Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-torchlight-2-das-hack-and-slay-der-herzen-1209-94685.html    Veröffentlicht: 20.09.2012 14:04    Kurz-URL: https://glm.io/94685

Test Torchlight 2

Das Hack-and-Slay der Herzen

Kein "Fehler 37", kein Always-online-Zwang, kein Verbot von Mods: Mit Torchlight 2 macht Runic Games einiges besser als Blizzard mit Diablo 3. Auch spielerisch hat das Hack-and-Slay viel zu bieten - trotzdem reicht es nicht ganz an die Klasse des Konkurrenten heran.

Um es gleich vorneweg abzuhaken: Der Bösewicht heißt Archlord, die Fantasywelt Vilderan. Beides ist eigentlich unwichtig. Die Handlung spielt in Torchlight 2 nämlich keine nennenswerte Rolle, und allzu viel über die Welt haben wir im Verlauf der vier Kapitel des Hack-and-Slay von Runic Games auch nicht erfahren. Das schickt Spieler ähnlich wie Diablo 3 in Kämpfe mit massenhaft blutrünstigen Gegnern. Anders als bei dem Titel von Blizzard spielen Dinge wie Always-online-Zwang und die damit verbundenen Probleme keine Rolle: Torchlight 2 ist schnell heruntergeladen, installiert und gestartet. Nach ein paar Minuten kann man schon in besagter Welt Vilderan stehen und das erste Monster vermöbeln. Computerspielen kann so einfach sein!

Auch die Erstellung unseres Helden ist unkompliziert. Vier Klassen sind im Angebot, alle in weiblicher und männlicher Version: Ein Berserker, ein Magier, ein Ingenieur - er kämpft mit Werkzeugen und ist langsamer und schwerer als der Berserker - sowie der Outlander, ein vor allem mit Gewehren und Pistolen antretender Fernkämpfer. Die Klassen unterscheiden sich unterm Strich weniger als in Diablo 3 - und das, obwohl alle einen individuellen Talentbaum und eine aufladbare Spezialeigenschaft haben. Unser Berserker verfällt damit nach ein paar erledigten Gegnern in eine Art Rausch, in dem er für kurze Zeit grundsätzlich kritische Schläge austeilt.

Jeder Held hat immer ein Haustier bei sich, wahlweise einen kleinen Drachen, eine Katze oder einen Mops. Die Begleiter kämpfen mit uns und lassen sich durch spezielles Futter vorübergehend in andere Kreaturen, etwa eine aggressive Hyäne, verwandeln. Außerdem dienen sie dazu, unsere überschüssigen Waffen und sonstige Ausrüstung auf Knopfdruck zum Händler zu bringen und dann wieder mit ein paar Talern zurückzukommen. Schade: Obwohl wir den Tieren einen Namen verpassen können, will sich keine richtige Beziehung aufbauen; spezielle Quests etwa gibt es nicht.

Der grundsätzliche Ablauf von Torchlight 2 erinnert sehr an Diablo 3: Wir bekommen gleich nach dem Start die erste Quest, die uns in die weite, zu großen Teilen per Zufallsgenerator erstelle Welt hinausschickt. Dort verhauen wir dann Monster, und zwar normalerweise mit der Waffe über die linke Maustaste und mit einem selbst wählbaren Spezialangriff - der bei allen Klassen Mana verbraucht - über die rechte Taste.

Anders als im ersten Torchlight stapfen wir nicht nur durch Höhlen, sondern auch viel über die mal schneebedeckte, mal grasgrüne und mal aus Wüste bestehende Oberwelt; auch bei den Landschaftstypen und teils sogar bei deren Abfolge orientiert sich Torchlight 2 übrigens erstaunlich stark an Diablo 3. Allerdings geht es nicht ganz so linear zu: In Teilen der Welt hat der Spieler etwas mehr Auswahl, welchen Unterabschnitt man zuerst absolviert. Das hat bei uns aber auch an ein paar Stellen dazu geführt, dass wir uns verlaufen haben; ein wirklich großes Problem war das aber nie, zumal die automatisch mitgezeichnete Karte gut funktioniert.

