Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/virtuelle-waehrungen-alternativen-zu-bitcoin-1304-98879.html    Veröffentlicht: 23.04.2013 11:17    Kurz-URL: https://glm.io/98879

Virtuelle Währungen

Alternativen zu Bitcoin

Der Erfolg der Digitalwährung Bitcoin reizt Nachahmer. Litecoin, Ripple, PPCoin und andere versprechen, Probleme des Haupt-Bitcoin-Systems zu umgehen.

Die digitale Währung Bitcoin hat in den vergangenen Monaten einen rasanten Aufstieg erfahren. Einige Projekte versuchen daher, das Bitcoin-Prinzip zu kopieren, aber an entscheidenden Stellen Mängel des Systems zu beheben. Bitcoins werden mit Hilfe eines kryptographischen Verfahrens erzeugt und dezentral gespeichert. Es gibt keine zentrale Stelle, die hinter dem System steht. Da das Bitcoin-System auf freier Software basiert, kann theoretisch jeder, der möchte, einen eigenen Bitcoin-Klon erstellen.

Litecoin, 38 Millionen US-Dollar

Zwar sind die dort gehandelten Werte noch weit entfernt von den Geldmengen, die Bitcoin darstellt, irrelevant sind sie aber keinesfalls. Litecoin, die erfolgreichste Bitcoin-Alternative, hat inzwischen einen Gesamtumfang von umgerechnet etwa 38 Millionen US-Dollar, dann folgt PPCoin mit 4 Millionen US-Dollar. Zum Vergleich: Während dieser Artikel geschrieben wurde, betrug der Gesamtwert aller Bitcoins etwa 924 Millionen Dollar.

Litecoin hat vor allem das Ziel, schneller als Bitcoin zu sein. Bei Bitcoin werden Transaktionen im Schnitt alle zehn Minuten signiert, erst danach kann ein Zahlungsempfänger sicher sein, dass er sein Geld auch wirklich erhalten hat. Da die zehn Minuten aber nur ein Durchschnittswert sind, kann es in Einzelfällen auch länger dauern, bis eine Geldübertragung wirklich bestätigt ist. Daher ist Bitcoin für manche Zwecke ungeeignet, etwa bei Onlinetransaktionen, bei denen der Kunde eine Dienstleistung umgehend nutzen möchte. Litecoin senkt diesen Zeitraum auf etwa 2,5 Minuten ab.

Außerdem nutzt Litecoin einen anderen Hash-Algorithmus für das Erstellen von Geld und die Bestätigung von Transaktionen. Statt des Hash-Verfahrens SHA-256, das für Bitcoin genutzt wird, wird ein Verfahren namens Scrypt eingesetzt. Das ist darauf ausgelegt, besonders speicherintensiv zu sein. Damit soll es erschwert werden, auf besonders effizienter Spezialhardware zu schürfen, also Digitalgeld zu erstellen.

PPCoin, 4 Millionen US-Dollar

PPCoin möchte die energiesparende Alternative zu Bitcoin werden. Zuletzt war Kritik an der Stromverschwendung durch das Minen von Bitcoins laut geworden, der Nachrichtendienst Bloomberg sprach gar von einem Desaster für die Umwelt.

Auch bei PPCoin wird das Geld durch Algorithmen erstellt, aber nur ein kleiner Teil wird durch aufwendige Rechenoperationen erzeugt. Das meiste Geld wird durch einen Zufallsmodus verteilt - und zwar entsprechend der bereits vorhandenen Geldmengen. Wer also beispielsweise ein Prozent der vorhandenen PPCoins besitzt, hat entsprechend eine einprozentige Chance, im nächsten Gelderzeugungsschritt neue PPCoins zu erhalten. Anders als bei Bitcoin und Litecoin ist bei PPCoin die Gesamtmenge der Coins nicht begrenzt, es können langfristig theoretisch unendlich viele PPCoins erzeugt werden.

Litecoin und PPCoin basieren im Kern auf derselben Software wie das originale Bitcoin-System, sie nehmen nur Modifikationen im Detail vor.

Zerocoin: Anonymität für Bitcoin

Andere Entwickler versuchen, Mängel des bestehenden Bitcoin-Protokolls durch Erweiterungen zu lösen. Der Kryptograph Matthew Green störte sich an der fehlenden Anonymität des Bitcoin-Systems. Er entwickelte gemeinsam mit einem Team der John-Hopkins-Universität die Bitcoin-Erweiterung Zerocoin. Diese soll die Anonymisierung von Geldtransaktionen im Bitcoin-System ermöglichen. Zerocoin ermöglicht den Transfer von Bitcoin-Geld in einen anonymen Pool. Durch einen sogenannten Zero-Knowledge-Beweis ist gewährleistet, dass man sein Geld mit Hilfe einer Seriennummer dem Pool mit einem anderen Bitcoin-Account wieder entnehmen kann, ohne dass für andere nachvollziehbar ist, mit welchem Account das Geld eingezahlt wurde.

Das Problem dabei: Eine solche Erweiterung kann nur dann sinnvoll genutzt werden, wenn sie von allen Bitcoin-Clients auch unterstützt wird. Ist das nicht der Fall, kann es zu einer Aufspaltung des Bitcoin-Systems kommen. Einen solchen Vorfall gab es im März bereits einmal, damals allerdings versehentlich. Zerocoin ist zurzeit nur ein Vorschlag, im Mai will das Team von Green eine erste Code-Implementierung veröffentlichen.

Ripple gewinnt namhafte Investoren

Ein weiterer relativ junger Player auf dem Markt der Bitcoin-Alternativen ist das Protokoll Ripple, entwickelt von der Firma Opencoin. Anders als die meisten anderen Projekte setzt es nicht auf das Bitcoin-System, sondern ist eine komplette Eigenentwicklung. Obwohl eine Firma dahintersteht, handelt es sich ebenfalls um ein dezentrales System und der dazugehörige Code ist wie bei Bitcoin freie Software. Der Firmengründer Jed McCaleb ist auch Gründer von Mt.Gox, dem größten Umschlagplatz für Bitcoins.

Ripple bezeichnet sich selbst als Transfermöglichkeit für andere Währungen - egal ob Dollar, Euro oder Bitcoins. Dahinter steht aber ebenfalls ein eigenes Digitalwährungssystem.

Das erklärte Ziel von Ripple ist es, ein Bitcoin-artiges System für die breiten Massen verfügbar zu machen. Eine Transaktion soll hier innerhalb weniger Sekunden möglich sein. Die dahinterstehende Firma Opencoin konnte kürzlich eine Reihe namhafter Investoren für sich gewinnen, darunter Andreessen Horowitz, die Firma von Netscape-Gründer Marc Andreessen.  (hab)


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