Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/windows-8-im-praxis-test-microsoft-kachelt-los-und-eckt-an-1208-93806.html    Veröffentlicht: 17.08.2012 13:16    Kurz-URL: https://glm.io/93806

Windows 8 im Test

Microsoft kachelt los und eckt an

Mehrere Systemsteuerungen, mehrere Oberflächen und mehrere Nutzungskonzepte. Die fertige Version von Windows 8 bestätigt, was zu befürchten war: ein gewisses Chaos. Aber sie hat auch Zukunft, vor allem für kommende Windows-8-Geräte. Unser Test klärt, ob auch alte Hardware profitiert.

Windows 8 ist Microsofts vielleicht größtes und wichtigstes Projekt für die Zukunft; es soll der alten Windows-Betriebssystemfamilie einen Neuanfang ermöglichen. Windows 8 ist tablettauglich durch eine neue Oberfläche, die aber auch für Desktops ohne Touchscreens vorgesehen ist. In unserem Test untersuchen wir, wie gut die radikalen Neuerungen mit den teils jahrzehntealten Grundlagen harmonieren.

Windows 8 soll vereinen, was bisher noch niemand vereint hat: Betriebssysteme für Desktop und Tablets. Die Anforderungen könnten dabei verschiedener nicht sein: Touchscreen auf der einen, Maus und Tastatur auf der anderen Seite. Hier unpräzise Finger, dort pixelgenaue Eingabegeräte. Mit Windows 7 hat Microsoft schon erste Versuche unternommen, ist aber grundsätzlich gescheitert. Ohne Digitizer und den präzisen Stift machte Windows bisher keinen Spaß auf tabletartigen Geräten. Es musste also etwas Neues her.

Und so hat sich Microsoft entschieden, die Metro-Oberfläche auf den Desktop zu bringen. Die ist eigentlich schon recht alt. Schon vor drei Jahren hat Microsoft mit der Synchronisationssoftware Zune das neue Konzept auf dem Desktop ausprobiert. Diese ersten Anfänge gefielen uns bei unserem Zune-HD-Test. Ein Jahr später folgte das wenig geglückte Windows Phone. Microsoft hat den Zune mittlerweile eingestellt und Windows Phone konnte sich am Markt noch nicht durchsetzen.

Metro oder nicht Metro?

Wir verwenden den Begriff Metro, um die neue Oberfläche zu beschreiben, auch wenn Microsoft sich Berichten zufolge vor kurzem entschieden hat, auf diesen Namen, der bereits mit Windows Phone eingeführt wurde, zu verzichten. Offiziell hat Metro noch keinen neuen Namen, in Microsofts Entwicklerdokumentation ist weiterhin von Metro die Rede, auch wenn Microsoft im Gespräch mit Golem.de von Modern-Style sprach. Zudem gibt es Meldungen, nach denen Metro in Windows 8 umbenannt werden soll. Der Einfachheit halber verwenden wir den Begriff daher vorerst weiter.

Windows 8 ist für eine neue Generation von Hardware gemacht, diese steht aber noch nicht zur Verfügung. Daher betrachten wir in diesem Test zunächst den typischen Update-Fall, in dem ein derzeit mit Windows 7 laufender Rechner auf Windows 8 aktualisiert wird. Dabei haben wir Windows 8 auf Samsungs Series 7 Slate (Tablet-PC in Slate-Bauform) installiert, außerdem auf einem HP Elitebook 2740p (Convertible Tablet-PC) und zwei klassischen Spieledesktops. Für Einzeltests wurden zudem ein Asus N53 und ein Macbook Pro verwendet.

Wir haben in einem eigenen Text bereits zahlreiche Neuerungen unter der Haube von Windows 8 zusammengefasst, die vielen Nutzern verborgen bleiben, weil sie zum Teil nur selten zum Einsatz kommen, sich nur im Hintergrund oder in Kombination mit neuer Hardware auswirken.

Was das neue Metro ausmacht

Windows 8 besteht eigentlich aus zwei Systemen: dem altbekannten Windows mit Win32-API und Desktop sowie dem neuen mit Windows Runtime und der auf Touch-Bedienung ausgelegten Oberfläche Metro. Neu installierte Programme landen in der Regel, aber nicht immer, auf dem Metro-Startbildschirm. Microsofts Ziel ist, ein System für eine neue Generation mobiler Windows-PCs zu schaffen, die sich so mit dem klassischen Windows nicht umsetzen lassen - Geräte wie beispielsweise Apples iPad, das mit langer Akkulaufzeit in einem sehr kompakten Gehäuse viele Käufer findet. Noch gibt es diese Windows-Geräte aber nicht. Sie sind erst zu erwarten, wenn Windows 8 tatsächlich in den Läden steht, also Ende Oktober 2012.

Während Apple für Tablets auf sein mobiles Betriebssystem iOS setzt, schafft Microsoft ein integriertes Betriebssystem für Desktops und Tablets. Beide Ansätze haben Vor- und Nachteile und erfordern Kompromisse. In Windows 8 haben diese auch Auswirkungen für Desktop- und Notebooknutzer, vor allem für Umsteiger von Windows 7 und älteren Systemen. Und die Vorteile, die Windows 8 verspricht, werden sich erst auf neuen mobilen Geräten komplett auswirken.

Die Lösungen für die sich stellenden Herausforderungen sind bei Microsoft und Apple aber ähnlich: Sowohl iOS als auch die Kombination aus Windows Runtime und Metro schränken die Möglichkeiten für Entwickler ein, vor allem was die Ausführung von Prozessen im Hintergrund angeht. So soll verhindert werden, dass Apps den Akku unnötig leeren können. Nachrichten erreichen die Apps über ein zentrales Nachrichtensystem, das die beiden Anbieter jeweils betreiben. Neue Apps werden vorab geprüft und können nur über den App Store beziehungsweise den Windows Store installiert werden. So versuchen sowohl Apple als auch Microsoft, Schadsoftware vom Nutzer fernzuhalten.

Apps laufen sowohl bei iOS als auch unter Metro grundsätzlich im Vollbild, was für Windows einen Paradigmenwechsel weg vom namensgebenden Fenster (Window) darstellt. Microsoft bietet, anders als Apple, mit Windows Snap aber die Möglichkeit, eine zweite App mit einer Breite von 320 Pixeln am Rand einzublenden. Die alte Snap-Funktion von Windows 7 funktioniert auch noch.

Kein Drag-and-Drop mehr

Drag-and-Drop gibt es bei Metro hingegen nicht mehr, stattdessen setzt Microsoft auf ein neues Konzept namens Charms. Darüber können Daten zwischen Apps und Geräten ausgetauscht werden, sei es ein Link, der an die Twitter-App weitergegeben wird, oder eine Website, die zum Druck an den Drucker weitergereicht wird.

Microsoft will auf diese Art und Weise für eine einheitliche Bedienung verschiedener Apps sorgen und allgemeine Probleme für Entwickler lösen. So gibt es eine systemweite Suche, die in allen Apps auf gleiche Art und Weise funktioniert und über den entsprechenden Charm aufgerufen wird. Ähnliches gilt für die Einstellungen, das Drucken oder das Laden und Speichern von Dateien. Nutzer sollen immer wieder auf die gleichen Bedienungskonzepte stoßen, damit sie diese nicht für jede App neu lernen müssen.

Damit einhergehend wird auch der Umgang mit Dateien grundsätzlich anders gehandhabt. In der Metro-Welt soll der Nutzer nicht mehr in Dateien und Orten denken, sondern diese einfach bei Bedarf öffnen. Das betrifft auch den Desktopnutzer. Ein konkretes Beispiel ist das Betrachten von PDFs. Windows 8 besitzt einen PDF-Viewer, der unter Metro im Vollbild arbeitet. Öffnet der Nutzer auf seinem Desktop eine PDF-Datei, wird zu Metro gewechselt. Microsoft sieht dabei grundsätzlich nicht die Anzeige von zwei PDF-Dateien gleichzeitig vor. Wer ein zweites PDF öffnet, schließt automatisch das alte PDF.

Gerade Umsteiger werden schnell einen Bedarf an Zusatzprogrammen haben.

