Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/samsungs-xcover-2-im-test-nicht-ganz-dicht-1304-98719.html    Veröffentlicht: 15.04.2013 12:13    Kurz-URL: https://glm.io/98719

Samsungs Galaxy Xcover 2 im Test

Nicht ganz dicht

Samsungs Galaxy Xcover 2 ist für Nutzer gedacht, die ihr Smartphone auch jenseits gemähter Rasen und geteerter Straßen nutzen wollen. Nach einem ersten Tauchgang hat uns das Gerät aber einen gehörigen Schrecken eingejagt.

Es hat den Charme eines Schweizer Taschenmessers und ist auch für den Außengebrauch gedacht: Das Galaxy Xcover 2 von Samsung ist nach IP67 zertifiziert. Versenkt man es eine halbe Stunde einen Meter tief unter Wasser und buddelt es dann im Sand ein, soll es weiterhin tadellos funktionieren. Wir haben beides getan. Ganz dicht schien das Camping-Smartphone aber nicht. Auch ganz so schick und kräftig wie das ebenfalls wasserdichte Xperia Z von Sony ist es nicht. Dafür kostet es aber weniger als die Hälfte.

Die Hardware des Galaxy Xcover 2 ist nicht gerade aktuell. Auf dem Samsung-eigenen Exynos 4210 sind zwei CPU-Kerne verbaut, die sich mit bis zu 1 GHz takten lassen. Entsprechend niedrig fiel mit 615 das Resultat des Geekbench-Benchmarks aus. Aktuelle Smartphones mit Quadcore-CPUs, etwa das Xperia Z mit 2.048 Punkten, liegen allesamt im vierstelligen Bereich. Selbst das etwas betagte Galaxy Nexus mit seinem Zweikernprozessor schafft durchschnittlich 1.050 Punkte.

Für die Grafikausgabe sorgt eine Mali-400-GPU. Der Arbeitsspeicher hat eine Größe von 1 GByte. Trotz kräftiger GPU schaffte das Galaxy Xcover 2 im GLBenchmark im Offscreen-Modus nur 10 Punkte.

Der interne Speicher ist mit 4 GByte recht knapp bemessen, zumal der Anwender davon nur 1 GByte nutzen kann. Ein Steckplatz für Micro-SD-Karten mit bis zu 32 GByte Speicher ist vorhanden.

Robustes Gehäuse

Das Gehäuse wirkt mit 130,5 x 67,7 x 12 Millimetern und seinem vergleichsweise hohen Gewicht von 149 Gramm auf den ersten Blick wulstig, aber auch robust. Der Rahmen aus Aluminium hat zusätzliche diagonale Erhebungen, die der Griffigkeit dienen sollen. Der obere und untere Rand sowie die rückseitige Abdeckung sind aus dem Samsung-typischen Kunststoff. Dort befinden sich die Steckplätze für Kopfhörer und das Micro-USB-Kabel, die unter Klappen versteckt sind. Seitlich gibt es die Wippe für die Lautstärkeregelung und den Ein- und Ausschalter. Außerdem gibt es einen Auslöser für die Kamera. Options-, Home- und Zurück-Taste sind unter der Displayabdeckung eingelassen.

Mehr Akkulaufzeit erwünscht

Die Rückseite ist mit einem Schraubverschluss am Gehäuse fixiert. Darunter befindet sich der auswechselbare Lithium-Ionen-Akku mit einer Nennladung von 1.700 mAh. Die Kapazität wird mit 6,46 Wattstunden angegeben. Unter Volllast im Antutu-Battery-Test hielt der Akku mehr als 3,5 Stunden durch - ein überdurchschnittlicher Wert, der auf den genügsamen Zweikernprozessor zurückzuführen ist. Bei maximaler Helligkeit, stets aktivem GPS und Google Maps in der Satellitenansicht fiel die Akkukapazität nach drei Stunden auf etwa die Hälfte. Wer sparsamere Einstellungen wählt und dem Smartphone zwischendurch eine Pause gönnt, kann es auf einem ausgedehnten Tagesausflug ohne Aufladen nutzen. Dennoch hätten wir uns etwas mehr Kapazität gewünscht, falls unser offener Jeep mit Vierradantrieb doch mal im Sumpf stecken bleibt.

