Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/iphone-5-im-test-das-iphone-mit-der-fuenften-zeile-1209-94712.html    Veröffentlicht: 21.09.2012 21:33    Kurz-URL: https://glm.io/94712

iPhone 5 im Test

Das iPhone mit der fünften Zeile

Ein neuer Stecker, eine Zeile mehr und ein flacheres und leichteres Gehäuse: Das iPhone 5 setzt keine Maßstäbe, an denen sich die Konkurrenz orientieren könnte, sondern holt nur auf. Trotzdem ist es ein gutes Gerät, wie sich im Test herausstellte.

Mehr als 2 Millionen vorbestellte iPhones hat Apple vor ein paar Tagen gemeldet. Wir wollten herausfinden, was an dem Gerät so faszinierend ist, dass so viele Menschen es vorbestellen, ohne es je gesehen zu haben. Also haben wir ein iPhone 5 in unsere Redaktion geholt. Es handelt sich um ein schwarzes Modell mit 16-GByte-Speicher.

Wer sich ein neues iPhone kauft, muss zunächst ein Problem lösen. Es ist zwingend eine Nano-SIM nötig, was auch für uns nicht so einfach war. Zwar hatten wir am Montag eine Nano-SIM bei der Deutschen Telekom bestellt, die wurde jedoch aufgrund eines "unbekannten Fehlers" nicht abgeschickt. Eine normale Micro-SIM per Hand zurechtzuschneiden, funktionierte aber auf Anhieb. Empfehlenswert ist das dennoch nicht, da der Chip und die dort hinterlegten Daten beschädigt werden könnten.

Das iPhone 5 arbeitet von Beginn an mit iOS 6, das wir bereits ausführlich getestet haben. Beim neuen iPhone kommt aber ein anderer Build zum Einsatz: 10A405 statt 10A403. Detailunterschiede gibt es durchaus, zum Beispiel bei der Wetter-App. Bei unserem iOS-6-Test haben wir besonders die Karten- und Navigationsfunktionen betrachtet. Mit dem iPhone 5 lässt sich übrigens nicht das alte iOS 5 installieren und der Nutzer muss Apples neue Karten-App verwenden. Die erregt mittlerweile allerhand Spott im Netz.

Die neue iOS-Version ist in einigen Benchmarks maßgeblich für die Leistungssteigerung der Systeme verantwortlich. Es ist also nicht nur der neue A6-Prozessor allein, der das iPhone 5 so schnell werden lässt.

Eine Zeile mehr und Updates gegen Balken

Abseits der festen App-Zeile bietet das iPhone nun fünf Zeilen auf den App-Seiten. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass es nicht analog zum iPad 3, das Apple das "neue iPad" nennt, das "neue iPhone" heißt, sondern tatsächlich die Nummer 5 trägt. Die neue Zeile erreicht eine deutlich höhere Auflösung in der Vertikalen. 1.136 statt 960 Pixel sind es jetzt in der Höhe. In der Horizontalen bleibt es bei 640 Pixeln. Das bedeutet mehr Platz für Webseiten und für Entwickler sowie ein 16:9-Displayformat, das für Apple neu ist.

Die Konkurrenz ist schon seit einiger Zeit auf längere 16:9-Displays umgestiegen. Schlank und dünn ist die Devise, der jetzt auch Apple folgt. Für Apps hat das jedoch einige Nachteile. Sie müssen für die neue Auflösung angepasst werden, sonst gibt es Balken. Dank der guten Schwarzwerte des Displays stören die Balken aber nicht.

Mit dem iPhone 5 müssen die Entwickler eine neue Auflösung unterstützen, wollen sie den iPhone-5-Nutzern einen Mehrwert bieten. Noch eine weitere Auflösung unter vielen, wohlgemerkt: Neben zwei alten iPhone-Auflösungen gibt es noch zwei iPad-Auflösungen und, wer weiß, vielleicht kommt noch eine neue iPad-Mini-Auflösung hinzu. Dazu kommen unterschiedliche Prozessoren und RAM-Ausstattungen. Das ist nicht so viel wie bei Android, aber iOS-Entwickler und -Anwender waren in diesem Bereich bisher recht verwöhnt. Windows-Phone-Anwender haben diese Probleme kaum.

