Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/geplante-obsoleszenz-regierung-sieht-keinen-grund-zum-handeln-1305-99275.html    Veröffentlicht: 15.05.2013 18:09    Kurz-URL: https://glm.io/99275

Geplante Obsoleszenz

Regierung lehnt Mindestnutzungsdauer von Technikprodukten ab

Die Regierungsmehrheit hat im Umweltausschuss verhindert, dass das Verkleben von im Macbook Pro eingebauten Komponenten verboten wird. Diese Praxis erschwert laut einem Gutachten einen Austausch oder eine Reparatur.

Es wird in Deutschland keine Mindestnutzungsdauer für technische Geräte geben. Das hat der Umweltausschuss des Bundestages am 15. Mai 2013 mit der Mehrheit der Regierungsfraktionen entschieden. SPD und Grüne enthielten sich der Stimme.

Die Partei Die Linke hatte zur Schonung von Ressourcen die künstliche Verkürzung der Lebensdauer von Produkten verbieten wollen. Ihre Bundestagsfraktion forderte eine gesetzliche Mindestnutzungsdauer für in Deutschland auf den Markt gebrachten Produkte. Geplante Obsoleszenz durch Sollbruchstellen und bestimmte Funktionen, die die Lebensdauer des Produkts künstlich verkürzen, sollten nicht mehr erlaubt sein. Dazu zählten "Blattzähler zur Funktionseinstellung bei Druckern", hieß es in dem Antrag.

Telekommunikations- und Unterhaltungselektronikgeräte sollten eine Mindestnutzungsdauer erhalten, die nicht unterschritten werden darf. Das Gesetz sollte einen leichten Austausch von Verschleiß- oder Verbrauchsteilen sowie die leichte Reparatur und Wartung möglichst durch den Nutzer sicherstellen.

Die Unionsfraktionen äußerten Zweifel, ob die vorgeschlagenen Regelungen in die Realität umgesetzt werden könnten. "Gut gemeint ist nicht gut gemacht", sagte ihr Berichterstatter im Ausschuss. Vielmehr brauche man Freiheit und Innovationen, um hier zu neuen Lösungen zu kommen.

Die Grünen-Fraktion verwies trotz der Ablehnung auf das von ihr in Auftrag gegebene Gutachten "Geplante Obsoleszenz". Das große Echo darauf habe gezeigt, dass diese Frage den Verbraucher direkt betreffe. "Es herrscht Handlungsbedarf", erklärte die Vertreterin der Grünen. Sie kündigte an, dass sich ihre Fraktion bei der Abstimmung dennoch enthalten werde, da man an verschiedenen Punkten noch über die Forderungen des Antrages hinausgehen möchte.

Das Gutachten kritisierte am 21. März 2013 den geplanten, vorzeitigen Verschleiß von Produkten, die eigentlich viel länger halten könnten. Zum Macbook Pro heißt es in dem Gutachten: "Das Gehäuse und/oder die eingebauten Komponenten sind verklebt. So wird ein Austausch von Komponenten oder eine Reparatur erheblich erschwert oder erheblich verteuert, da eine Fachwerkstatt in Anspruch genommen werden muss." Dadurch werde eine konstruktionsbezogene Verkürzung der Nutzung erreicht. Verklebte Gehäuse und Komponenten gebe es auch bei anderen Produkten. Die vermeintlichen Kostenvorteile in der Herstellung würden hier zulasten der Kunden und der Umwelt ausgeweitet. Für den Kunden bedeute dies einen "wirtschaftlichen Totalschaden".

Als weitere Beispiele werden Drucker genannt, die offenbar so konstruiert seien, dass nach einer vorgegebenen Zahl von Druckvorgängen das Gerät komplett ausfalle. Doch der bewusst geplante vorzeitige Verschleiß sei schwer nachweisbar. Enthüllt werden könnten solche Fälle nur, wenn ein Insider interne Informationen eines Unternehmens preisgebe.

Auch Elektrolytkondensatoren (Elko) in Fernsehern, Computern, Monitoren und Netzteilen, die oft in der Nähe von wärmeabgebenden Bauteilen positioniert sind, werden als Beispiele angeführt. Mit 10 Grad Temperaturerhöhung halbiere sich die Lebensdauer von Elkos.  (asa)


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