Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-need-for-speed-most-wanted-klassiker-mit-burn-out-syndrom-1211-95485.html    Veröffentlicht: 02.11.2012 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/95485

Test Need for Speed Most Wanted

Klassiker mit Burnout(-Syndrom)

Das erste Need for Speed Most Wanted (2005) bot packende Verfolgungsjagden, sieben Jahre später kommt eine Neuauflage von Criterion - auf dessen Packung der Schriftzug Burnout Paradise allerdings passender wäre.

Most Wanted genießt unter Fans von Need for Speed immer noch ein hohes Ansehen - da ist es zumindest keine ganz doofe Idee von Electronic Arts, eine Neuauflage zu produzieren. Wie im 2005 veröffentlichten Original geht es im Remake der EA-Tochter Criterion Games darum, auf der Most-Wanted-Liste ganz nach oben zu gelangen und so zum König der Straßenrennen und gleichzeitig zum größten Hassobjekt der Polizei zu werden. Dazu muss der Spieler die eigene Reputation aufmotzen und dann nach und nach die zehn populärsten Raser der Umgebung stellen und herausfordern. Szenario und vor allem Fahrgefühl sind allerdings deutlich anders als in früheren Need-for-Speed-Titeln - und erinnern eher an das ebenfalls von Criterion entwickelte Burnout Paradise.

Gerast wird diesmal im halbwegs frei befahrbaren Fairhaven. Erkundungsfahrten dienen nicht nur dazu, sich mit der abwechslungsreichen Umgebung vertraut zu machen oder zum nächsten Event zu gelangen, das auf einer kleinen Übersichtskarte angezeigt wird. Auch der Fuhrpark wächst so Stück für Stück. Wer einen neuen Traumwagen am Straßenrand oder versteckt in der Umgebung entdeckt, kann ihn sich einfach schnappen und dann an seinem Steuer die nächsten Aufgaben angehen. Das funktioniert schnell und problemlos. So beginnt das Spiel in einem Aston Martin, aber schon nach den ersten Spielminuten darf der Pilot ans Steuer eines Porsche wechseln.

Der so entstehende Spielablauf ist durchaus ungewöhnlich. Statt linear von Event zu Event geschleust zu werden, gehören zu jedem Fahrzeug eigene Herausforderungen, die Spieler nach und nach abarbeiten. Dadurch gibt es keine kontinuierliche Entwicklung, sondern es wird immer wieder mal von einem schnellen und bereits hochgerüsteten Auto auf ein deutlich niedriger motorisiertes und ungetuntes Vehikel gewechselt, was der Motivation gelegentlich schadet.

Natürlich geht es trotzdem darum, den persönlichen Punktestand kontinuierlich nach oben zu schrauben und sich so Respekt zu verdienen und neue Events freizuschalten. Das geht durch Rasen, das Auslösen von Radarfallen und gewagte Manöver auf der einen und gute Platzierungen und Rennerfolge auf der anderen Seite. Solisten bekommen übliche Modi, das Angebot reicht von Platzierungsrennen über Verfolgungsjagden bis zur Aufgabe, bestimmte Geschwindigkeiten zu erreichen.

Grafik und Fazit

Erfolge ermöglichen zudem das Aufmotzen des eigenen Fahrzeugs, was allerdings recht trivial ist. Neue Teile wie Reifen, Chassis oder Motortuning sorgen für höheres Tempo. Wer mehr Komplexität erwartet, ist im falschen Spiel. Optisches Tuning ist zudem nicht möglich. Spieler, die gerne längere Zeit im selben Fahrzeug unterwegs sind und es nach eigenem Geschmack ausgestalten wollen, haben an Most Wanted wenig Freude.

Auch Fahrgefühl und KI bewegen sich jenseits der Wirklichkeit. Das garantiert einerseits eine leichte Zugänglichkeit, löst aber andererseits immer wieder Frust aus, etwa wenn es kurz vor der Zielgeraden noch zu einem der zahllosen Crashs kommt und das gesamte Konkurrenzfeld wie am Gummiband am Spieler vorbeirauscht. Überhaupt werden Events immer erst kurz vor Schluss entschieden - fahrerische Glanzleistungen zu Beginn oder massive Takedowns gegen die Kontrahenten scheinen oft nichts zu bewirken. Kurz vor dem Finish sind die Mitraser doch alle wieder da.

Auch die Strecken in Fairhaven haben gute und schlechte Seiten: Einerseits ist das weitläufige Areal sehr vielseitig und bietet Autobahnen, Innenstadtgebiete und ruhige Landstraßen mit wenig Gegenverkehr ebenso wie zahlreiche Rampen, Baustellen und andere Möglichkeiten zum Erkunden und Abkürzen der eigentlichen Routen. Aufgrund der sehr kleinen Übersichtskarte entpuppt sich eine vermeintliche Abkürzung aber auch immer mal wieder als falsche Strecke. In dem Fall hilft dann nur ein Neustart des Rennens.

Crashs werden - wie von Burnout gewohnt - in Zeitlupen wiederholt. Obwohl das Schadensmodell nicht sonderlich umfangreich ist, gibt es doch ein paar deutliche Dellen in den Luxuskarossen zu sehen. Eine ganze Reihe lizenzierter Originalmodelle sind im Angebot. Wer mag, fährt im Lamborghini und Mercedes ebenso wie im Bugatti Veyron. Die Fahrzeuge sehen - ebenso wie die Strecken - großartig aus, das Geschwindigkeitsgefühl stimmt ebenfalls. Atmosphärisch funktioniert Most Wanted allerdings nicht, was auch daran liegt, dass der eigene Fahrer und die anderen Most-Wanted-Piloten gesichtslos bleiben und nicht durch interessante Zwischensequenzen noch etwas mehr Stimmung ins Spiel gebracht wird.

Autolog ist wieder mit an Bord

Während der Solopart enttäuscht, kann der Mehrspielermodus durchaus punkten. Es macht Spaß, gegen menschliche Mitspieler Rennen zu fahren, die höchste Geschwindigkeit am Blitzer zu erreichen oder mit waghalsigen Stunts von Gebäuden zu springen - zumal die Herausforderungen fließend in den Spielablauf eingebunden sind und einfach per Knopfdruck via Easydrive-Menü auf der Strecke ausgewählt werden. Die von EA-Spielen mittlerweile bekannten Autolog-Features sorgen zudem für die soziale Einbettung der eigenen Leistungen in diverse Bestenlisten.

Need for Speed Most Wanted ist für Xbox 360, Playstation 3 und Windows-PC erhältlich und kostet etwa 60 (Konsolen) beziehungsweise 40 Euro (PC); die PC-Version muss über Origin aktiviert werden und ist dann fest an das Nutzerkonto gebunden. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab 12 Jahren erhalten.

Fazit

Criterion Games hat über die Jahre diverse Rennspiel-Highlights erschaffen - umso mehr enttäuscht das Team jetzt mit Need for Speed Most Wanted. Selbst wer eher ein Burnout Paradise 2 anstelle eines neues Need for Speed erwartet, wird trotz toller Optik und grundsätzlich gutem Spielgefühl kaum zufrieden sein: Zu frustrierend ist die KI, zu unspektakulär die Rennatmosphäre, zu unmotivierend das Konzept, in ständig wechselnden Fahrzeugen immer nur eine Handvoll vorgegebene Herausforderungen zu absolvieren. Forza Horizon hat erst kürzlich vorgemacht, wie viel besser und motivierender ein Arcade-Rennspiel heutzutage aussehen kann.  (tw)


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