Schon erste iPhone-5-Anpassungen im App Store

Direkt am Tag des Erscheinens des iPhones gab es zahlreiche Updates für Anwendungen, um diese iPhone-5-kompatibel zu machen. Es sind also auch die Dritthersteller fleißig beteiligt. Facebook, Jetpack Joyride und Geekbench gehörten bei unserem Test zu den ersten aktualisierten Anwendungen. Die Entwickler von Jetpack Joyride haben die Anpassung übrigens richtig gemacht. Theoretisch brächte das iPhone-5-Display durch die Verschiebung einen unfairen Vorteil. Sie lösen das Problem, indem die Spielfigur weiter rechts anfängt. Der Spieler hat somit die gleiche Vorwarnzeit.

Durch das breite Display wirken die Kontrollelemente im Querformat störender als zuvor, wenn sie über die volle Breite gehen. Der Nutzer fühlt sich beim Browser etwas eingeengt, obwohl eigentlich mehr Platz da ist. Ein gutes Beispiel ist Safari. Hier gibt es dieselben Bedienungselemente wie vorher, trotz der zusätzlichen Auflösung in der Breite.

In erster Linie bietet das neue Display zwar mehr Platz für Inhalte, selten aber wird er genutzt, um etwa zusätzliche Kontrollelemente unterzubringen. Besonders im Querformat profitiert die Tastatur. Da sie mit iOS 6 Umlaute als Direkttasten bietet, hat es der iPhone-5-Nutzer etwas leichter beim Tippen.

Für TV-Produktionen, also meist Serien, ist der neue Bildschirm sehr praktisch. Er bietet nun eine Vollbildansicht ohne Balken. Selbst bei Kinofilmen macht sich das bemerkbar, da die Balken oben und unten deutlich kleiner geworden sind. Auch hier wirken sich die guten Schwarzwerte positiv aus.

Konstruktion und neuer Dockanschluss

Wegen der 5+1-Zeilen musste das iPhone 5 von Apple neu konstruiert werden. Die Firma beließ es aber nicht einfach beim Verlängern des Geräts. Obwohl das Display sichtbar größer ist, ist das Gehäuse selbst insgesamt nur 9 mm länger geworden. Es misst jetzt 12,4 cm statt 11,5 cm beim iPhone 4(S). Mit geübten Augen lässt sich der Unterschied erkennen. Apple erreicht dies, indem der Rahmen unten und oben verkürzt wurde. Lautsprecher, Sensoren und Kamera haben damit etwas weniger Platz.

Das iPhone 5 ist mit 7,9 mm zudem etwas dünner als die Vorgänger (9,6 mm). Dafür fehlt auf der Rückseite nun die große Glasfläche. Sie wurde durch Metall ersetzt. Das iPhone 5 ist deutlich leichter. Statt 140 Gramm wiegt es nur noch 114 Gramm. Durch die Metallrückseite wirkt das iPhone 5 jedoch nicht mehr so edel. Es ist vermutlich auch kratzempfindlicher als die Vorgänger.

Apple hat durch einen neuen Dockanschluss nun mehr Platz für den Außenlautsprecher und das Mikrofon an der Unterseite. Die Tonausgabe, etwa bei Musik, verbessert sich dadurch merklich und der Klang wirkt voller. Beim Anschauen von Videos fiel uns jedoch auf, dass das Gehäuse mitunter mitschwingt, was dann hörbar wird. Es hilft dann, die Lautstärke etwas zu reduzieren. Das neue iPhone ist klar lauter als die Vorgänger. Auch bei Musik empfiehlt es sich jedoch nicht, die volle Lautstärke zu nutzen, um Verzerrungen und Vibrationen zu vermeiden. Insgesamt gefällt uns der Ton des iPhone 5 deutlich besser als der des iPhone 4 und 4S.

Der Kopfhöreranschluss kann nun beim iPhone, wie auch beim iPod Touch, unten eingesetzt werden. Das ist vor allem für Hosentaschennutzer praktisch, die das iPhone mit dem Kabel zusammen in der richtigen Haltung herausziehen wollen. Das Ganze wird durch den kleinen und neuen Stecker namens Lightning möglich, der damit mehr Platz für andere Komponenten ermöglicht. Hier musste Apple offenbar nachziehen. Die Konkurrenz verbaut schon lange kleine Stecker mit dem standardisierten Micro-USB-Anschluss.

