Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/archos-gamepad-mit-android-im-test-teurer-und-besser-waere-besser-gewesen-1301-96833.html    Veröffentlicht: 11.01.2013 12:11    Kurz-URL: https://glm.io/96833

Archos Gamepad mit Android im Test

Teurer und besser wäre besser gewesen

Archos präsentiert mit dem Gamepad ein 7-Zoll-Tablet mit Analogsticks, das bei einem Preis von 150 Euro nicht nur für eingefleischte Android-Spieler interessant klingt. Ob die Steuerung gut funktioniert und das Gerät eine Alternative zu PS Vita und Nintendo 3DS sein kann, klären wir im Test.

Mit dem Gamepad hat der französische Hersteller Archos ein Android-Tablet mit physischen Steuerelementen vorgestellt. Diese können über eine eigene Software mit der virtuellen Steuerung vieler Android-Spiele verknüpft werden. Für den niedrigen Verkaufspreis von 150 Euro müssen bei der Hardware allerdings einige Kompromisse eingegangen werden.



So arbeitet im Inneren des Tablets ein Prozessor mit zwei Cortex-A9-Kernen, die mit 1,6 GHz getaktet sind. Die in das SoC integrierte GPU ist eine Mali 400 MP. Der Arbeitsspeicher ist 1 GByte groß, der Flash-Speicher lediglich 8 GByte. Ein Steckplatz für Micro-SD-Karten bis maximal 64 GByte ist vorhanden. Da aktuelle Spiele teilweise viel Speicherplatz einnehmen, ist dieser auch nötig.

Das Gehäuse aus Kunststoff ist gut verarbeitet und misst 229,8 x 118,7 mm. Im Bereich des Bildschirms ist das Tablet 11,1 mm dick, an den Knöpfen der Seitenflügel maximal 15,8 mm. Das Gamepad wiegt 328 Gramm, 12 Gramm weniger als das Nexus 7. Natürlich ist Archos' Tablet durch die seitlichen Bedienungselemente länger als übliche 7-Zoll-Tablets. Wird das Gamepad als normales Tablet genutzt, erfordert dies eine gewisse Gewöhnung.

Gut verarbeitetes Kunststoffgehäuse

Single-Band-WLAN unterstützt das Archos Gamepad auf der Frequenz 2,4 GHz, ein UMTS-Modem ist nicht verbaut. Auch einen GPS-Empfänger hat das Tablet nicht und auf Bluetooth muss der Nutzer ebenfalls verzichten. Die eingebaute VGA-Frontkamera reicht für Videotelefonie, schöne Fotos können damit eher nicht gemacht werden. Über einen Mini-HDMI-Anschluss kann das Gamepad zudem an einen Monitor oder Fernseher angeschlossen werden. Das Ausgabebild kann einfach über die Systemsteuerung skaliert werden.

Anders als bei früheren Archos-Modellen wie dem 101 G9 sind die Kunststoffschalen des Tablets an den Rändern sauber zusammengefügt und weisen nur ein geringes Spaltmaß auf. Das Archos 101 XS ist zwar noch etwas besser verarbeitet, kostet allerdings auch deutlich mehr als das Gamepad. Obwohl das Kunststoffgehäuse des Spieltablets bedingt durch die zahlreichen Knöpfe weitaus mehr Öffnungen hat als das eines normalen Tablets, ist es bewegungsstabil und knarzt nicht.

Schwaches Display

Der Bildschirm ist 7 Zoll groß und hat eine Auflösung von 1.024 x 600 Pixeln. Dies ergibt eine Pixeldichte von knapp 170 ppi. Googles Nexus 7 hat hier bei gleicher Displaygröße und einer Auflösung von 1.280 x 800 Pixeln eine Pixeldichte von 216 ppi. Wie bei Android auf Tablets üblich, wird die Statuszeile nicht ausgeblendet, während ein Programm läuft. Dadurch verringert sich der Platz auf dem Display entsprechend.

Das 5-Punkt-Multitouch-Display reagiert gut und verzögerungsfrei auf Touch-Eingaben. Auch der Lagesensor reagiert ohne Verzögerung. Ein Helligkeitssensor ist nicht eingebaut.

