Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ipad-mini-im-test-apple-macht-halbe-sachen-1211-95475.html    Veröffentlicht: 02.11.2012 20:28    Kurz-URL: https://glm.io/95475

iPad Mini im Test

Apple macht halbe Sachen

Das iPad Mini ist nur halb so schwer wie ein iPad, sehr dünn und hat gute Laufzeiten. Doch mit dem schmalen Rahmen und der seltsamen Stereokonstruktion macht Apple etwas, was sonst kaum ein Tablet-Hersteller wagt. Wie gut das funktioniert, klärt unser Test.

Erstmals bietet Apple das iPad in einer Variante an, die sich äußerlich stark vom ersten iPad unterscheidet: Das iPad Mini hat einen Touchscreen, der nur 7,9 Zoll in der Diagonalen misst - fast 2 Zoll weniger als die Displays aller anderen iPad-Modelle (9,7 Zoll), einschließlich des iPad 4. Das macht Apples neues Tablet sehr interessant für Nutzer, die für unterwegs mehr als nur ein iPhone oder einen iPod Touch haben wollen und vielleicht sogar mit einem der vielen 7-Zoll-Android-Tablets liebäugeln.

Am iPad 3 bemängelten wir im Test, dass die Mobilität mit dem Gerät eingeschränkt wird. Denn es ist recht schwer, auch im Vergleich zur Android- oder Windows-RT-Konkurrenz, und durch den hohen Energiebedarf des Retina-Displays auch ziemlich schwer aufzuladen. Das iPad Mini soll nun geeigneter für die mobile Nutzung sein.

Schon beim Auspacken fällt auf, dass das iPad Mini sehr leicht ist. Selbst mit der Packung ist es über 100 Gramm leichter als ein iPad 3 ohne Verpackung. Es ist aber nicht einfach eine verkleinerte Version des iPads. Das Design wurde geändert, und in manchen Punkten ist es in der Praxis dem iPad mit 10-Zoll-Display überlegen.

Anders als das iPad 3 lädt das iPad Mini auch an vielen Notebooks und Desktops. Die Energie des USB-Standards (maximal 2,5 Watt) reicht allerdings nicht immer aus. An ein USB-Netzteil von Samsung angeschlossen, das bei proprietärer Aushandlung 10 Watt bietet, meldet das iPad Mini, dass es nicht geladen werden kann. Der Anwender muss das Display abschalten, damit das Gerät auflädt.

Apple legt dem iPad Mini den 5-Watt-USB-Adapter der iPhones bei, der eine eigene proprietäre Energieaushandlung fürs schnelle Laden hat. Wer einen 10-Watt-Adapter besitzt, kann den auch nutzen und lädt dann laut unserem Messgerät auch mit 10 Watt auf. Macs beherrschen die Aushandlung zusätzlicher Energie ebenfalls. Bei anderen Energiequellen wie Notebooks oder Fremdnetzteilen ist das Glückssache. USB Power Delivery (PD) sollte das Problem irgendwann lösen. Wir haben das neue PD-Logo für USB 2.0 und 3.0, das die Energieversorgungsprobleme lösen sollte, aber noch nicht an neuen Geräten gesehen.

Das iPad Mini wird mit iOS 6.0 ausgeliefert. Wir haben aber gleich iOS 6.0.1 installiert. Alle Testresultate basieren also auf dem neuen iOS.

Ausstattung wie gewohnt

Uns lag für den Test nur die Wifi-Variante des iPad Mini vor. Ein Mobilfunkmodell soll in wenigen Wochen folgen. Überraschungen gibt es nicht. Die Ausstattung ist wie gewohnt gut. Android-Nutzer werden aber sicher einen SD-Schacht oder USB vermissen. Das iPad Mini beherrscht Dual-Band-WLAN nach 802.11b/g/n (2.4 GHz) und 802.11a/n (5 GHz). Das ist bei Apple mittlerweile Standard, bei der Konkurrenz immer noch die Ausnahme. Bluetooth 4.0 gibt es ebenfalls. GPS und sogar Glonass sind allerdings dem LTE-Modell vorbehalten. Wir können also keine Aussagen dazu machen.