Lightning statt 30-Pin-Dock-Anschluss

Der Stecker ist sogar noch kleiner als Micro-USB. Allerdings fehlt ihm eine Schirmung. Die Kontakte liegen auf Seite des Kabels komplett offen. Ein ungewöhnliches Design für einen Stecker, da praktisch kein Schutz vor äußeren Einflüssen vorhanden ist. Der Anschluss wirkt dennoch sehr robust. Neben der geringen Größe hat der Stecker zwei weitere Vorteile: Zum einen lässt er sich leichter einstecken. Zum anderen passt er in beide Richtungen, es gibt also kein oben oder unten. Auch das ist bei IT-Steckern ungewöhnlich. Am weitesten verbreitet ist eigentlich die nicht dem IT-Bereich zugehörige Klinkenbuchse, die denselben Vorteil hat.

Das mitgelieferte Anschlusskabel hat jedoch einen USB-Anschluss, bei dem wieder auf das richtige Einstecken geachtet werden muss, es sei denn, der Nutzer hat einen speziellen Hub. Buffalo denkt derzeit darüber nach, einen USB-Hub auf den Markt zu bringen, bei dem die Einsteckrichtung ebenfalls egal ist.

Einen Adapter für altes Zubehör legt Apple übrigens nicht bei. Den gibt es für happige 29 Euro extra. Nach dem Magsafe-Anschluss, der mit dem Macbook Pro Retina eingeführt wurde, ist das bereits der zweite langlebige Anschluss, der ersetzt wird. Während die Magsafe-Änderung eher unnötig wirkte, ist der neue Anschluss ein deutlicher Fortschritt. Allerdings braucht es neue Docks, denn die alten würden mit dem Adapter nicht gut funktionieren, da das iPhone 5 dann mit ziemlichem Abstand in einem Dock stehen würde. Apple schützt außerdem durch den proprietären Anschluss seinen Zubehörmarkt.

A6 mit eigenem Prozessordesign

Zu dem im iPhone verbauten A6-Prozessor macht Apple wie üblich keine Detailangaben, sondern beschränkt sich darauf, eine deutliche Leistungssteigerung zu versprechen. Den derzeit verfügbaren Informationen zufolge handelt es sich beim A6 um Apples erstes eigenes CPU-Design.

Es basiert weiterhin auf der ARM-Architektur ARMv7 und arbeitet wie der A5 mit zwei Kernen. Diese sind aber mit 1 GHz statt 800 MHz getaktet und unterscheiden sich zudem von denen im A5. Der Cache wurde beim A6 im Vergleich zum A5 nicht verändert: Laut Geekbench verfügt der A6 über 32 KByte L1-Instruction-Cache und 32 KByte L1-Data-Cache sowie 1 MByte L2-Cache und keinen L3-Cache.

Anders als der A5 unterstützt der A6 aber die Erweiterung VFPv4 für Gleitkommaberechnungen. Die Ergebnisse des Benchmarks Geekbench 2.3.5 belegen zudem eine deutlich höhere Rechenleistung des Chips, vergleicht man das iPhone 4S mit iOS 5.1.1 mit dem iPhone 5 mit iOS 6: Die Integerleistung ist um 120 Prozent höher, die Fließkommaleistung um 178 Prozent. Zudem weist Geekbench eine spürbar gesteigerte Speicherleistung (+133 Prozent) und -bandbreite (+217 Prozent) aus. Unter iOS 6 war unser iPhone 4S im Geekbench knapp 2 Prozent langsamer als unter iOS 5.1.1.

Die Kamera wurde leicht verbessert

Kurz getestet haben wir die neue Kamera des iPhone 5. Von den technischen Eckdaten unterscheidet sich diese nicht groß vom Vorgänger. Sie ist dennoch etwas lichtempfindlicher als die ohnehin schon gute Kamera des iPhone 4S.

Verschiedene iPhone-Modelle, doch nur eines für Deutschland

Apple hatte erstmals mit dem 4S nicht mehr separate CDMA- und W-CDMA-Modelle vorgestellt und das iPhone 4S als Worldphone beworben. Doch die Nutzung als Worldphone wurde eigentlich - trotz gegenteiliger Werbung - unterbunden. Wer es als Worldphone nutzen wollte, musste es beim richtigen Netzanbieter kaufen, sprich bei einem CDMA-Netzbetreiber. Davon jedoch gibt es in Deutschland nur einen im Raum Köln auf nur einem Band (450 MHz), welches das iPhone - egal welche Generation - ohnehin nicht unterstützt. Von der irreführenden Werbung und dem Worldphone-Konzept hat sich Apple verabschiedet.

