Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/flipper-von-stern-pinball-die-wohnung-als-spielhalle-1301-96821.html    Veröffentlicht: 10.01.2013 10:24    Kurz-URL: https://glm.io/96821

Flipper von Stern Pinball

Die Wohnung als Spielhalle

Gary Sterns Firma ist der letzte verbleibende Hersteller von mechanisch aufwendigen Flippern. Im Gespräch mit Golem.de erklärt er, warum er nun auch Geräte für Privatkunden verkauft.

Um 32 Prozent stieg laut Gary Stern im Jahr 2012 der Umsatz seiner Firma - da verwundert es fast, dass all die großen Namen wie Bally, Gottlieb oder Williams heute aus den Kneipen weitgehend verschwunden sind. Fans der mechanisch gesteuerten Flipper erinnern sich vielleicht noch an Geräte wie Terminator 2 und The Addams Family, die liebevoll gestaltet und mit überraschenden Spieloptionen in den 1990er Jahren häufig zu sehen waren.

Damals hatten die Pinball-Machines, denen die britische Band The Who in ihrer Rockoper Tommy 1969 sogar mit "Pinball Wizard" einen Song widmeten, ihre goldene Ära mit dem genannten Automaten aber schon hinter sich gelassen. In den 1970er und 1980er Jahren wurden die Flipper immer aufwendiger, danach ging die Branche durch mehrere Krisen. Stern Electronics aus Chicago stellte 1983 die Produktion ein. Als dann 1999 mit Williams der letzte Hersteller von Flippern keine Geräte mehr baute, gründete Gary Stern seine Firma als Stern Pinball neu.

Seitdem ist er der einzige, nicht der letzte Hersteller von Flippern, wie Gary Stern im Gespräch mit Golem.de sagt: "Der Letzte zu sein klingt so nach 'last man standing', und als ob wir aufhören würden - das tun wir aber nicht. Wir lieben Flipper." Neben den für den Verleih vorgesehenen Geräten hat Stern seit kurzem auch leicht abgespeckte Maschinen im Angebot, die Privatkunden direkt erwerben können. Den Anfang machte 2012 der Flipper Transformers, auf der Unterhaltungselektronikmesse CES 2013 in Las Vegas stellt Stern nun den neuen Avengers vor. Beide Geräte sind Lizenzmaschinen, die sich auf die erfolgreichen Comicverfilmungen berufen.

Solche Lizenzen sind manchmal recht leicht und manchmal gar nicht zu bekommen, wie Gary Stern erklärt. Mal kommen die Inhaber der Rechte an den großen Unterhaltungsmarken auf den Flipperhersteller, mal ist es umgekehrt. "Manchmal lieben die Firmen einfach Flipper", stellt Stern fest. Für Arnold Schwarzenegger sei der Terminator-Flipper sogar "eine Trophäe" gewesen.

Für den Hollywoodstar mag es ein Leichtes gewesen sein, sein Gerät - sofern er es nicht ohnehin geschenkt bekam - für rund 10.000 US-Dollar zu erwerben. Für die meisten Flipperfans sind die Spielhallenautomaten nahezu unerschwinglich geworden, weil nach dem Ausstieg von Williams eine regelrechte Sammelwut einsetzte. Auch schlecht erhaltene Geräte mit früher großer Beliebtheit sind heute kaum unter 3.000 Euro zu bekommen.

Da erscheinen die Preise ab 2.500 US-Dollar (plus Steuern), die Stern für seine Heimflipper verlangt, nahezu preiswert. Dafür gibt es immerhin ein nagelneues Gerät mit gleich großem Spielfeld wie bei den Verleihgeräten und, wie Gary Stern betont: Auch die wichtigsten mechanischen Elemente wie die Flipperarme, die Bumper und Pop-ups sollen aus den professionellen Geräten stammen. Hergestellt werden die Flipper vollständig in verschiedenen Werkstätten in der Gegend um Chicago. Nicht nur in den USA sind die Pinballs noch beliebt: Die Hälfte der Profiflipper exportiert Stern.

