Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0009/9621.html    Veröffentlicht: 05.09.2000 16:18    Kurz-URL: https://glm.io/9621

Erstes Windows-2000-Virus aufgetaucht

Virus nutzt multiple Data Streams des NTFS-File Systems

Antivirenhersteller haben ein neues bahnbrechendes Virus entdeckt, das sich im NTFS-Dateisystemen einbettet und auf den Namen W2K.Stream getauft wurde. Das Virus wurde Ende August von den tschechischen Hackern mit den Codenamen Benny und Ratter programmiert. Zur Zeit sind allerdings noch keine Infektionen außerhalb der Testlabore bekannt geworden.

Eugene Kaspersky
Eugene Kaspersky
"Dieses Virus läutet eine völlig neue Ära in der Virenprogrammierung ein", so Eugene Kaspersky, Chef der Kaspersky Labs in Moskau. Durch die Stream-Companion-Technologie pflanze sich das Virus selbstständig in einer völlig neuen Form in Programm-Dateien ein. Die Erkennung und Entfernung des Virus sei daher wesentlich komplizierter als es bei bisherigen Viren der Fall war, so Kaspersky.

Entgegen bisher bekannten Methoden der Datei-Infektion, bei denen das Virus sich an den Anfang, an das Ende oder in einen beliebigen Teil der zu infizierenden Datei hineinschrieb, nutzt das Stream-Virus ein spezifisches Feature des NTFS-File Systems, das multiple Data Streams zulässt. In Windows 95 oder Windows 98 lässt das FAT-Dateisystem nur einen Data Stream zu - den Programm-Code selbst. Anders verhält es sich bei Windows NT und Windows 2000: Diese lassen eine Vielfalt von Neben-Streams in einer Datei zu, die als eigenständig ausführbare Programm-Module fungieren und/oder als Service-Module Zugang zu Datei-Zugriffsrechten, Verschlüsselung oder Processing Time ermöglichen.

Stream sei das erste bekannte Virus, das die multiplen Data Streams des NTFS-Dateisystems ausnutzt. Es generiert einen zusätzlichen Data Stream mit dem Namen "STR" und kopiert den ursprünglichen Inhalt des Programms dort hinein. Dann ersetzt es den eigentlichen Data Stream mit dem Virus-Code. Wenn die infizierte Datei ausgeführt wird, vollendet das Virus seine Replikationsprozedur und übernimmt die vollständige Kontrolle über die Datei.

"Viele Anti-Virenprogramme prüften bisher unter NTFS nur den Haupt-Data-Stream und können somit Kontrolle über dieses neue Virus bekommen. Wenn aber die Programmierer sich die Viren in die zusätzlichen Streams schreiben lassen werden, was durchaus möglich ist, werden sich einige Anti-Virenprogramm-Hersteller gezwungen sehen, ihre Virus-Engines einem Redesign zu unterziehen", kommentiert Eugene Kaspersky. "Kaspersky Lab hat bereits in seinen täglich erscheinenden und über das Internet downloadbaren Updates seines Produkts AVP Antivirus einen Schutz gegen diese neue Bedrohung implementiert". Auch andere Antivirensoftwarehersteller dürften in Kürze folgen.  (ji)


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