Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-borderlands-2-kaempfe-kanonen-koop-und-ein-kammerjaeger-1209-94732.html    Veröffentlicht: 24.09.2012 18:51    Kurz-URL: https://glm.io/94732

Test Borderlands 2

Kämpfe, Kanonen, Koop - und ein Kammerjäger

Der Kampf auf dem Planeten Pandora geht weiter: In Borderlands 2 mit noch mehr Waffen, einer besseren Kampagne und spannenden Klassen. Vor allem aber mit dem bewährten und sehr unterhaltsamen Koopmodus.

Der erste neue Freund in Borderlands 2 ist ein alter Bekannter: Direkt nach dem Start der Kampagne begrüßt uns der manisch-depressive Roboter Claptrap mit seiner lustigen Stimme und launigen Sprüchen. Der kleine Kerl freut sich, weil er endlich einen Untertan gefunden hat - uns. Das glaubt er natürlich nur, denn selbstverständlich helfen wir ihm zwar. Aber dann haben wir doch sehr eigene Pläne: Wir wollen einem gewissen Handsome Jack das Handwerk legen, der den Planeten Pandora terrorisiert. Da trifft es sich, dass wir der ebenso hochwohlgeborene wie auserwählte Kammerjäger (im englischen "Vault Hunter") sind - allerdings sind wir auch nur der letzte dieser Art in einer langen Reihe. Unsere Vorgänger haben früher oder später unfreiwillig ins Gras gebissen...

Das klingt alles ein wenig schräg und makaber? Das soll es auch, denn Borderlands 2 setzt wie der ebenfalls von Gearbox entwickelte erste Teil auf teils rabenschwarzen Humor. Vor allem aber auf viel Action in einer diesmal noch schöneren Welt, die wir ganz am Anfang als Eislandschaft kennenlernen. Später in der gut 20 bis 25 Stunden langen Kampagne geht es dann noch in Wüsten und grüne Landschaften, dazu kommt recht schnell die kleine Metropole Sanctuary und später eine Reihe weiterer Siedlungen - die allerdings allesamt nicht sehr groß gestaltet sind.

Bevor es ans Abenteuer geht, müssen wir uns - im Koopmodus auch unsere Kumpel - für eine der vier Klassen entscheiden. Eine fünfte, der Mechromancer, soll Mitte Oktober 2012 als Download verfügbar sein; später folgen eventuell weitere. Solange gibt es mit dem Commando, dem Gunzerker sowie der Sirene und der Assassine aber auch ein paar interessante Angebote. Vor allem wegen der jeweiligen Spezialfähigkeiten, die ab Level 5 zur Verfügung stehen - die meisten Spieler dürften nach ein bis zwei Stunden so weit sein.

Dann darf etwa der Gunserker vorübergehend zwei Waffen gleichzeitig verwenden und damit besonders effektvoll durch Feindesreihen wüten - was eine ziemlich wilde Sache ist. Ganz anders sieht die Spezialfähigkeit des Commando aus: Der bekommt ein vollautomatisches Geschütz, das er auf Knopfdruck aufstellt. Die meisten Feinde greifen diese Selbstschussanlage frontal an, so dass wir uns dann in vielen Kämpfen vergleichsweise gemütlich neben das allgemeine Getümmel stellen und ohne große Gefahr für unser Leib und Leben die Feinde ins Korn nehmen können.

Schneller laden oder regenerieren

Pro Levelaufstieg gibt es einen weiteren Skillpunkt, den wir über den Talentbaum in die Verbesserung etwa des Geschützes investieren können, oder in Fähigkeiten wie Regeneration oder Nachladegeschwindigkeit stecken. Wer sich dabei vertut, kann die Punkte an einem Automaten gegen ein paar Dollar zurücksetzen lassen.

Erfahrungspunkte gibt es für getötete Gegner, vor allem aber für absolvierte Quests. Das Rollenspiel-Wort passt besser als der Begriff "Mission", weil ein Großteil der Aufgaben in Borderlands 2 freiwillig ist. Es gibt ein übersichtliches Questjournal, das alle aktuellen Vorhaben mitsamt einer vom Level abhängigen Angabe der Schwierigkeit auflistet. Die Jobs schicken uns ganz schön herum in der Welt: Mal sollen wir einem Kumpel ein paar Haare von einem Riesenaffen besorgen, mal ein paar Aufgaben für einen irren Arzt erledigen oder uns schlicht einen besonderen Schild besorgen. Komplexe Rätsel oder dergleichen gibt es nicht - fast immer ist Action angesagt.

Entsprechend wichtig ist natürlich die Auswahl unserer Kampfgeräte. Wie im Vorgänger gibt es in Borderlands 2 unfassbar riesige Massen an Waffen, die Palette reicht vom Handtaschenrevolver bis zum großkalibrigen Raketenwerfer. Ehrlich gesagt finden wir nicht, dass es deutlich einfacher als im ersten Borderlands ist, die Effektivität der jeweiligen Waffen auf den ersten Blick einzuschätzen. Wir haben uns, ähnlich wie in Diablo 3, relativ schnell wieder an der farblich dargestellten Seltenheit orientiert und nach ein oder zwei Stunden die einfachste (weiße) Kategorie schlicht ignoriert - mag sein, dass wir so die ein oder andere interessante Waffe übersehen haben, aber auf Dauer nervt das ständige Vergleichenmüssen dann doch zu sehr.