Das neue Startmenü und Semantik Zoom

Das Startmenü ist mit Windows 8 verschwunden und es gibt auch keine offizielle Möglichkeit, es wiederherzustellen. Damit geht auch eine praktische Funktion verloren: die Auflistung der zuletzt genutzten Dokumente je Anwendung, die sich sogar anpinnen lassen. Diese gibt es jetzt nur noch mit angepinnten Anwendungen auf der Taskleiste.

Stattdessen gibt es zwei neue Systeme, die nur Teile des alten Startmenüs abbilden: Mit der Tastenkombination Windows+X öffnet sich ein kleines Menü für die Kommandozeile, den Task Manager, die Systemsteuerung oder auch das Mobility Center. Die Hauptaufgabe, das Starten von Anwendungen, übernimmt hingegen der neue Startbildschirm im Metro-Stil. Wer sich anmeldet, bekommt diesen und nicht den Desktop im Vollbild angezeigt. Die neue Metro-Oberfläche besteht aus vielen Kacheln, auch Tiles genannt, und ist die Basis für eine neue Kategorie von Anwendungen: den Apps.

Metro-Apps und Desktopanwendungen in einem Bildschirm

Diese haben den Vorteil, dass sie auch auf stromsparenden ARM-Prozessoren funktionieren. Dazu hat Microsoft mit der Windows Runtime ein neues API eingeführt, das das bisher genutzte API Win32 ablöst und auch auf ARM-Geräten zur Verfügung steht. Schließlich gibt es Windows 8 unter dem Namen Windows RT auch für ARM. Mangels verfügbarer Hardware und Betriebssystem konnten wir Windows RT jedoch noch nicht testen.

Am auffälligsten sind die Metro-Kacheln mit ihren Inhalten. Sie können einen großen Mehrwert haben. Einige Metro-Kacheln gibt es in zwei Größen, zwischen denen hin- und hergeschaltet werden kann. Die Wetteranwendung ist dabei in der großen Fassung sehr praktisch, denn sie zeigt das Wetter an, ohne dass der Nutzer die App starten muss. Solche Kacheln, die schon aktuelle Informationen anzeigen, nennen sich Live Tiles und sind Metro-Apps vorbehalten. Diese neuen Apps sollen dank Windows Runtime zudem ressourcenschonend sein und so den Akku schonen.

Desktopanwendungen bieten das nicht. Sie erscheinen im Startbildschirm als einfache eingekachelte Symbole in quadratischer Form. Zusätzliche Informationen als Live Tile können sie bisher nicht anzeigen. Die alten Programme wirken auf der Kacheloberfläche wie Fremdkörper. Insbesondere, wenn die Programmsymbole noch grob sind und aus den Urzeiten der Windows-Welt stammen. Noch heute nutzen viele Programme grob aufgelöste Icons. Das Datenbankwerkzeug von Miranda ist hier ein Beispiel.

Bereits dieser neue Startbildschirm ist sehr gut für die Bedienung mit Fingern geeignet. Wer ein Windows-Phone-Smartphone nutzt, wird sich sofort heimisch fühlen. Der Desktopnutzer, der von Windows 7 kommt, muss sich dagegen umgewöhnen.

Semantic Zoom

Ordner gibt es im neuen Metro-Startbildschirm nicht. Stattdessen setzt Microsoft auf eine thematische Gruppenbildung und Semantic Zoom für den großen Überblick. Mit einer Kneifgeste kann dabei herausgezoomt werden, wobei die dargestellten Inhalte nicht nur verkleinert, sondern auch inhaltlich angepasst werden. Beim Startbildschirm beschränkt sich das leider darauf, dass aus den Live Tiles einfache Symbole werden. In der Wetter-App hat Microsoft Semantic Zoom hingegen anders umgesetzt, hier werden ganz neue Menüs angezeigt.

Allerdings bietet die Ansicht Semantic Zoom des Startbildschirms einige wichtige Funktionen zur Gruppierung der Kacheln: Zum einen können die Gruppen hier benannt werden. Dazu wird eine Gruppe kurz nach unten geschoben, dann rastet sie ein und es taucht am unteren Bildschirmrand ein Kontextmenü mit einer entsprechenden Option auf. Alternativ kann ein Rechtsklick mit der Maus auch benutzt werden. Zum anderen können Gruppen in dieser Ansicht neu geordnet werden. Dazu wird die Gruppe ebenfalls nach unten geschoben, dann aber festgehalten und nach links oder rechts bewegt. Dabei muss der Nutzer eine Art Widerstand überwinden.

Die Wetter-App setzt den Semantic Zoom ganz anders um, so dass deutlich wird, dass es sich eigentlich nicht um ein normales Verkleinern handelt. Die Anwendung kann entscheiden, welche Informationen bei der verkleinerten Ansicht wichtig sind.

Startbildschirm und App-Übersicht

Der Startbildschirm beinhaltet allerdings nur eine Auswahl der alten Programme. Wer die komplette Metro-Abbildung des Startmenüs sehen will, muss die App-Übersicht aufrufen. Die erreicht der Nutzer mit einem Rechtsklick irgendwohin mit anschließendem Klick auf das rechts unten erscheinende Symbol oder auch einfach durch Lostippen, was eine Suche auslöst.

Nun beschränken sich aber viele Desktopprogramme nicht darauf, nur einen Eintrag ins Startmenü von Windows 7 vorzunehmen, sondern legen einen Ordner an, in dem viele Programmierer noch allerhand Extras ablegen. Das kann bei Windows 8 zu Unannehmlichkeiten führen. Irfanview legt beispielsweise ganze neun Einträge im Startmenü ab. Da gibt es Links zur Hilfe, zu den Plugins und der Deinstallation. Unter Windows 8 erscheint keiner davon auf dem Startbildschirm, aber alle tauchen in der App-Übersicht auf.

Hier sollten also die Anwendungsentwickler nacharbeiten, denn eigentlich benötigt niemand einen Ordner mit neun Einträgen für eine App wie Irfanview, von denen fast immer nur einer genutzt wird: der für die Anwendung selbst.

Die App-Übersicht funktioniert also wie ein "Alle Apps anzeigen", doch leider zeigt sie nicht alles an. So findet sich in der App-Übersicht alles, was früher im Startmenü war plus die neuen Metro-Apps. Dieses Menü wird aus drei Orten im Dateisystem zusammengesetzt: dem Startmenü im Nutzerverzeichnis, dem Startmenü im Verzeichnis für alle Nutzer (eigentlich ein Link zu ProgramData), an dem nur Administratoren etwas verändern können, und schließlich dem Ort, an dem Metro-Apps hinterlegt werden (Program files, Windows-Apps).

Das Chaos ordnen

Der Startbildschirm lässt sich sehr einfach umsortieren. Einzelne Kacheln können gegriffen und woanders hinbewegt werden. Der Nutzer kann aber nicht mehrere Kacheln selektieren und dann gemeinsam bewegen. Wer das versucht, greift nur eine einzelne Kachel. Wählt man mehrere Kacheln aus, kann man sie nur gemeinsam löschen. Auch per Multitouch kann der Nutzer nicht mehrere Kacheln bewegen.

Mehrere Kacheln lassen sich nur in Gruppen innerhalb des Semantic Zoom bewegen. Hier können die Gruppen auch benannt werden. So lässt sich beispielsweise eine Office-Programmgruppe anlegen. Mit der Maus ist das recht einfach: Ein Rechtsklick genügt. Den Touch-Rechtsklick, den es beim Desktop gibt (lange gedrückt halten), hat Microsoft unter Metro nicht umgesetzt. Stattdessen muss eine Gruppe gegriffen und leicht nach unten gezogen werden. Wer zu weit zieht, bekommt das Kontextmenü nicht zu sehen.

Beim Anordnen der Kacheln ist einiges zu bedenken: Unter einer einzelnen kleinen Kachel lässt sich keine weitere positionieren. Sie landet immer neben der ersten Kachel.

Solche Aufräumarbeiten werden mit zunehmendem Alter des Systems immer aufwendiger. Wer zum Beispiel in einen vollen Startbildschirm Office 2013 installiert, hat anschließend sieben neue Kacheln an der rechten Seite. Wichtige Programme will der Nutzer aber links haben. Ohne die Gruppen wäre das Sortieren eine sehr anstrengende Aufgabe.

