Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/oeko-institut-start-fuer-nachhaltiges-elektronikschrott-recycling-in-afrika-1208-93897.html    Veröffentlicht: 16.08.2012 16:36    Kurz-URL: https://glm.io/93897

Öko-Institut

Start für nachhaltiges Elektronikschrott-Recycling in Afrika

In Ghana, wo Elektronikschrott ganze Regionen verseucht, startet das Öko-Institut ein Projekt für nachhaltiges Recycling von Platin und Indium. Doch dabei geht es nicht um den Elektronikschrott aus der EU.

Gemeinsam mit Partnern aus der Industrie will das Öko-Institut neue Recyclingstrukturen in Ghana und Ägypten aufbauen und in Pilotversuchen erproben. Das gab das Institut am 16. August 2012 bekannt. Mit nachhaltigem Recycling sollen seltene und wertvolle Metalle wie Platin und Indium aus Elektro- und Elektronikschrott zurückgewonnen werden.

Ziel sei, neue Strategien zu entwickeln, wie die Prozesse des Metallrecyclings gesundheits-, umwelt- und sozialverträglich gestaltet werden können. Das Projekt soll lokale Wertschöpfung erzeugen, die Pilotvorhaben internationalen Sozial-, Gesundheits- und Sicherheitsstandards entsprechen und Arbeitsplätze in den beiden Ländern schaffen.

Komponenten, die nicht effizient und umweltfreundlich in der Region verwertet werden können, sollen zu spezialisierten Hightech-Raffinerien in Europa exportiert werden. "Das Projekt adressiert ausschließlich lokal anfallende Schrotte und grenzt sich damit eindeutig vom illegalen Handel mit Giftmüll und Elektroschrott ab", erklärte das Öko-Institut.

"Jeden Monat werden über 500 Containerladungen Elektronikschrott aus den Industrieländern nach Ghana gebracht", erklärte der ghanaische Umweltaktivist Mike Anane. Erd- sowie Sedimentproben von Greenpeace auf Schrottplätzen in Accra und in Koforidua im Osten des Landes ergaben, dass dort Bleikonzentrationen zum Teil 100-mal höher als in nicht kontaminierter Erde sowie Belastungen durch Kadmium oder Phthalate gefunden wurden. Ausgesetzt sind den Giften vor allem Kinder, die an offenen Feuern Computer und Handys auseinandernehmen, meist ohne Arbeitshandschuhe oder Atemschutz.

Das Konsortium, bestehend aus dem Öko-Institut, Umicore, Vacuumschmelze und anderen, arbeitet mit den Partnern City Waste Recycling in Ghana und Cedare in Ägypten zusammen. Das Projekt läuft seit Juni 2012 bis Mai 2015 und wird vom deutschen Bundesforschungsministerium gefördert.  (asa)


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