Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/galaxy-s4-im-test-nur-ein-quantensprung-1304-98930.html    Veröffentlicht: 25.04.2013 12:25    Kurz-URL: https://glm.io/98930

Samsung Galaxy S4 im Test

Nur ein Quantensprung

Samsung hat angekündigt, dass sein Galaxy S4 die Konkurrenzgeräte weit übertreffen wird. Das Übertreffen ist gelungen, weit jedoch nicht, wie unser Test gezeigt hat.

Samsung will mit seinem Smartphone Galaxy S4 nicht nur mit der Konkurrenz gleichziehen, sondern sie weit übertreffen. Seine kräftige Quadcore-CPU, ein 5-Zoll-Display und eine aktuelle Kamera sollen es deutlich besser machen als die bisher unangefochtenen Spitzengeräte, das One von HTC und das Xperia Z von Sony. Äußerlich unterscheidet sich das Galaxy S4 trotz größeren Displays nur marginal von seinem Vorgänger Galaxy S3. Es sind vor allem die verbauten Komponenten, die den Unterschied ausmachen. Abgerundet hat Samsung sein Smartphone mit zahlreichen nützlichen und weniger nützlichen Funktionen.

Die gegenwärtig erhältliche Version des Galaxy S4 hat einen Vierkern-Krait-300-Prozessor, der in dem Snapdragon-600-SoC von Qualcomm verbaut ist. Es ist das gleiche SoC, das auch im HTC One, in LGs Optimus G Pro und im Padfone Infinity von Asus verwendet wird. In den Krait-Kernen hat Qualcomm 2 MByte L2-Cache verbaut. Sie werden in der 28-Nanometer-Technik gefertigt und sollen damit eine höhere Leistung bringen als herkömmliche Cortex-A9-Kerne. Der Arbeitsspeicher beträgt 2 GByte.

Die CPUs können auf bis zu 1,9 GHz getaktet werden. Während HTC die Taktrate auf 1,7 GHz gedrosselt hat, hat sich Samsung für die maximal mögliche Taktrate entschieden.

Das wirkt sich auch auf die Geekbench-2-Benchmarks aus: Das Galaxy S4 liegt mit 3.164 Punkten deutlich vor dem HTC One mit durchschnittlich 2.650 Punkten. Zum weiteren Vergleich: Das Xperia Z von Sony kommt auf 2.017 Punkte, der Vorgänger Galaxy S3 lag noch bei 1.756 Punkten. Im Javascript-Benchmark Octane schneidet das Galaxy S4 mit durchschnittlich 2.205 Punkten ebenfalls deutlich besser ab als das HTC One mit 1.925 Punkten und das Xperia Z mit 1.250 Punkten. In Sonys aktuellem Smartphone wird allerdings standardmäßig der Chrome-Browser verwendet, während auf dem HTC One und dem Galaxy S4 wieder der Standardwebbrowser von Android zum Zuge kommt.

Gutes Display, leichtes Gehäuse

Die GPU ist eine Adreno 320, die dem 5-Zoll-Display eine 1080p-Auflösung liefert (1.920 x 1.080 Bildpunkte). Das entspricht einer Pixeldichte von 441 dpi, was exakt auf dem Niveau des Xperia Z von Sony und des Padfone Infinity von Asus liegt. Es sind deshalb auch bei näherem Hinsehen keinerlei Treppeneffekte in den Schriften oder Icons sichtbar. Im Grafikbenchmark GLBenchmark 2.7 mit Egypt 2.5 HD im Offscreenmodus schaffte das Galaxy S4 hervorragende 41 fps. Das One von HTC lag mit 34 fps ebenso dahinter wie Sonys Xperia Z, das auf 30 fps kam. Bislang verteidigt das Padfone 2 von Asus ohne Tablet aber mit 42 fps seine Spitzenposition.

Samsung setzt weiterhin auf die Amoled-Technik. Die sorgt für knalliger wirkende Farben als die herkömmliche LCD-Technik, die beispielsweise HTC im Display des One einsetzt. Bei einem weißen Hintergrund ist der Kontrast zu der Schrift auf dem Display des Galaxy S4 nicht ganz so hoch wie auf dem HTC One. Das Display des HTC ist darüber hinaus ein wenig heller.