Ordnung in die App-Übersicht bringen

Die App-Übersicht zu ordnen sollte eigentlich nicht notwendig sein. Aber manche Apps mit ihren zahlreichen Einträgen sorgen hier für Chaos. Das Löschen von Verknüpfungen zu Readme-Dateien ist hier so kompliziert, dass kaum einer dies tatsächlich tun wird. Ohne Kenntnisse der Roaming-Verzeichnisse und deren Funktionsweise sollte das auch niemand angehen. Microsoft hat damit die Hürden für das Aufräumen noch einmal deutlich erhöht, landet in dieser App-Übersicht doch vieles, was hier nicht hingehört.

Dabei unterstützt die App-Übersicht echte Ordner, die dann im Semantic Zoom auch zusammengeklappt werden. Alle anderen Anwendungen werden ihrem Anfangsbuchstaben entsprechend einer Alphabet-Ansicht zugewiesen. Um diese zu erstellen, muss der Nutzer sich aber mit einem Dateimanager in den Roaming-Verzeichnissen bewegen. Für Anfänger ist das nicht empfehlenswert. Sie werden die Möglichkeit vermutlich ohnehin nicht finden. Alte Installationsprogramme erstellen Ordner meist automatisch, um ihre zusätzlichen Links unterzubringen.

Insgesamt ist das neue Gruppensystem im Startbildschirm sehr gewöhnungsbedürftig. Wer hier Ordnung halten will, sollte möglichst wenige Anwendungen anzeigen lassen. Dass die Möglichkeit fehlt, auf einfache Art und Weise die Anwendungsübersicht zu ordnen, stört uns sehr. Wer viele Programme installiert hat - vor allem bei Desktopnutzern wird das der Fall sein -, steht schnell vor einer riesigen Wand von Anwendungsverknüpfungen.

Nutzer sind noch mehr denn je darauf angewiesen, Programme, die sie nicht täglich verwenden, per Suche zu starten. Das geht zumindest sehr fix: einfach die Windows-Taste drücken und anfangen zu tippen. Diese Suche findet aber nur korrekt installierte Anwendungen, da sie nicht global arbeitet.

So kollidiert das neue System mit dem Verhalten vieler Desktopanwendungen: Zwar empfiehlt Microsoft schon länger, dass Anwendungen nur einen Eintrag im Startmenü vornehmen sollten, viele Entwickler halten sich aber nicht daran und legen einen kompletten Ordner an, in dem sie zahlreiche Verknüpfungen erzeugen.

Solitaire im Windows Store und nützliche Neuerungen

Windows 8 bietet nicht nur die neue Metro-Oberfläche, sondern auch andere Neuerungen. Manches wird der Anwender zunächst vermissen. So sind in Windows 8 die beiden beliebten Spiele Minesweeper und Solitaire nicht mehr vorinstalliert. Ersatz gibt es, wie schon länger bekannt ist, im Windows Store. Die Spiele wurden, erstmals seit Jahren, deutlich verbessert und sind als Metro-Apps ausgeführt.

Um die Spiele herunterzuladen, muss der Anwender derzeit im Windows Store danach direkt suchen oder für die Gesamtübersicht auf die Überschrift der Kategorien klicken. Ein Klick auf die Hauptkachel "Lust am Spielen" führt nur zu einer Auswahl von Apps. In der Xbox-App werden die Spiele direkt angezeigt.

Microsoft hat zusätzlich an vielen Stellen Verbesserungen durchgeführt, die der Anwender nicht sofort bemerkt.

Schneller Start

Wie von Microsoft versprochen, startet Windows 8 deutlich schneller als Windows 7, und das gilt auch für PCs, die derzeit mit Windows 7 laufen und noch kein UEFI haben, das die Startzeit nochmals reduziert.

Wir haben auf einem Notebook und einer Testplattform aus Desktopkomponenten ausprobiert, wie schnell Windows 8 in der finalen Version startet. Getestet wurden, wie schon bei der Release Preview, die Boot-Zeiten auf einem Notebook vom Typ Asus N53 mit Intels Core-i5 2410M, 8 GByte RAM und der Momentus XT mit 750 GByte. Die Desktopplattform bestand aus Intels Core i7-975 mit 6 GByte RAM auf dem Mainboard Asus P6T Deluxe 1.0. Damit wurden die 3,5-Zoll-Festplatte WD Blue mit 500 GByte und die Sandisk SSD Ultra mit 60 GByte getestet.

Brauchte Windows 7 beim Booten von der normalen Festplatte 28 Sekunden, benötigte Windows 8 nur noch 19. Deutlich schneller geht es nach mehrmaligem Booten von der Hybridfestplatte Momentus XT mit 17 Sekunden für Windows 7 und 13 Sekunden für Windows 8. Von der SSD startet Windows 7 in 14, Windows 8 hingegen in 11 Sekunden.

Gemessen wurde nur die reine Ladezeit von Windows, nicht der Selbsttest des Bios, der beim Einschalten eines PCs zu weiteren Verzögerungen führen kann.

Intelligentes Netzwerkmanagement

Im Netzwerkbereich hat sich einiges getan. Es gibt deutliche Verbesserungen, aber auch Veränderungen, die einiges umständlicher machen, auf die wir erst später eingehen. Die wichtigste Neuerung ist wohl das Zusammenspiel zwischen LAN, WLAN und WWAN. Windows entscheidet bei Bedarf selbst, welche Verbindung gewählt wird. Wer zum Beispiel eine 3G-Verbindung aktiviert hat (WWAN) und in die Reichweite seines WLANs kommt, wird feststellen, dass Windows die WWAN-Verbindung trennt. Selbiges passiert, wenn plötzlich ein Netzwerkkabel (LAN) angeschlossen wird. Dann wird beispielsweise das WLAN getrennt.

Windows bemerkt, wenn es Verbindungsprobleme gibt. Wir haben testweise mit den IP-Adressen im LAN-Bereich herumgespielt. Nach den absichtlich falschen Einträgen verbindet Windows sich automatisch mit dem WLAN, sofern das WLAN für automatische Verbindungen freigegeben wurde. Dabei bleiben beide Verbindungen aktiv. Windows berücksichtigt also, dass die Änderungen eventuell absichtlich durchgeführt wurden, weil der Nutzer ein zurückgesetztes Netzwerkgerät ansprechen will, das in den Werkseinstellungen einen anderen IP-Bereich nutzt.

Windows bewertet dabei die Verbindungen. Wer einen Volumenvertrag hat, wird sich darüber freuen. Die Installationsroutine von Office 2013 in der 365er Version bemerkt dann auch eine aktive WWAN-Verbindung und warnt davor, das Office-Streaming zu nutzen.

Sehr sinnvoll: Es kann eingestellt werden, dass Treiber, Apps und Updates nicht via Mobilfunkverbindung geladen werden, sondern nur über WLAN/LAN. Der Download startet also, wenn eines der beiden Netzwerke verfügbar ist.

Eigentlich ist auch das Setzen eines Hakens für automatische Verbindungen praktisch, der definiert, dass eine Verbindung immer gewählt wird, wenn sie in Reichweite ist. Ein manuelles Trennen der Verbindung hebt diese Automatik wieder auf, was nicht gleich ersichtlich ist. Der Nutzer muss die Automatik bei der nächsten Verbindung explizit wieder auswählen.

Bei WWAN-Verbindungen wird die Automatik leider wenig Sinn ergeben. Zu oft muss ein Nutzer wegen fehlgeschlagenen Zellenroamings die Verbindung trennen und deaktiviert damit die automatische Einwahl wieder. Das ist kein Windows-Problem, sondern gerade bei hohen Geschwindigkeiten völlig normal. Dieser Fall wird von Microsoft nicht abgedeckt.

Sehr gut gefällt uns, dass Bluetooth und 3G-Modul nun direkt abgeschaltet werden können, auch wenn diese Möglichkeit in den Metro-Einstellungen etwas versteckt ist. Das Mobility Center verliert damit seinen Zweck, ist aber weiterhin Bestandteil von Windows. Auf die Einstellungsmöglichkeiten gehen wir noch im Detail ein.

Wer ein Volumen in einem WWAN- oder WLAN-Vertrag hat, kann dies nun schnell kontrollieren. Per Rechtsklick kann in so einer Verbindung einfach das bereits genutzte Volumen angezeigt werden.

Hier hat Microsoft das System deutlich verbessert. Wir würden uns allerdings wünschen, dass das gezielte Abschalten von Bluetooth und WWAN nicht über die Metro-Einstellungen, sondern direkt im WLAN-Menü erreichbar wäre. Gerade Mobilfunkmodems sollte der Nutzer bei Nichtgebrauch abschalten, da sie viel elektrische Leistung aufnehmen.

