Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/drm-html5-bald-defective-by-design-1304-98958.html    Veröffentlicht: 26.04.2013 09:16    Kurz-URL: https://glm.io/98958

DRM

HTML5 bald Defective by Design?

Seit geraumer Zeit schwelt ein Streit um das Thema DRM für HTML5. Das W3C arbeitet dazu an der Encrypted Media Extensions (EME), einem Webstandard für kopiergeschützte Inhalte.

Rund 15.000 Menschen haben bereits eine Petition gegen DRM in HTML5 unterzeichnet, nun wenden sich die diversen Organisationen, die sich für die Freiheit des Internets einsetzen, in einem offenen Brief an den W3C-Chef Tim Berners-Lee. Ihre Forderung: DRM darf keinen Einzug in Webstandards halten.

Die Encrypted Media Extensions (EME) seien ein desaströser Vorschlag, der HTML grundlegend verändern und den Einsatz von Kopierschutzsystemen fördern könne, warnen unter anderem die Free Software Foundation, die Electronic Frontier Foundation, die Open Knowledge Foundation und Creative Commons. Ihrer Ansicht nach sind es vor allem einige wenige große Unternehmen wie Microsoft und Netflix, die sich für EME einsetzen. Und diese hätten schon in der Vergangenheit gezeigt, dass sie DRM-Systeme unterstützen, um ihre engen Beziehungen mit großen Medienunternehmen zu pflegen. Neben Microsoft und Netflix arbeitet auch Google an der Spezifikation von EME.

Die Unterzeichner des unter Defective by Design veröffentlichten Briefs sprechen sich grundsätzlich gegen DRM-Systeme aus, da diese die Freiheit der Nutzer einschränken und nur einigen wenigen Vorteile verschaffen.

Software, die EME unterstützt und damit die Umsetzung von DRM-Systemen im Web ermöglicht, könne nie frei im Sinne freier Software sein. Zudem stehe EME nicht im Einklang mit den Prinzipien des W3C. Nutzer müssten proprietäre Plugins installieren, um Webinhalte abzuspielen, die jeweils an bestimme Hard- und Software gebunden werden könnten. Es könne nicht im Sinne des W3C sein, es zu fördern, dass Unternehmen geheimen Code auf den Systemen der Nutzer ausführen.

Das Argument, EME sei selbst kein DRM-System und daher im Einklang mit den Grundsätzen des W3C, weisen die Unterzeichner zurück, denn EME habe keinen anderen Zweck, als DRM-Systeme im Web zu ermöglichen.

Netflix, das Filme und Serien per Stream anbietet, hat erst vor kurzem angekündigt, von Microsofts Silverlight auf HTML5 umzusteigen und beteiligt sich dazu an der Entwicklung der entsprechenden W3C-Spezifikationen: Media Source Extensions (MSE), Encrypted Media Extensions (EME) und Web Cryptography API (Webcrypto), die Netflix zusammen als HTML5 Premium Video Extensions bezeichnet. Als erster Browser unterstützt Googles Chrome MSE und EME die neuen Techniken, so dass Netflix für Samsungs Chromebook mit ARM-Prozessor einen HTML5-Player anbieten kann. Ein HTML5-Player für Windows und Mac OS ist bei Netflix derzeit im Test.  (ji)


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