Das Display ist ebenfalls keine Überraschung, jedenfalls keine positive: Bei 7,9 Zoll bietet das iPad Mini nur 1.024 x 768 Pixel (163 ppi). Das sind gerade mal 40.000 Pixel mehr, als ein iPhone 5 mit seinem 4-Zoll-Display hat (786.432 zu 727.940 Pixeln) und ein Viertel der Pixel eines iPad 3 oder 4. Das ist vorteilhaft für den Akku, der nur 16,5 Wattstunden hat. Ein Display mit hoher Auflösung braucht eine stärkere Lichtquelle, um durch die vielen Pixel hindurchzuleuchten. Zum Vergleich: Das aktuelle iPad 4 hat deswegen 42,5 Wattstunden. Dank des kleinen Akkus ist das iPad Mini nicht nur gemessene 7,2 mm flach, sondern wiegt auch nur 307 Gramm. Wer auf rund 2 Zoll Bildschirmdiagonale verzichtet, bekommt weniger als die Hälfte des Gewichts der Retina-iPads von Apple, die zudem 9,4 mm dick sind.

Das Display hat eine Antifettbeschichtung und spiegelt. Dank hoher Helligkeitswerte lässt sich die spiegelnde Umgebung aber durchaus überstrahlen. Die Kameras bieten 5 (hinten) und 1,2 Megapixel. Für die hintere Kamera fehlt ein Licht. Fotos ohne Sonnenlicht sind damit nur schwer möglich. Das Bild rauscht stark. Als Prozessor kommt der A5 mit 1 GHz zum Einsatz, also schon ein älteres Modell. Außerdem hat das iPad Mini nur 512 MByte RAM. Die Ausstattung ist zwar gut, zeigt aber recht deutlich, dass Apple Platz für kommende iPad-Mini-Generationen lässt. Beim großen iPad oder auch dem iPhone 5 gibt es einen moderneren Prozessor samt 1 GByte RAM und das, obwohl das iPhone 5 beispielsweise weniger Pixel anzusteuern hat. Die vergleichsweise schwache Hardware des iPad Mini ist aber ausreichend, um iTunes-Serien im 1080p-Format zu synchronisieren.

Schließlich sind noch ein Headsetanschluss und ein integriertes Mikrofon vorhanden. Datentransfers werden über die neue Lightning-Schnittstelle geregelt, die USB 2.0 besser ausnutzt als der 30-Pin-Dockanschluss älterer iOS-Geräte. Weitere Informationen gibt es im Datenblatt.

Daumenerkennung bei schmalen Rahmen und Stereofehlkonstruktion

Das Design des iPad Mini ist elegant, manche Golem.de-Redakteure fühlten sich an Star Trek (TNG) erinnert. Das liegt nicht zuletzt an den beiden sehr schmalen Rändern. Die haben aber auch einen Nachteil: Wer wie gewohnt sein Tablet an der Seite greift, wird automatisch die Touchscreenoberfläche treffen. Das ist eigentlich ein Problem. Andere Kleintablets, zum Beispiel das Galaxy Tab 7.0 Plus, haben daher einen extradicken Rahmen.

Apple löst das Problem anders. Wer versehentlich mit dem Daumen den Touchscreen trifft, bemerkt, dass dieser nicht interpretiert wird. In der Video-App werden deswegen beispielsweise trotz Touchscreenberührung nicht die Anzeigen eingeblendet. Es ist sogar möglich, mit dem Daumen auf dem Touchscreen das Tablet zu halten und es mit einem anderen Finger zu bedienen.

Ein Daumen lässt sich dennoch benutzen. Selbst am Rand funktionieren Touch-Eingaben mit dem Daumen, wenn dieser so bewegt wird, dass das Gerät erkennt, dass es sich nicht um einen Griff handelt. Zur Mitte hin wird er nur bei sehr großer Auflagefläche als Greiffinger erkannt und lässt sich fast wie ein anderer Finger für Eingaben nutzen. Insgesamt gilt: Je größer die aufliegende Fingerfläche, desto eher geht das Gerät von einem Griff aus und ignoriert Eingaben, bei kleinen Fingerflächen reagiert es ohne Verzögerung. Das Prinzip ist vom großem iPad bekannt, das iPad Mini interpretiert diverse Greifszenarien aber etwas anders. Apple macht also gerätespezifische Anpassungen und hat beim iPad Mini gute Entscheidungen getroffen, um Fehlbedienungen zu vermeiden. Das lässt auf zukünftige 10-Zoll-iPad-Generationen mit einem dünneren Rahmen hoffen. Die Technik dafür ist da.

