Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/intel-haswell-mit-spannungswandler-und-overclocking-versicherung-1304-98676.html    Veröffentlicht: 11.04.2013 16:28    Kurz-URL: https://glm.io/98676

Intel

Haswell mit Spannungswandler und Overclocking-Versicherung

Auf dem Intel Developer Forum in Peking hat Intel ein weiteres Detail der kommenden Haswell-Prozessoren bestätigt: Sie besitzen einen integrierten Spannungswandler. Damit der Übertakter nicht in die Quere kommt, gibt es neue Teiler für die Takte - und eine kostenpflichtige Garantie, falls die CPU kaputtgeht.

Intels für Anfang Juni 2013 erwartete Haswell-CPUs werden einen integrierten Spannungswandler besitzen. Dies geht aus einem Vortrag von Intel auf dem Intel Developer Forum (IDF) in Peking hervor. Bisher waren die Spannungswandler für den Prozessor auf dem Mainboard angebracht, Intel verspricht sich von dem "integrated voltage regulator" (IVR) Vorteile beim Powermanagement.

Das ist auch nötig, denn die erste 22-Nanometer-CPU, Ivy Bridge, war kaum sparsamer als der 32-Nanometer-Vorgänger Sandy Bridge. Vor allem für Notebooks soll Haswell deutlich längere Laufzeiten bringen, wie Intel schon seit der ersten Ankündigung auf dem Herbst-IDF 2011 mehrfach betont hatte.

Der IVR bietet den Vorteil, dass er von der seit dem ersten Core-i-Prozessor vorhandenen Powermanagement-Einheit PCU des Prozessors direkt gesteuert werden kann. Die PCU überwacht sämtliche Betriebszustände wie Spannungen, Temperaturen und Rechenlast des Prozessors, konnte erforderliche Änderungen an der Spannung aber nicht direkt an die Spannungswandler weitergeben. Auch die Genauigkeit der Wandler war nicht zu kontrollieren, bevor eine höhere oder niedrigere Spannung auch bei der CPU ankam. Auf den IVR hat die PCU nun aber direkten Zugriff.

Wie viele verschiedene Spannungen im Inneren eines Core-Prozessors nötig sind, zeigt ein Diagramm von Intel. Wenn vom Mainboard nur eine Spannung zwischen 1,8 und 3,0 Volt angelegt wird, macht der IVR daraus fünf verschiedene Werte, denn Ringbus, Grafikeinheit, x86-Kerne und der System Agent (unter anderem für PCIe zuständig) werden mit verschiedenen Spannungen betrieben. Zu jeder Zeit können die Werte unterschiedlich sein, was nicht nur Energie spart, sondern auch den Turbo-Boost möglich macht. Die Spannung für den Speicherbus, beim Übertakten von RAM ein wichtiger Faktor, regelt der IVR nicht.

Einmal CPU kaputt machen für 20 US-Dollar

Schon seit Sandy Bridge funktioniert der älteste Trick beim Übertakten, nämlich das Erhöhen des Bustaktes für die CPU, nicht mehr so einfach wie gewohnt. Dieser auch BCLK genannte Wert von nominal 100 MHz ist bei allen seitdem erschienenen Core-CPUs für die interne Taktung aller Einheiten eines Prozessors, insbesondere den Ringbus, ein kritischer Wert. Sowohl Defekte als auch Instabilitäten oder falsche Daten sind durch stark erhöhte BCLK-Werte möglich, so dass Intel nur die Erhöhung um einstellige Prozentwerte erlaubte.

Stattdessen konnten Overclocker den Takt der x86-Kerne vor allem durch höhere Multiplikatoren steigern, die dann dem Turbo-Boost mehr Spielraum gaben. Bei den meisten Mainboards war jedoch bei einem Multiplikator von 63 und damit 6,3 GHz für einen einzelnen Kern unter Last Schluss. Solche Frequenzen erreichen manche Übertakter durchaus, meist unter dem Einsatz von verflüssigten Gasen wie Stickstoff.

Effektiver Bustakt bis 167 MHz

Bei den Haswell-Prozessoren mit einem K oder X am Ende der Modellnummer, die für Overclocking vorgesehen sind, ist nun wie bei Sandy Bridge-E ein Multiplikator von maximal 80 möglich. Auch eine weitere Bremse hat Intel gelöst, indem für die Kerne selbst andere Frequenzteiler höhere interne Bustakte möglich machen: 100, 125 oder 167 MHz sind so effektiv möglich.

Den Ringbus und andere Teile der CPU übertaktet das dann nicht, der physikalische externe Takt kann weiterhin nur um 5 bis 7 Prozent gesteigert werden. Intel greift hier eine Overclocking-Idee aus der Pentium-Ära wieder auf, wo verschiedene Frequenzteiler auch für stabile Busse, aber höhere Kerntakte sorgen konnten.

In seinem Vortrag zum Übertakten von Haswell wies Intel auch auf ein bisher nur in den USA vorhandenes Angebot hin: Overclocker können dort direkt bei Intel eine Versicherung für ihre Prozessoren abschließen. Zwischen 20 und 35 US-Dollar kostet das, je nach Preis der CPU. Wenn ein Kunde diesen "Performance Tuning Protection Plan" abschließt, garantiert Intel ihm den einmaligen Austausch eines Prozessors, der durch Übertakten beschädigt wurde.

Intels normale Garantie gilt nur für den Betrieb innerhalb der Spezifikationen. Deutsche Kunden können von solchen Garantien in der Regel keinen Gebrauch machen, denn der Vertragspartner ist der Verkäufer, und der ist wiederum an die gesetzliche Gewährleistung gebunden. Manche PC-Hersteller garantieren aber freiwillig auch für übertaktete Komplettsysteme.

In der Bildergalerie zu dieser Meldung finden sich einige Praxistipps zum Übertakten aus Intels Vortrag. Sie sind jedoch nicht als Einstiegshilfe für das riskante Unterfangen geeignet, sondern bestätigen vielmehr die Beobachtungen von erfahrenen Overclockern, was die zahlreichen Werte und Ansatzmöglichkeiten betrifft.  (nie)


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