Vom iPhone 5 gibt es nun drei Modelle: ein CDMA-Modell für die USA, das interessanterweise auch W-CDMA beherrscht, und zwei Modelle, die dem entsprechen, was wir in Europa unter Mobilfunknetzen verstehen. Im GSM-Bereich, also den unterstützten Frequenzen (Quadband-GSM, UMTS auf 850, 900, 1.900 und 2.100 MHz), unterscheiden sich die Geräte nicht. Bei den beiden GSM-Modellen gibt es deutliche Unterschiede bei der LTE-Frequenz-Unterstützung. Dort herrscht ein noch stärkeres weltweites Frequenzchaos als bei GSM und UMTS.

Bis es ein echtes LTE-Weltgerät gibt, dürfte es noch lange dauern. Das ist schon bei UMTS-Frequenzen fast nicht möglich. Das von T-Mobile USA genutzte AWS-Band (1.700 MHz) unterstützen zahlreiche Hardwarehersteller nicht und das wird wohl auch so bleiben. Bei LTE gestaltet es sich noch schwieriger. Das Antennendesign muss auf Frequenzen von 700 bis 2.600 MHz, in einigen Fällen sogar 3.600 MHz, optimiert werden. Dazu kommt dann noch Dual-Band-WLAN bis 5 GHz.

Das von uns getestete und in Deutschland vertriebene Modell ist das A1429, das laut Apple die LTE-Bänder 1, 3 und 5 unterstützt, die hierzulande eher als 850, 1.800 und 2.100 MHz bekannt sind. Das Modell ist auch als MD297DN/A in den Shops zu finden. Vodafone gab sich deswegen schon beleidigt, da sein Netz nicht in diesen Bereichen arbeitet. Apple dürfte für die Einschränkung auf drei unterschiedliche LTE-Modelle vor allem Kostengründe haben. Weniger verschiedene Geräte müssen nicht aufwendig unterschiedlich getestet und supporttechnisch unterstützt werden. Apple kann die produzierten Geräte zudem je nach Bedarf frei auf den Märkten hin und her bewegen.

LTE stört in der Praxis

Ein Praxistest mit LTE ist schwierig. Der Ausbau ist auch in Berlin nicht so weit, dass von einer Flächenabdeckung gesprochen werden kann. In einer Wohnung hatten wir nur mit -113 db LTE-Empfang. Draußen verbesserte sich das mitunter, aber es gab während einer Fahrt in einem Oberdeck eines Busses erhebliche Lücken. In unserem Büro, von dem wir gut über Berlin blicken können, funktionierte LTE in der Regel nur, wenn das Fenster geöffnet wurde. Außerdem nutzt die Deutsche Telekom neben 1.800 MHz auch 800 MHz für den LTE-Betrieb. Mit solchen Mobilfunktürmen kann sich das iPhone 5 nicht verbinden. In Berlin gibt es aber kaum Empfang auf dem 800-MHz-Band. Eine größere Abdeckung bei 800 MHz gibt es erst im Umland.

Das Roaming zwischen einer LTE- und einer 3G-Zelle empfanden wir als unangenehm. Sekundenlange Datenunterbrechungen waren die Folge - wohlgemerkt im Innenstadtbereich einer Großstadt. Rein aus praktischen Gründen empfehlen wir, LTE abzuschalten, was in den Systemeinstellungen auch problemlos möglich ist. Dass der Nutzer hohe Datenraten unterwegs braucht, kommt selten vor und LTE kann dann bei Bedarf aktiviert werden.

Da der Vertrag, den wir für den Test benutzten, kein LTE unterstützt, müssen wir Testergebnisse diesbezüglich auf den reinen Empfang beschränken. Die hohe Geschwindigkeit konnten wir nicht ausnutzen. Im Allgemeinen ist aber bereits normales HSPA schnell genug. Das iPhone unterstützt nun übrigens auch DC-HSPA, was an die Geschwindigkeitswerte von LTE herankommt.