Kämpfe und Erfahrungspunkte

In den Kämpfen mit Skeletten, Wölfen, Baselisken, Golems und Goblins sowie den zahlreichen Oberbossen bekommen wir Erfahrungspunkte, die uns vergleichsweise oft einen Level-Aufstieg bescheren. Dann können wir fünf Punkte wahlweise in Stärke, Geschicklichkeit, Magie oder Vitalität stecken und uns so - in allerdings engen Grenzen - etwa zum Haudrauf-Berserker oder zum Hybridkämpfer entwickeln.

Zusätzlich gibt es pro Level-Aufstieg einen Talentpunkt, den wir im entsprechenden Baum für Spezialfähigkeiten oder passive Skills investieren. Das System ist im Grunde sehr unkompliziert, nur die jeweiligen Beschreibungen hätten wir uns etwas einfacher gewünscht. Die Talentpunkte kann man in Städten bei einer speziellen NPC-Figur wieder "re-skillen" - blöderweise aber nicht alle, sondern nur die jeweils letzten drei. Wir sind gespannt, wie lange es dauert, bis Runic das auf Drängen der Community ändert.

Mit den Waffen und sonstigen Ausrüstungsgegenständen kommt jeder Spieler von Diablo 3 sofort klar. Schön: Es gibt deutlich mehr einzigartige besondere Schwerter, Spieße und Schilde - und die haben dann tatsächlich auch bessere Werte und Eigenschaften als Allerweltsobjekte. Auch Sets kommen wesentlich schneller zusammen als in Diablo 3 - in Torchlight 2 hatten wir schon im ersten Kapitel die erste Sammlung aus Rüstungsgegenständen zusammen und dafür einen zusätzlichen Bonus auf unseren Rüstungswert bekommen.

Manchmal überlassen uns die Gegner oder Schatztruhen sogar fast ein bisschen zu viele Gegenstände. Ab einem gewissen Punkt war unser Haustier jedenfalls fast immer damit beschäftigt, den ganzen Kram zum Händler zu bringen.

Allerdings hätten wir auf das Geld auch ganz gut verzichten können, denn wirklich sinnvolle Gegenstände zum Kaufen haben wir nicht gefunden. Wir haben es vor allem dazu verwendet, uns bei unserem Tod direkt im Kampf neu beleben zu lassen. Allerdings passt das Spiel den dafür fälligen Betrag immer dem Kontostand an, so dass viele Credits eigentlich keine Vorteile bringen.

Die Grafik von Torchlight 2 erinnert immer noch deutlich an den ersten Teil - und der hat schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Das bedeutet: Landschaft und vor allem einige Gegner wirken polygonarm, dazu kommen teils sehr einfache Texturen - was der Comicstil nicht immer kaschiert. Immerhin sind einige Licht-, Zauber- und sonstige Spezialeffekte sehr schick animiert. Allerdings geht dadurch in größeren Kämpfen gelegentlich mal die Übersicht verloren.

Ganz ehrlich: Wir finden die Grafik immer noch gut genug, denn insgesamt wirkt das Spiel so wie es ist stimmig, und das Auge bekommt trotz aller objektiv feststellbaren Mängel trotzdem mehr als genug geboten. Übrigens: Statt gerenderter Zwischensequenzen wie von Blizzard hat Runic Games nur ein paar einfach animierte, ebenfalls comicartige Cut-Szenen - dafür lohnt sich der Kauf des Spiels sicher nicht.

