Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ssd-840-pro-im-test-samsungs-schnellste-kratzt-an-intels-ssd-rekorden-1209-94725.html    Veröffentlicht: 24.09.2012 13:00    Kurz-URL: https://glm.io/94725

SSD 840 Pro im Test

Samsungs Schnellste kratzt an Intels SSD-Rekorden

Samsungs SSD 840 Pro soll die erfolgreiche Serie 830 ablösen, dazu bietet sie nicht nur sehr viel Tempo, sondern auch AES-Verschlüsselung mit 256 Bit. Möglich macht das ein neuer Controller, der nicht von Sandforce stammt. Ein Kurztest.

Intels SSD-Serie 520 gilt als eines der schnellsten 2,5-Zoll-Laufwerke. Samsung möchte das nun ändern und stellt die neue SSD 840 vor, die der erfolgreichen Serie 830 nachfolgt. Dabei gibt es aber nicht nur verschiedene Kapazitäten, sondern auch gleich zwei Serien: SSD 840 und SSD 840 Pro. Nicht nur die Größen unterscheiden sich dabei leicht.

Zwei wesentliche Umstände sollen für den angepeilten Einsatz im Unternehmen der Pro-Serie sorgen: Zum einen gibt es fünf statt drei Jahre Garantie, zum anderen werden die Pro-Laufwerke ohne voreingestelltes "Over Provisioning" ausgeliefert. Durch diese Technik meldet sich die SSD beim Betriebssystem mit weniger Kapazität, als die Chips tatsächlich besitzen. Das dient als Redundanz für ausgefallene Speicherbereiche und für ein besseres Wear Levelling, zudem steigert sich die Leistung durch ständig freie Bereiche, vor allem beim Schreiben.

So sind die Kapaziäten bei der Serie 840 mit 120, 250 und 500 GByte angegeben - Over Provisioning ist aktiv - und die 840 Pro meldet 128, 256 und 512 GByte. Bei der Pro-Serie ist Over Provisioning trotzdem möglich, es kann über die Samsung-Software "Magician" eingeschaltet werden. Wie weit die SSD verkleinert werden kann, ist laut Samsung noch nicht entschieden. Mindestens sieben Prozent weniger Speicherplatz sollen aber möglich sein. Erfahrene Anwender können bei der SSD 840 Over Provisioning auch per Magician abschalten, sie wird ab Werk aber mit der Funktion ausgeliefert. Samsung will damit technisch weniger versierten Anwendern ein Laufwerk bieten, das sein Tempo auch ohne Eingriffe lange behält.

Ein weiterer Unterschied: Die Serie 840 arbeitet mit Triple-Level-Cells, die 3 Bit pro Flash-Zelle speichern, die 840 Pro besteht aus anders hergestellten Chips, die 2 Bit pro Zelle speichern. Solche Bausteine sind größer und daher teurer in der Herstellung, nutzen sich aber nicht so leicht ab. Daher ist die Garantie für die 840 Pro auch zwei Jahre länger.

Neuer Controller mit Cortex-Kernen

Beide Serien werden von einem neuen von Samsung selbst entwickelten Controller der Serie MDX gesteuert, der mit drei ARM-Kernen arbeitet. Dabei hat Samsung gleich den Sprung in die Cortex-Welt gewagt: Statt der Architektur ARM 9 wie bei der SSD 830 kommt ein Cortex-R4 mit viel höherer Rechenleistung zum Einsatz. Einzelwerte, etwa in MIPS, für einen Kern nannte Samsung aber nicht. Beide Versionen, und nicht nur die 840 Pro, beherrschen Verschlüsselung nach AES (FDE) per Hardware, was sich trotz 256 Bit langer Schlüssel nicht auf die Leistung auswirken soll - auch das ist ein Ergebnis des Cortex-Designs im neuen Controller.

Dazu kommen noch für die 128 beziehungsweise 120 GByte großen Modelle je 256 MByte Cache aus DRAM, die größeren SSDs verfügen über 512 MByte Cache. Dieser ist aus dem aus der Mobiltechnik bekannten sparsamen LPDDR2 aufgebaut, wie er auch in Smartphones und Tablets zu finden ist.