HTCs Display zeigt einen leichten Rotstich. Damit wirken helle Bereiche wärmer als auf dem Display von Samsungs neuem Smartphone, das einen leichten Blaustich aufweist, der blickwinkelabhängig schnell stärker wird, vor allem bei einem weißen Hintergrund. Insgesamt wirken die Farben auf dem HTC One etwas natürlicher, aber das ist Geschmackssache.

Kunststoff am Gehäuse

Apropos Geschmackssache: Das Gehäuse des Galaxy S4 wurde in ersten Tests angelsächsischer Medien kritisiert. Samsung habe wieder zu viel Kunststoff verwendet. Tatsächlich besteht die komplette Vorderseite aus Gorilla-Glas von Corning, und zwar in der neuen Version 3, die auf der Unterhaltungselektronikmesse CES im Januar 2013 angekündigt wurde. Das Display kann auch mit herkömmlichen Handschuhen bedient werden. Der Rahmen ist aus Metall und im Gegensatz zum S3 nur an den Kanten abgerundet. Die Rückseite und ein dünner Rand auf der Vorderseite sind wie gehabt aus Kunststoff. Das wirkt auf einige Golem.de-Redakteure billig, andere freuen sich über das dadurch gesparte Gewicht.

Lediglich bei der Rückseite verwendet Samsung wie gehabt Kunststoff. Dennoch wirkt das Gehäuse im Vergleich zu dem Aluminiumgehäuse des HTC One weniger wertig. Die verwendeten Materialien wirken sich auch auf das Gewicht aus. Das Galaxy S4 ist mit etwa 137 Gramm etwas leichter als das HTC One mit 142 Gramm.

Das Gehäuse des Galaxy S4 ist mit 137 x 70 x 7,9 mm nur wenige Millimeter größer und dünner als das des Galaxy S3 mit 135,5 x 67,9 x 8,9 mm. Damit das größere Display hineinpasst, hat Samsung einfach den Rahmen verjüngt.

Durchschnittliche Akkulaufzeit, viel fürs Netz

Die Kunststoffabdeckung der Rückseite lässt sich entfernen. Darunter liegt der austauschbare Lithium-Ionen-Akku, der eine Nennladung von 2.600 mAh sowie eine Leistung von 9,88 Wattstunden hat. Unter Volllast hielt der Akku 2,5 Stunden durch, kein besonders guter Wert. Die längere Akkulaufzeit des HTC One unter Volllast dürfte aber auch auf die gedrosselte Taktfrequenz im One zurückzuführen sein. Bei normaler Nutzung mit maximaler Bildschirmhelligkeit, aktiver LTE- und WLAN-Verbindung, bei der wir gesurft, unentwegt Twitter, Facebook und E-Mail-Nachrichten empfangen und ein paar Vögel herumgeschleudert haben, reichte eine Akkuladung etwa sechs Stunden. Sparsamere Nutzer dürften mit dem Galaxy S4 einen Arbeitstag ohne Aufladen schaffen. Das HTC One schaffte hier eine Stunde mehr.

Neben dem Akku sind die Steckplätze für eine Micro-SIM- und eine Micro-SD-Karte. Damit lassen sich weitere 64 GByte Speicher nutzen. Von den 16 GByte internem Speicher bleiben etwa 8 GByte für den Anwender übrig.

LTE und schnelles WLAN

Mit einem LTE-Modul und WLAN nach 802.11ac bringt Samsung sein Smartphone auf den aktuellen Stand, wobei LTE bereits in einer Variante des Vorgängers S3 vorhanden war. Ansonsten hält sich Samsung hier an die inzwischen etablierten Standards: WLAN nach 802.11a/b/g/n, NFC, Bluetooth 4.0 und GPS samt Glonass. Selbstverständlich ist auch ein HSPA-Modem für den GSM- und UMTS-Empfang integriert.

Das Galaxy S4 lässt sich mit seiner Infrarotlampe auch zu einer Universalfernbedienung umfunktionieren. Damit lassen sich nicht nur Fernseher von Samsung selbst steuern. Die dazugehörige Applikation Watchon bietet eine stattliche Auswahl von Geräten verschiedener Hersteller. Die Liste holt sich die Anwendung von einem Server, für die initiale Konfiguration ist also eine Internetverbindung notwendig. Das klappte mit einem Fernseher von Philips und von Samsung problemlos. Auch DVD- und Blu-ray-Player oder Set-Top-Boxen sollen so konfiguriert werden können. Zusätzlich zeigt die Anwendung ausgewählte Sendungen an, die der Anwender auswählen und automatisch starten kann. Zumindest mit der DVB-T-Senderliste klappte das gut.

