eine Freigabe ab 16 Jahren erteilt.

Fazit

Wer von einem Shooter vor allem erwartet, dass er spannender ist als ein Abend vor dem Lagerfeuer, sollte Gunslinger eine Chance geben: Die Abenteuer von Silas Greaves sind dank der tollen Erzählweise jedes Goldstück wert, das Ubisoft dafür verlangt. Zwar sind die Levels so linear wie ein Gewehrlauf und die Gegner dümmer als die Vogelscheuche auf dem Acker von Farmer O'Rourke - aber das stört dank der gelungenen Gesamtinszenierung kaum.

Gunslinger punktet mit überraschenden Wendungen - etwa, wenn der alte Kopfgeldjäger Greaves mal wieder beim Schwindeln erwischt wird und ein schon bekannter Abschnitt noch mal ganz anders erzählt wird. Gelungen sind auch das einfache, aber gut umgesetzte Skillsystem und das Kombosystem. Wer wieder mal Lust auf ein ungewöhnlich inszeniertes Western-Arcade-Actionspiel hat, bekommt es mit Gunslinger.  (ps)


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