WWAN-Modem und Dual-Band-WLAN

Das eingesetzte WWAN-Modem kommt laut iFixit, das ein iPhone 5 in Australien gekauft und auseinandergenommen hat, von Qualcomm: Der MDM69615M genannte Chip basiert auf einem ARM Cortex A5 (ARMv7), unterstützt LTE (FDD/TDD Cat 3), SVLTE-DB, DC-HSPA+ Release 8, TC-SCDMA, GSM/GPRS/EDGE und EGAL. Dabei bewältigt er laut Datenblatt in der Spitze Datenraten von bis zu 100 MBit/s. Der Chip integriert zudem einen GPS-Empfänger (gpsOneGen 8A mit Glonass), USB 2.0 und WLAN.

Apple erstmals mit Dual-Band-WLAN im iPhone

Das iPhone 5 unterstützt nun auch WLAN auf dem 5-GHz-Band (802.11a/n), das nicht so überfüllt ist wie das 2,4er Band (802.11b/g/n). Apples iPhone war bisher das einzige Gerät des Herstellers, das das 5-GHz-Band nicht unterstützte. Nun bietet Apple dies als einziger Hersteller über die gesamte Produktpalette. Google hat zwar ebenfalls nur Dual-Band-Geräte, ist aber eigentlich kein Hardwarehersteller, sondern lässt andere produzieren. Das von uns getestete Nexus 7 ist beispielsweise von Asus.

Die WLAN-Verwaltung ist beim neuen iPhone dadurch etwas schwerer geworden. Wir neigen dazu, bei unseren SSIDs die Frequenz im Namen am Schluss mitanzugeben und 2,4- sowie 5-GHz damit getrennt zu behandeln. Der Name wird nämlich schon bei 13 bis 14 Zeichen abgeschnitten. Das reicht nicht einmal, um die Fritzboxen in der Nachbarschaft voneinander zu unterscheiden, und wir sind bei WLAN-SSIDs gerne kreativ. Die Angabe von Bandunterscheidungsangaben (Mein Netz 2.4 und Mein Netz 5.0) hat den Vorteil, dass ein 5-GHz-Gerät so auch auf dem oberen Band bleibt und nicht durch Roaming die Bänder wechselt. Das ist unabhängig von Client- oder WLAN-Controller-Roaming.

Wir benutzten das Verfahren bei beiden WLAN-Typen, um das untere Band so frei wie möglich zu halten, und hatten damit auch Erfolg. Selbst durchschnittliche Nutzer lassen sich mit korrekter Kommunikation dazu überreden, nur das 5-GHz-Band zu nutzen. Wir mussten den Nutzern nur mitteilen, dass 5 GHz schneller als 2,4 GHz ist, was technisch so zwar nicht ganz korrekt ist. Der Zweck heiligte aber die Mittel, denn so war es möglich, 30 Prozent der Nicht-IT-Nutzergruppe vom 2,4-GHz-Band fernzuhalten. Das iPhone 5 und andere hochwertige Android-Geräte entlasten damit WLAN-Betreiber. Abgeguckt haben wir uns das übrigens vom Chaos Computer Club, der schon länger bei seinen Veranstaltungen die Bänder trennt.

Mehr als 90 MBit/s handelte das iPhone nicht mit unserem Access Point aus. Meist genügte dem Smartphone eine Datenrate von 54 MBit/s. Bei Telefonen sind 3x3-WLANs aber auch nicht notwendig, unabhängig von der schwierigen Umsetzung, da einfach kein Platz für so viele Antennen ist. IEEE 802.11ac fehlt dem iPhone 5. Wir sind gespannt, wer als Erstes diese Technik einsetzen wird. Sowohl Intel als auch Apple halten sich hier erstaunlich zurück. Intel hat bisher nur konkrete Pläne zu 802.11ad für Wireless Docking Stations vorgestellt.

Apple ist damit aber bei weitem nicht der erste Hersteller, der Dual-Band-WLAN in einem Smartphone anbietet. Research In Motion bot das schon vor Jahren, wenn auch nur bei einem Modell. Auch Palm ist das gelungen. Aktuell haben unter anderem Nokia, Motorola und Samsung Dual-Band-Geräte im Angebot. Apple ist also einer der letzten High-End-Hersteller, die ein Dual-Band-Smartphone vorgestellt haben.

Das iPhone 5 ist schnell, aber ...

