Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/power-delivery-100-watt-per-usb-1301-96856.html    Veröffentlicht: 11.01.2013 09:54    Kurz-URL: https://glm.io/96856

Power Delivery

100 Watt per USB

USB Power Delivery ist eigentlich schon seit Monaten fertiggestellt. Trotzdem versorgen die meisten Nutzer ihre Geräte noch immer per USB 2.0, USB 3.0, Battery Charge oder proprietären Mechanismen mit Energie. Für das flexible Power Delivery gab es auf der CES nur Prototypen.

Per USB 2.0 können Geräte in der Theorie nur maximal 2,5 Watt elektrische Leistung aufnehmen. USB 3.0 erreicht nur knapp das Doppelte. Für moderne Geräte ist das viel zu wenig und deswegen gibt es diverse Umgehungsmechanismen. Die meisten davon sind nicht Standard, weswegen es mitunter Probleme mit dem Standard gibt. Wer schon einmal versucht hat, ein iPad 4 an einem Samsung-Stromadapter oder ein Galaxy Tab an einem Apple-Stromadapter aufzuladen, wird das bemerkt haben. Solange das Display angeschaltet ist, lädt nichts.

Lösungen gibt es viele. Apple und Samsung nutzen beispielsweise proprietäre Aushandlungen, um mehr Energie zu ihren Geräten zu transferieren. Gerade bei Smartphones und Tablets hat fast jeder Hersteller seine eigene Lösung, und dementsprechend groß ist die heimische Sammlung an USB-2.0-Stromadaptern. Bei Festplatten werden Y-Kabel genutzt oder die Hersteller der Festplatten setzen darauf, dass der USB-Host beispielsweise mit einer leichten Spannungserhöhung den Standard verletzt. Gerade an alten Geräten starten USB-Blu-ray-Laufwerke oder Festplatten nicht oder brechen beim Hochfahren des Motors ab. Manchmal funktionieren nur besonders kurze USB-2.0-Kabel.

USB 3.0 löst das Problem nicht überall. Es gibt zwar eine breite Auswahl von USB-3.0-Festplatten, doch die große Micro-Buchse für USB 3.0 verbauen Smartphone- wie Tablethersteller nicht. Bleiben noch zwei Standards, die das Problem gezielt und mit unterschiedlichen Ansätzen angehen.

USB Power Delivery wird nur demonstriert

Das USB Implementers Forum zeigte dank des Herstellers Microchip bereits funktionierendes USB Power Delivery (USB PD), allerdings in riesigen Kästen. Von der Produktreife ist der fertige Standard noch immer weit entfernt. Microchip rechnet mit ersten Produkten in etwa einem halben Jahr. Da Microchip keine fertigen USB-Produkte verkauft, liegt die Zeitplanung letztendlich bei den Herstellern, die den Standard übernehmen müssen. Microchip zeigte auf der Unterhaltungselektronikmesse CES in Las Vegas, wie ein Notebook oder Lautsprecher mit Strom per USB PD versorgt werden kann. Dabei handeln die beiden Gegenstellen beispielsweise die notwendige Spannung und Stromstärke aus. Im höchsten Profil, das bis zu 100 Watt (20 V, 5 A) erlaubt, braucht es jedoch spezielle Kabel. Das führte Microchip noch nicht vor.

Der Testaufbau zeigte keine vollständige Integration von USB PD. Sowohl das Notebook-Netzteil als auch das Lautsprechernetzteil wurden direkt in eine USB-PD-Empfängerbox geleitet, die sich als passendes Endgerät gegenüber dem USB-PD-Einspeiser zeigte. Damit ein USB-PD-Hub nicht mit zu hoher Spannung angeschlossene Geräte zerstört, startet die Verbindung zunächst einmal entsprechend USB 2.0 oder 3.0 mit 5 Volt. Erst wenn sich beide Geräte auf eines der fünf Profile verständigt haben, wird die Spannung und Stromstärke angepasst. Microchip verwies darauf, dass diese Lösung in Zukunft die flexibelste sein wird und die Chancen damit gut stehen, dass sie auch angenommen wird. Allerdings gibt es da noch einen Standard, der wohl nicht verschwinden wird.

USB Battery Charge bleibt parallel zu USB PD

USB Battery Charge (USB BC) ist längst im Einsatz, auch wenn das kaum jemand bemerkt. Viele Notebooks haben beispielsweise einen entsprechenden Anschluss, Microchip demonstrierte das auf der CES. Beispielsweise können neuere Geräte von Samsung und Apple per USB Battery Charge aufgeladen werden. Microchip zeigte uns mit einem USB-Hub, wie sowohl ein iPad Mini als auch ein Galaxy Note 2 per Battery Charge aufgeladen wurden.

Beim Tablet zeigte das Messgerät, das auch gleichzeitig der Hub war, eine Stromstärke von etwa 1,8 A an. Beim Galaxy Note 2 waren es 0,8 A. Beides liegt deutlich oberhalb von USB 2.0. Hier sind nur 0,5 A bei 5 V erlaubt. Dasselbe funktionierte auch mit einem Notebook, das über den Hub die Geräte mit Strom versorgte. Das Messgerät im Hub zeigte hier etwas niedrigere Werte an.

Das heißt aber noch lange nicht, dass sich die beiden Hersteller gegenseitig unterstützen oder diese wichtige Funktion gar bewerben. Sie benutzen weiter auch ihre proprietären Mechanismen, was dem Zubehörmarkt sicher nicht schadet. Es wird also auch in Zukunft nicht nur USB PD und BC geben, sondern für Altgeräte zusätzlich proprietäre Mechanismen und Überschreitungen der alten Standards.

USB PD wird es nicht nur für USB 3.0 geben, sondern auch für die kleineren USB-2.0-Steckverbindungen, die gerade bei mobilen Geräten alternativlos sind. Nennenswerte Verbreitung findet nur der proprietäre Lightning-Anschluss. Selten und für Smartphones zu groß ist PDMI. Der USB-Standard bleibt also kompliziert - auch für den Kunden, der rund ein Dutzend Verbindungen und diverse Aufsätze auf die bestehenden Standards kennen sollte, wenn er das richtige Zubehör erwerben möchte. Zu diesen Aufsätzen gehören übrigens auch MHL für die HDMI-Ausgabe häufig in Verbindung mit USB OTG und MyDP für die Displayport-Ausgabe.  (ase)


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