Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/geplante-obsoleszenz-gruenen-gutachten-kritisiert-verklebtes-macbook-pro-1303-98321.html    Veröffentlicht: 21.03.2013 12:05    Kurz-URL: https://glm.io/98321

Geplante Obsoleszenz

Grünen-Gutachten kritisiert verklebtes Macbook Pro

Ein Gutachten nennt Beispiele für vorzeitigen Verschleiß von elektronischen Geräten. Im Macbook Pro schränkten Verklebungen eine Reparatur erheblich ein. Weitere Beispiele sind Elektrolytkondensatoren, die so positioniert werden, dass sie einen frühen Wärmetod sterben.

Ein von der Bundestagsfraktion der Grünen in Auftrag gegebenes Gutachten (PDF) kritisiert den geplanten, vorzeitigen Verschleiß von Produkten, die eigentlich viel länger halten könnten, die "geplante Obsoleszenz". Die Autoren sind Stefan Schridde, Initiator der Verbraucherschutzorganisation "Murks? Nein Danke" und Christian Kreiß, Professor für Wirtschaftspolitik an der Hochschule Aalen.

Zum Macbook Pro heißt es in dem Gutachten: "Das Gehäuse und/oder die eingebauten Komponenten sind verklebt. So wird ein Austausch von Komponenten oder eine Reparatur erheblich erschwert oder erheblich verteuert, da eine Fachwerkstatt in Anspruch genommen werden muss." Dadurch werde eine konstruktionsbezogene Verkürzung der Nutzung erreicht. "Verklebte Gehäuse und Komponenten gibt es auch bei anderen Produkten. Die vermeintlichen Kostenvorteile in der Herstellung werden hier zu Lasten der Kunden und der Umwelt ausgeweitet", erklärt das Gutachten. Für den Kunden bedeute dies einen "wirtschaftlichen Totalschaden". Als Maßnahme empfehlen die Autoren eine Ausweitung des Mangelbegriffs auf fehlende Reparierbarkeit.

Als weitere Beispiele werden Drucker genannt, die offenbar so konstruiert seien, dass nach einer vorgegebenen Zahl von Druckvorgängen das Gerät komplett ausfalle. Doch der bewusst geplante vorzeitige Verschleiß sei schwer nachweisbar. Enthüllt werden könnten solche Fälle nur, wenn ein Insider interne Information eines Unternehmens preisgibt.

Als Beispiel wird das Phoebus-Glühbirnen-Kartell von 1924 genannt, an dem alle damaligen großen internationalen Hersteller von Glühlampen beteiligt waren, darunter General Electric, Philips, Osram und Compagnie des Lampes, die vorsätzlich die Lebensdauer von Glühbirnen von etwa 2.500 Stunden Brenndauer auf 1.000 Stunden verringert hatten.

"Immense Müllberge"

Auch Elektrolytkondensatoren (Elko) in Fernsehern, Computern, Monitoren und Netzteilen, die oft in der Nähe von Wärme abgebenden Bauteilen positioniert werden, werden als Beispiele angeführt. Mit 10 Grad Temperaturerhöhung halbiere sich aber die Lebensdauer von Elkos.

Die Grünen-Politikerin Dorothea Steiner sprach von einer "Schweinerei", die "immense Müllberge" erzeuge. Nötig sei eine schnelle Überarbeitung des Gewährleistungs- und Garantierechts.  (asa)


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