Avengers und Transformers ausprobiert

Schon auf den ersten Blick unterscheiden sich die Heimflipper aber von den Geräten aus der Spielhalle: Sie wirken deutlich kleiner. Dennoch ist das Spielfeld, wie Stern versprach, tatsächlich so groß wie bei einem Kneipengerät. Das kleinere Gehäuse, das nicht aus Sperrholz, sondern Blech besteht, trügt hier.

Das fehlende Holz wirkt sich auf das Gewicht und damit das Spielgefühl aus. Wenn die Füße nicht am Boden verankert sind, wackelt der Flipper beim Mogeln durch leichtes Rütteln am Gehäuse viel leichter als ein Verleihgerät. Entsprechend schwach sind auch die Sensoren für einen Tilt eingestellt, wie in unserem Video gut zu sehen ist. Erst recht grobe Behandlung führt zum Spielabbruch. Wer mehr Spielhallengefühl will, wird die Standfüße wohl mit mehr Blech versteifen und am Boden festschrauben.

Auch der Kopfaufsatz, die sogenannte Backbox, ist kleiner als bei kommerziellen Flippern. Der Punktestand wird darin nicht angezeigt, das erledigen zwei kleine LED-Zeilen unterhalb der Box. Zwischen ihnen sitzt auch der einzige Lautsprecher - er macht zwar ordentlich Krach, aber in Mono ist Flippern doch akustisch weit von den Spielhallengeräten entfernt. Findige Bastler werden das wohl durch seitliche Lautsprecher ändern und auch den sonst im Boden angebrachten Subwoofer nachrüsten. Dieser Lautsprecher, so scherzt Gary Stern, diente aber bei den älteren Flippern mit seinem Magneten "eh nur zum Festhalten der Schrauben, wenn man etwas reparieren musste". Ein anderes charakteristisches Element, den mechanischen Knocker, der mit einem Knall ein Freispiel anzeigte, hat Stern bei den neuen Geräten auch weggelassen.

Letztendlich geht es aber nicht nur um mechanische Liebhaberei, sondern vor allem ums Spielen, und dabei vergisst man schnell, dass man vor einem auf Kosten optimierten Gerät steht. Die Kugel verhält sich so, wie es aus der Spielhalle bekannt ist, und das mit LEDs beleuchtete Spielfeld ist brillant. Freilich fallen die Rampen und die Ziele alle etwas kleiner aus als bei den erwähnten Flipperlegenden, aber allein das haptische Feedback ist etwas, das in Originalgehäuse eingebaute digitale Flipper so nicht bieten.

Auf bei besonders aufwendigen Pinballs vorhandene Spielereien wie Magnete oder Kräne für die Kugel ist bei den Heimgeräten freilich gar nicht zu hoffen, eine klassische Funktion gibt es aber: Ball Search. Dabei löst der Flipper, wenn die Kugel irgendwo festhängt, alle mechanischen Elemente aus - der Effekt mit seinem manchmal minutenlangen Rattern hat in vielen kleinen Kneipen schon Gäste irritiert. Wer Besuchern in seinem Zuhause Geld aus der Tasche ziehen will, muss schon selbst kassieren; die kleinen Stern-Flipper haben keinen Münzschlitz. Höchstens zum Putzen kann der Verlierer einer Partie verdonnert werden, denn die Abdeckung des Spielfelds lässt sich - mit einem Schloss gesichert - nach oben klappen, wie in unserem Video im Hintergrund bei 0:52 Minuten zu sehen ist.

Dass die Ausstattung der beiden Flipper nicht dem entspricht, was Sammler sich wünschen, sagte Gary Stern auch, aber: "Die kommerziellen Geräte fangen bei 5.000 US-Dollar an." Wo beim Preis die Grenze nach oben liegt, wollte Stern nicht verraten.  (nie)


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