Anmeldung per Geste

Hübsch gelöst wurde die Anmeldung per Geste. Statt ein Passwort einzugeben, zeichnet der Nutzer ein paar Formen auf einem Bild des Anmeldebildschirms. Das Ganze ist ziemlich fehlertolerant und funktioniert auch mit der Maus. Es muss also niemand pixelgenaue Gesten durchführen. Die Möglichkeit der Bilderpasswörter ist attraktiv. Microsoft sollte die Nutzer aber deutlich darauf aufmerksam machen, dass Bildpasswörter ähnlich komplex sein müssen wie sichere Tastaturpasswörter, damit Zuschauer sie nicht einfach am Bildschirm abschauen können.

Stark verbesserter Task Manager

Wirklich gut gelungen sind Microsoft der neue Task Manager mit modernem Aussehen und der Dialog für Datentransfers. Beide gefallen dank der vielen neuen und trotzdem übersichtlichen Details vor allem Technikern. Zudem zeigen beide eine gewisse Nähe zu Metro. So gibt es beim Task Manager nun einen erweiterten Modus. Dieser zeigt viele Informationen logisch gruppiert und mit großen übersichtlichen Teilen an. Von außen betrachtet sieht der neue Task Manager wie eine komplette Neuentwicklung aus, die bereits im Konzept durchdacht und mit Metro im Hinterkopf entwickelt wurde. Der neue Task Manager passt zu Windows 8.

Übrigens kann der Task Manager zwar Metro-Apps schließen, allerdings tauchen diese weiterhin in der Metro-Taskleiste auf, ohne spezifische Inhalte anzuzeigen. Das ist beabsichtigt. Der Metro-Task-Manager (Windows-Taste + Tab) zeigt nur die zuletzt aufgerufenen Apps an, nicht die aktiven Apps oder Windows-Programme. Das ist analog zu vielen Smartphones, die ihre Apps auch anzeigen, egal ob diese geschlossen oder offen sind, und entspricht dem Metro-Prinzip, ist also Absicht. Umsteiger verwirrt so eine App-History aber, da sie zuletzt aufgerufene Anwendungen nicht mit der Windows+Tab-Kombination kennen. Die Tastenkombination Alt+Tab hingegen zeigt keine geschlossenen Apps an.

Charms und nervige Ecken

Desktop und Metro haben eine Gemeinsamkeit in Windows 8: die Charms. Zusammen mit der Steuerung über die Ecken verbinden sie die beiden Systeme. Mit den Charms hat der Desktop eine fingerfreundliche Steuerung. Sie werden von der rechten Seite herein- oder auch herausgewischt. Dort kann der Anwender die Suche starten oder den Teilen-Knopf drücken. Damit können etwa URLs per Twitter geteilt oder Inhalte gedruckt werden. Hier gibt es eine unlogische Stelle: Die Teilen-Schaltfläche hat auf dem Desktop keine Funktion. Unter Metro funktioniert sie wie erwartet.

Die Charms lassen sich auch mit der Maus benutzen. Dazu muss der Anwender die Maus in die rechte obere oder untere Ecke ziehen. Soll eine Anwendung in maximaler Fenstergröße geschlossen werden, wird bei dem Versuch, das Schließen-Symbol zu erreichen, oft das Einblenden des Charms ausgelöst. Allerdings blendet dieser sich nur transparent ein, so dass ein Klick auf Schließen funktioniert wie erwartet.

Die Metro-Bedienelemente in den Ecken wurden beim Test von verschiedenen Nutzern unterschiedlich störend wahrgenommen. Vor allem die linke obere Ecke störte: Dort wird die letztgenutzte Metro-App schnell über Bedienelemente von Firefox, Opera oder Office 2013 geblendet. Mit der Ecke links unten hat nur ein Mitglied der Redaktion ein Problem gehabt. Die Ecke rechts unten wurde nur selten genutzt.

Als Alternative zur Eckenbewegung oder Wischgeste gibt es die Tastenkombination Windows-C, die dann auch eine Bedienung der Charms per Cursortasten ermöglicht.

Schaltflächen erklären, dass sie nicht benutzt werden können

Auf dem Desktop löst ein Druck auf die Teilen-Funktion der Charms Rätselraten aus. Denn das Teilen-Charm erklärt dem Nutzer, dass es auf dem Desktop völlig unsinnig ist, dieses Charm auszuwählen. Warum es dann angezeigt wird? Wir können nur mutmaßen. In den Tests wird Microsoft sicher aufgefallen sein, dass ein Fünftel der Charms ohne jeden Sinn dort angezeigt wird.

Inkonsistenzen in der Bedienung

Spätestens an dieser Stelle fällt dem Nutzer auf, dass es bei Windows 8 und dem Mischmasch von alter Desktopoberfläche und Windows-8-Oberfläche einige Inkonsistenzen gibt. Wer den Rechner abschalten will, hat beispielsweise zwei völlig unterschiedliche Möglichkeiten. Das Abschalten oder Neustarten ist jetzt Teil der Einstellungen. Der Nutzer geht über die Charms auf Einstellungen und wählt dort mit einem weiteren Klick die Aktion aus. Abmelden geht dort nicht. Früher war das Abmelden noch ein Bestandteil der Abschalten-Funktion. Das ist nun recht groß auf dem Startbildschirm.

Erfahrene Anwender drücken einfach Alt+F4 auf dem Desktop. Dann kommt ein Dialog, in dem Abmelden und Abschalten zu finden sind. Alt+F4 funktioniert für diesen Fall aber nicht in der Metro-Oberfläche, hier geht es nur über die Charms. Wer effizient sein will, muss beide Methoden intus haben und dem Kontext entsprechend die richtige Kombination von Klicks und Wischs wählen. Das Fehlen des Startknopfs führt hier zu unnötiger Komplexität. Das heißt aber nicht, dass die Tastenkombination Alt-F4 in Metro nicht existiert. Damit beendet der Nutzer Metro-Anwendungen.

Der Hintergrund dürfte sein, dass es bei Windows 8 nicht mehr notwendig ist, den Rechner abzuschalten und damit bestimmte Bedienelemente nicht mehr so prominent platziert werden müssen. Ob nun Suspend to Disk oder Neustarten, technisch gibt es kaum einen Unterschied. Ein Neustart ist bei Windows 8 nämlich zwecks Boot-Beschleunigung kein richtiger Neustart mehr.

Laut Microsoft soll der Nutzer nun dazu bewegt werden, die physikalischen Auslöser der Geräte zu nutzen. Beim Notebook heißt das beispielsweise: nicht runterfahren, sondern zuklappen und beim Desktop, den Abschaltknopf drücken.

Metro und der Maus- und Tastaturnutzer

Metro ist eine Oberfläche für den Touchscreen. Doch eine der Zielgruppen von Windows 8 hat diesen nicht: der klassische Desktopnutzer. Er hat eine Maus, ein Touchpad oder einen Pointingstick und eine Tastatur, in vielen Fällen auch einen großen Bildschirm. Hierbei gilt: Je breiter der ist, desto besser für Metro. Anwendungen werden nämlich tendenziell dem Bewegungsraum des Auges angepasst, also in der Waagerechten bedient. Das ist ein großer Unterschied zu der bisherigen Vorgehensweise, den vertikalen Bewegungen. Fast alle Webseiten sind vertikal orientiert, auch der Desktop und dessen Anwendungen, und sogar iPads und Android-Tablets nutzen diese Ansicht.

Microsoft reagiert damit auf den Trend zu Breitbilddisplays und ist dabei ähnlich mutig wie seinerzeit Apple mit der Umstellung des Scrollens auf Schieben. Dort wurde mit Mac OS X 10.7 alias Lion kurzerhand die Scrollrichtung von Touchpads und Mäusen umgedreht. Metro geht nun also von links nach rechts statt von oben nach unten. Das ist gewöhnungsbedürftig, vor allem wenn die passende Hardware nicht da ist. Wer einen Touchscreen hat, nutzt diesen automatisch. Fährt der Nutzer mit der Maus an den Rand, rutscht der Startbildschirm nach rechts oder links. Das funktioniert leider nicht in allen Metro-Apps. Dort bleibt nur die Möglichkeit, das Scrollrad oder den Scrollbalken zu nutzen, um den Startbildschirm nach rechts oder links zu bewegen. Der Tastaturnutzer hingegen nutzt die Bild-runter-Taste, um zur Seite zu scrollen. Eigentlich müsste die Taste umbenannt werden. Es lässt sich nämlich nicht erklären, warum eine Bild-runter-Taste nun eine Bild-rechts-Taste ist. Das ist letztendlich aber nur eine Gewöhnungssache. Der Metro-Internet-Explorer benutzt die Bild-Tasten und auch das Scrollrad übrigens wie gewohnt, obwohl er den neuen Metro-Prinzipien folgt.