Schlechte Blickwinkenstabilität, geringe Helligkeit

Beim Display hat Archos einige Abstriche gemacht, um den Preis des Tablets niedrig zu halten. Die maximale Helligkeit ist gering, bei starkem Licht sind die Bildschirminhalte schwer zu erkennen. Das Display unseres Modells hat zudem einen etwas geringen Kontrast, leicht flaue Farben und wirkt durch einen grobkörnigen Schleier über dem Bildschirm immer etwas unscharf. Bei Filmen oder Spielen fällt dieser Schleier zwar weniger auf, sichtbar ist er dennoch. Surft der Nutzer im Internet oder liest ein Buch, stört das körnig wirkende Bild stark. Schon in ausgeschaltetem Zustand sieht der Bildschirm fleckig aus.

Zudem ist das Display des Gamepads nicht blickwinkelstabil. Insbesondere wenn das Tablet nach hinten geneigt wird, invertieren die Farben und die Helligkeit nimmt stark ab. Das stört besonders, wenn der Anwender das Tablet im Hochkantmodus benutzt, da das Display je nach Kipprichtung stets für ein Auge dunkler ist. Beim Blick von oben auf den Bildschirm ist der Effekt weniger stark, von den Seiten betrachtet verliert das Display ebenfalls nur wenig an Helligkeit, die Farben bleiben stabil.

Hier wurde an der falschen Stelle gespart: Ein speziell für mobiles Gaming entwickeltes Tablet sollte einen ausreichend hellen, blickwinkelstabilen Monitor haben, da der Nutzer es sicherlich nicht nur in Innenräumen benutzen wird. Verwendet der Anwender das Gamepad als normales Tablet, stört die schlechte Bildschirmqualität besonders. Mit dem körnigen, flauen Display macht es bereits nach kurzer Zeit keinen Spaß mehr, im Internet zu surfen oder Bücher zu lesen. Mit dem Display des Nexus 7 kann der Bildschirm des Archos Gamepad definitiv nicht mithalten.

Analoge Knöpfe und Steuersticks

Für Konsolenspieler fühlt sich die Anordnung der Bedienungselemente des Gamepads vertraut an. Die Steuerungselemente sind auf Flügeln links und rechts vom Display angebracht. Links finden sich eine Schultertaste, vier Richtungstasten, ein analoger Steuerstick sowie zwei zusätzliche Knöpfe. Auf der rechten Seite ist das Layout genauso - statt der vier Bewegungstasten befinden sich hier allerdings vier Standardknöpfe.

Die Knöpfe und Schultertasten sind aus transparentem Kunststoff, die beiden Analogsticks sind schwarz und haben eine raue Oberfläche. Unter ihnen ist jeweils ein weiterer, kleinerer Knopf angebracht. Die Knöpfe und Schultertasten liegen ohne zu wackeln im Gehäuse und haben einen sehr festen Druckpunkt. Im Unterschied zu aktuellen Handhelds wie der PS Vita oder dem Nintendo 3DS benötigen die Knöpfe einen etwas längeren Weg, bis sie den Kontakt auslösen. Sie reagieren mit einem lauten Klicken, was zunächst ungewohnt ist. Die Analogsticks lassen sich schwerer bewegen als die einer PS Vita oder eines Nintendo 3DS, bei einigen Bewegungsabläufen blockieren sie etwas.

Insgesamt sind die Steuerungselemente des Gamepads jedoch anständig verarbeitet. Spieler anderer Systeme wie der PS Vita, des Nintendo 3DS oder der gängigen Konsolen könnten trotz der vertrauten Anordnung mit ihnen jedoch zunächst einige Probleme haben, da sie schwerer zu bewegen sind.