Der genügsame Cache ist neben dem neuen Controller der Grund, warum die 840-Serien die sparsamste 2,5-Zoll-SSD auf dem Markt bei vergleichbaren Kapazitäten sein soll. Samsung gibt rund 70 Milliwatt im Betrieb und 50 Milliwatt in Ruhe als Leistungsaufnahme an, die Pro-Serie ist dabei nochmal etwas effizienter. Zum Vergleich: Intels SSD 520 kommt auf 850 und 600 Milliwatt. Nachmessen ließen sich Samsungs Werte noch nicht, weil das Testmuster der 840 Pro - die 840 stellte der Hersteller noch nicht zur Verfügung - erst unmittelbar vor der Launch-Veranstaltung eintraf, die in Korea stattfand.

Dennoch sind die um mehr als eine Größenordnung geringeren Werte durchaus geeignet, die Laufzeit von Notebooks zu verlängern. Das kommt jedoch stark auf die Nutzung an, Display und CPU sind immer noch die größten Verbraucher. Bei einem ansonsten gleich ausgestatteten Notebook will Samsung gegenüber einer mechanischen Festplatte bis zu 56 Minuten mehr Laufzeit gemessen haben, im Vergleich mit konkurrierenden SSDs ist immerhin noch eine halbe Stunde mehr Akkunutzung zu erreichen, sagt das Unternehmen.

Beide Serien arbeiten mit einer abwärtskompatiblen SATA-Schnittstelle mit 6 GBit/s, SSDs mit 3-GBit-SATA dürfen inzwischen als überholt gelten. Es gibt die neuen Samsung-Laufwerke nur in der Bauhöhe von 7 Millimetern. Wenn sie in einem Notebook als Ersatz für eine Festplatte mit 9,5 Millimetern Dicke dienen sollen, ist ein Abstandshalter (Spacer) empfehlenswert, sofern das Laufwerk nicht durch Schrauben fixiert wird. Lose SSDs, die nur am SATA-Port festgehalten werden, sind eine potenzielle Fehlerquelle. Wenn sich der Spacer für das jeweilige Notebook nicht kostengünstig beschaffen lässt, kann man ihn leicht durch einige ausgediente Kredit- oder Schlüsselkarten improvisieren.



Schnelles Lesen auch bei kleinen Dateien

Wie bei vielen Komponenten, auch CPUs, üblich, schickte Samsung nur eine Vorserienversion des größten Modells zum Test. Die folgenden Werte beziehen sich also auf einen Vergleich der SSD 840 Pro mit 512 GByte zur Intel SSD 520 mit 240 GByte. Als direkten Vorgänger verwendeten wir die SSD 830 mit 128 GByte Größe, was auch laut Samsung das meistverkaufte Modell der Serie ist. Die 830er SSDs mit 256 und 512 GByte sind beim Schreiben etwas schneller als die Version mit 128 GByte.

Schon beim sequenziellen Lesen ist die 840 Pro mit 508 zu 487 Megabyte pro Sekunde etwas fixer als Intels SSD, und beim Schreiben von schlecht komprimierbaren Daten mit 487 zu 308 MByte/s erst recht. Das liegt vor allem daran, dass Samsungs Controller anders als der von Intel verbaute Sandforce-Chip nicht auf Kompression setzt. Sind die Daten aber noch gut zu verkleinern, kommt die SSD 520 auf 506 MByte/s beim Schreiben, sie ist dann schneller als Samsungs neues Laufwerk. In der Praxis kommen solche Daten, die nur aus sich wiederholenden kurzen Mustern bestehen, aber kaum vor - sowohl JPEG-Bilder als auch Videos sind stets schon so komprimiert, dass auch eine Verkleinerung per Hardware hier kaum noch etwas herausholen kann. Die Serie 830 liegt in beiden Szenarien hinter der 840 Pro zurück.

