Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/chris-roberts-der-star-citizen-und-das-7-millionen-polygon-raumschiff-1210-95016.html    Veröffentlicht: 10.10.2012 16:00    Kurz-URL: https://glm.io/95016

Chris Roberts

Der Star Citizen und das 7-Millionen-Polygon-Raumschiff

Er hat Wing Commander gemacht, jetzt stellt Chris Roberts sein neues Projekt vor. Es trägt den Namen Star Citizen und basiert auf der Cryengine 3. Golem.de hat mit dem Designer über seine Pläne und die PC-Plattform gesprochen - und darüber, was das alles mit Guild Wars 2 zu tun hat.

Interessiert sich Chris Roberts wirklich noch für Computerspiele? Immerhin hat sich der Schöpfer von Wing Commander in den vergangenen Jahren hauptsächlich mit der Produktion von Hollywoodfilmen (The Punisher, Lord of War) beschäftigt. Wer sich dann allerdings auch nur fünf Minuten mit Roberts unterhält, der merkt schnell: Er ist voll auf dem Laufenden, was die Spielebranche angeht - und kann sich über einige Sachen sogar ganz schön aufregen. Insbesondere über die Plattform-Politik einiger Publisher: "Ich glaube an den PC", sagte er im Gespräch mit Golem.de. "Es ist wirklich traurig, dass die großen Publisher uns nur Portierungen von der Xbox 360 oder der Playstation 3 geben - also von Technologie, die sieben Jahre alt ist."

Die Technologie für sein neues Projekt Star Citizen ist deutlich neuer: Das wie Wing Commander in der Zukunft - konkret im Jahr 2942 - angesiedelte Spiel basiert auf der Cryengine 3 vom Frankfurter Entwickler Crytek. Roberts, der selbst auch programmiert, und sein Team aus rund zehn Mitarbeitern müssen die Engine allerdings selbst stark modifizieren. "Es wird möglich sein, von der Brücke seines Zerstörers zu Fuß durch das ganze Schiff bis zum Hangar zu gehen, dort in einen Raumjäger zu klettern, raus ins All zu fliegen und dann durch die Scheiben auf die Brücke zu blicken - alles ohne jede Ladezeit", verspricht Roberts.

Er hat auch ein paar Zahlen parat: Die etwa 1,8 Meter große Hauptfigur besteht aus ungefähr 100.000 Polygonen - "statt der sonst momentan üblichen 10.000 für einen Helden", so Roberts. Ein typischer Raumjäger ist rund 27 Meter breit und besteht aus 300.000 Polygonen. Und der gewaltige Zerstörer - der übrigens der Tiger's Claw aus Wing Commander extrem ähnelt - wäre gut einen Echtwelt-Kilometer lang. Er besteht aus rund 7 Millionen Polygonen.

Anders als in Wing Commander soll es in Star Citizen keine gefilmten Zwischensequenzen geben. In der Kampagne, die den Namen Squadron 42 trägt, soll es ausschließlich in Echtzeit berechnete Grafik geben - aber natürlich sollen Animationen mit Hilfe von moderner Technologie wie Motioncapturing entstehen. In der Kampagne soll es auch Kämpfe im Inneren des großen Zerstörers geben, etwa wenn der Spieler den Hangar gegen Eindringlinge verteidigen muss. Das große Raumschiff kann der Spieler nicht selbst steuern, aber zumindest die Bordgeschütze übernehmen - und den Pott dann deutlich besser als die KI verteidigen können. Bodeneinsätze auf Planeten sind übrigens nicht geplant.

Steuerung mit allem - außer Kinect

Bei der Präsentation von Star Citizen hat Roberts einen in Echtzeit laufenden Prototyp mit dabei. Darin kann er im Hangar herumlaufen, in einen Raumjäger klettern und dann durchs All fliegen. Der Designer steuert das Schiff übrigens per Gamepad. Im Spiel sollen alle Arten von Eingabegerät unterstützt werden, von der Maus- und Tastaturkombination bis hin zum High-End-Jostick - "alles außer Kinect", scherzt Roberts.

Die Handlung von Squadron 42, der Kampagne von Star Citizen, soll sich um den Aufstieg des Spielers innerhalb des Militärs drehen. "Nach dem Ende der Kampagne ist man dann Exmilitär und kann nach eigenen Vorstellungen wie in Privateer oder Freelancer auf eigene Faust durchs Open-World-Universum reisen und dort Abenteuer als Söldner, Pirat oder Händler erleben", so Roberts. Das alles soll im Offlinemodus und im Koop möglich sein, und auch einen Multiplayermodus soll es geben. Die Hauptgegner nennt Roberts "Barbarians" - ohne sonst allzu viel über sie zu verraten. Auch Aliens soll es geben. Sie sollen ab einem bestimmten Punkt in der Story übrigens wahlweise auch spielbar sein; mit den löwenähnlichen Kilrathi aus Wing Commander haben sie voraussichtlich wenig zu tun.

Für die Produktion von Star Citizen ist das Entwicklerstudio Cloud Imperium Games zuständig. Chris Roberts hat den Prototypen nach eigenen Angaben weitgehend aus eigenen Mitteln finanziert, lediglich eine Handvoll weiterer Investoren war mit dabei. Ob und welcher Publisher es dann in den geplanten zwei bis drei Jahren bis zur Veröffentlichung in den Handel bringt, ist völlig offen. Nebenbei: So gut wie alle bisherigen Werke von Chris Roberts sind mit sehr viel Verspätung erschienen - damit dürfte auch beim ambitionierten Star Citizen zu rechnen sein.

Nach aktuellem Stand orientiert sich das Geschäftsmodell laut Roberts an Guild Wars 2: Der Kunde kauft das Programm und kann dann die Kampagne "Squadron 42" plus die Offene-Welt-Angebote danach spielen. Wenn wir es richtig verstanden haben (so ganz klar wurde Roberts in dem Punkt leider trotz Rückfragen nicht) sollen weitere Inhalte und neue Kampagnen dann in Episodenform folgen - deshalb auch die Unterscheidung von Star Citizen für das Hauptprogramm und das Universum und Squadron 42 für die Kampagne. Übrigens sollen auch Crowdfundingelemente für die späteren Episoden eine Rolle spielen - aber Kickstarter will Roberts angeblich nicht nutzen.

Roberts will mit dem Programm stark auf die Community zugehen. Es soll möglich sein, für den Multiplayermodus eigene Host-Server aufzumachen, und auch Mod-Werkzeuge sollen für jeden zugänglich sein. Die von Spielern erstellten Inhalte will er aber nur nach vorheriger Prüfung für alle freigeben - und so sicherstellen, dass die Offenheit des PC kein Nachteil, sondern eben auch ein Vorteil für die Plattform ist.

Nachtrag vom 10. Oktober 2012, 17:35 Uhr

Bei der Präsentation hatte Roberts so noch nicht darüber gesprochen, aber jetzt trotzdem eine eigene Crowdfunding-Plattform für Star Citizen eröffnet. Unter Roberts Space Industries können Spieler Geld für das Projekt zur Verfügung stellen. Wer mindestens 35 US-Dollar investiert, bekommt dafür neben dem Spiel selbst auch Zugang zu den Alpha- und Beta-Testphasen. Laut Pressemitteilung sollen frühe Unterstützer in gut einem Jahr eine Version spielen können. Die Seite scheint momentan zumindest zeitweise überlastet zu sein.

Das Entwicklerstudio hinter dem Projekt heißt übrigens Cloud Imperium Games, und nicht - wie ursprünglich im Artikel angegeben - Roberts Space Industries.  (ps)


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