Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/patryk-adamczyk-wie-das-design-von-firefox-os-entstand-1209-94783.html    Veröffentlicht: 27.09.2012 11:32    Kurz-URL: https://glm.io/94783

Patryk Adamczyk

Wie das Design von Firefox OS entstand

Der Mozilla-Designer Patryk Adamczyk hat auf dem Mozcamp in Warschau erläutert, wie das Design für Firefox OS entstanden ist. Es sieht ganz anders aus, als das, was Mozilla noch unter dem Codenamen Boot-to-Gecko auf dem Mobile World Congress im Februar 2012 zeigte.

Auf dem Mobile World Congress 2012 in Barcelona kündigte Mozilla sein Smartphone-Betriebssystem Boot-to-Gecko der breiten Öffentlichkeit an. Was damals zu sehen war, hat mit dem, was als Firefox OS in einigen Monaten auf den Markt kommen soll, aber nicht viel gemeinsam. Die erste Version war zu Demozwecken in nur einer Woche zusammengeschustert worden. Erst im April 2012 begann die eigentliche Arbeit am Design von Firefox OS, das sich in die allgemeine neue Designlinie von Firefox einpasst.

So soll das neue Design vertraut wirken, schreibt Patryk Adamczyk: Es gibt eine Kopfzeile mit Navigationsknöpfen für die Funktionen Zurück, Abbrechen und Menü auf der linken Seite, eine Überschrift in der Mitte und maximal zwei Aktionsknöpfe auf der rechten Seite. Die Fußzeile umfasst bis zu fünf Aktions-Icons, das Layout soll einen Magazin-Look aufweisen, mit Betonung auf Typographie. Damit jede App wirkt, als sei sie per Hand gebaut, werden Texte linksbündig ausgerichtet statt zentriert. Dem Magazin-Look ordnet sich auch die Darstellung der Bilder unter, die entsprechend zurechtgeschnitten werden.

Geschichtetes Layout

Das aktuelle User Interface (UI) von Firefox setzt sich aus mehreren Schichten zusammen, für Firefox OS wurde dieses Prinzip weitergeführt. Inhalte befinden sich auf der obersten Schicht, die Einstellungen links daneben. Ein Tippen auf die Menütaste gibt sie frei.

Die mitgebrachten Apps verwenden zwei grundlegende Designs: eines mit hellem Hintergrund für Produktivitäts-Apps wie den E-Mail-Client und eines mit dunklem Hintergrund für Multimedia-Apps. Dabei werden multimediale Inhalte in einem Raster dargestellt, das sich je nach Inhalten (Musik, Bilder, Video) unterscheidet. In jedem Fall steht der Inhalt im Vordergrund, die zum Betriebssystem gehörenden Elemente nehmen nur minimalen Raum ein. Auf Platzhalter wird entweder verzichtet, beispielsweise bei Kontaktbildern, oder es gibt eine Vielzahl bunter Platzhaltergrafiken, beispielsweise in der Musik-App, wenn keine Albumcover hinterlegt sind.

Apps, die nicht auf ein Listenlayout setzen, haben ein komplett eigenständiges Aussehen erhalten.

Die Möglichkeiten zur individuellen Anpassung der Optik sind in Firefox OS 1.0 noch sehr eingeschränkt. Immerhin ist es möglich, eigene Hintergrundbilder zu verwenden.

Die Icons auf dem Homescreen folgen einer einheitlichen Designlinie: Alle Icons wurden auf einem Untergrund platziert. Einige brechen aber aus dessen Grenzen aus. Mit diesen Ausnahmen soll die Regel unterstrichen werden. Um sich von anderen mobilen Betriebssystemen abzuheben, wird durchgehend ein runder Rahmen für die Icons verwendet.

Orange und Blau dominieren

Farben spielen in Firefox OX eine wichtige Rolle. Die in Firefox OS integrierten Apps folgen beispielsweise einem Farbschema. Die Icons aller Apps, die etwas mit Telefonie zu tun haben, sind grün, Icons von Media-Apps blau, Produktivitäts-Apps orange und die Icons von Einstellungen und Utilities sind grau.

Ganz allgemein dominiert die Farbe Orange, vor allem in den Kopfzeilen der Produktivitäts-Apps. Für Hervorhebungen setzt Mozilla bei Firefox OS aber auf Blau, das Orange ergänzt.

Für Entwickler von Apps soll es einen umfangreichen Styleguide geben, ergänzt durch fertigte Designbausteine in Form einer CSS-Bibliothek.

Neue Schriftart

Bei der verwendeten Schriftart geht Mozilla neue Wege. Bislang setzt Mozilla in vielen Bereichen auf die vom Berliner Typographen Erik Spiekermann vor rund 20 Jahren entwickelte Schriftart "Meta". Prominentestes Beispiel ist das Firefox-Logo. Meta wurde aber für gedruckte Texte entworfen und kann aufgrund lizenzrechtlicher Einschränkungen nicht mit freier Software verteilt werden.

Firefox OS erhält daher einen neuen Font, eine Weiterentwicklung von Meta, die ebenfalls von Erik Spiekermann kommt. Unterstützt wurde Mozilla dabei von Telefónica, das auch die ersten Smartphones mit Firefox OS Anfang 2013 in Brasilien verkaufen wird. Die ersten Geräte kommen von dem chinesischen Hersteller TCL und ZTE. Als Prozessor kommt Qualcomms Snapdragon zum Einsatz.  (ji)


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