Das Vier-Zoll-LCD-Display ist unter einer durchsichtigen Kunststoffabdeckung verborgen, die deutlich weniger spiegelt als Smartphones mit Glasabdeckungen. Zwar ist das Galaxy Xcover 2 blickwinkelstabil, es ist aber bei Sonnenlicht auch bei maximaler Helligkeit kaum lesbar, vor allem, wenn die Inhalte ebenfalls wenig Kontrast zeigen, wie etwa die Satellitenansicht in Google Maps.

Verzögerte Eingabe

Auf Eingaben reagiert das Galaxy Xcover 2 nicht ganz zügig, oftmals mussten wir ein zweites Mal auf den Bildschirm tippen. Die Ladezeiten im Browser unterschieden sich deutlich von denen aktueller Smartphone-Boliden. Außerdem erlebten wir hier und da einen deutlichen Ruckler bei der Darstellung.

Die Auflösung von 800 x 480 Pixeln, die auf dem 4 Zoll großen Bildschirm für 233 ppi sorgt, wirkt ebenfalls nicht mehr ganz zeitgemäß. Die altbackenen viereckigen Icons - ein Zugeständnis an Apple - drängen sich geradezu auf dem kleinen Display. Wir ertappten uns dabei, wie wir mehr als sonst üblich mit Pinch-and-Zoom Bildschirminhalte vergrößerten oder unsere Lesebrille aufsetzten.

Mäßige Netzwerkanbindung

Auch für die Anbindung an Netzwerke hat Samsung das Galaxy Xcover 2 mit wenig aktuellen Funktionen ausgestattet. LTE fehlt, statt einer zusätzlichen WLAN-Anbindung nach a/n gibt es nur eine nach 802.11 b/g/n. Das Smartphone unterstützt nur die beiden UMTS-Frequenzen 900 sowie 2.100 MHz, aber immerhin Quadband-GSM. Bluetooth beherrscht das Galaxy Xcover 2 in Version 4.0 ebenso wie DLNA. Unter dem Akku ist der Steckplatz für die SIM-Karte und die Micro-SD-Karte verborgen.

Zudem besitzt das Smartphone ein UKW-Radio sowie einen erweiterten GPS-Empfänger, der genauer als andere sein soll. Tatsächlich war die Genauigkeit des GPS-Moduls auf Google Maps recht groß, aber auch nicht größer als bei anderen Smartphones.

Wassereinbruch

Nachdem wir das Galaxy Xcover 2 ins Wasser getaucht hatten, entwickelte die Benutzeroberfläche ein seltsames Eigenleben. Apps oder Menüs öffneten sich von selbst und das Smartphone blätterte ohne unser Zutun durch die Homescreens - selbst, nachdem wir es abgetrocknet hatten. Wir öffneten schleunigst die rückseitige Abdeckung und nahmen den Akku heraus. Dabei entdeckten wir unter der Abdeckung reichlich Wasser. Immerhin, nach einem Neustart funktionierte das Smartphone wieder normal.

Die Abdeckung hat auf der Innenseite einen Gummirahmen, der genau auf die Aussparung für den Akku passt und ihn so vor Flüssigkeit schützen soll. Wasser fanden wir weder auf noch unter dem Akku, als wir ihn entfernten. Die Kontakte zwischen Akku und Gehäuse liegen aber mindestens einen Millimeter frei. Theoretisch könnte dort Flüssigkeit hingelangen. Unter dem Akku sind auch die Steckplätze für SIM- und Micro-SD-Karte.

Reagiert nur abgetrocknet

Bei einem zweiten Versuch verhielt sich das Betriebssystem zwar ruhig, reagierte aber nicht oder nur nach mehrfachem Tippen auf unsere Eingaben, als wir es wieder aus dem Wasser entfernten. Es reagierte erst wieder wie gewohnt, nachdem wir es abgetrocknet hatten.

Auch im Sand haben wir das Galaxy Xcover 2 gewälzt und ihm dann ein Schaumbad verabreicht. Anschließend funktionierte es wie gewohnt. Ganz wohl war uns bei unseren Experimenten mit Wasser aber nicht, zumal auch aus der abgedeckten Kopfhörerbuchse Luftbläschen emporstiegen. Das Smartphone entwickelte nach dem ersten Experiment aber nicht noch einmal ein Eigenleben.