In der Praxis macht sich der schnelle Prozessor klar bemerkbar. Selbst Videos starten schneller. Bei A-B-Vergleichen haben wir versucht, beide iPhones synchron zu halten. Da Videos wie auch Musik schneller auf dem neuen Gerät starten, ist das nicht ganz so einfach gewesen. Auch Webseiten, die nicht für mobile Geräte optimiert sind, profitieren stark. Die Webseite des Berliner Tagesspiegel, mit der Safari grundsätzlich ziemliche Probleme hat, braucht beim iPhone 5 zwischen 5 und 7 Sekunden zum Laden. Das iPhone 4S ist mit 8,5 bis 9,5 Sekunden merklich langsamer. Das iPhone 4 ist mit 11 bis 16 Sekunden sogar unangenehm langsam. Die Werte schwanken bei der Webseite sehr stark, je nach Werbemittel. Die Tendenz ist aber dennoch gut sichtbar, auch wenn es sich nicht um einen echten Benchmark handelt. Alle Tests wurden mit iOS 6 gemacht.

Exemplarisch haben wir zudem Halfbricks Jetpack Joyride als Anwendung mit langen Ladezeiten vermessen. Das iPhone 4 braucht 12 Sekunden zum Starten, das iPhone 4S dagegen 8 Sekunden und das iPhone 5 nur 6 Sekunden. Die Unterschiede sind hier also nicht so drastisch.

Das iPhone 5 wird spürbar wärmer als die beiden Vorgänger. Ein bisschen Navigieren und Spielen reicht schon aus.

Nicht nur die Hardware macht das iPhone 5 schneller

Wir haben uns die Ergebnisse von Googles neuem Browser-Benchmark Octane genauer angesehen und verglichen, welchen Einfluss die neue Hardware hat und was allein ein Update auf iOS 6 beim iPhone 4S bringt. Zum Vergleich haben wir Motorolas neues Android-Smartphone Razr i herangezogen, das mit Intels Atom Z2480 ausgestattet ist. Intel und Motorola versprechen aufgrund des hohen Takts und der x86-Optimierung der Javascript-Engine eine besonders hohe Javascript-Leistung. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass die Ergebnisse in einem Javascript-Benchmark von vielen Hardware- und Softwarefaktoren abhängen.

iPhone 5 vs. iPhone 4S mit iOS 5.1.1 und iOS 6

Vergleicht man ein iPhone 5 mit einem iPhone 4S, das mit iOS 5.1.1 läuft, fällt die Geschwindigkeitssteigerung enorm aus. Das iPhone 5 mit iOS 6 ist mit 1.688 Punkten im Octane-Benchmark rund 3,6-mal so schnell wie das iPhone 4S mit iOS 5.1.1, das auf nur 465 Punkte kommt. Dabei ist zu beachten, dass die Einzelbenchmarks pdf.js und Mandreel unter iOS 5.1.1 nicht funktionieren, da iOS 5.1 keine Typed Arrays unterstützt. Am deutlichsten ist der Unterschied im Einzelbenchmark Crypto: Hier ist das iPhone 5 rund 7,5-mal schneller als sein Vorgänger mit iOS 5.1.1.

Die im Javascript-Benchmark Octane gemessene Geschwindigkeit geht aber nur zum Teil auf die neue Hardware zurück, wie der Vergleich mit einem iPhone 4S zeigt, das unter iOS 6 läuft. Allein das Update auf iOS bringt beim iPhone 4S einen Sprung von 465 auf 741 Punkte - das ist ein Plus von 60 Prozent. Das iPhone 5 ist mit 1.688 Punkten nochmals 128 Prozent schneller.

Besonders groß fallen die Unterschiede zwischen iPhone 5 und 4S unter iOS 6 in den Einzelbenchmarks aus, die von der deutlich gesteigerten Speicherbandbreite und -leistung profitieren. Im Einzelbenchmark Splay bringt das Update auf iOS 6 beim iPhone 4 nur ein Plus von 36,5 Prozent - von 358 auf 489 Punkte. Das iPhone 5 ist mit 1.463 Punkten aber fast dreimal so schnell wie das iPhone 4S mit iOS 6.