Auch bei 4 Kilobyte kleinen Blöcken, die zufällig gelesen und geschrieben werden, schlägt die 840 Pro die SSD 520. Hier kommt das Samsung-Laufwerk auf 33 und 71 MByte/s - schreibt durch den Cache also schneller als es liest - und die Intel-SSD erreicht nur 28 beziehungsweise 69 MByte/s. Die Angaben beziehen sich auf kaum komprimierbare Daten. Das sind beim Lesen immerhin noch 18 Prozent mehr Tempo. Das rechtfertigt zwar nur bei Spezialfällen wie Datenbankservern vielleicht einen Umstieg, macht die Samsung-SSD aber bei einer Neuanschaffung attraktiver. Wie viel eine neue SSD-Architektur bei Controller und Cache bringen kann, zeigt der Vergleich zur Serie 830, wo das ohnehin etwas langsamere 128-GByte-Modell nur auf 22 beziehungsweise 59 MByte/s kommt. Die 840 Pro ist damit beim Lesen vieler kleiner Dateien 50 Prozent schneller.

Andere nicht bewertete Messungen mit IOMeter zeigten aber die Tendenz, dass die SSD 520 von Intel in einigen Szenarien, wo es auf viele IOPS ankommt, die 840 Pro immer noch schlagen kann. Durch Samsungs kurzfristige Planung inklusive einer Verschiebung der Sperrfristen ließ sich das nicht mehr abschließend prüfen. Es ist aber, wie bei SSD üblich, nicht ausgeschlossen, dass die Laufwerke durch neue Firmwareversionen noch schneller werden können. Ansonsten verhielt sich unser Muster bei einigen Stunden Betrieb unauffällig und ließ sich sowohl unter Windows 7 als auch Version 8 mehrfach formatieren, partitionieren oder mit dem Samsung-Tool "Magician" - vergleichbar mit Intels SSD-Toolbox - zum Freigeben gelöschter Bereiche bewegen.

Lebensdauer und Fazit

So ein manuelles Auslösen der Trim-Funktion, die Windows seit Version 7 auch automatisch anwendet, kann insbesondere bei fast vollen SSDs vor größeren Dateioperationen noch etwas Geschwindigkeit freilegen. Laut Samsung sollen beide Versionen der 840 durch Wear Leveling auch dann noch volles Tempo behalten, wenn sie zu mehr als der Hälfte gefüllt sind und ihre Lebensdauer - die mit 1,5 Millionen Stunden MTBF angegeben wird - erreicht haben. Solche Angaben lassen sich in der Praxis aber ohne monatelange Tests kaum überprüfen.

Anhand der Messwerte zeichnet sich schon jetzt ab, dass der Konkurrenzkampf zwischen Samsung und Intel bei SSDs vor allem über den Preis ausgetragen werden wird. Die 840 Pro kann sich vor allem beim Schreiben von schlecht komprimierbaren Daten vor das Intel-Laufwerk setzen und bringt wie die 520 Hardwareverschlüsselung mit. Die sonstigen Werte liegen so nah an der 520, dass sich Samsung die Vorteile nicht besonders teuer bezahlen lassen kann.

Da Intel nun einen starken Konkurrenten auch bei für Unternehmen geeigneten SSDs hat, dürften die Preise für diese Gerätekategorie weiterhin sinken. Und damit die Abstände zu den schwächeren SSDs nicht zu klein werden, werden auch Geräte wie die Serie 330 von Intel und die noch nicht verfügbare 840 ohne Pro-Zusatz bald günstiger werden.

Den Profi im Namen lässt sich Samsung einstweilen teuer bezahlen. Die Preisempfehlungen für die Serie 840 Pro lauten für 128, 256 und 512 GByte je 150, 270 und 580 Euro, die Serie 840 soll mit 120, 250 und 500 GByte je 105, 200 und 450 Euro kosten. Beide Modellreihen sollen im Oktober 2012 weltweit auf den Markt kommen.  (nie)


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