Das Gamepad ist mit dem Mapping Tool von Archos ausgestattet, mit dem der Anwender den analogen Steuerungselementen relativ einfach die virtuellen Steuerfunktionen eines Spiels zuweisen kann. Zusammen mit einigen Spielen hat Archos praktischerweise bereits für viele Spiele Profile vorinstalliert, die auch bearbeitet werden können. Auch für Spiele, die noch kein dezidiertes Profil haben, sind die Grundfunktionen wie der linke Analogstick zur Steuerung meist vordefiniert. Theoretisch kann mit dem Mapping Tool jedem Android-Spiel eine physische Steuerung zugeordnet werden.

Leicht programmierbares Mapping Tool

Die restlichen Steuerfunktionen kann der Nutzer mit dem Mapping Tool schnell und intuitiv programmieren. Das Tool ist zu jeder Zeit über die Statusleiste aufrufbar. Per Drag-and-Drop wird die gewünschte Taste oder der gewünschte Stick mit der jeweiligen Stelle des Bildschirms verknüpft, an der sich die virtuelle Steuerungstaste befindet. Anschließend können die Größe des virtuellen Feldes sowie die Ansprachegeschwindigkeit eingestellt werden. Die Größe des Feldes ist wichtig, um nicht versehentlich zwei virtuelle Steuerungselemente auf einen analogen Knopf oder Stick zu legen. Die Einstellung der Ansprache ist nützlich, um beispielsweise bei First-Person-Shootern die Geschwindigkeit des rechten Sticks einzustellen, mit der die Spielfigur gedreht wird. Leider kann der Nutzer die Geschwindigkeit nicht stufenlos einstellen, lediglich drei Stufen sind möglich. Der linke Stick hat diese Einstellungsmöglichkeit gar nicht. Nach dem abschließenden Speichervorgang wird die Programmierung beim nächsten Start des Spiels automatisch geladen.

Die so programmierte Steuerung funktioniert in unseren Tests weitgehend zuverlässig, lediglich die Analogsticks reagieren ab und an etwas hakelig. Dies hängt außer von einer baulich bedingten Schwergängigkeit auch von der ursprünglichen virtuellen Steuerung des jeweiligen Spiels ab. So hatten wir bei einem Spiel mit dem linken Analogstick größere Probleme, bei einem anderen funktionierte die Steuerung deutlich besser. Generell sind die Analogsticks jedoch anfälliger für Fehlfunktionen als die Knöpfe, was auch an der virtuellen Fingerbewegung zu liegen scheint, die emuliert werden muss.

Leise Lautsprecher und unterdurchschnittliche Akkulaufzeit

Die zwei eingebauten Lautsprecher sind auf der Vorderseite angebracht. Die maximale Lautstärke ist relativ gering. Musik wird mit kaum wahrnehmbaren Bässen wiedergegeben, die Höhen sind dezent und verzerren nur in Extremsituationen. Insgesamt klingen die Lautsprecher relativ dünn. Für die kurze Untermalung eines Spiels reichen sie aus, für längeren Spiel- oder Musikgenuss sind Kopfhörer die bessere Wahl.

Zur Kapazität des Lithium-Polymer-Akkus macht Archos keine Angaben. Die Laufzeit ist mit 3 Stunden Wiedergabezeit eines 1080p-Videos eher im unteren Durchschnitt angesiedelt. Wird das Gamepad zum Spielen verwendet, sinkt die Akkulaufzeit sogar auf knapp 2 Stunden. Bei dem niedrigen Preis des Tablets sind diese Werte durchaus verständlich, für ein mobiles Gaming-Tablet allerdings nicht überzeugend.

Auslieferung mit Jelly Bean

Das Archos Gamepad wird mit Android 4.1.1 alias Jelly Bean ausgeliefert. Damit läuft es weitgehend flüssig, im Browser wie auch im Play Store gibt es dennoch einige kleine Ruckler. Diese sind im Vergleich zu einem Tablet mit Android 4.0 alias Ice Cream Sandwich zwar geringer, andere Tablets mit Android 4.1 laufen jedoch deutlich flüssiger. Standardprogramme wie Gmail oder Google Maps werden zügig gestartet und laufen flüssig, aufwendigere Programme wie bestimmte Spiele brauchen hingegen deutlich länger zum Laden als auf leistungsfähigeren Geräten.

