Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/debian-7-0-wheezy-installiert-sich-per-sprachausgabe-1305-99103.html    Veröffentlicht: 06.05.2013 11:52    Kurz-URL: https://glm.io/99103

Debian 7.0

Wheezy installiert sich per Sprachausgabe

Nach zwei Jahren Entwicklungszeit hat das Debian-Team die aktuelle Version 7.0 alias Wheezy freigegeben. Viel Arbeit haben die Entwickler in den Installer gesteckt und die Cloud-Unterstützung ausgeweitet.

Das Debian-Team hat Version 7.0 seiner Linux-Distribution mit dem Codenamen Wheezy freigegeben. Den Beinamen erhält die aktuelle Debian-Version, die nach zweijähriger Entwicklungszeit jetzt freigegeben wurde, von dem Pinguinspielzeug aus Toy Story. Gemäß den Richtlinien enthält Wheezy stabile statt immer aktuelle Softwarepakete. Zum Einsatz kommt beispielsweise der Linux-Kernel 3.2, der im Februar 2012 veröffentlicht wurde und als Longterm-Kernel länger als üblich gepflegt wird.

Als Standarddateisystem wird bei der Installation Ext4 vorgeschlagen. Außerdem lässt sich Debian GNU/Linux 7.0 auch mit einem FreeBSD-Kernel installieren. Unter dem Vorgänger Debian Squeeze galt Debian/kFreeBSD noch als experimentell und setzte auf BSD 8.1. Unter Wheezy lässt sich BSD 9.0 oder 8.3 samt dem Dateisystem ZFS in Version 28 nutzen. Zudem wechselt Debian Wheezy zur Multiarch-Unterstützung, damit Programme und Bibliotheken verschiedener Hardwarearchitekturen parallel auf demselben System installiert werden können. Wer kFreeBSD installiert, erhält standardmäßig den Xfce-Desktop. Debian GNU/Linux 7.0 lässt sich auch mit einem Real-Time-Kernel nutzen. Dafür gibt es die beiden Linux-Kernel Linux-image-rt-amd64 und Linux-image-rt-686-pae für Wheezy.

Installer mit Sprachausgabe

Der Installer wurde ebenfalls überarbeitet. Er war maßgeblich für die Verzögerung der Freigabe von Wheezy verantwortlich. Neu ist die Möglichkeit, Debian in der 64-Bit-Version auf UEFI-Sytemen zu installieren, auf die Unterstützung für Secure Boot haben die Debian-Entwickler aber noch verzichtet. Für Sehbehinderte bringt der Installer einen Sprachsynthesizer mit. Auf Systemen mit WLAN lässt sich die Verbindung auch der WPA einrichten, sofern die Hardwaretreiber dies unterstützen.

Bei den Desktops setzt Wheezy auf aktuelle Varianten: Standardmäßig wird der Desktop Gnome in Version 3.4 samt Fallbackmodus installiert. Alternativ lassen sich KDE SC 4.8.4, Xfce 4.8 oder Lxde nutzen. Zudem wechselt Wheezy von Openoffice.org zu Libreoffice 3.5.4. Über Fuse kommt Debian Wheezy auch mit dem Exfat-Dateisystem zurecht. Die Bildbearbeitung Gimp steht in Version 2.8.2 bereit.

Endlich multimedial

Die Multimedia-Unterstützung wurde in Wheezy ausgeweitet. Standardmäßig wird nun Libav statt Ffmpeg installiert, da die Libav-Entwickler auf stabile Veröffentlichungen setzen, die besser zu Debians Richtlinien passen. Mit Libav erhalten Nutzer MP3-Unterstützung durch Lame sowie die Videocodes für Mpeg4, x264 und H.264. Damit müssen Anwender künftig nicht mehr auf fremde Softwarequellen zurückgreifen, um zumindest rudimentäre Multimediaformate abzuspielen. Die Debian-Entwickler beseitigen so ein Manko, das Anwender in den vergangenen Jahren häufig kritisiert haben.

Dank Xen Cloud Platform (XCP) lässt sich Debian GNU/Linux 7.0 als Virtualisierungsserver in Cloud-Umgebungen nutzen und setzt dabei auf Cloudstack, Opennebula oder Openstack. Debian Wheezy kann auch in den öffentlichen Cloud-Umgebungen Amazon EC2, Windows Azure oder Googles Computer Engine installiert und genutzt werden.

Mehr Sicherheit durch Oauth

Für erhöhte Sicherheit setzt Debian GNU/Linux alias Wheezy künftig auf Apparmor. Außerdem bringt die aktuelle Debian-Version die komplette Unterstützung für Oauth mit, samt Bibliothek, Dynalogin- und Yubiserver. Mit Pam_oauth lässt sich Oauth auch mit den systemweiten Pluggable Authentication Modules (PAM) nutzen.

Die Debian-Entwickler setzen weiterhin auf MySQL in der in Wheezy bereitgestellten Version 5.5.30. Alternativ steht PostgreSQL in Version 9.1 bereit. Auf ein Update auf Samba 4 haben die Entwickler ebenfalls verzichtet. Stattdessen kommt Samba 3.6.6 zum Einsatz. Auch beim Einsatz von Apache zeigt sich das Debian-Team konservativ: Dort bleibt es bei Version 2.2 des Webservers. Grund dafür sollen Probleme bei der Integration des Perl-Moduls mod_perl gewesen sein. Allerdings haben die Entwickler neben Libapache2-mod-qos, Libapache2-mod-log-slow und Libapache2-mod-security noch zahlreiche Authentifizierungsschemata hinzugefügt.

Für Entwickler

Für Entwickler stehen Perl in Version 5.14, PHP in Version 5.4 sowie Ruby in 1.9 zur Verfügung. Ruby 1.8 wird zwar weiterhin unterstützt, soll allerdings in Debian 8.0 alias Jessie entfernt werden. Die Ruby-Pakete für Debian werden von Rubygems erkannt. Für Python-Entwickler stehen wahlweise Version 2.7 oder 3.2 bereit. Python 2.6 wird ebenfalls unterstützt. Die GNU Compiler Collection steht in Version 4.7.2 bereit.

Aus Wheezy haben die Entwickler auch zahlreiche veraltete Pakete entfernt, darunter Sun-Java6, Linux-Vserver sowie OpenVZ.

Die zahlreichen Änderungen sind im Wiki der Webseite des Debian-Projekts zusammengefasst. Installationsimages gibt es wie üblich für zahlreiche Plattformen: 32- und 64-Bit-PCs, ARM, PowerPC, Sparc, MIPS oder IBM System Z sowie für Intels Itanium IA-64. Die Installationsmedien lassen sich wahlweise als CD-, DVD- oder Blu-ray-Images herunterladen. Alternativ kann ein Netinstall-Image bezogen werden, das nur die für die Installation benötigten Dateien enthält. Weitere Pakete werden von den zahlreichen Software-Repositories bezogen.  (jt)


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