Das Verschieben der Kacheln funktioniert mit der Maus auf die gleiche Art und Weise, was umständlicher ist, als es sein müsste: Obwohl das Eingabegerät so präzise ist, sieht Microsoft ein Umsortieren der Kacheln in der herausgezoomten Übersicht nicht vor. Auch der Mausnutzer muss eine Kachel greifen und sie gegebenenfalls bildschirmweise wegziehen. Das geht aber immerhin schneller als mit dem Touchscreen. Dabei wird automatisch auf den semantischen Zoom umgeschaltet, das Scrolltempo ist ziemlich hoch.

Es ist Mausnutzern nicht möglich, Metro-Anwendungen zu greifen. Weder kann der Inhalt eines PDF-Dokuments in der Mitte zum Scrollen gegriffen werden noch durch das Bewegen der Maus an den Rand eine Bewegung ausgelöst werden. Es muss gescrollt werden, was bei reinen Anzeige-Apps unnötig ist, wie beispielsweise in der Wetteranwendung. Das gilt auch für einige Stifte. Digitizer-Stifte können nicht greifen, kapazitive Stifte dagegen schon. Nur bei Elementen, also beispielsweise den Kacheln, gibt es hier keine Unterschiede.

Ebenfalls ungewöhnlich: Wird mit der rechten Maustaste selektiert, führt ein nochmaliger Rechtsklick dazu, dass die zweite Kachel ebenfalls selektiert ist. Zum Deselektieren muss die Kachel nochmal mit der rechten Maustaste angetippt werden. Ein Linksklick startet immer die Kachel oder auch Anwendung und hebt dabei die Selektion auf.

Der Metro-Browser

Die Metro-Version des Internet Explorer funktioniert, wie alle Metro-Apps, im Vollbildmodus. Bedienelemente sind zunächst nicht zu sehen, der gesamte Bildschirm steht der Webseite zur Verfügung. Tab-Übersicht und URL-Leiste werden durch einen Wisch vom oberen oder unteren Rand hinein ins Display geschoben. Die Mausbedienung folgt dieser Logik nicht: Hier führt der Weg über die Kontextmenü-Taste. Wer sich an die Metro-Bedienung gewöhnt hat und versucht, die Tab-Übersicht und URL-Zeile zu öffnen, indem er mit der Maus zum oberen oder unteren Bildschirmrand fährt, hat keinen Erfolg.

Sowohl in der Metro- als auch in der Desktopversion des Browsers lassen sich Links auf dem Startscreen ablegen. Diese werden dann immer in dem Browser geöffnet, aus dem heraus die Verknüpfung erzeugt wurde. Es gibt keine Möglichkeit, das nachträglich zu ändern.

Die Metro-Version des IE verhält sich in vielen Belangen wie ein mobiler Browser: So ist es beispielsweise nicht möglich, mehr als zehn Tabs zu öffnen. Beim Öffnen des elften Tabs wird ein altes entfernt. Ähnlich verhält sich auch Apples Browser Safari unter iOS, was hier ebenso manchen Anwender stört.

Metro-IE hat keine Metro-Optionen

Ein Beenden mit Alt-F4 beendet nicht nur den Browser, sondern schließt auch alle Tabs. Wer hingegen das gesamte System neu startet, was eigentlich auch eine Art des Beendens wäre, behält alle Tabs. Auch, wenn der Metro-IE über den Win32-Taskmanager geschlossen wird, merkt sich der Browser die offenen Tabs. Zudem gibt es erst einmal keine offensichtliche Möglichkeit, die Startseite des Browsers zu bestimmen.

Wer nun denkt, es gäbe keine Optionen für den Metro-Internet-Explorer, der irrt. Wie wir schon vorher festgestellt haben, können sich Metro-relevante Optionen auf dem Desktop verbergen. Tatsächlich gibt es die Internetoptionen des Desktop-IE, die dafür verantwortlich sind. Diese sind wiederum traditionell ein Teil der Systemsteuerung und keine Programmoptionen.

Der Nutzer muss also in die Systemsteuerung gehen und dort die Optionen so umstellen, dass frühere Tabs bis zur nächsten Session gespeichert werden. Dann macht Metro-IE keine Unterschiede mehr zwischen Alt-F4 und einem Rechnerneustart bei der Behandlung alter Tabs. Der Zusammenhang von Systemsteuerung und einer Metro-App dürfte nur wenigen ersichtlich sein. Tatsächlich betrachtet Microsoft in Windows Internetoptionen schon lange als globale Optionen, auch wenn das in der Praxis kaum der Fall ist.

Flash unterstützt der Metro-IE nur eingeschränkt: Flash-Inhalte werden nur auf Websites angezeigt, die auf einer Whitelist von Microsoft stehen. Der Metro-Browser bietet aber über das Werkzeugsymbol Kontextmenü die Möglichkeit, eine Website im Desktopbrowser zu öffnen. Umgekehrt geht das nicht so einfach. Hier bleibt nur der Weg über die Zwischenablage.

Alternativer Standardbrowser

Der Internet Explorer ist zwar eng in Windows 8 integriert, es ist aber weiterhin möglich, einen anderen Browser als Standardbrowser zu verwenden. Doch das Verhalten von Windows 8 ist dabei verwirrend. Installiert man beispielsweise Google Chrome und legt fest, dass Links mit "http" durch Googles Browser geöffnet werden sollen, verschwindet der Metro-IE. Die Verknüpfung zum Internet Explorer auf dem Startbildschirm ruft fortan die Desktopversion des Browsers auf. Das gilt auch für Links, die aus dem Metro-IE erzeugt wurden. Der Metro-IE ist nicht mehr erreichbar. Nur wenn man den Internet Explorer wieder als Standardbrowser festlegt, erhält man wieder das alte Verhalten.

Chrome unterstützt in der aktuellen Version bereits Metro. Wird er aus der neuen Oberfläche aufgerufen, wird auch hier die Website bildschirmfüllend angezeigt. Ein Wisch von oben oder unten macht die Bedienelemente sichtbar, die aber anders als beim Metro-IE den typischen Desktop-Look haben. Google verwendet hier einfach den Vollbildmodus des Browsers, der auch bisher schon zur Verfügung steht.

Systemsteuerungen für erfahrene Nutzer umständlich

Wer Windows 8 als erfahrener Anwender einsetzen will, muss sich an einigen Stellen umgewöhnen. So ist beispielsweise der bei Windows 7 zulässige Windows-XP-Modus derzeit nicht verfügbar und wird es laut Windows-Experten Paul Thurrott, der diesbezüglich mit einem Microsoft-Mitarbeiter sprach, auch nicht werden. Damit konnte, ohne Mehrkosten für eine Lizenz, ein fertig konfiguriertes Windows XP einfach als virtuelle Maschine ausgeführt werden.

Mit Windows 8 wird dank Hyper-V nun eine Alternative angeboten. Wir konnten darunter mit Erfolg Windows XP installieren, dafür ist allerdings ein kompletter Installationsprozess nötig. Derzeit unklar ist, ob eine XP-Lizenz Bestandteil von Windows 8 ist. Der Hyper V bietet den Vorteil von schnellen Snapshots, bei denen die VM einfach eingefroren wird. Im Windows-XP-Mode wird eine Maschine in der Regel in einen S3- oder S4-Modus überführt werden, was einige Zeit in Anspruch nehmen kann.

Für Anwender, die gerne ihr System konfigurieren wollen, wird es mit Windows 8 schwieriger. Denn neben der normalen Systemsteuerung und dem darüber erreichbaren Computermanagement gibt es nun zusätzlich Einstellungen in der Metro-Oberfläche. Doch diese sind nur ergänzend. Keine der drei Systemsteuerungen bildet alles ab, auch wenn es viele Doppelungen gibt. Vielmehr muss je nach Anwendungsfall die richtige Systemsteuerung gefunden werden. Dazu kommen Einstellungen über das Windows Mobility Center, die Tray Notification Area und, ebenfalls neu, die Charms an der Seite.