Der Dual-Core-Prozessor des Gamepads kommt bei sehr grafikintensiven Spielen zwar an seine Grenzen, sie lassen sich aber trotzdem noch gut spielen. So läuft der First-Person-Shooter Nova 3 zwar nicht komplett flüssig, zeigt aber auch keine Aussetzer. Einem Vergleich zum Tegra-3-Prozessor eines Nexus 7 kann das Gamepad zwar nicht standhalten, der Dual-Core-Prozessor macht seine Arbeit aber ordentlich.

Die Leistung des Gamepads ist gemischt. Einerseits laufen grafisch anspruchsvolle Spiele mit dem Dual-Core-Prozessor besser als erwartet, die allgemeine Systemgeschwindigkeit erscheint andererseits stellenweise etwas träge. Dies wirkt sich besonders auf den Browser, den Play Store und die Bedienung im System aus.

Benchmarks nicht vollständig durchführbar

Im Gerätebenchmark mit Geekbench erreicht das Archos Gamepad einen Wert von 944 Punkten. Das Nexus 7 mit seinem Tegra-3-Prozessor erreicht hier 1.448 Punkte, das Archos 101 XS mit Dual-Core-Prozessor schafft 1.404 Punkte.

Der Javascript-Benchmark im Standardbrowser ergibt für das Gamepad eine Punktzahl von 1.422. Das Archos 101 XS erreichte unter Android 4.1 eine Punktzahl von 1.707, das Nexus 7 kommt im Chrome-Browser unter Android 4.2 auf 1.311 Punkte. Dass das Gamepad hier einen höheren Wert als das Nexus 7 hat, liegt auch daran, dass der Test eher die Leistung der einzelnen Kerne berücksichtigt. Diese sind beim Gamepad höher getaktet als beim Nexus 7.

Den von uns standardmäßig durchgeführten Grafiktest GL Benchmark konnten wir auf dem Archos Gamepad nicht durchführen, da die App ihren Dienst auf dem Tablet verweigert.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Archos Gamepad ist direkt bei Archos für 150 Euro erhältlich. Auch einige Onlinehändler bieten das Tablet für einen ähnlichen Preis an.

Fazit

Die Vorstellung, Android-Spiele nicht mehr über den Gerätebildschirm bedienen zu müssen, hat uns auf Anhieb zugesagt. Mittlerweile gibt es eine Reihe guter Android-Spiele, für die sich eine physische Steuerung lohnt. Zwar können über Bluetooth Spielecontroller mit Android-Geräten gepaart werden, eine wirklich mobile Lösung ist das jedoch nicht.

Dementsprechend gespannt waren wir auf das Gamepad, das zudem zu einem sehr niedrigen Preis angeboten wird. Mit dem Mapping Tool schafft es Archos auch, die virtuelle Steuerung von Android-Spielen trotz einiger kleiner Probleme gut auf die physischen Steuerungselemente des Tablets zu übertragen. Ein normaler Hersteller wie Archos kann es sich jedoch nicht leisten, seine Geräte mit einer derartig niedrigen Gewinnmarge wie Google zu verkaufen. Daher impliziert der niedrige Preis des Gamepads leider auch in vielen Bereichen eine niedrige Qualität. Sie ist dem Preis von 150 Euro zwar angemessen, weshalb das Gerät auch nicht als schlecht bezeichnet werden sollte, es macht aber durch die verbaute Hardware in vielen Bereichen einfach zu wenig Spaß.

Der Bildschirm, aber auch die Akkulaufzeit und Details wie die Lautsprecher und die Systemgeschwindigkeit überzeugen nicht und sorgen dafür, dass unser Fazit letztlich nicht positiv ausfällt. Das Gerät dürfte es schwer haben, Spieler anderer mobiler Konsolen anzulocken. Dass es dennoch seit seiner Markteinführung fast durchgehend ausverkauft ist, zeigt, dass der Markt für ein solches Gerät vorhanden ist. Eine etwas teurere, in der Hardware aber bessere Version eines Gamepads könnte sich daher womöglich gut verkaufen.  (tk)


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