Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/frank-x-shaw-microsoft-wehrt-sich-gegen-extreme-windows-kritik-1305-99200.html    Veröffentlicht: 12.05.2013 15:00    Kurz-URL: https://glm.io/99200

Frank X. Shaw

Microsoft wehrt sich gegen "extreme Windows-Kritik"

Wenn sich ein Microsoft Corporate Vice President öffentlich über Berichte zu Windows 8 beschwert, muss einiges passiert sein. Der Konzern ist empört über "Sensationslust und Übertreibungen".

Microsoft hat sich in seinem Firmenblog über "überzogene Kritik" an Windows 8 in den Medien beschwert. Frank X. Shaw, Firmensprecher und Corporate Vice President bei Microsoft, erklärte: "In dieser Welt, wo jeder ein Verleger ist, gibt es einen Trend zum Extremen - wo diejenigen, die sich hervortun wollen, dies durch Sensationslust und Übertreibung tun statt durch differenzierte Analysen. In dieser Welt, wo Pageviews eine Währung sind, wird Hitze oft höher bewertet als Licht. Schwarz-Weiß-Malerei wird manchmal höher bewertet als Grautöne."

Beispiele für solche Berichte seien in der britischen Financial Times und der britischen Wochenzeitschrift The Economist zu finden, so Shaw. Die Financial Times nannte eine mögliche Kursänderung bei Windows 8 das größte Eingeständnis für ein Scheitern eines Produkts für den Massenmarkt, seit dem Desaster Coca-Colas mit "New Coke" vor fast 30 Jahren. Das Getränk musste wegen Kundenkritik wieder vom Markt genommen werden. The Economist bezeichnete Windows 8 als "gescheitert".

Ende Juni 2013 wird es eine erste Vorabversion von Windows Blue geben. In vorab veröffentlichten Entwicklerversionen hat das Betriebssystem die Versionsnummer Windows 8.1 und soll im Laufe des Jahres als fertige Version auf den Markt kommen. Windows Blue wird wohl wieder den Windows-Startknopf erhalten, der bei Windows 8 eigentlich abgeschafft war. Dort muss der Nutzer mit dem Mauspfeil in ein quasi nicht sichtbares Feld in der linken unteren Displayecke fahren, um den Startbildschirm zu öffnen. Zudem soll es in Windows Blue die Option geben, dass der Nutzer nach einem Systemneustart oder beim Anmelden direkt den klassischen Windows-Desktop sehen kann. Seit Windows 8 erscheint nach dem Start des Betriebssystems oder der Anmeldung immer erst der bildschirmfüllende Startbildschirm. Dies bleibt die Standardeinstellung. Wer direkt mit dem klassischen Windows-Desktop starten will, muss dies erst aktivieren.

Geschäftskunden reagieren positiv auf Windows 8

Jochen Rapp, Solution Manager bei dem britischen IT-Dienstleister Computacenter, sagte Golem.de, dass Windows weiterhin wichtig sei, weil das Betriebssystem auf "Tablets oder Convertibles die Post-PC-Welt unterstützt, aber auch Infrastrukturen und Applikationen aus der PC-Welt. Für Unternehmen nimmt Windows 8 dadurch eine Brückenfunktion ein".

Der Geschäftskundenmarkt habe bislang positiv auf Windows 8 reagiert. Das seien Unternehmen, die von älteren Windows-Versionen, XP oder Vista, auf das aktuelle Betriebssystem migrieren. "Aktuell gehen Unternehmen eher den Migrationsschritt zu Windows 8. Oft sind ganz konservative Überlegungen ausschlaggebend, etwa dass Unternehmen sich ein möglichst großes Zeitfenster bis zur nächsten Migration verschaffen wollen. Denn der Mainstream-Support für Windows 7 läuft bereits im Januar 2015 aus", sagte Rapp.

Beim Wechsel auf die neue Software müsse grundsätzlich die gesamte Soft- und Hardware auf Kompatibilität mit Windows 8 überprüft werden. Rapp: "Als problematisch können sich hierbei spezielle Geschäftsanwendungen erweisen, für die es keine Updates gibt. Auch selbst entwickelte Software, die lange nicht aktualisiert wurde und deren Entwickler nicht mehr verfügbar ist, kann ein Problem darstellen. Ebenfalls muss die gesamte Sicherheitssoftware erneuert werden. Alternativ können die Bordmittel von Windows 8 genutzt werden.

Zum Beispiel wurden viele Anwendungen für XP unter der Annahme von Administrationsrechten entwickelt, die es bei Windows 8 in dieser Art nicht mehr gibt. Diese werden in der neuen Version für jeden Prozess überprüft und müssen gegebenenfalls vom Anwender selbst bestätigt werden. Applikationen, die diesen Benutzerkontenschutz nicht unterstützen, bereiten zwangsläufig Probleme.

Hardwareseitig tauchen meist keine Kompatibilitätsprobleme auf, erst recht nicht, wenn Unternehmen PCs und Peripheriegeräte wie Drucker und Scanner in üblichen Abschreibungszeiträumen erneuert haben. Wenn Schwierigkeiten auftauchen, dann zum Beispiel bei älteren Netzwerkdruckern, für die keine passende Treiber-Software vorhanden ist."  (asa)


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