Zäher Unterwasserautofokus

Die Kamera lässt sich dank des externen Auslösers auch unter Wasser bedienen. Der Autofokus hatte aber Mühe, Objekte scharf zu stellen. Unter Wasser konnten wir den Touchscreen nicht bedienen, um das Scharfstellen zu wiederholen, denn dort funktionieren kapazitive Bildschirme nicht. Wir mussten uns mit den Aufnahmen also Zeit lassen. Die Ausbeute guter Fotos bei insgesamt 20 Unterwasseraufnahmen lag bei der Hälfte, der Rest war unscharf.

Über Wasser macht die 5-Megapixel-Kamera solide, aber durchschnittliche Fotos. Bei schwierigen Lichtverhältnissen rauschen die Aufnahmen deutlich. Die Optionen der Kamera-App unterscheiden sich kaum von denen im Stock-Android 4.1.2. Lediglich ein paar Verfremdungseffekte hat Samsung hinzugefügt. Die Auflösung der Frontkamera hat magere 0,3 Megapixel.

Zusätzliches Kartenmaterial

Auf dem Galaxy Xcover 2 läuft Android 4.1.2 samt Samsungs Touchwiz 4.0. Die Energiesparoptionen begrenzen sich auf die Drosselung der CPU-Leistung und die Optionen für den Bildschirm. Durch längeres Drücken auf den Home-Button erscheint die Liste der zuletzt geöffneten Anwendungen. Dort gibt es auch einen Taskmanager, über den aktive Apps geschlossen werden können. Google Now lässt sich nicht wie gewohnt durch Streichen über den Bildschirm, sondern über längeres Drücken der Optionstaste starten. Neben Google Maps gibt es Kartenmaterial vom ADAC und Apemap, das auch Wanderkarten bietet.

Verfügbarkeit und Fazit

Samsung nennt einen Listenpreis von 380 Euro. Bei vielen Onlinehändlern ist das Smartphone mit IP67-Zertifzierung aber schon für um die 265 Euro zu haben. Damit bekommen Kunden das Gerät bereits zum Marktstart für mehr als 100 Euro unter dem Listenpreis.

Fazit

Das Galaxy Xcover 2 ist gut verarbeitet, das Gehäuse ist robust und solide und wirkt trotz seiner Wulstigkeit nicht klobig. Dass sich unter der rückseitigen Abdeckung nach Tauchgängen Wasser ansammelt, macht aber einen wenig vertrauenerweckenden Eindruck. Auch dass das Smartphone nach einem Tauchgang nicht sofort auf Eingaben reagierte, verursachte reichlich Unbehagen.

Da half auch der Schraubverschluss der Kunststoffabdeckung der Rückseite nichts. Wir haben nach einem Wasserbad immer den Akku entfernt und das Smartphone sofort abgetrocknet. Dann funktionierte das Galaxy Xcover 2 weiterhin tadellos. Sand machte dem Gerät offenbar nichts aus. Für einen Notruf aus der Treibsandfalle dürfte es also reichen.

Ein Vergleich mit dem doppelt so teuren Xperia Z ist vielleicht etwas unfair, zumal Sonys Smartphone-Bolide die bessere Hardware und das schickere Aussehen hat. Wer aber bereits an ein aktuelles Smartphone gewöhnt ist, wird mit dem Galaxy Xcover 2 wohl kaum glücklich, denn er muss bei der Bildschirmgröße und der Eingabegeschwindigkeit doch deutliche Einbußen hinnehmen.

Als Navi-Ersatz eignet sich das Smartphone nicht. Der Bildschirm ist zu klein und die Akkulaufzeit zu gering. So taugt das Gerät weder als Orientierungshilfe für die mehrtägige Trekkingtour noch als Unterwasserkamera für die Haifotos. Wer auch im Campingurlaub in der tropischen Regenzeit immer seine Mails abrufen und auf Facebook zugreifen will, könnte sich für Samsungs günstiges Galaxy Xcover 2 aber interessieren.  (jt)


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