Großkalibrige Waffen, langsame Texturen, positives Fazit

Neben der reinen Durchschlagskraft haben viele Waffen weitere Spezialfähigkeiten, die vor allem dem für bis zu vier Spieler ausgelegten Koopmodus eine gewisse taktische Tiefe verleihen: So kann einer der Teilnehmer dem Gegner mit der entsprechend ausgerüsteten Knarre die Energieschilde wegballern, der andere gibt dem Feind dann mit seiner Waffe den Rest.

Auch in Borderlands 2 gibt es neben der Action und den größtenteils spaßigen Quests noch einiges an sich wiederholenden Aufgaben: So stehen in Pandora weiterhin unzählige Kisten, Schränke und Truhen, die Munition, Dollar, Schilde, Waffen oder sonstige Ausrüstungsgegenstände enthalten. Deren Durchstöbern bringt dann doch zu viele Vorteile, als dass man es einfach auch mal sein lassen könnte - nervig, dass man die Gegenstände ziemlich genau anvisieren muss, um sie ins Inventar zu befördern.

Alles andere als komfortabel ist auch das Speichersystem: Auf allen drei Plattformen ist kein manuelles Sichern des Spielstandes möglich. Das Programm merkt sich zwar an ausreichend vorhandenen Speicherstellen den Status des oder der Spieler - also die Munitionsvorräte, die Waffen und die Skillung. Aber wer stirbt, oder nach einer Pause schlicht neu einsteigt, muss sich teils trotzdem nochmals durch große Levelabschnitte kämpfen, in denen fast alle Gegner erneut warten - die tauchen nämlich, von einigen Spezialfeinden abgesehen, nach einer gewissen Zeit grundsätzlich wieder auf.

Grafik und Hardware im Überblick

Die Grafik von Borderlands 2 basiert auf der Unreal Engine 3 - entsprechend gut sieht das Ganze aus, jedenfalls wenn man nichts gegen den Cartoonlook hat. Allerdings hat das Spiel auf allen drei Plattformen mit sichtbaren Nachladeproblemen bei Texturen zu kämpfen. Auf Konsole kann es teils mehrere Sekunden dauern, bis das Programm etwa beim Öffnen einer Munitionskiste alle Daten in den Speicher geschaufelt hat - aber auch auf sehr schnellen PCs ist es teils noch deutlich sichtbar.

Wir empfehlen auch aus weiteren Gründen den Griff zur PC-Fassung: Sie sieht in den höheren Detailstufen wesentlich schöner aus, insbesondere was die Darstellung der Landschaften angeht. Außerdem ist das Zielen mit Maus und Tastatur einfacher: Borderlands 2 verwendet auf PC und Konsole zwar auf Wunsch ein Aufschaltsystem à la Call of Duty. Aber dazu muss der Feind schon fast direkt im Fadenkreuz stehen, was insbesondere auf Konsole das Anvisieren der teils sehr schnellen und beweglichen, aber auch oft weit entfernten Gegner auch für geübtere Spieler stellenweise zur Herausforderung macht.

Das Actionspiel ist für Windows-PC, Xbox 360 und Playstation 3 erhältlich. Es kostet je nach Version zwischen 50 und 60 Euro. Die deutsche Sprachausgabe ist gelungen, inhaltliche Änderungen gegenüber dem US-Original gibt es nicht. Die PC-Fassung muss bei Steam aktiviert werden. Von der USK hat Borderlands 2 eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten.

Fazit

Seltsamerweise fühlt sich Borderlands 2 tatsächlich neu an - und spielt sich doch sehr weitgehend wie der Vorgänger. Statt bahnbrechende Neuerungen zu bieten, haben die Entwickler alles ein bisschen besser gemacht: Die Klassen sind interessanter, die Story etwas weniger sinnlos, die Quests abwechslungsreicher, die Dialoge zynischer und die Kämpfe, insbesondere im Koopmodus, noch spannender. Wirklich zugelegt hat die Welt, die deutlich glaubwürdiger und lebendiger rüberkommt - teilweise sehen die komplexen Siedlungen wirklich atemberaubend aus. Vor allem aber: Die Mischung aus Schnell-noch-erledigen-Missionen, dem Nur-noch-ein-Aufstieg-Rollenspielsystem und dem Eine-neue-Knarre-Waffensystem kann ganz schön motivierend sein!

Beim Komfort gibt es für einen dritten Teil aber noch viel Raum für Verbesserungen: Auf Dauer nerven das teils umständlich zu bedienende und viel zu kleine Inventar genauso wie die Massen an Kisten, die man untersuchen muss. Auch das blöd umgesetzte Speichersystem sorgt für Frust - nur wer nicht stirbt und keine Pausen macht, bekommt davon nichts mit.

Trotzdem: Wer den Vorgänger vor allem wegen des Multiplayermodus gespielt hat, greift sowieso zu. Aber diesmal haben auch Einzelspieler ein paar Gründe mehr, einen Ausflug nach Pandora zu unternehmen.  (ps)


Verwandte Artikel:
Borderlands-Update gegen Netzwerk- und Grafikprobleme   
(18.11.2009, https://glm.io/71273 )
Gearbox: Das letzte Update leitet das Ende von Battleborn ein   
(18.09.2017, https://glm.io/130117 )
Borderlands 2 angespielt: Mehr Action und Abwechslung auf Pandora   
(04.04.2012, https://glm.io/90966 )
Project 1v1: Gearbox arbeitet an Shooter plus Sammelkarten   
(10.08.2017, https://glm.io/129420 )
Key-Reseller: Entwicklerstudio Gearbox stellt G2A.com vor Ultimatum   
(07.04.2017, https://glm.io/127194 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/