Umfasst ein Nutzer mit großen Händen das iPad Mini ganz, treten dadurch kaum Fehler auf. Die Knöpfe haben einen deutlichen Druckpunkt, der einigen Widerstand bietet. Samsung hatte diese Notwendigkeit bei seinem zweiten Kleintablet übersehen. Schwierigkeiten gibt es nur ab und an mit dem Helligkeitssensor im Querformat. Wer das Tablet mit Daumen und Zeigefinger hält, verdeckt gegebenenfalls dessen Sensor und der Bildschirm wird dunkler. Ein zweiter Helligkeitssensor hätte das Problem abgemildert.

Stereolautsprecher, aber wozu?

Das iPad Mini ist das erste Apple-Tablet mit zwei Lautsprechern. Sie spielen tatsächlich auch Stereoton ab, wie wir mit den Testtracks von ronelmm.com ausprobieren konnten. Ob das der Fall ist, war zunächst unklar, weil Apple die Funktion nicht bewirbt und die Konkurrenz unvorsichtigerweise einfach behauptet hatte, Apples iPad Mini habe keinen Stereoton.

In der Praxis ist Stereo aber nahezu unnütz. Bei Filmen kommt der Stereoton im Querformat nur von einer Seite. Das ist bei vielen Android-Tablets besser. Im Hochformat bleibt von dem Stereoklang etwas mehr übrig. Wer Musik hört, die viel mit Stereoeffekten spielt, wird das bemerken. In der Regel hört sich der Ton nur etwas voller an als mit nur einem Lautsprecher, was aber auch an der guten Lautsprecherqualität liegt. Das iPad Mini deklassiert so einige große Tablets.

Richtiges Stereoempfinden ist aber unrealistisch. Der Nutzer muss dafür im Prinzip seine Nase in den Lightning-Anschluss stecken und das Tablet im 90-Grad-Winkel zum Gesicht halten. Stereoton auf diese Art wiederzugeben, ist eine glatte Fehlkonstruktion. Gerade für Filme hätte Apple die beiden Lautsprecher an zwei verschiedenen Seiten positionieren sollen.

Die Lautsprecher versetzen zum Teil das Gehäuse in leichte Schwingungen. Bei einigen Frequenzen und hoher Lautstärke stört das Kribbeln an den Fingern etwas.

Benchmarks und iPad-ähnliche Bedienung

Abgesehen von der Form und dem schlechteren Display unterscheidet sich das iPad Mini nur in wenigen, aber durchaus wichtigen Details bei der Bedienung von den großen iPads. Gleich geblieben ist die Anordnung der Apps, die feste Reihe kann auch beim iPad Mini 6 Apps aufnehmen, und auch die Systemeinstellungen unterscheiden sich nicht vom 10-Zoll-iPad. Auch die Gestenkontrolle ist identisch. Interessant: Die virtuelle Tastatur wird im Splitmodus nahezu gleich groß angezeigt, also nicht im Verhältnis verkleinert. Dadurch ergibt sich ein überraschend angenehmes Tippgefühl, trotz der geringeren Größe des Tablets.

Einen Unterschied zwischen den großen iPads und dem kleinen gibt es natürlich in der Handhabung. Das Mini wird ganz anders zwischen den Fingern balanciert, was sogar Auswirkungen auf den Homeknopf hat. Wir greifen mitunter das Tablet genau dort, wo der Homeknopf ist. Das iPad Mini ist aber so leicht, dass durch die Hebelwirkung beim einhändigen Hochheben der Knopf nicht gedrückt wird.

Bedienungselemente sind in der Regel ein bisschen kleiner als beim iPad. Das störte uns in der Praxis nicht. Wer ein iPad bedienen kann, hat keine Probleme mit der Umstellung. Retina-Display-verwöhnte Augen beklagen das nicht so saubere Schriftbild bei kleinen Schriften.

