Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/xbox-one-big-brother-im-wohnzimmer-1305-99377.html    Veröffentlicht: 22.05.2013 11:41    Kurz-URL: https://glm.io/99377

Xbox One

Big Brother im Wohnzimmer

Die Xbox One beobachtet den Spieler zwingend per Kinect - und könnte die Daten zumindest zum Teil an Microsoft weiterreichen. Sie hat eine 500-GByte-Festplatte und muss zum Spielen nicht immer mit dem Internet verbunden sein.

Mit der Xbox One hat Microsoft deutlich mehr als eine simple Daddelkiste vorgestellt: Bei dem Gerät handelt es sich um ein System, das eng mit sozialen Netzwerken verknüpft ist und nebenbei mit Kinect immer beobachtet und lauscht, was im Wohnzimmer los ist. Golem.de beantwortet einige der wichtigsten Fragen über die neue Konsole.

Datenschutz und Kinect

Nach derzeitigem Wissensstand läuft die Xbox One nur, wenn auch die Kinect angeschlossen und aktiviert ist. Das bedeutet: Selbst im Standby-Modus lauscht das Gesamtsystem immer ins Wohnzimmer hinein - um auf den Sprachbefehl zur Aktivierung zu warten. Wenn Xbox One und Kinect dann laufen, kann das Gerät einiges an persönlichen Daten erfassen: Es kann die Menschen vor der Kinect-Linse zuverlässig unterscheiden und sogar erkennen, ob die Personen einen gut gelaunten Gesichtsausdruck haben oder nicht und womit sie sich beschäftigen, also welches Spiel sie spielen oder welches Fernsehprogramm sie wie aufmerksam verfolgen. Die neue Kinect kann laut Microsoft bis zu sechs Personen gleichzeitig beobachten.

Angeblich laufen die meisten dieser Vorgänge nur auf dem Gerät ab, also nicht auf den Servern von Microsoft - was verständlich ist, weil laut Hersteller pro Sekunde rund 2 GBit an Video- und Audiodaten anfallen. Es bleibt zu hoffen, dass Microsoft noch im Detail erklärt, welche Daten gesammelt und weitergeleitet werden. Völlig unklar ist noch, wie das System vor Zugriffen durch Dritte gesichert ist, die etwa versuchen, per Hack in die Zimmer von Minderjährigen zu blicken.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, was im November 2012 bekanntgeworden ist: Da hatte Microsoft einen Patentantrag eingereicht, auf dessen Basis per Kamera- und Sensortechnik das Einhalten von Lizenz- und Jugendschutzbestimmungen sichergestellt werden könnte. Im extremsten Fall würde das bedeuten, dass die Kinect beim Einsatz von schwarzkopierter Software (falls die irgendwie auf der Xbox One lauffähig sein sollte) Alarm schlägt oder den Betrieb von einem Programm ab 18 Jahren stoppt, sobald eine minderjährige Person das Wohnzimmer betritt. Sehr wahrscheinlich ist es allerdings nicht, dass diese Extremszenarien eintreten.

Wesentlich wahrscheinlicher ist, dass Microsoft über die Kinect versucht, exakte Daten für die Werbeindustrie zu erfassen, zumal sich diese mit Daten - etwa mit denen von Facebook - verknüpfen lassen. Hier kommt der Datenschutz ins Spiel: Wahrscheinlich darf Microsoft Daten etwa über die Verwendung von Spielen oder Games erfassen, aber nicht über das Verhalten der Nutzer. Es wird spannend zu sehen, ob der Konzern hier für ausreichend Transparenz sorgt.

Always-on

Die Xbox One muss nicht immer mit dem Internet verbunden sein, wenn der Nutzer ein Spiel spielen oder einen Blu-ray-Film anschauen möchte, wie der Microsoft-Manager Phil Harrison im Gespräch mit Kotaku.com sagte. Allerdings muss die Konsole einmal innerhalb von 24 Stunden in Kontakt mit den Servern von Microsoft treten, damit der Zugriff auf derartige Offlineinhalte möglich ist.