Netzwerkinformationen verteilen sich auf zwei Wegen

Uns hat vor allem die Netzwerkkonfiguration gestört, denn hier hat Microsoft grundlegend umgebaut. Ziel war es laut Microsoft, den Nutzern nur noch die Informationen zu geben, die für sie in der Praxis wichtig sind. Ein Klick auf die Netzwerkverbindung in der Tray Notification Area öffnet eine übersichtliche Metro-Ansicht an der Seite des Displays. Hier sieht der Nutzer WWAN-Verbindungen genauso wie WLAN-Verbindungen. Außerdem kann er sich mit einem einfachen Rechtsklick anzeigen lassen, wie viele Daten seit dem letzten Reset übertragen wurden, egal über welche Schnittstelle. Vor allem bei 3G-Verbindungen mit Volumenbegrenzung ist das sehr praktisch. Außerdem gibt es Balken zur Anzeige der Netzstärke, wie sie jeder Handynutzer kennt. Insgesamt ist das System an mobile Internetgeräte angelehnt.

Doch im Detail gibt es Schwächen. So ist dort in der Metro-Ansicht des Netzwerks zwar ein Kontextmenü-Klick möglich. Allerdings gibt es als Detailansicht nur die Verbindungseigenschaften. Microsoft sagte uns, dass diese Ansicht für den Endanwender wichtiger sei als der Status der Verbindung.

Uns stört diese Entscheidung, denn der normale Anwender findet so beispielsweise eine Ansicht über IMSI, IMEI, eigene Telefonnummer und APN-Einstellungen bei 3G-Verbindungen. Wir würden lieber andere Informationen sehen. Wie schnell ist die Verbindung? Wurde überhaupt eine IP-Adresse zugeteilt oder ist ein Datentransfer zu erkennen? All das sieht der Nutzer im Netzwerkstatus, der beispielsweise per Rechtsklick in den TNA-Bereich des Netzwerks erreichbar ist und in die alte Systemsteuerung führt.

Immerhin sieht der Nutzer auf der neuen Metro-Oberfläche, mit welchem Standard sich das Modem verbunden hat. Das ist weder in den Verbindungseigenschaften noch im Verbindungsstatus zu sehen. Um diese aufzurufen, muss der Nutzer Maus oder einen Digitizer über dem Balkendiagramm schweben lassen. Er sieht dann Edge, UMTS oder etwa HSPA als Anzeige.

Leider bleibt diese Information ausgerechnet Tabletnutzern verwehrt. Mit Fingern gibt es keinen Schwebestatus. Die Alternative für den Fingernutzer ist unnötig kompliziert. Er muss in die Systemsteuerung und den Netzwerkstatus schauen. Die dort angezeigte Geschwindigkeit in MBit/s lässt Rückschlüsse auf den Verbindungstyp zu.

Der Netzwerkbereich ist ein Beispiel dafür, wie sehr die Informationen unter Windows verteilt sein können und gleichzeitig dafür, dass es im System durchaus passiert, dass einige Informationen mit bestimmten Eingabegeräten nur auf Umwegen in Erfahrung gebracht werden können.

Die Suche nach dem richtigen Ort für Einstellungen

Die ganze Handhabung der Systemeinstellungen ist Microsoft gründlich misslungen. Obwohl der Ansatz prinzipiell gut ist, eine Einstellungsplattform für einfaches Arbeiten und eine für erweiterte Einstellungen zu schaffen.

Doch bei den Geräteeinstellungen zeigt sich, wie schon bei den Netzwerkeinstellungen, wie verwirrend unterschiedliche Methoden in einem System sein können. In unserem Fall zeigt das Notebook in den Metro-Geräten (PC-Einstellungen) ein USB-3-Kabel, einen Ricoh-Kartenleser (Bay8Controller), den XPS Document Writer und ein Macbook Pro an. Das Metro-Charm für Geräte nennt einen zweiten Bildschirm (der nicht existiert), die traditionelle Geräteanzeige zeigt hingegen den eigenen Rechner.

Das Ziel kann auf vielen Wegen erreicht werden

Die folgende Tabelle zeigt auf einem unserer Testgeräte gut, welche Verwirrung da möglich ist, wenn die unterschiedlichen Systeme nicht verinnerlicht werden. Die erste Spalte ist gut zugänglich, die zweite findet der Nutzer durch etwas Ausprobieren und die dritte kennen vor allem erfahrene Nutzer. Die Tabelle hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Der Übersicht halber handelt es sich um eine reduzierte Fassung der Möglichkeiten unter Windows 8.

Der Anwender muss - in diesem Fall drei - verschiedene Bedienungsphilosophien beherrschen, wenn er richtig mit seinem Rechner umgehen will. Wer dann noch persönlich zwischen Standard- und Admin-Rechten unterscheidet, hat noch ein paar Schwierigkeiten mehr.

Wer seinen Rechner nur für einfache Aufgaben nutzt, also zum Surfen und E-Mails-Schreiben im Web, dürfte die Inkonsistenzen nicht bemerken. Aber auch hier gibt es, wenn auch nicht so deutlich, Probleme bei der Bedienung. Die Personalisierung des Rechners, also Farb- und Bilderauswahl für Fenster, Desktophintergrund oder auch den Login-Bildschirm, ist auf zwei Systemsteuerungen aufgeteilt. In der alten Systemsteuerung werden Desktophintergrund, Farben und Töne ausgewählt. In den Systemeinstellungen von Metro werden Login-Bild, Metro-Farben und das Bild des Windows-Accounts definiert. Das ging früher auch in der Systemsteuerung, die unter Windows 8 teils auf die PC-Einstellungen von Metro verweist.

Dass es so weit kam, wundert uns. Schließlich wurden die Vorversionen millionenfach ausprobiert. Geschuldet sind die Probleme offenbar dem recht radikalen Umbau des Systems.

Treiberversprechen und die Realität

Microsoft verspricht für Windows 8 die Einführung von Klassentreibern. Die Erwartungen sind also hoch, allerdings ist bisher nur Windows 8 fertig, nicht die Hardware, die damit zusammenarbeiten soll und anscheinend auch nicht alle Treiber. UMTS-Modems oder auch Drucker sollen dank der Klassentreiber ohne Treiberinstallation funktionieren. Doch Microsoft schränkt bereits ein, das gelte nur für Hardware, die für Windows 8 ausgelegt ist. In unserem Test haben einige Geräte erst funktioniert, als für die modernen Funktionen von Windows 8 auch die notwendigen Treiber vorlagen.

Sollten Treiber fehlen, spricht aber nichts dagegen, in der Zwischenzeit Windows-7-Treiber zu nutzen. Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht. Bis zur General Availability (GA) Ende Oktober 2012 wird es vermutlich deutlich mehr Treiber geben. Zumindest haben wir in den vergangenen Tagen einige Aktivität gesehen. Viele Hardwarehersteller beginnen erst jetzt mit den letzten Tests. Neue Treiber können über Windows Update nachgereicht werden, was in den vergangenen Tagen beim Testen auch passiert ist. Wir beschreiben also noch einen Zwischenstand unter Windows.

Bei unserem HP 2740p hatten wir hingegen dieselben Probleme wie noch unter Windows 7. Zwar sind WLAN und LAN von Anfang an betriebsbereit. Doch mit dem WWAN-Modem kann auch Windows 8 nichts anfangen, so dass wir Windows-7-Treiber installieren mussten. Das ging ohne Probleme. Ähnliches erlebten wir mit zwei UMTS-Sticks der Telekom, die von Huawei hergestellt wurden. Der LTE-Stick verwirrte dabei. Windows richtete ihn sehr schnell ein und vermeldete einen Erfolg. Bei genauem Hinsehen stellte sich aber heraus, dass nur das integrierte virtuelle optische Laufwerk erkannt und eingerichtet wurde, auf dem die Treiber des Sticks sind.

