Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/open-data-map-dokumentieren-was-fehlt-1305-99151.html    Veröffentlicht: 08.05.2013 12:13    Kurz-URL: https://glm.io/99151

Open Data Map

Dokumentieren, was fehlt

Viele Unternehmen und Behörden geben bereits ihre Daten frei - Open Data wird zum Buzzword. Wie sollen Entwickler aus dem Sammelsurium Daten sinnvoll verknüpfen und welche wichtigen fehlen? Diese Fragen treiben OpenplanB-Initiator Michael Kreil um.

Die Open-Data-Bewegung schwemmt eine Masse mehr oder weniger sinnvoller Daten ins Netz, die Entwicklern für eigene Apps zur Verfügung stehen. Behörden geben ihre Daten frei, was auch den Bürgern zugutekommen soll, und selbst Unternehmen beginnen, selektiv Daten an die Öffentlichkeit zu geben. Altruismus ist dabei allerdings nicht das Hauptmotiv: Mit Open Data lässt sich Transparenz und Offenheit vermitteln. So wird es immer mehr zum Selbstzweck und zu einem übermäßig strapazierten Buzzword. Gleichzeitig fehlen noch entscheidende Daten - und Übersicht. Dagegen will OpenplanB-Initiator Michael Kreil mit seinem neuen Projekt Open Data Map vorgehen.

Kreil weiß aus eigener Erfahrung, dass nicht alle Unternehmen so enthusiastisch sind wie Politiker. Die Politik sieht die in Mode gekommene Datenfreigabe als einen ersehnten Innovationsmotor für die vielerorts strauchelnde Wirtschaft und als zukunftsgerichteten Job-Garant: EU-Kommissarin Neelie Kroes verspricht sich von Open Data gar ein Eldorado für Entwickler. Anders die Deutsche Bahn, mit der Kreil seit Monaten im Clinch liegt.

Zu wenig offene Daten

Kreil hat die Daten des Transportunternehmens aus der Bahn-eigenen App extrahiert und sie so aufgearbeitet, dass sie als Datensatz einfach wiederverwendet werden können.

Das tut etwa Kreils Projekt OpenplanB, dessen Ziel es ist, eine übergreifende Applikation zu schaffen, die sämtliche Daten öffentlicher Verkehrsmittel vereint. Die Bahn pocht aber auf ihr Urheberrecht. Das will Kreil nicht gelten lassen. Die Datenfreigabe sei eigentlich im Interesse der Unternehmen, argumentiert Kreil. Denn Kunden würden die sinnvolle Aufbereitung der Daten nicht nur honorieren, sie fungierten auch als Werbung. Das müsse Unternehmen erklärt werden, sagt Kreil. "Wir müssen als Informationsgesellschaft für offene Daten kämpfen."

Oft scheitere die Datenfreigabe eher am Praktischen, sagt er: Viele Unternehmen wollten Open Data anbieten, seien aber schlecht organisiert oder kennten sich damit nicht aus.

Vielversprechender Anfang

Nach seiner Veröffentlichung der Daten öffentlicher Verkehrsmittel hatte Kreil auch ein Erfolgserlebnis: Nach anfänglichem Widerstand gab der Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB) einen umfassenden Datenbestand frei - unter der Creative-Commons-Lizenz.

So können immer mehr Unternehmen und Behörden von Open Data überzeugt werden, die Datenmenge wächst stetig. Wie sollen Entwickler diese Daten sinnvoll nutzen? Wo sind sie zu finden? Und viel wichtiger noch: Welche entscheidenden Daten fehlen, damit sie insgesamt wirklich sinnvoll genutzt werden können?

Welche Daten fehlen noch?

Mit seinem neuen Projekt will Kreil die Antworten auf diese Fragen suchen: Wer hat welche Daten bereitgestellt, wo sind sie zu finden, in welchem Format? Open Data Map soll Informationen zu verfügbaren Datensätzen sammeln.

Mit MongoDB gegen Datenlücken

Kreils Open Data Map nutzt die Datenbank MongoDB. Die Schnittstelle ist mit Node.js realisiert. Noch ist Open Data Map in der Entwicklungsphase. Der Code ist auf Github erhältlich.

In Open Data Map werden die Daten zunächst nach Institutionen rubriziert, etwa danach, ob sie von Ministerien, Banken oder Apotheken freigegeben wurden. Außerdem sollen sie nach Themen sortiert werden, etwa nach Stadtplänen, Standorten von Apotheken und deren Zeiten für Notdiensten.

Am Beispiel Apotheken erklärt Kreil auch, warum solche Metainformationen so wichtig sind: Mit einer App am Sonntagabend flink eine Apotheke mit Notdienst in der Nähe ausfindig machen zu können, könnte Leben retten. Alle Apotheken werden per Gesetz in einem Verzeichnis erfasst, die Daten sind aber nicht ohne weiteres zugänglich.

Daten fordern, statt zu betteln

Vor allem dieses Manko will Kreil mit Open Data Map angehen: Die Datenbank soll aufzeigen, welche entscheidenden Daten fehlen. Sie soll Ansprechpartner sammeln, mit denen um Datenfreigaben verhandelt werden kann. So soll auch der Druck auf entscheidende Unternehmen oder Behörden erhöht werden.

Notfalls müssen wichtige Daten auch ohne Genehmigung veröffentlicht werden, sagte Kreil, sichtlich beflügelt von dem Erfolg im Falle des VBB. Hacker haben lange genug darum gebettelt, dass Daten veröffentlicht werden. Jetzt sei es an der Zeit, dass die Datenbesitzer darum betteln, dass ihre Daten benutzt würden.  (jt)


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