Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/xeon-phi-3100-und-5110p-intels-erste-gpu-beschleuniger-ab-2-000-us-dollar-1211-95669.html    Veröffentlicht: 12.11.2012 22:00    Kurz-URL: https://glm.io/95669

Xeon Phi 3100 und 5110P

Intels erste GPU-Beschleuniger ab 2.000 US-Dollar

Was früher Larrabee hieß, wird nun wirklich zu einem kaufbaren Produkt: Intel hat zwei GPU-Beschleuniger der Serie Xeon Phi angekündigt. Der erste soll Ende Januar 2013 erscheinen, eine sparsamere Variante einige Monate später. Nvidia schießt sich schon einmal ein.

Ganz hat es Intel nicht mehr zum großen Launch geschafft, den Nvidia und AMD mit ihren GPU-Beschleunigern für die aktuelle Top-500-Liste bereits vollzogen haben. Während Nvidia mit dem Rechner Titan den schnellsten Computer der Welt ausgerüstet hat, kommt der einzige Rechner mit den Xeon-Phi-Beschleunigern in den Top Ten nur auf Platz sechs.

Aber immerhin hat Intel nun nach Jahren der Ankündigung und zahllosen Gerüchten einige Daten zu dem veröffentlicht, was seit dem Jahr 2006 als Larrabee bekannt war: Die ersten Many-Core-Prozessoren (MIC) des Unternehmens werden auf zwei Steckkarten mit den Namen Xeon Phi 3100 und 5110P zu finden sein.

Als erstes soll ab dem 28. Januar 2013 das Modell 5110P für 2.649 US-Dollar verfügbar sein. Es vereint 61 x86-Kerne, die mit je 1,1 GHz laufen. Dazu kommen 8 GByte GDDR5-Speicher. So viel Hardware benötigt viel Energie: 300 Watt TDP gibt Intel an. Die weiteren Kenngrößen, wie die Größe des 22-Nanometer-Dies oder die Zahl der vorhandenen, aber wegen geringer Ausbeute abgeschalteten Kerne, behält das Unternehmen für sich. Dass es 64 Kerne gibt, von denen nur 61 funktionieren, ist aber eine naheliegende Annahme.

Noch weniger Daten verrät Intel zum Xeon Phi 3110, der in der ersten Hälfte des Jahres 2013 erscheinen soll. Da er aber nur weniger als 2.000 US-Dollar kosten soll, 6 GByte Speicher und 225 Watt TDP mitbringt, dürfte es sich um eine abgespeckte Variante des Chips handeln. 20 Prozent weniger Speicher lassen auf 48 Kerne schließen - so viel sollen angeblich auch einige der unter den Codenamen "Knights Corner" und "Knights Ferry" an Wissenschaftler gelieferten Prototypen besessen haben.



Performance pro Watt kaum ideal

Insbesondere die Leistungsaufnahme ist ein Punkt, durch den sich der Xeon Phi - obwohl in 22-Nanometer-Technik gefertigt - schon vor seinem Marktstart Kritik eingehandelt hat. Nvidias Tesla-Chef Sumit Gupta sagte bei Vorstellung des Kepler K20X, 225 Watt seien die Grenze dessen, was übliche Server-Racks noch für eine PCIe-Steckkarte bewältigten. Der erste Xeon Phi, das Modell 5110P, liegt ebenso wie AMDs Firepro S10000 aber deutlich darüber.

Auch den von Intel immer wieder angeführten Vorteil, dass, anders als bei Nvidia-GPUs, der Code bei der Kombination aus Xeon-Prozessor und Xeon-Phi-GPU nur aus x86-Befehlen bestehen müsse, lässt Nvidia nicht gelten: "Wenn das so einfach wäre, wo sind dann die vielen Anwendungen?" sagte Gupta.

Tatsächlich ist von breiter Unterstützung auf Ebene der technisch/wissenschaftlichen Programme noch wenig zu sehen, Entwicklungswerkzeuge, um das zu ändern, gibt es aber. Vor allem Intels Tools wie die Compiler für C++, Fortran, die Debugger von Intel und Optimierungswerkzeuge wie VTune sowie die Math-Kernel-Libraries (MKL) sind in den aktuellen Versionen schon auf Xeon Phi ausgerichtet. Mit gcc und gdb gibt es entsprechende Werkzeuge auch aus der Open-Source-Szene.

Unterm Strich dürfte aber vor allem die Rechenleistung zählen, und auch da sieht es für den Xeon Phi noch nicht besonders gut aus. Intel gibt nur die Performance für doppelte Genauigkeit an. Hier soll ein 5110P 1,010 Teraflops erzielen. Nvidias K20 kommt auf 1,17 Teraflops, der K20X auf 1,31 Teraflops. Schon für 75 Watt weniger ist also mehr Leistung zu erzielen - da müssen die Vorteile in der Entwicklung schon schwer wiegen. Eine Grafikkarte, wie ursprünglich geplant, wird der Xeon Phi nicht mehr werden.  (nie)


Verwandte Artikel:
Optane SSD 800p: Intel bringt 3D Xpoint in die Mittelklasse   
(08.03.2018, https://glm.io/133229 )
Stampede: Supercomputer mit Intels Xeon Phi soll die Top 5 schaffen   
(12.09.2012, https://glm.io/94489 )
Knights Mill: Intel hat drei Xeon Phi für Deep Learning   
(18.12.2017, https://glm.io/131724 )
Tianhe-2A: Zweitschnellster Supercomputer wird doppelt so flott   
(20.09.2017, https://glm.io/130162 )
Intel: Ice-Lake-Xeon ersetzt Xeon Phi Knights Hill   
(17.11.2017, https://glm.io/131207 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/