Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/wegen-postident-deutsche-post-gibt-de-mail-auf-1304-98704.html    Veröffentlicht: 12.04.2013 17:43    Kurz-URL: https://glm.io/98704

Wegen Postident

Deutsche Post gibt De-Mail auf

Nach einem Streit mit Datenschützern zieht sich die Post aus der konkurrierenden De-Mail zurück. Postident wollte zu viele Daten.

Die Deutsche Post wird kein Anbieter der De-Mail, weil die Verwendung des Postident-Verfahrens von Datenschützern untersagt wurde. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung unter Berufung auf Ralph Wiegand, Vorstand vom E-Postbrief bei dem Logistikkonzern. Nach einem Jahr Vorarbeiten verweigerte der Datenschutzbeauftragte das Zertifikat, weil bei Postident nach der Personalausweisnummer und der ausstellenden Behörde gefragt wird, was das De-Mail-Gesetz aber nicht fordert.

Mit der De-Mail-Adresse sind rechtsverbindliche elektronische Nachrichten, ein Identifizierungsdienst und eine gesicherte Onlinedokumentenablage möglich. Das konkurrierende rechtsverbindliche Produkt der Post ist der E-Postbrief.

"Wir werden das Zertifizierungsverfahren für De-Mail vorerst nicht weiterverfolgen. Solange der Gesetzgeber an den Bestimmungen für das Identifizierungsverfahren festhält, hat das keinen Sinn", sagte Wiegand der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Das Postident-Verfahren habe sich seit 17 Jahren bewährt. Daran gebe es keine Änderungen, "nur um einem unglücklich formulierten Gesetz zu genügen", so Wiegand.

Für den E-Postbrief seien rund eine Million Nutzer registriert. 95 Prozent der Sendungen drucke die Post aber im Kundenauftrag aus und sende sie per Brief zu. In diesem Jahr wolle die Post rund 100 Millionen Euro Umsatz in dem Bereich erwirtschaften, berichtet die Zeitung. De-Mails kosten je nach Datengröße zwischen 33 und 49 Cent. Teurer ist der E-Postbrief mit 55 Cent.

Auf der Cebit hatte die Post einen erweiterten E-Post-Brief vorgestellt, der End-to-End-Verschlüsselung leisten soll. Der E-Post-Brief für Berufsgeheimnisträger soll Ärzten, Anwälten, Sozialarbeitern oder Beamten die Möglichkeit geben, elektronische Kommunikationsmittel geschäftlich zu nutzen, ohne dabei gegen ihre Verschwiegenheitspflicht nach Paragraf 203 des Strafgesetzbuchs (StGB) zu verstoßen.

Geplant sei auch eine Scan-Funktion, die Rechnungen erkenne und die Zahlung mit einem Mausklick ermögliche, ohne dass Daten wie die Kontonummern und Namen im Onlinebanking eingegeben werden müssten, sagte Wiegand der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.  (asa)


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