Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-real-racing-3-tolles-rennspiel-im-micropayment-schraubstock-1302-97901.html    Veröffentlicht: 28.02.2013 14:49    Kurz-URL: https://glm.io/97901

Test Real Racing 3

Tolles Rennspiel im Micropayment-Schraubstock

Die vermutlich beste Rennspielserie für Tablets und Smartphones schickt - grundsätzlich kostenlos - ein neues Spitzenmodell auf die Pole Position: Real Racing 3. Ein klasse Programm, dessen Geschäftsmodell allerdings die Wirkung von Zucker im Tank hat.

Wer gerne im Zug, Flugzeug oder auf dem Beifahrersitz Auto fährt, hat auf Smartphone oder Tablet jetzt eine Möglichkeit mehr: Electronic Art hat das von seinem Entwicklerstudio Firemint produzierte Real Racing 3 veröffentlicht. Die Vorgänger hatten schon Klasse, und zumindest die Zahlen legen für Teil 3 auch Masse nahe: Es gibt 46 lizenzierte Vehikel von Herstellern wie Porsche, Lamborghini, Dodge, Bugatti und Audi. Dazu kommen Rennen mit bis zu 21 Kontrahenten auf Kursen wie Silverstone und dem Hockenheimring sowie über 900 unterschiedliche Events - vom Stock-Car-Rennen bis zur Supercar-Liga mit Sportflitzern aus Italien und Deutschland.

Technisch hat sich einiges gegenüber dem Vorgänger getan. Die Grafik wirkt deutlich verbessert: Die Lacke funkeln geradezu im Sonnenlicht, die Strecken sind abwechslungsreich und interessant gestaltet. Eine Reihe von Funktionen des Vorgängers haben die Entwickler allerdings gestrichen: Weder gibt es in Teil 3 die Möglichkeit, per Airplay auf einem HD-Fernseher zu spielen, noch gibt es einen echten Multiplayermodus.

Der Ersatz für die Onlinepartien trägt den offiziellen Namen "Time Shifted Multiplayer". In der Praxis bedeutet dass, dass Real Racing 3 das Fahrverhalten anderer menschlicher Mitstreiter auswertet und sie als Gegner auf den Parcours setzt. Der Spieler rast mit Autos um die Wette, als deren Fahrer echte Menschen angezeigt werden. Derzeit sind das sehr viele Spieler aus Asien mit entsprechend nicht lesbaren Schriftzeichen. Eigentlich soll der Pool aber mit Kumpels aus sozialen Netzen gefüllt werden.

Im Alltag hat das System gelegentlich Nachteile: Uns ist immer wieder mal passiert, dass wir in einzelnen Rennen plötzlich keinerlei Chancen hatten, auf einem der vorderen Plätze zu laden. Auch wenn wir den Wettbewerb abgebrochen und in gleicher Besetzung neu gestartet haben, haben wir nur Rücklichter zu sehen bekommen. Bei einem völligen Neustart war das Feld dann plötzlich wieder recht ausgeglichen - und ab und zu war es sogar auffällig einfach, einen Start-Ziel-Sieg zu erringen. Möglicherweise müssen die Entwickler hier noch nachbessern, oder es fehlen schlicht noch mehr menschliche Profile, die mit unserem vergleichbar sind.

Die Steuerung erfolgt grundsätzlich durch das Drehen des Smartphones oder Tablet. Aufs Gaspedal tritt das Programm automatisch, Gangwechsel erledigt es ebenfalls selbst - jedenfalls in der einfachsten, voreingestellten von sieben Steuerungsarten. Auf Wunsch lassen sich außerdem Fahrhilfen deaktivieren und eine Reihe weiterer Einstellungen vornehmen. Ein echtes Schadensmodell gibt es nicht, ebenso hat Firemint die bei einer früheren Präsentation gezeigten Replays wieder gestrichen.

Real Racing 3 ist grundsätzlich kostenlos für Smartphones und Tablets als Download erhältlich. Es setzt Android 2.3.3 oder iOS 4.3 voraus. Bei Golem.de haben wir das Spiel auf einer kleinen Reihe von Geräten ausprobiert: Auf einem iPad Mini hatten wir grundsätzlich das Gefühl, dass die Bildwiederholrate nicht ganz optimal war, auf einem iPad 3 kam es in der Cockpitansicht sogar zu starken Rucklern. Auf anderer Hardware wie einem iPhone 4S lief das Programm hingegen sehr flüssig, auf den ganz aktuellen Geräten sowieso.

