Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ipc-linux-kernel-soll-d-bus-erhalten-1302-97512.html    Veröffentlicht: 11.02.2013 12:16    Kurz-URL: https://glm.io/97512

IPC

Linux-Kernel soll D-Bus erhalten

Der Linux-Kernel soll ein Kommunikationssystem erhalten, das eine vereinheitlichte Schnittstelle für D-Bus und andere IPC-Systeme bieten soll. Damit soll die Kommunikation zwischen Anwendungen und Systemkomponenten beschleunigt werden.

Der Kernel-Entwickler Greg Kroah-Hartman will ein einheitliches IPC-System für Linux entwickeln. Es soll ähnliche Funktionen bieten wie bereits vorhandene Systeme wie D-Bus, dessen Funktionen dann langfristig vom Kernel übernommen werden sollen. Damit soll die Interprozesskommunikation (Interprocess Communication, IPC) langfristig beschleunigt werden. Bislang scheiterte Kroah-Hartman aber mit ähnlichen Projekten wie AF_BUS an den anderen Kernel-Entwicklern.

Dem neuen IPC-System soll gleichzeitig eine Schnittstelle zum herkömmlichen D-Bus hinzugefügt werden, etwa unter dem Namen Libdbus. Anwendungen, die bisher die beiden D-Bus-Instanzen für die Kommunikation zwischen Anwendungen und System und Anwendungen untereinander nutzen, sollen gar nicht merken, dass der Kernel die IPC übernommen hat.

Vollständig neues System

Das IPC-System solle komplett neu geschrieben werden, erklärt Kroah-Hartman in seinem Blog. Seine AF_BUS-Socket-Patches seien damals von anderen Kernel-Entwicklern abgelehnt worden. Sie kommen lediglich in dem eigenen LTSI-Kernel zum Einsatz, der im automotiven Bereich genutzt wird.

Auch das in Android verwendete Binder kommt nicht infrage, so Kroah-Hartman. Stattdessen soll das neue IPC-System als Grundlage für Binder dienen.

Standardisierung der IPC-Systeme

Alison Chalken, die als selbstständige Softwareentwicklerin im Automobil-Bereich arbeitet und an der Entwicklung des neuen IPC-Sytems beteiligt ist, sieht den Schritt analog zur Umsetzung des Direct Rendering Module (DRM), das die Speicherverwaltung für Grafikkarten aus X11 in den Kernel verlegt. Nur dadurch sei ein Projekt wie Wayland überhaupt möglich. Die Verlegung des IPC-Systems in den Kernel sorge für eine notwendige Standardisierung.

Vor allem die Pläne der Gnome-Entwickler, verstärkt auf Apps mit Javascript zu setzen, könnten von dem neuen IPC-System profitieren. Nur mit einem Kernel-basierten IPC-System könnten Apps in einer sicheren Sandbox laufen.

Einen Zeitplan will Kroah-Hartman noch nicht präsentieren. Es gebe bereits genügend Entwickler, die an der Umsetzung des IPC-Systems arbeiteten.  (jt)


Verwandte Artikel:
Interprozesskommunikation: Systemd-Entwickler stellen Ersatz für Dbus-Daemon vor   
(24.08.2017, https://glm.io/129661 )
Kdbus: Interprozesskommunikation für den Kernel   
(18.09.2010, https://glm.io/78059 )
Udev-Alternative: Eudev offiziell vorgestellt   
(17.12.2012, https://glm.io/96398 )
Google: Chromebooks bekommen "Linux-VMs" und "Terminal"   
(27.02.2018, https://glm.io/133030 )
Bpfilter: Linux-Kernel könnte weitere Firewall-Technik bekommen   
(22.02.2018, https://glm.io/132933 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/