Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/pcie-ssd-sata-express-und-ngff-sind-das-ende-von-sata-1209-94578.html    Veröffentlicht: 17.09.2012 12:08    Kurz-URL: https://glm.io/94578

PCIe-SSD

SATA Express und NGFF sind das Ende von SATA

SATA als Protokoll hat nach dem Willen von Intel nicht mehr lange große Bedeutung. Stattdessen sollen SSDs in Zukunft direkt per Multilane-PCIe angebunden werden, da Single-Lane-SATA zu langsam ist. Zum Einsatz kommen dann NGFF-Module und der davon unabhängige neue SATA-Express-Stecker.

In einer der technischen Sessions des IDF hat Intel Details des bereits bekannten Next Generation Form Factor (NGFF) vorgestellt. Der Standard hat zwei Ziele: erstens, die Geschwindigkeit für SSDs erheblich zu erhöhen und zweitens, flachere Notebooks - sprich Ultrabooks - zu ermöglichen. Laut Intel sind mSATA-Module mit ihren 5 mm dafür zu dick und das SATA-Protokoll selbst mit 6 GBit/s zu langsam. Nach fast einer Dekade sieht Intel die Zeit für einen Nachfolger gekommen. SATA wird damit zu einem reinen Marketingnamen. So wird es parallel zu NGFF die neuen SATA-Express-Stecker geben, die wir erst später betrachten.

Eine Steigerung der SATA-Geschwindigkeit ist für Intel kein gangbarer Weg. Über eine einzige Lane mehr als 8 GBit/s zu schicken, ist eine schwer zu meisternde Herausforderung, wie Intel erklärte. Doch genau das wäre für weitere kompatible Geräte und Stecker notwendig. Das SATA-Konsortium hat schon vor einer Weile bekanntgegeben, dass bestehende Kabel nicht zuverlässig 12 GBit/s übertrügen. Das wurde bei der Entwicklung von SAS 3.0 (Serial Attached SCSI mit 12 GBit/s) deutlich. Die Kosten für eine neue SATA-Version würden höher werden.

Multilane-SATA ist nicht vorgesehen. Das wäre laut Intel prinzipiell möglich, würde aber neue Stecker und Kabel notwendig machen. Statt hier Aufwand zu betreiben, will Intel gleich neu anfangen und das fertige PCI Express die Aufgabe übernehmen lassen. Hier sind - seit der dritten Generation - schon länger 8 GBit/s möglich. NGFF-Module sollen zudem Multilane-fähig sein. Es wären also mit PCIe 3.0 bereits 16 GBit/s möglich, wenn als x2-Konfiguration zwei Lanes verwendet werden. Auch wenn mSATA-Module in Mini-PCIe-Slots stecken, schneller als die 6 GBit/s von SATA werden sie dennoch nicht.

2,5 mm dünne und 22 mm breite Sticks für WLAN, SSD und WWAN

Der neue Standard soll sowohl SATA für langsame SSDs als auch PCIe für schnelle SSDs unterstützen. Festplatten werden wohl auf absehbare Zeit SATA nicht ausreizen können, sie wird es aber auch nicht als NGFF-Module geben. NGFF soll aber durchaus für Module abseits der Speicherung der Daten genutzt werden, also auch gleich ein Nachfolger des Mini-PCIe werden.

Vier verschiedene NGFF-Module

Intel hat vier Formfaktoren vorgestellt. Sie sehen aus wie Sticks mit einer Breite von 22 mm und sollen nur 2,5 mm hoch werden. So ist zumindest die Zielsetzung. In der Länge variieren die Module. Anhand des Namens ist die Sticklänge ersichtlich. Der Typ 2242 ist beispielsweise 42 mm lang. Daneben gibt es noch Module der Typen 2260, 2280 und 22110. Die kleinen Module sind eher für SSDs als Cache oder kleine SSDs gedacht, die großen Typen 2280 und 22110 als Speicher für Betriebssystem und Daten.

Ob sich SSD als Cache zu großen Festplatten in Zukunft verbreiten wird, ist allerdings fraglich. Intel arbeitet zusammen mit Toshiba, Western Digital und Seagate bereits an einem Alternativplan für Hybridfestplatten, die Cache-Module eigentlich überflüssig machen. An den von Intel veröffentlichten Bildern ist auch zu erkennen, dass die NGFF-Module unterschiedliche Einkerbungen haben.

Eine gewisse Kompatibilität bleibt aber. SATA als Begriff, als Kommunikationsprotokoll oder als Stecker wird trotz NGFF erhalten bleiben. NGFF sieht nicht nur Multilane-PCIe, sondern auch SATA für die Kommunikation vor. Für langsame SSDs reicht das aus.

Auch Desktops bekommen neue Anschlüsse

Diese NGFF-Module werden Auswirkungen auf das gesamte PC-System haben, also auch auf Desktops, wo prinzipiell die gleichen Probleme bestehen. SATA ist zu langsam und braucht zu viel Platz. Mit dem Next Unit of Computing genannten Minirechner setzt Intel beispielsweise weiterhin auf Mini-PCIe. An dem kleinen Gehäuse ist gut zu sehen, dass Mini-PCIe weiterhin viel Platz kostet.

Für kleine Rechner bieten sich also NGFF-Module an, auch wenn Intel den Haupteinsatz bei Ultrabooks sieht. Für größere Rechner wird es hingegen den SATA-Express-Stecker geben. Der hat einen großen Vorteil: Er ist mit SATA-Steckern für 2,5-Zoll-Laufwerke kompatibel und drei- statt zweigeteilt. Der Standard ist aber noch nicht fertig und soll kosteneffizient eine Erhöhung der Datenrate auf 16 GBit/s ermöglichen. Nebenbei wird noch AHCI durch NVM Express abgelöst. Zusätzlich wird sich CEM als normale Einsteckkarte weiter verbreiten, so Intel. Für Server ist SFF-8639 vorgesehen.

Laut Intel haben die sogenannten Gumsticks, die Apple zusammen unter anderem mit Toshiba in den Macbooks einsetzt, nichts mit NGFF zu tun. Der Ansatz und das Ziel sind aber dasselbe: flache Notebooks.

Bis SATA Express, NGFF, NVM Express und SFF-8639 breit eingesetzt werden, wird es wohl noch bis ins Jahr 2013 dauern. In dem Jahr wird Intel voraussichtlich auch mit einem neuen Core alias Haswell auf den Markt kommen. Zumindest SATA Express soll noch in diesem Jahr als Stecker vom SATA-Konsortium verabschiedet werden.  (ase)


Verwandte Artikel:
NGFF: Intel plant neue SSD-Bauformen für Ultrabooks   
(07.08.2012, https://glm.io/93681 )
MG07ACA: Toshiba packt neun Platter in seine erste 14-TByte-HDD   
(11.12.2017, https://glm.io/131600 )
Banana Pi M2 Berry: Per SATA wird der Raspberry Pi attackiert   
(06.09.2017, https://glm.io/129889 )
Thecus: Vier Festplatten statt nur zwei im neuen NAS   
(21.04.2017, https://glm.io/127425 )
SX7000 und SU700: Adata bringt Einsteiger-SSDs mit NVMe und Sata   
(10.04.2017, https://glm.io/127225 )

© 1997–2021 Golem.de, https://www.golem.de/