Hardware, Kopierschutz und Fazit

Spieler treten in der rund 20 bis 25 Stunden langen Kampagne in vier Schwierigkeitsgraden an. Die zweite davon heißt zwar "Normal" - wir finden ihn allerdings viel zu einfach, weshalb halbwegs erfahrene Spieler besser gleich auf "Veteran" loslegen sollten; wem es dann doch zu heftig wird, kann wechseln. Wer mag, darf zusätzlich im Hardcoremodus antreten, in dem jedes Ableben endgültig "Game Over" bedeutet.

Wer mag, kann Torchlight 2 auch im Multiplayermodus mit bis zu fünf anderen Helden spielen, und zwar per Internet und LAN; wir haben das für diesen Test mangels Mitstreitern noch nicht ausprobiert. Ebenfalls offen ist derzeit, wie sich die Mod-Szene für das Spiel entwickelt - immerhin hat Runic Games angekündigt, dass der TorchEd, der Editor für das Spiel, auch möglichst schnell erscheinen soll.

Torchlight 2 ist in der englischsprachigen Originalversion über Steam für rund 19 Euro ab dem Abend des 20. September 2012 als Download erhältlich; wer mag, kann den Solomodus dann wie bei allen Steamtiteln auch offline spielen. Das Programm setzt Windows XP (mit Service Pack 3), Vista oder Windows 7 mit mindestens einem x86-kompatiblen und 1,4 GHz schnellen Prozessor, 1 GByte RAM sowie einer DirectX-9-fähigen Grafikkarte mit 256 MByte Speicher voraus. Auf der Festplatte müssen derzeit 1,2 GByte frei sein. Eine Mac-Fassung soll demnächst ebenfalls verfügbar sein. In den vergangenen Tagen hat Runic Games übrigens eine Version vom ersten Torchlight mit nativer Unterstützung von Linux veröffentlicht - es ist also gut möglich, dass auch Teil 2 für das offene Betriebssystem umgesetzt wird.

Der Hamburger Publisher Daedalic will Ende Oktober 2012 eine vollständig ins Deutsche übersetzte, Steam-freie Ausgabe von Torchlight 2 im Handel für rund 20 Euro anbieten, die einmalig aktiviert werden muss. Die USK hat dem Programm eine Freigabe ab 12 Jahren erteilt.

Fazit

Ähnlich wie Diablo 3 reizt Torchlight 2 das Genre der Hack-and-Slays sehr weitgehend aus - viel mehr kann man aus dem Spielprinzip wohl kaum herausholen. Torchlight 2 punktet unter anderem damit, dass der Spieler viel mehr an seinem Helden herumschrauben und Werte wie Stärke und Geschicklichkeit selbst bestimmen kann. Auch das Waffen- und Gegenstandssystem ist etwas zugänglicher: Der Spieler hat mehr Erfolgserlebnisse, weil er schon nach vergleichsweise kurzer Zeit etwa mal ein Set zusammengesammelt hat. Die Kämpfe sind gut in Szene gesetzt, und insbesondere einige Bossgegner haben ein paar nett-fiese Überraschungen auf Lager.

Eigentlich ein Nebenpunkt, aber uns hat im Vergleich mit Diablo 3 außerdem fast schon begeistert, dass wir nach einer Pause und dem Verlassen des Spiels einfach auf der schon bekannten Karte weiterspielen können und nicht immer wieder eine teils völlig andere Version des eigentlich gleichen Abschnitts erkunden und durchkämpfen müssen.

Bei aller Sympathie für Runic und bei allem berechtigten Ärger über Diablo 3: Unterm Strich hat Blizzard zumindest für Einzelspieler doch das bessere Werk abgeliefert. Die Klassen sind interessanter, die Grafik ist besser, die Gegner bieten mehr Abwechslung, die Story wirkt etwas spannender und die Quests wirken auch deshalb teils etwas weniger generisch. Trotzdem kann man mit Torchlight 2 richtig viel Spaß haben.

Nachtrag vom 21. September 2012, um 10.50 Uhr

Wir haben eine Fehler bei den Angaben über den Kopierschutz der deutschen Version von Torchlight 2 im Text korrigiert.  (ps)


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