TV-Inhalte und Gebrauchtspiele

Zugriff auf TV-Inhalte

Bei der Präsentation der Xbox One hat Microsoft vor allem betont, dass die Konsole vollen Zugriff auf TV-Inhalte bieten wird und dabei weitgehend neue Formen der Bedienung ermöglicht. Mit einfachen Sprachbefehlen oder Handbewegungen lässt sich der Sender wechseln oder zwischen einer Fernsehsendung und einem Spiel hin- und herwechseln. Allerdings: Der Zugriff auf die TV-Funktionen bleibt bis auf weiteres den Nutzern in den USA vorbehalten. "Live TV mit Kinect-Navigation sind zur Markteinführung in den USA erhältlich. Weltweite Verfügbarkeit ist geplant", erklärt das Unternehmen in einer Fußnote einer Pressemitteilung. Wann es hierzulande so weit sein wird, ist noch nicht bekannt.

Gebrauchtspiele

Bei der Installation werden Games für die Xbox One über einen Code mit dem Gamertag des Spielers verknüpft - ähnlich, wie das derzeit bei Steam mit PC-Spielen der Fall ist. Vorteil: Wer auf einer anderen Xbox One - etwa im Urlaub - spielt und sich mit seinem Nutzerkonto anmeldet, kann die Titel über die Cloud herunterladen oder von der Blu-ray installieren, und per Coud-Savegame einfach weiterspielen. Nachteil: Wer seine Disc dann wieder verkaufen möchte, muss eine Gebühr in noch nicht bekannter Höhe zahlen. Microsoft hat angedeutet, dass der Erstkäufer dann tatsächlich den Zugriff auf das Spiel verliert - es wird also aus seiner Bibliothek entfernt. Details zu dem Vorgang will das Unternehmen erst später bekanntgeben.

Es wird sicherlich nicht mehr möglich sein, beispielsweise einem Kumpel ein neues Spiel über das Wochenende zu leihen - er hätte nur Zugriff darauf, wenn er gleichzeitig die Daten für das damit verknüpfte Nutzerkonto erhält. Das mögen PC-Spieler von Steam längst gewohnt sein, für viele Konsolenfans ist es ein Einschnitt.

Festplatte und Platz

Die Xbox One verfügt über eine 500 GByte große Festplatte. Die Hard Disc wird sich weder austauschen noch vergrößern lassen, weil sie fest verbaut ist - und das, obwohl sich der Platz mit Spielen und Filmen schnell füllen dürfte. Allerdings soll es laut Engadget möglich sein, den Speicher über eine der drei USB-3.0-Schnittstellen mit einer externen Festplatte zu erweitern, die sich genauso wie der interne Speicher verwenden lassen soll.

Kompatibilität

Klare Aussage von Microsoft: Die Xbox One wird nicht abwärtskompatibel sein. Grund ist unter anderem, dass die Xbox 360 auf der Power-PC-Technologie basiert, während die Xbox One mit ihrer x86-basierten 64-Bit-CPU auf klassische PC-Technologie setzt - ähnlich wie die Playstation 4. Während die PS 4 allerdings zumindest einige ältere Titel per Streaming zugänglich machen dürfte, ist Ähnliches bei der Xbox One derzeit nicht geplant. Etwas anders sieht es bei Xbox Live aus. Bei dem Onlinedienst kann der Spieler sein bestehendes Gamertag weiterverwenden, auch der Gamerscore, die Achievements und weitere Daten bleiben erhalten - in welcher Form, ist aber noch nicht bekannt.

Nachtrag vom 22. Mai, 17:36 Uhr

Wir haben den Artikel auf Seite 1 um ein Vorschauvideo zur Xbox One ergänzt, das die Ereignisse der Ankündigung zusammenfasst.  (ps)


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