Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ushahidi-brck-sorgt-fuer-netz-und-strom-1305-99112.html    Veröffentlicht: 06.05.2013 15:27    Kurz-URL: https://glm.io/99112

Ushahidi

Brck sorgt für Netz und Strom

Ohne zuverlässige Versorgung mit Internet und Strom kann die in Nairobi ansässige Organisation Ushahidi nicht arbeiten. Um beides zu sichern, hat sie Brck entwickelt, das sich über verschiedene Zugänge mit dem Internet verbindet, auch bei Stromausfall.

In den weniger entwickelten Regionen dieser Erde oder abseits großer Ballungsgebiete sind Strom und Internet nicht so verlässlich verfügbar wie in unseren Breiten. Für diejenigen, die dort leben und arbeiten - wie etwa die Mitarbeiter der Informationsplattform Ushahidi - stellt das ein Problem dar. Ushahidi hat eine Lösung dafür entwickelt und sucht per Crowdfunding nach finanzieller Unterstützung, um diese produzieren zu können.

Brck - gesprochen: Brick - soll helfen, wenn Internetverbindungen nur wechselhaft zur Verfügung stehen oder der Strom ausfällt. Brck ist ein Multiverbindungsgerät, das auf verschiedene Weisen den Internetzugang sichert. Es hat zudem einen Akku, so dass der Nutzer auch dann surfen kann, wenn der Strom ausfällt.

Brck ist ein WLAN-Router, das Gerät verfügt über einen Ethernet-Anschluss sowie einen SIM-Karten-Einschub, so dass Daten über Mobilfunk (3G und 4G) empfangen werden können. Die Software des Gerätes verwaltet die verschiedenen Zugänge und sorgt dafür, dass der Nutzer dauerhaft eine Internetverbindung hat. Das Gerät dient als Hotspot für bis zu 20 Geräte und stellt WLAN in mehreren Räumen zur Verfügung. Auch Sensoren, die in der Umwelt ausgebracht sind, sollen darüber vernetzt werden können.

Strom für acht Stunden

Die Internetverbindung bricht laut Ushahidi auch dann nicht ab, wenn der Strom ausfällt: Ein Akku versorgt den Brck bis zu acht Stunden mit Energie. Über einen USB-Anschluss können auch andere Geräte über den Brck betrieben werden.

Modem und Router seien technisch nichts Neues, sagte Ushahidi-Gründer Erik Hersman in einem Vortrag auf der Republica 2013. Es sei aber noch niemand auf die Idee gekommen, beide zu einem Gerät zu vereinigen. Die Router und Modems auf dem Markt seien nicht für Gegenden geschaffen, in denen Strom und Internet nicht dauerhaft und zuverlässig verfügbar seien, erklärt Ushahidi-Leiterin Juliana Rotich. Die Geräte seien zumeist zu empfindlich und zu kompliziert zu bedienen.

Geld für die Produktion

Über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter will Ushahidi Geld sammeln, um Brck in Serie zu produzieren. Bis zum 4. Juni 2013 will das Projekt 125.000 US-Dollar sammeln. Ab einer Zusage von 200 US-Dollar gibt es einen Brck. Die ersten 50 Besteller haben einen Brck für 150 US-Dollar bekommen.

Das Credo von Ushahidi lautet: Wenn ein Gerät in Afrika funktioniert, dann funktioniert es auch überall sonst auf der Welt, wie Hersman sagte. Entsprechend könne Brck auch überall eingesetzt werden, um einen Internetzugang bereitzustellen. Heutzutage werde Internet nicht mehr nur im Büro vom PC aus, sondern von vielen Geräten aus und von überall genutzt. "Wir haben den Brck für die sich verändernde Art und Weise entwickelt, wie wir uns überall auf der Welt mit dem Internet verbinden - von den Café-Hoppern in San Francisco bis zu den Programmierern, die sich in Nairobi abmühen", schreibt Ushahidi.

Vom Konsumenten zum Produzenten

Weiterer positiver Effekt: Durch Projekte wie dieses sei Afrika nicht mehr nur Konsument, sondern werde auch zum Produzenten von Technik, sagte Hersman in Berlin.

Ushahidi wurde 2008 als Mapping-Plattform gegründet, um durch Nutzerbeiträge die Gewaltausbrüche in Kenia nach der Wahl im Jahr 2008 zu dokumentieren. Der Name bedeutet in Swahili, der Amtssprache Kenias, etwa Zeugenaussage. Nach dem Erdbeben auf Haiti Anfang 2010 diente die Plattform Helfern vor Ort sowie Journalisten als Informationsquelle. 2010 wurde über die Plattform zudem die Parlamentswahl in Afghanistan dokumentiert.  (wp)


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