Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/windows-8-und-rt-linux-foundation-will-helfen-secure-boot-zu-umgehen-1210-95056.html    Veröffentlicht: 12.10.2012 09:58    Kurz-URL: https://glm.io/95056

Windows 8 und RT

Linux Foundation will helfen, Secure Boot zu umgehen

Die Linux Foundation will einen Pre-Bootloader frei zum Download anbieten, mit dem trotz aktiviertem Secure Boot beliebige Betriebssysteme auf einem Windows-8-Rechner gestartet werden können.

PCs, die Microsofts neues Secure Boot verwenden, starten nur zertifizierte Betriebssysteme. Hersteller von PCs mit Windows 8 können die Funktion abschaltbar machen, auf ARM-Systemen mit Windows RT aber schreibt Microsoft die Nutzung von Secure Boot zwingend vor. Das stellt Anbieter alternativer Betriebssysteme vor Probleme: Sollen ihre Systeme bei aktiviertem Secure Boot starten, müssen sie mit einem von Microsoft abgesegneten Zertifikat signiert werden.

Die Linux Foundation kündigt nun eine Lösung an, die dafür sorgen soll, dass freie Betriebssysteme auch weiterhin auf Geräten mit aktiviertem Secure Boot genutzt werden können. Dazu wurde ein minimaler Pre-Bootloader entwickelt, der unter git://git.kernel.org/pub/scm/linux/kernel/git/jejb/efitools.git zur Verfügung steht. Die Linux Foundation will einen Schlüssel von Microsoft erwerben und diesen Pre-Bootloader damit signieren. Der startet dann ohne die weitere Prüfung von Signaturen einen anderen Bootloader, der seinerseits dann Linux oder ein anderes Betriebssystem bootet.

Der Pre-Bootloader soll allerdings mit einem Test versehen werden, der sicherstellt, dass ein Nutzer am Rechner sitzt. Dazu wird der Bootvorgang mit einem Splash-Screen unterbrochen, auf dem der Nutzer in einem Menü explizit auswählen muss, dass der Start von "loader.efi" fortgesetzt werden soll. So soll verhindert werden, dass die Software missbraucht werden kann, um eine UEFI-Malware zu starten.

Die Linux Foundation geht allerdings davon aus, dass es eine Weile dauern wird, bis die notwendige Signatur von Microsoft vorliegt. Sobald sie eingegangen ist, soll der damit signierte Pre-Bootloader auf der Homepage der Linux Foundation zum Download bereitgestellt werden, so dass ihn jeder frei nutzen kann.

Bereits heute bietet die Linux Foundation Werkzeuge an, mit denen Nutzer die Plattformschlüssel für Secure Boot austauschen können. Mit diesen werden die Geräte ausgeliefert. Der Ansatz mit dem Pre-Bootloader ist aber einfacher umzusetzen, so dass sich die Linux Foundation entschlossen hat, zusätzlich auch diesen Weg zu eröffnen.

Die Linux Foundation begrüßt zudem Initiativen großer Linux-Distributionen wie Fedora, Suse und Ubuntu, die zum Teil ein ähnliches Vorgehen angekündigt haben.  (ji)


Verwandte Artikel:
UEFI-Bootloader: Gummiboot kann mehrere Linux-Kernel starten   
(02.07.2012, https://glm.io/92898 )
UEFI Secure Boot: Eigene Schlüssel unter Linux hinzufügen   
(08.10.2012, https://glm.io/94963 )
Canonical: Ubuntu wechselt zurück zu Grub 2   
(21.09.2012, https://glm.io/94713 )
UEFI Secure Boot: Sicher starten in Qemu-KVM   
(28.06.2012, https://glm.io/92825 )
Canonical: Ubuntu mit eigener UEFI-Strategie   
(20.06.2012, https://glm.io/92647 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/