Den einzigen Lautsprecher hat Samsung auf der Rückseite platziert. Wird das Gerät in der Hand gehalten, zerfransen die hohen Töne. Liegt es auf dem Tisch, ist der Sound nicht ganz so blechig, allerdings fehlen immer noch die Bässe. Dass das besser geht, zeigt HTC mit dem One. Dort haben wir den bislang besten Klang aus einem Smartphone erlebt.

Tolle Kamera

Die Kameras des Galaxy S4 sind hingegen hervorragend. Vorne befindet sich eine 2-Megapixel-Kamera für die Videotelefonie. Der Bildsensor der rückseitigen Kamera hat 13 Megapixel. Bei Tageslicht aufgenommene Bilder haben kräftige Kontraste. Die Aufnahmen bei schlechtem Licht zeigen kaum Bildrauschen, selbst wenn die Kamera automatisch den ISO-Wert auf 1.000 setzt, um das minimale Umgebungslicht einzufangen. Der Blitz ist kräftig, die damit aufgenommen Fotos haben natürliche Farben. Die Videokamera hat eine Zeitlupe und eine Funktion für das Aufnehmen von schnellen Bewegungen. Die gibt es ebenfalls beim Xperia Z von Sony. Mit Smart Pause unterbricht die Videowiedergabe, wenn die Augen vom Smartphone abgewendet werden. Beide Kameras lassen sich simultan nutzen, beispielsweise um ein Foto aufzunehmen und gleichzeitig einen Schnappschuss des Fotografen in das Originalfoto einzubinden, etwa in Form einer Briefmarke, eines Kreises oder Würfels.

Steuerung durch Kopfnicken

Auf Samsungs neuem Smartphone läuft das aktuelle Android in Version 4.2.2 samt Touchwiz-Oberfläche und den zahlreichen Samsung-Erweiterungen, etwa dem Multi-Window-Modus. Damit lassen sich zwei Anwendungen nebeneinander auf dem Bildschirm platzieren. Welche Apps miteinander auf dem Bildschirm angezeigt werden können, zeigt die seitlich platzierte Schnellstartleiste - auch Buddy-Liste genannt. Sie lässt sich über einen Tab ausfahren. Dort muss zunächst eine Anwendung gestartet werden. Danach kann die zweite Anwendung aus der Liste an den oberen oder unteren Rand gezogen und daneben abgelegt werden.

Mit dem sogenannten Eye-Tracking, das Samsung auf dem Galaxy S4 erstmals einsetzt, soll sich beispielsweise im Browser per Augenbewegung scrollen lassen. Ganz stimmt das nicht, es wird vornehmlich die Kopfbewegung registriert. Das Gesicht beziehungsweise die Augen werden von der Frontkamera erkannt. Wir konnten das Eye-Tracking beispielsweise auch mit Puppen, Kuscheltieren und selbst Fotos von Gesichtern überlisten. Alles, was annähernd Augen hat, funktioniert. Neigten wir ein Foto nach oben, löste es ebenfalls das Scrollen im Standardbrowser aus. Im Chrome-Browser, den wir nachträglich installierten, funktionierte das nicht. Auch im Standardbrowser konnten wir die Augensteuerung nicht nutzen, wenn er im Zweibildmodus gestartet wurde.

Das Gesicht darf höchstens etwa 30 Zentimeter von dem Smartphone entfernt sein. Das soll auch verhindern, dass ein zweites Gesicht die Aktion zufällig auslöst. Die Bewegungen werden von zwei Sensoren registriert, die links und rechts vom Telefonlautsprecher liegen. Erkennt das Gerät ein für die Augensteuerung geeignetes Gesicht, erscheint ein Augensymbol auf dem Bildschirm. Das ist zunächst nervig, verschwindet aber sofort wieder und lässt sich in den Optionen abschalten.

Da die Kopfbewegung eine entscheidende Rolle spielt, muss der Nutzer sein Haupt leicht nach oben oder nach unten bewegen, um die Augensteuerung auszulösen. Der dazu verwendete Sensor reagiert recht zügig. Legten wir den Kopf wieder gerade, wurde das Scrollen sofort unterbrochen. Wenn wir das Smartphone jedoch bei geneigtem Haupt in Sensorreichweite brachten, konnten wir danach nur nach oben scrollen, nicht mehr nach unten.