Dank der Netzwerkverbesserungen kann der Nutzer zudem auf diverse Verbindungssoftware der Anbieter verzichten. Ein Klick, und schon steht die mobile Internetverbindung. In manchen Situationen lohnt es trotzdem, die Zusatzsoftware zu installieren. Es gibt unter Windows keine einfache Möglichkeit, zwischen GSM/EDGE und UMTS/HSPA umzuschalten.

Neue Druckererkennung

Mit Metro wurde eine neue Druckererkennung eingebaut. Im Idealfall, also wenn die entsprechenden Treiber vorliegen, ist die Druckerinstallation damit äußerst einfach. Sie passiert ohne Zutun des Nutzers. Allenfalls in größeren Netzwerken könnte eine hohe Druckeranzahl dann stören.

Bei einigen unserer Drucker funktionierte das auch und sie tauchten ohne unser Zutun im System auf. Die können dann alternativ über die Charms und die Metro-Einstellungen eingerichtet werden. Ein Drucker gilt dann als Gerät. Es gibt aber auch Drucker, die trotz vorhandener Treiber so nicht installiert werden können. Dann muss die alte Druckererkennung der Systemsteuerung aktiviert werden. Hier findet sich der Drucker binnen Sekunden und kann normal installiert werden. Microsoft ist es leider nicht gelungen, Drucker- und Geräteerkennung zu vereinen. Es wird aber nur in Teilen zwischen Druckern und Geräten unterschieden. Einmal eingerichtete Drucker können beispielsweise in der Geräteübersicht von Metro entfernt werden.

Der unfertige Desktop

Die neue Windows-8-Oberfläche und der Desktop sind zwei grundsätzlich verschiedene Ansätze, und so könnte man meinen, dass am Desktop keine Anpassungen notwendig sind. Doch hat Microsoft an einigen Stellen wie dem bereits erwähnten Task Manager grundlegende Veränderungen vorgenommen. Das Entfernen von Aero rückt den Desktop optisch etwas näher an die Metro-Oberfläche und gehört auch zu diesen Metro-Anpassungen. Der Desktop wirkt nicht mehr so räumlich wie unter Windows 7, sondern klar wie Metro. Microsoft Deutschland geht davon aus, dass nach und nach seine Anwendungen angepasst werden, ohne allerdings konkrete Pläne zu nennen. Immerhin sind die Ansätze schon bei dem neuen Office 2013 zu sehen.

Doch Microsoft hätte noch viel mehr tun können, nämlich eine Reihe von Standardanwendungen umgestalten, beispielsweise Wordpad, Bluetooth- und Netzwerkpanel, den Soundrecorder oder auch die Systemsteuerung und die vielen dort integrierten Miniprogramme. Hier wirkt es so, als sei Microsoft nicht fertig geworden. Selbst den Taschenrechner hat Microsoft weder auf Metro portiert noch im Desktop an das neue Aussehen angepasst.

Dabei hat die Firma schon seit Jahren den Metro-Ansatz fertig. Das beste Beispiel ist die aufgeräumte Zune-Software, die Metro-Prinzipien folgt, schick aussieht und auch auf dem Desktop weitgehend touchscreenfreundlich ist. Auch der Internet Explorer 10 hat Anpassungen an Touchscreens, wenn auch nicht so deutlich sichtbare. Dort gibt es immerhin eine angenehme Möglichkeit, mit dem Finger Texte zu markieren und herauszukopieren. Es werden zwei leicht greifbare Bedienelemente um die Markierung angezeigt. Diese Elemente fehlen sonst in Desktopanwendungen, die Text anzeigen, mit Ausnahme des sich noch in Entwicklung befindlichen Office 2013 (365).

Solche Anpassungen hätten in größerer Anzahl zu einem stimmigeren Bild geführt.

Metro und Desktop dicht beieinander

So präsentiert sich der Desktop als ein Mix aus Metro, Ribbon-Prinzipien und alten Desktops bis hinab zu Windows 2000. Das betrifft auch neue Desktopfunktionen, die versuchen, Metro und Desktop als eins darzustellen. Das Aufteilen der Bildschirme ist eigentlich eine sinnvolle Änderung. Wer will, kann von links eine Metro-App in den Desktop schieben. Die Anwendung, die "gesnapped" wurde, ist 320 Pixel breit. So kann links eine Metro-App angezeigt werden und rechts beispielsweise der Desktop oder eine weitere Metro-App. Das ist dann etwa wie die Sidebar von Windows Vista, allerdings mit nur einem Gadget. Die Gadgets sind übrigens verschwunden.

Das neue Windows-Snap funktioniert aber erst ab einer Auflösung von 1.366 Pixeln in der Breite. Die gibt es meist nur bei 16:9-Displays. Wer eines der noch immer verbreiteten Panels mit 1.280 x 800 Pixeln hat (16:10), der kann diesen Modus nicht verwenden. Verfechter von kleinen 16:10-Panels müssen sich deswegen wohl darauf einstellen, dass diese noch seltener werden, wenn Windows 8 auf den Markt kommt.

Wird der Desktop im kleinen Teil der Snap-Seitenleiste angezeigt, sind die dort sichtbaren Anwendungen nicht benutzbar. Es ist mehr oder weniger eine vertikale Version der Taskleiste. Somit ist es beispielsweise nicht möglich, den sehr kleinen Desktoptaschenrechner parallel zu einer Metro-App zu nutzen, obwohl der Minidesktop genug Platz bieten würde.

Windows-Store und Metro-Welt ohne Dateimanager

Wie schon beim Sortieren des Startmenüs bemerkt wurde, gibt es ein grundsätzliches Problem mit Metro: Dort gibt es keinen Dateimanager. Die Foto- und Musikverwaltung mit den passenden Metro-Apps gestaltete sich umständlich, ist man die bisherige Windows-Bedienung gewöhnt. Ein Wechsel zum gewohnten Desktop liegt da nahe, vor allem bei der recht komplizierten Fotoverwaltung.

Das hängt aber vom Fall ab. Fotos lassen sich beispielsweise durchaus simpel importieren. Vorausgesetzt, Windows erkennt einen Datenträger als typischen Fototräger. Einfach Fotos auf einen USB-Stick kopieren, ohne die bei Digitalkameras üblicherweise verwendete Ordnerstruktur, funktionierte während des Tests nicht. Auch auf temporäre Verzeichnisse konnten wir die finale Version der Foto-App nicht bewegen.

Von einer SD-Karte konnten wir sogar Rohdaten einer D90 importieren. Bisher ist der Umgang mit Rohdaten unter Windows den Anwendungen überlassen worden. Die Foto-App erkennt die Fotos und kann diese von der SD-Karte in die Bibliotheken kopieren. Unverständlicherweise fehlt der Foto-App die Möglichkeit, Rohdateien anzuzeigen. Deswegen gibt es beim Import keine Thumbnails. Nach dem Importieren behauptet die Fotoanwendung zudem, dass keine Fotos importiert worden seien. Der Nutzer, der eine alte Datei-Denkweise hat, wird also verwirrt und weiß nicht, wo die Dateien sind. Und wer sich nur in der Metro-Welt bewegt, weiß anschließend nicht, was mit seinen Dateien passiert ist.

Apple zeigt, wie es gehen sollte: Mac OS X und iOS unterstützen viele Rohdatenformate und können die entsprechenden Fotos direkt anzeigen. Apple aktualisiert zudem laufend seine Kameraunterstützung.

Um einen Datenträger nach dem Import auszuwerfen, muss der Nutzer wieder zum Desktop. In der Geräteauflistung der Charms oder den PC-Einstellungen tauchen solche Geräte derzeit nicht auf.

Der Windows Store

Der Windows-Store ist die Kernkomponente, wenn es um neue Apps für die Metro-Oberfläche geht, und damit auch die zweite Säule der Anwendungen. Neben den traditionellen Anwendungen, die ganz normal installiert werden, gibt es die sogenannten Apps über den Windows Store; kleine Anwendungen, die leicht bedienbar und für Touchscreens ausgelegt sind und sich leicht installieren lassen.

Der Windows Store erschlägt den Nutzer allerdings: Bis er durch alle Kategorien gewischt hat, vergehen einige Sekunden. Das hat Apple, mit einer besseren Auswahl und weniger sofort sichtbaren Kategorien, besser gelöst. Mit einem Touchscreen muss ein durchschnittlicher Nutzer auf einem Notebook ungefähr sechsmal wischen, um das Ende zu erreichen. Vermutlich wird es mit steigender Zahl von Apps auch noch mehr Zeit benötigen, denn für jede Kategorie kann der Shop einige Beispiel-Apps anzeigen. Während des Tests war der Shop noch ziemlich leer. Insgesamt ist er durch die Quereinteilung einfach unübersichtlich.