Benchmarks

Im Geekbench erreicht das iPad Mini rund 750 Punkte unter iOS 6.0.1. Damit ist es fast genauso schnell wie ein iPad 2 mit 760 Punkten. Unser iPad 3 kommt derzeit auf 749 Punkte. Schnell ist das iPad Mini aber trotzdem nicht. Das iPhone 5 erreicht 1.640 Punkte, obwohl es kleiner und leichter ist. Absetzen kann sich das iPad Mini nur von Altgeräten wie etwa dem iPhone 4, das mit iOS 6.0.1 auf 389 Punkte kommt. Ein iPhone 4S ist mit 630 Punkten nur geringfügig langsamer als das iPad Mini.

In der Praxis reicht die Geschwindigkeit des Zweikernprozessors aus. Ob schlecht optimierte Webseiten oder 1080p-Videos: Das iPad Mini spielt sie ohne Probleme ab. Auch Spiele sind kein Problem, was wir mit Rage HD, Infinity Blade 2 und Real Racing 2 HD ausprobiert haben. Nur Infinity Blade 2 ruckelte ab und an.

Laufzeiten wie bei den großen iPads

Die Akkulaufzeit haben wir mit aktivem WLAN und mittlerer Helligkeit nur grob messen können. Wir kamen auf knapp über 10 Stunden Laufzeit. Das Tablet war in dieser Zeit angeschaltet, wurde aber sonst kaum belastet. Nur eine halbe Stunde haben wir Epic Knight gespielt, was etwa 8 Prozentpunkte kostete. Für ein 300-Gramm-Tablet ist das ein guter Wert. Zu beachten ist, dass wir normalerweise Apple-Tablets mit Mobilfunkmodem testen, die häufig einen leicht höheren Energiebedarf haben. Mangels Verfügbarkeit des iPad Mini mit LTE-Modul konnten wir die Auswirkungen eines passiven Moduls im Ruhebetrieb nicht testen.

Verfügbarkeit und Fazit

Apples neues Kleintablet ist seit dem heutigen 2. November 2012 im Handel verfügbar. Die kleinste Variante mit WLAN und 16 GByte gibt es für rund 330 Euro. Eine Speicherverdoppelung kostet jeweils 100 Euro mehr bis zu 64 GByte. Wer das noch nicht verfügbare LTE-Modell haben will, muss jeweils 130 Euro extra zahlen.

Fazit

Gegenüber den anderen iPads hat das Mini-Tablet keine Nachteile bei der Ausstattung. 64 GByte sind genauso möglich wie ein LTE-Modul. Die Kombination wird bei vielen Konkurrenten nur über eine SD-Karte erreicht. Der Preis ist aber dennoch recht hoch, vor allem verglichen mit dem des günstigen Nexus 7.

Die Vorteile der 7- bis 8-Zoll-Klasse sind enorm. Schon bei unserem Test des ersten Galaxy Tab 7.0 kamen wir zu dem Schluss, dass die Größenklasse für Tablets ideal ist. Und Apple macht beim iPad Mini einiges besser als Samsung bei seinem ersten Tablet, auch wenn es ein bisschen breiter ist.

Das iPad Mini ist sehr leicht und dünn und somit wesentlich praktischer für unterwegs als ein iPad mit 10-Zoll-Display. Apple schafft das, ohne dass die Akkulaufzeit leidet. Einzige Nachteile sind das fehlende Retina-Display und die derzeit mangelnde Verfügbarkeit der LTE-Minis.

Mit dem iPad Mini löst Apple gleich zwei Probleme. So mancher iPad-Interessent, dem das große iPad zu klobig ist und der sonst zur Android-Konkurrenz wechseln würde, wird sich nun für das Tablet entscheiden. Außerdem wird mit dem iPad Mini der Einstiegspreis für ein Apple-Tablet geringer. Das iPad Mini wird nahezu genauso wie ein iPad bedient und kann auch auf die große App-Auswahl zugreifen. So spricht wenig dagegen, sich für den Anfang nur die kleine Version zu kaufen, statt zu einem der immer noch im Handel befindlichen iPad 2 zu greifen.  (ase)


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