Motorolas Razr i mit Atom-Prozessor ist häufig schneller

Motorolas erstes Intel-Smartphone, das Razr i mit Intels Atom-Prozessor Z2480, der mit 2,0 GHz getaktet ist, lässt das iPhone 5 im Octane-Benchmark hinter sich, obwohl das Gerät mit einem CPU-Kern und Hyperthreading im Geekbench deutlich schlechter abschneidet als das iPhone 5. Bei der Integerleistung ist Apples Smartphone 53 Prozent schneller als das Razr i, bei Gleitkommaberechnungen sogar 78 Prozent und bei der Speicherleistung weist Geekbench für das iPhone 5 einen um 76 Prozent höheren Wert aus. Lediglich bei der Speicherbandbreite sind die beiden Geräte fast gleichauf, hier ist das iPhone 5 rund 5 Prozent langsamer als das Intel-Smartphone von Motorola.

Im Javascript-Benchmark Octane aber kann das Razr i auftrumpfen. Es dürfte davon profitieren, dass die meisten Einzeltests nur einen Kern nutzen, so dass der zweite Kern des iPhone 5 hier keinen Vorteil bringt. Das Bild ist aber nicht einheitlich: In einigen Einzelbenchmarks ist das Razr i mit Android 4.0 alias Ice Cream Sandwich deutlich schneller als das iPhone 5, in anderen deutlich langsamer und drei der Einzelbenchmarks laufen in dem Browser gar nicht erst. Insgesamt kommt das Razr i auf 2.097 Punkte, rund 24 Prozent mehr als das iPhone 5. Octane berechnet die Gesamtpunktzahl als geometrischen Durchschnitt der Einzelwerte, so dass die nicht lauffähigen Benchmarks das Gesamtergebnis nicht negativ beeinflussen.

Im Einzelbenchmark Deltablue ist das Razr i mit 3.691 Punkten rund dreimal so schnell wie das iPhone 5 mit 1.238 Punkten. Bei dem Benchmark stehen laut Google Polymorphismus und objektorientierte Programmierung im Vordergrund. Auch im Einzeltest Earleyboyer, der schnelle Objekterzeugung und -zerstörung misst, ist das Razr i mit 4.422 Punkten dem iPhone 5 mit 1.977 Punkten deutlich überlegen.

Anders sieht es bei den speicherlastigen Einzeltests aus: Im Splay-Benchmark ist das Razr i mit 1.144 Punkten rund 22 Prozent langsamer als das iPhone 5 mit 1.463 Punkten. Gegenüber dem iPhone 4S kann sich das Razr i aber behaupten.

Ganz extrem fällt der Unterschied im Einzeltest Codeload aus, der vor allem das Parsen und Kompilieren von Javascript misst. Das Razr i kommt hier nur auf 1.895 Punkte und ist damit 73 Prozent langsamer als das iPhone 5 mit 7.121 Punkten.

Methodik

Sämtliche Benchmarks haben wir dreimal durchgeführt, die angegebenen Werte entsprechen dem Mittelwert der Messungen. Octane kam dabei in der Version 1.0 zum Einsatz, Geekbench unter iOS in der Version 2.3.5. Unter Android haben wir die derzeit aktuelle Version Geekbench 2.3.4 verwendet.

Akkulaufzeit und etwas mehr Akkukapazität

Einen vollständigen Akkutest konnten wir in der Kürze der Zeit nicht machen. Wir können nur Ergebnisse aus der Praxis wiedergeben, die sich mitunter sehr stark von anderen Nutzungen unterscheiden können. Über eine Nacht, also einem Zeitraum von etwa 5 Stunden, verlor das iPhone 5 beim Nichtstun, aber eingebuchtem WLAN etwa 7 Prozent. Für die Aufnahmen des Testvideos haben wir das Gerät nicht mehr aufgeladen. Durch die sehr intensive Nutzung war der Akku nach fast 9 Stunden leer. Auch in diesen 9 Stunden gab es ab und an Pausen. So intensiv benutzen wir ein iPhone in der Praxis aber nicht. Unter anderem passen wir die Helligkeit normalerweise dem Umgebungslicht an, was bei Videoaufnahmen nicht geht.

Der von Apple im iPhone 5 verbaute Akku verfügt laut iFixit über eine Kapazität von 5,4 Wattstunden (1.440 mAh, 3,8 Volt). Im iPhone 4S setzt Apple einen Akku mit nur 5,3 Wattstunden ein, hier nutzte Apple eine niedrigere Spannung von 3,7 Volt bei 1.432 mAh. In letzter Zeit hat Apple öfter mal die Spannungen bei Produkten geändert.

