Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/robohornet-ein-browserbenchmark-der-misst-was-wirklich-wichtig-ist-1209-94742.html    Veröffentlicht: 25.09.2012 08:44    Kurz-URL: https://glm.io/94742

Robohornet

Ein Browserbenchmark, der misst, was wirklich wichtig ist

Robohornet soll ein besserer Browserbenchmark werden. Er soll messen, was für Webentwickler und damit letztendlich für Nutzer wirklich zählt. Dahinter stehen eine Gruppe von Browser- und Webentwicklern von Facebook, Google, Microsoft und Mozilla sowie Entwickler bekannter Frameworks wie jQuery, Ruby on Rails und Cappuccino.

Benchmarks wie Sunspider, Octane oder Kraken messen vor allem, wie schnell ein Browser Javascript ausführt. Nun hat sich die Geschwindigkeit der Javascript-Engines in Browsern in den vergangenen Jahren aber vervielfacht, so dass für Webentwickler mittlerweile andere Teile des Browsers zum Flaschenhals werden und die Geschwindigkeit von Web-Apps maßgeblich beeinflussen.

Genau hier soll Robohornet ansetzen, ein neuer als Open Source veröffentlichter Browserbenchmark, hinter dem nicht ein einzelner Browserhersteller steht, sondern eine Gruppe von Browser- und Webentwicklern. Geleitet wird das Projekt von Alex Komoroske von Google. Zum Leitungsgremium des Projekts gehören aber auch Mozilla-Produktmanager Daniel Buchner und Microsofts Programm-Manager John-David Dalton. Zudem gehören Webentwickler aus unterschiedlichen Bereichen dem Gremium an, unter anderem Ryan Grove (YUI), Ariya Hidayat (Sencha), Paul Irish (jQuery, HTML5Boilerplate, Modernizr), Yehuda Katz (Ruby on Rails, jQuery, Sproutcore, Ember.js, Handlebars.js), Matt Kelly (Facebook), Tom Robinson (Cappucino), Lindsey Simon (Browserscope.org) und Marr Ziegelbaum (Google Spreadsheets).

Ebenso ungewöhnlich wie die Zusammensetzung des Projektkomitees ist auch die Herangehensweise an die Benchmark-Entwicklung: Robohornet soll ausdrücklich ein "lebender, dynamischer Benchmark" sein, der die echten Probleme von Webentwicklern aufgreift, damit Browserhersteller sie lösen, statt sich weiter auf die zunehmend irrelevante Steigerung der Punktezahl in Javascript-Benchmarks zu konzentrieren.

Letztendlich können Webentwickler, die Performance-Probleme in ihren Apps entdecken und das auf eine langsame Browserfunktion zurückführen, einen entsprechenden Benchmark einreichen. Der jeweilige Vorschlag wird dann von einer kleinen Gruppe von Javascript-Experten geprüft und anschließend zur Abstimmung in der Community gestellt. Erhält er genug Unterstützung, wird er in die Benchmark-Suite aufgenommen. Wenn Browserhersteller nun versuchen, die Punktzahl ihrer Browser im Robohornet-Benchmark zu verbessern, müssen sie dafür die für Webentwickler relevanten Bestandteile ihres Browsers beschleunigen, so die Idee.

Was Robohornet testet

Die derzeit in Robohornet enthaltenen Tests decken vor allem die Probleme ab, die sich bei der Entwicklung von jQuery, Google Apps, Google Maps, Ember.js, Handlebars.js und Cappuccino als besonders ärgerlich erwiesen haben. Gemessen wird unter anderem, wie schnell der Browser eine Tabelle um neue Zeilen und Spalten erweitern kann, wie schnell er absteigende Selektoren in unterschiedlicher DOM-Tiefe anwenden kann, wie schnell ein 2D-Canvas in eine Data-URI umgewandelt und wie schnell ein 2D-Canvas gelöscht wird, wie schnell eine Tabelle nach Änderung ihres Inhalts gerendert wird, wie schnell mit Scrolltop gescrollt werden kann, wie schnell Spalten in einer Tabelle in der Größe verändert werden können, wie schnell sich SVGs in der Größe verändern lassen, wie schnell die Getter- und Setter-Methoden von ECMAScript 5 ausgeführt werden, wie schnell bei der Anzeige vieler animierter Gifs gescrollt werden kann und wie schnell in den Local Storage geschrieben und daraus gelesen werden kann. Eine Liste auf Github zeigt, welche weiteren Tests derzeit vorgeschlagen sind.

Noch sei Robohornet als Alphaversion zu betrachten, so die Entwickler. Als Basis für die Tests wird Benchmark.js verwendet.

Was das Robohornet-Ergebnis bedeutet

Auch bei dem Ergebnis, das Robohornet ausgibt, gehen dessen Entwickler einen ungewöhnlichen Weg. Der Wert hängt von zwei Faktoren maßgeblich ab: welche aktuelle Leistung die wichtigsten Browser bieten und welche Themen Webentwicklern besonders wichtig sind. Dazu werden für jede neue Version des Benchmarks die Ergebnisse erneut normalisiert, so dass die Ergebnisse verschiedener Versionen miteinander nicht vergleichbar sind.

Der sich dabei ergebende Robohornet-Index gibt letztendlich an, wie ein Browser im Vergleich zu seinen aktuell wichtigsten Konkurrenten auf derzeit durchschnittlicher Hardware dasteht. Erreicht ein Browser also 100 Punkte, ist er durchschnittlich. Ein Browser mit weniger als 100 Punkten ist unterdurchschnittlich und mit mehr als 100 Punkten überdurchschnittlich.

Dabei werden die einzelnen Tests des Benchmarks gewichtet, so dass Tests, die Webentwicklern besonders wichtig sind, einen besonders großen Einfluss auf den Robohornet-Index haben.

Heimvorteil

In einem ersten Benchmarktest, den Tom's Hardware unter Windows 7 durchgeführt hat, liegt Chrome (177,73 Punkte) vorn, dahinter der Internet Explorer 9 (151,10 Punkte), Opera (138,71 Punkt) sowie Firefox (116,19 Punkte) auf dem letzten Platz. Unter Windows 8 liegt hingegen der Internet Explorer 10 (208,55) vor Chrome (171,52 Punkte). Unter Mac OS X 10.8 liegt Safari (102,47 Punkte) an der Spitze, gefolgt von Chrome (88,48 Punkte), Firefox (67,12 Punkte) und Opera (52,38 Punkte), und unter Ubuntu liegt Chrome (179,06 Punkte) vor Opera (146,93 Punkte) und Firefox (119,95 Punkte). Interessant fällt das Ergebnis unter Android aus, hier ist der Android-Browser (38,08) deutlich schneller als Chrome (11,19 Punkte).

Unterm Strich ergibt sich eine klare Tendenz: Die Browser mit Heimvorteil liegen zumeist vorn, also der Internet Explorer unter Windows, Safari unter Mac OS X und der Android-Browser unter Android. Über alle Plattformen hinweg erreicht Chrome die höchsten Punktzahlen.

Die aktuelle Version von Robohornet kann unter robohornet.org ausprobiert werden. Der Code des Benchmarks findet sich auf Github.  (ji)


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