Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/der-neue-furby-plappermaul-ohne-ausschalter-1210-94933.html    Veröffentlicht: 05.10.2012 16:02    Kurz-URL: https://glm.io/94933

Der neue Furby im Test

Plappermaul ohne Ausschalter

Er hört zu, plappert, wackelt und verlangt nach Aufmerksamkeit. Wir haben uns Hasbros plüschige Reinkarnation des Spielzeugtiers Furby von außen - und innen - angesehen.

Hasbros Furby ist wieder da - zwar noch nicht in Deutschland, aber wir haben zwei der neuen robotischen Kuscheltiere aus England bestellt. Wie sein Vorbild aus dem Jahr 1998 schafft es auch der neue Furby, bei Erwachsenen entweder für Entsetzen oder für Freude zu sorgen, für den Drang, ihn aus dem Fenster zu werfen oder ausgiebig zu kraulen. Die Kinder, denen wir den Furby zeigten, mochten ihn auf Anhieb.

Geliefert wird er in einer bunten Box - nett gemacht mit einem oben eingearbeiteten kleinen Kunstfell in Furby-Farbe. In der Kiste ist nicht viel: der Furby und eine einfache Anleitung in Form eines Faltblatts. Darauf stehen einige Tipps, was der Furby mag oder nicht mag, und es steht ein Hinweis auf eine Furby-App von Hasbro darauf. Batterien liegen nicht bei. Vier AA-Zellen müssen unter einer mit Schrauben gesicherten Klappe eingesteckt werden, um Furby zum Leben zu erwecken.

Ist das einmal geschehen, dann spricht er eine Mischung aus Englisch und der Fantasiesprache Furbisch. Dass Furby nun eine bessere Spracherkennung aufweisen soll, davon ist nicht viel zu merken. Unablässig quasselt er vor sich hin - ganz egal, was man ihm mitteilt.

Prinzessin oder Rüpel?

Richtige Konversationen können nicht geführt werden. Auch bietet Furby keine Spiele an. Er kann jedoch, je nachdem, wie er behandelt und womit er gefüttert wird, zwischen fünf verschiedenen Charakteren wechseln. Auf Basis einer internen Datenbank wird dann zwischen "Quasselstrippe", "Witzbold", "Prinzessin", "Sänger" und "Rüpel" umgeschaltet - wobei der Furby den Charakterwechsel ankündigt und mit blitzenden Augen vollzieht.

Furby kann mit den Ohren wackeln und seine LCD-Augen leuchten. Durch unterschiedliche Pupillen und Symbole auf den Augen teilt er seine Emotionen mit. Dazu klimpert er mit seinen mechanischen Augenlidern. Er kann auch seinen Körper leicht einknicken und mit auf zwei neben der Batterieklappe sitzenden Schiebern wackeln. Nicht zuletzt durch die Körpersprache schafft es Hasbro, dem neuen Furby mehr Ausdruck und Lebendigkeit zu verleihen als den teils über zehn Jahre älteren Modellen.

Füttern per Fingerwisch

Füttern spielt bei den Furby-Charakteren eine wichtige Rolle. Gefüttert werden kann der Furby nicht nur dadurch, indem ein Finger oder andere Objekte in seinen Schnabel gesteckt werden. Auch mit einer über iTunes USA oder UK zu beziehenden iOS-App ist es ohne weitere Konfiguration möglich, Furby per Fingerwisch mit unterschiedlichen Dingen zu füttern, seine Aussagen automatisch übersetzen zu lassen oder in einem Wörterbuch nachzuschlagen.

Bei der Anbindung von iPhone, iPad oder iPod Touch an den Furby wird kein Funk genutzt. Stattdessen dienen Lautsprecher und Mikros für die Kommunikation zwischen den Geräten. Das erspart zwar eine komplizierte Einrichtung, funktioniert aber in lauten Umgebungen nicht.

Zusammen tanzen und lachen

Stehen sich zwei Furbys gegenüber oder zumindest dicht genug beieinander, dann bemerken sie sich auf dieselbe Methode und plappern dann abwechselnd drauflos. Manchmal tanzen und lachen sie auch gemeinsam. Manchmal überhören sie sich gegenseitig. Dann plappert jeder wieder vor sich hin.

Wird Furby viel gekitzelt, dann wird er meist zum eng mit dem Charakter "Quasselstrippe" verwandten "Witzbold". Dann gesellt sich zum Kauderwelsch mit einigen englischen eingestreuten Glücksbekundungen auch ein leicht irre klingendes Lachen.