Fazit und Verfügbarkeit des iPhone 5

Apple bietet das iPhone 5 seit heute offiziell an. In Deutschland wird nur die LTE-Variante MD297DN/A alias A1429 angeboten, wahlweise mit 16, 32 oder 64 GByte. Für ein vertragsloses Gerät, das weder SIM- noch Netlock hat, werden rund 680, 790 beziehungsweise 900 Euro fällig. Das entspricht einer Preissteigerung von etwa 50 Euro verglichen mit den Anfangspreisen des iPhone 4S. Das iPhone 4 und das iPhone 4S bleiben weiterhin im Markt. Das iPhone 4 bleibt offenbar das Einsteigergerät mit 8-GByte-Flash-Speicher und einem Preis von rund 400 Euro. Das 4S wird auf ein Modell mit 16 GByte für 580 Euro beschränkt.

Die Unterschiede zwischen den noch erhältlichen iPhone-Modellen zeigt Apple auf einer eigenen Übersichtsseite.

Fazit

Der Slogan "Das Größte, was dem iPhone passieren konnte" gilt für das iPhone 5 ganz sicher nicht. Auszusetzen gibt es am iPhone 5 aber auch nichts. Allenfalls die mangelnden Neuheiten könnten kritisiert werden. Das wäre aber Jammern auf hohem Niveau. Apple rennt in vielem nun der Konkurrenz hinterher, anstatt eigene Akzente zu setzen, wie dies in der Vergangenheit der Fall war. Trotzdem hat Apple mit 2 Millionen mehr denn je Menschen davon überzeugt, das Telefon ungesehen vorzubestellen. Dabei gibt es bei Android schon lange 16:9-Displays. LTE ist auch nichts Neues. Der proprietäre Ministecker Lightning ermöglicht nun Designs, die bisher Micro-USB-Smartphones vorbehalten waren. Auch hier war Apple bisher im Nachteil. Es scheint fast so, als hätten die potenziellen Apple-Nutzer darauf gewartet, dass diese Techniken eingebaut würden.

Dabei gilt beim aktuellen iPhone dasselbe wie bei den Vorgängern: Wer ein iPhone haben möchte, aber noch keines hat, greift am besten zum aktuellen Gerät. Besitzer eines iPhone 4S haben kaum Gründe für einen Wechsel, und wer ohnehin vor einer Vertragsverlängerung steht, der kann bedenkenlos vom iPhone 4 auf das iPhone 5 wechseln. Ein großer Nachteil ist aber die neue und nicht gelungene Kartenanwendung mit iOS 6. Im Unterschied zum iPhone 4(S) kann das neue iPhone nicht mit iOS 5 und damit mit der Google-Maps-App betrieben werden. Der Nutzer muss also selbst Alternativen suchen.

Der Einstieg in die iOS-Welt ist aber teuer. Vom iPhone 4 würden wir abraten, da es nur 8 GByte Speicher hat und von iOS 6 nicht sehr stark profitiert. Der Unterschied zwischen iPhone 4S und iPhone 5 ist mit 100 Euro schon recht deutlich, so dass es eventuell lohnt, hier zu sparen. Allerdings ist das iPhone 5 zukunftssicherer, es ist schließlich nicht ein Jahr alt wie das iPhone 4S. Der Einstiegspreis von 680 Euro ist für ein Smartphone aber sehr hoch. In der Android-Welt gibt es LTE, großen Bildschirm und Dual-Band-WLAN für deutlich weniger Geld.  (ase)


Verwandte Artikel:
iOS 6 im Test: Eine Uhr, eine Karte und kleine Macken   
(19.09.2012, https://glm.io/94634 )
iOS: Apples Karten-App verärgert Nutzer weltweit   
(21.09.2012, https://glm.io/94705 )
Apple: iPhone 5 mit LTE und 4-Zoll-Display   
(12.09.2012, https://glm.io/94518 )
iPhone X im Test: Es braucht schon Zwillinge, um Face ID zu überlisten   
(10.11.2017, https://glm.io/131043 )
Turbo Power Pack Mod im Test: Das beste Akkumodul für Moto-Z-Smartphones   
(01.11.2017, https://glm.io/130830 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/