Wir mussten die Augensteuerung häufig rekalibrieren, indem wir das Smartphone beiseite hielten und bei gerade gehaltenem Kopf wieder vor das Gesicht hielten, bis das grüne Augensymbol wieder erschien, das wir dafür wieder einschalteten. Der auf der oberen Seite angebrachte Sensor kann auch mit Fingergesten genutzt werden, dann muss der Nutzer den Finger nicht mehr auf das Display setzen. Alternativ kann das Scrollen auch durch das Neigen des Smartphones ausgelöst werden, was wir nach längerem Ausprobieren viel praktischer fanden. Allerdings funktionierten sämtliche Steuerungsarten ungewohnt und vielleicht deshalb nicht immer zuverlässig. Manchmal verloren wir völlig die Kontrolle über das Scrollen.

Verfügbarkeit und Fazit

Samsungs Listenpreis von 730 Euro für das Galaxy S4 alias GT-I9505 mit 16 GByte ist deutlich höher als die Preise im Handel zur Markteinführung am 27. April 2013. Bei den meisten Händlern kostet Samsungs neues Topsmartphone 650 Euro. Bei einigen Onlinehändlern gibt es das 16-GByte-Modell auch schon zu Preisen von um die 640 Euro, der aktuelle Einstiegspreis liegt bei knapp 620 Euro. Samsung geht von einer großen Nachfrage aus und hält zum Marktstart Lieferengpässe für möglich.

Prinzipiell gibt es das Smartphone auch mit 32 GByte und 64 GByte internem Speicher. Diese Modelle sind jedoch nur bei wenigen Händlern gelistet und es ist nicht klar, ob sie diese Woche bereits lieferbar sind. Das Modell mit 32 GByte kostet mindestens 750 Euro, die 64-GByte-Ausführung 800 Euro und mehr.

Fazit

Mit dem geplanten Acht-Kern-Prozessor auf Basis von ARMs Big.Little-Architektur hätte das Galaxy S4 der Konkurrenz mit langer Akkulaufzeit bei dennoch sehr hoher Leistung deutlicher überlegen sein können. Nun kommt es in Deutschland nur mit einem Vierkernprozessor auf den Markt und schafft es so gerade mal, die Smartphone-Boliden von HTC und Sony leicht zu übertreffen. Die CPU-Benchmarks beeindrucken zwar, werden sich aber im Normalgebrauch kaum bemerkbar machen. Mit dem Gerät schafft Samsung einen Quantensprung - im Wortsinn: einen diskreten Übergang, keinen Umbruch.

Ruckler haben wir beim Galaxy S4 im Normalbetrieb nicht bemerkt, sondern lediglich bei aktiven Apps von Airdroid und Quick System Info beim Start und Schließen weiterer Anwendungen.

Smart Pause ist eine der praktischen Funktionen des Galaxy S4. Sie zeigt, wozu die zusätzlichen Sensoren des Galaxy S4 genutzt werden können. Die Augensteuerung ist hingegen gewöhnungsbedürftig und wegen der ständig notwendigen Nickbewegungen eher was für Heavy-Metal-Fans. Nutzer eines S3 müssen nur dann auf Samsungs aktuelles Smartphone aktualisieren, wenn sie die kräftigere Hardware nutzen wollen, denn die meisten Softwarefunktionen werden für den S4-Vorgänger über Updates nachgereicht.

Die Kamera ragt im Funktionsumfang deutlich hervor. Sie macht überdurchschnittliche Bilder, die auch auf großen Bildschirmen noch gute Details anzeigen. Die Zeitlupenfunktion ist zwar nicht einmalig, aber eine nette Spielerei.

Wer sowieso überlegt, sich ein neues Smartphone mit guter Kamera anzuschaffen, kann das Galaxy S4 auch preislich getrost in Erwägung ziehen. Wer großen Wert auf Leistung legt, kann aber auch noch auf die Acht-Kern-Variante warten. Wann die hierzulande verfügbar sein wird, hat Samsung aber noch nicht verraten.

Nachtrag vom 25. April 2013, 15:45 Uhr

Wir haben noch ein Video zu unserem Galaxy-S4-Test nachgedreht. Es ist jetzt auf der ersten Seite des Artikels abrufbar.  (jt)


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