Unterhaltskosten und Fazit

Die Anschaffung des Programms ist zwar kostenlos, Ingame gibt es aber zahlreiche Stellen, an denen eben doch echte Euros fällig werden können. In Real Racing 3 gibt es zwei Währungen: Renn-Dollar, die etwa für den Kauf neuer Vehikel fällig werden. Für absolvierte, vor allem aber für gewonnene Rennen gibt es diese Dollar, so dass wir uns nach und nach immer tollere Autos kaufen können. Das System erinnert an andere Rennspiele - allerdings machen wir gefühlt etwas weniger schnell Fortschritte. Wer direkt nach dem Start einen High-End-Boliden in der virtuellen Garage stehen haben möchte, muss je nach Modell zwischen 8 und 15 Euro investieren.

Der eigentliche Druck zum Geldausgeben geht auf Dauer von den Goldmünzen aus. Die sind unter anderem nötig, um Wartezeiten beim Ölwechsel oder beim Austausch des Motors oder der Bremsen zu überspringen. Wer das nicht macht, darf bis zum nächsten Einsatz Däumchen drehen: Anfangs nur ein paar Minuten, später ist für einen neuen Motor dann auch mal mehr als eine Stunde Warten angesagt. 10 Goldmünzen kann der Spieler für rund 2 Euro kaufen; 1.000 Gold sind für rund 90 Euro zu haben, was dann allerdings eine Weile reichen sollte.

Die Münzen lassen sich nur sehr begrenzt selbst verdienen: Es gibt drei bei den gelegentlichen Rangaufstiegen. Wer weitere kostenlos haben möchte, muss bei seinen Facebook-Freunden für Real Racing 3 werben. Oder er ruft direkt im Game eine Seite auf, über die es ein paar Goldstücke für die Teilnahme an Promotionsaktionen von Firmen wie Zalando, Bild am Sonntag oder der Telekom gibt. Dazu muss man aber Daten von sich preisgeben - wir würden so etwas grundsätzlich lassen.

Zumindest in der Version 1.0.2 auf iOS lassen sich die Wartezeiten überspringen, indem der Nutzer die Systemzeit seines Geräts manuell vorstellt (es muss wirklich die Zeit sein, nicht das Datum). Es dürfte aber nicht allzu lange dauern, bis EA diese Programmlücke geschlossen hat.

Schade: Soweit wir das festgestellt haben, müssen Spieler mit mehreren Geräten ihr Geld auf jedem neu ausgeben. Wenigstens unter iOS hätten wir erwartet, dass auch Daten über den Kontostand per Gamecenter-Cloud ausgetauscht werden.

Fazit

Mit Real Racing 3 hat Firemint ein tolles Rennspiel für iOS und Android abgeliefert. Grafik, Fahrgefühl und auch die schiere Masse an Strecken, Autos und Modi sind eine Klasse für sich. Auch die Steuerung mit ihren vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten ist gelungen - Einsteiger kommen sofort damit zurecht, aber auch erfahrene Piloten dürfen sich kaum unterfordert fühlen. Zwar sind die Gegner mal viel zu stark und mal viel zu schwach, aber im Großen und Ganzen funktioniert auch dieses System.

Unbeschwerten Spielspaß zum Nulltarif bietet Real Racing 3 allerdings nur die ersten ein bis zwei Stunden. Spätestens dann sind umfangreiche Wartungsarbeiten nötig, und es schlägt die Stunde des Micropayments für alle, die nicht lange Wartezeiten in Kauf nehmen möchten.

Das Geschäftsmodell fühlt sich noch halbwegs fair an, wenn man als Gelegenheitsfahrer nur ab und an eine Handvoll Gold oder Ähnliches für knapp 2 Euro kaufen muss. Ambitionierte Rennsportler müssen aber viel mehr ausgeben. Wir fänden es gut, wenn es, wie bei anderen Titeln auch, wenigstens alternativ eine Vollversion geben würde.  (ps)


Verwandte Artikel:
Layton's Mystery Journey im Test: Katrielle, fast ganz der Papa   
(21.07.2017, https://glm.io/129069 )
Indiegames-Rundschau: Schamanen, Katzen und Wikinger   
(06.03.2017, https://glm.io/126456 )
Firemint: Real Racing 3 fährt kostenlos   
(12.02.2013, https://glm.io/97545 )
iPhone 5: Real Racing 3 mit asynchronem Multiplayer   
(13.09.2012, https://glm.io/94528 )
Burnout Paradise Remastered: Hochaufgelöste Wettrennen in Paradise City   
(21.02.2018, https://glm.io/132894 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/