Das ist ein weiterer Grund, sich einen Ausschalter zu wünschen, den Hasbro leider weggelassen hat. Auf Nachfrage hieß es, dass der Schalter bewusst nicht da sei - offenbar, um den lebendigen Eindruck nicht zu zerstören. Eine Zeitsteuerung oder ein Sprachbefehl zum Stummschalten als Alternative gibt es ebenfalls nicht.

Ein spezieller Musikgeschmack

Furby reagiert auch auf Musik, sofern sie laut genug ist. Nicht jede Art von Musik scheint er zu erkennen. Mit Pop und Rock sowie basslastiger Musik hatten wir bei kurzem Ausprobieren mehr Erfolg als mit Klassik. Hört Furby die Musik, dann singt und tanzt er. Zwei Furbys tanzen auch zusammen.

Dazu wird mit dem Kopf genickt und mit den Ohren gewackelt. Zwischendrin öffnet und schließt Furby manchmal auch den Schnabel, als ob er im Playback mitsingt. Auch ohne Musik fängt Furby mal an, kurze Melodien zu singen, die eher niedlich klingen und nicht störend wirken. Der Charakter "Sänger" summt zudem deutlich häufiger eine Melodie als die anderen Charaktere.

Unbequemer Zeitgenosse

Furby kann auch anders: Schüttelt man ihn mehrmals, zieht ihm wiederholt am Schwanz, füttert ihn über die App mit Unterhosen oder kümmert sich nicht um ihn, kann er den Charakter "Rüpel" annehmen. Dann ändert sich der Tonfall, es wird eher gemeckert als geschnurrt und auch die Augen ändern ihr Aussehen. Um den Furby wieder zu beruhigen, muss er ausgiebig gehätschelt werden.

Hands in Furby

Wir haben uns den Furby mal von innen angeschaut. Zwar wird er nicht mehr als die ganz große Neuerung im Spielzeugmarkt beworben, doch der technische Aufbau ist interessant. Unter dem Fell befinden sich zwischen den Ohren und seitlich an den Wangen einfache aufgeklebte Sensoren, über die etwa Berührungen erkannt werden. Im Bauch eingenäht ist ein ähnlich funktionierender Sensor, der bei Furby einen Kitzelreiz auslöst.

Dazu kommen unter anderem ein im Bauch sitzendes Mikrofon und ein an der Seite platzierter Lautsprecher zum Einsatz. Für alle Bewegungen, auch die der Augenlider, ist ein an ein Getriebe angeschlossener kleiner Motor zuständig. Ein Lagesensor in Form einer kleinen Plastikbox mit Kugel informiert den Furby, ob er liegt, geschüttelt oder kopfüber gehalten wird. Die LCD und die Hintergrundbeleuchtung werden durch Schrauben an die Platine gepresst. Beim Auseinandernehmen fällt alles auseinander - ganz so einfach lässt sich das nicht mehr zusammensetzen.

Die CPU ist nicht beschriftet und eingegossen worden. Aufgefallen sind uns noch zwei Lötpunkte, die mit Reset beschriftet sind. Interessant: Auf der Platinenrückseite steht als Fabrikant die Jetta Company - die unter anderem auch den Roboter-Dino Pleo gebaut hat.

Bisher ist der Furby Plush nur in den USA und England zu haben, ab Februar 2013 soll er auch in Deutschland verkauft werden. Der Preis beträgt laut Hasbro rund 90 Euro. Zur Auswahl gibt es verschiedene Farben. Was uns auffiel war, dass der weiße Furby extrem haarte, der blaue nicht.

Fazit

Hasbro schafft es wieder, Faszination für ein elektrisches Spielzeug zu wecken und vor allem Kinder zu begeistern. Die verschiedenen Charaktere zu entdecken ist spaßig. Doch wie bei den ersten Furbys aus den Jahren 1998 und 2005 enttäuscht das Spielzeug auch, weil es die Versprechungen nur bedingt hält und den Erwartungen nicht gerecht werden kann. Von der Interaktion der Furbys untereinander hatten wir zum Beispiel mehr erwartet. Das Gebrabbel wird auch recht schnell nervig, ein Ausschalter ist dringend notwendig, es gibt zu wenig Interaktionsmöglichkeiten und ein Lernspielzeug ist Furby nur für diejenigen, die ihn auseinandernehmen wollen.  (ck)


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