Hier wird der semantische Zoom per Kneifgeste oder alternativ der Klick auf das Minussymbol in der unteren rechten Ecke eine Notwendigkeit. Aber auch dann ist der Windows Store so groß, dass er fast vier Bildschirmseiten einnimmt.

Für Entwickler dürfte der Windows Store interessant sein. Er bietet Platz auch für günstige Minianwendungen, die bei Smartphones sehr erfolgreich sind. Für Windows gibt es mit dem Windows Store erstmals eine ordentliche Shopping-Plattform.

Sehr gute virtuelle Tastatur, aber alte Windows-7-Optimierungen verschwinden

Unter Windows 7 tauchte bei Fingerbedienungen bei Eingabefeldern noch direkt daneben ein Symbol auf, um das Tablet-PC-Input-Panel (TIP) und damit auch die virtuelle Tastatur zu öffnen. Das funktionierte zwar nicht bei allen Anwendungen, der Opera-Browser versagte hierbei beispielsweise immer, aber doch bei den meisten. Diese sinnvolle Funktion hat Microsoft gestrichen.

Laut Microsoft liegt das am veränderten Ansprechverhalten der virtuellen Tastatur. Außerdem soll die Tastatur nicht auf dem Desktop stören und deswegen nur explizit auf Anwenderkommando starten. Das ist zwar nachvollziehbar, in der Praxis bei der Fingerbedienung allerdings mehr störend als hilfreich. Statt des TIP gibt es jetzt eine neue virtuelle Tastatur, die unten angedockt werden kann und über ein Taskleistensymbol ansprechbar ist.

Virtuelle Unordnung durch die Touchscreen-Tastatur

Die Touchscreen-Tastatur neigt im Dockmodus dazu, den Bildschirminhalt umzusortieren. Zum Einblenden schiebt sie Anwendungen nach oben und verkleinert sie gegebenenfalls. Beim Ausblenden wird diese Änderung aber nicht rückgängig gemacht. Das Tablet-PC-Input-Panel von Windows 7 hat diesen Nachteil nicht. Allerdings schiebt es sich über die Inhalte, was auch nicht besser ist. Wer sich daran stört, muss die virtuelle Windows-8-Tastatur über die Anwendung blenden lassen. Die Gefahr von Textfeldern unter der Tastatur besteht dann aber.

Nur wer Anwendungen mit der maximal möglichen Displayhöhe (egal ob Vollbild oder das Windows-7-Snap) nutzt, kann sich darauf verlassen, dass Windows beim Ausblenden der Tastatur die Fenstergröße rückgängig macht. Ein ähnlicher Fehler tritt bei der kombinierten Ansicht von Desktop und Metro-Oberfläche auf:

Wer am linken Rand des Desktops Programme positioniert und dann per Windows Snap noch eine Metro-App hineinschiebt und wieder herausnimmt, hat dann alle laufenden Windows-Programme nach rechts gerückt. Wenn dabei etwa zehn Anwendungen laufen, müssen diese erst mühsam zehn Mal wieder an die alte Position geschoben werden. Das geschieht bei allen Windows-Anwendungen, die nicht oben und unten angesnappt oder maximiert sind.

Wer häufig per Hand Fenster anordnet, ärgert sich über diese Schwächen, die schon aus vorherigen Versionen von Windows bekannt sind. Mit der Touchscreen-Tastatur gibt es jetzt aber eine Anwendung, die häufig genutzt wird.

Die neue virtuelle Tastatur bewerten wir dennoch positiv. Sie ist durch die breiten Tasten, die Möglichkeit des Andockens unten und die Anzeige der Umlaute ziemlich gut. Unverständlich ist aber das Fehlen einer separaten ß-Taste in der deutschen Variante. Den Buchstaben "ß" erhält der Nutzer nur, wenn er länger das "s" gedrückt hält. Dann zeigt die Tastatur zusätzliche Varianten des Buchstabens an. Sehr praktisch dagegen: Auch die meisten alternativen Buchstaben sind über diese deutsche Tastatur erreichbar. Wer häufig Namen in anderen Sprachen schreiben muss, der freut sich über die mit der Maus bedienbare virtuelle Tastatur. Die Auswahl ist groß. Bei den Buchstaben a und o finden sich aber nur jeweils sechs Alternativen. Damit fehlen etwa die Buchstaben des skandinavischen Raums in der deutschen Tastatur. København lässt sich also nicht ohne weiteres schreiben.

Die virtuelle Tastatur kommt nicht immer bei Bedarf

Die eigentlich gute virtuelle Tastatur, die das Tablet-Input-Panel von Windows 7 ersetzt, kommt leider nicht immer dann zum Vorschein, wenn sie gebraucht wird. Wer zum Beispiel über die Charms die Suche per Touchscreen aufruft, hat zwar den Cursor im Suchfeld, aber keine virtuelle Tastatur. Der Nutzer muss nochmals in das Feld tippen, um die virtuelle Tastatur aufzurufen. Das geht besser, zumal das beim zweiten Aufrufen der Suche automatisch passiert - vorausgesetzt, der Nutzer sucht zwischendurch nicht mit der Tastatur. Microsoft wertet hier also die Kontextinformationen nicht aus, um die Bedienung zu vereinfachen.

Das gilt sogar für Metro-Apps. Wer im Internet Explorer (Metro-Version) ein neues Tab öffnet, hat den Cursor in der Adresszeile, muss aber trotzdem manchmal erst einmal hineintippen, um die Tastatur aufzurufen. Das System sollte eigentlich wissen, dass es mit dem Finger bedient wird, und die virtuelle Tastatur einblenden.

Fazit und Verfügbarkeit

Windows 8 ist derzeit nur für Entwickler verfügbar. Wer ein Technet- oder MSDN-Abo hat, kann verschiedene Versionen bereits herunterladen, allerdings nicht die Tabletvariante Windows RT, die wir auch nicht getestet haben. Allen anderen bietet Microsoft eine auf 90 Tage beschränkte Testversion von Windows 8 Enterprise zum Download an.

Regulär verkauft wird Windows 8 erst ab dem 26. Oktober 2012. Wer vor kurzem einen PC gekauft hat, bekommt das Update dann für rund 15 Euro. Beim Wechsel auf Windows 7 gab es das Upgrade damals noch kostenlos. Finale Preise für Retail-Versionen stehen noch nicht fest. Wer Windows 8 installieren möchte, kopiert das ISO-Image am besten einfach auf einen USB-Stick. Die Installation ist deutlich schneller als von einem optischen Medium. Das geht ganz gut mit Microsofts Windows 7 USB DVD Tool. Es funktioniert trotz des Namens auch mit Windows 8.

Fazit

Windows 8 hinterlässt gemischte Gefühle. Einerseits ist es über ein Jahrzehnt nach der Einführung von Tablet-PCs gelungen, ein System vorzulegen, das sich gut mit Fingern und dem Stift bedienen lässt, und auch auf dem Desktop finden sich in einzelnen Anwendungen punktuelle Verbesserungen. Das neue Konzept aus Metro und Windows Runtime hat viel Potenzial.

Andererseits ist der Preis dafür extrem hoch. Microsoft opfert die Konsistenz der Bedienung einer Zukunft mit Geräten, die auf die Metro-Oberfläche hin optimiert sind. Der updatewillige Windows-7-Anwender wird hingegen regelrecht zugekachelt. Und dabei ist es Microsoft nicht einmal gelungen, das gesamte Betriebssystem touchfreundlich oder konsistent zu gestalten. Ein Hinweis darauf, dass es nicht möglich ist, Windows selbst touchfreundlich zu machen, ist das aber nicht. Office 2013, Zune und der Internet Explorer 10 zeigen, dass es zumindest ansatzweise möglich ist.

So sind weite Teile des Systems wider Erwarten nur etwas für pixelgenaue Eingabegeräte, und außerdem wird der Nutzer viel zu oft in die Kacheloberfläche gezwungen, wo es nicht nötig wäre.

Microsoft hat im Prinzip von einem nicht gerade aufgeräumten, aber gut funktionierenden Windows 7 zu einem teils chaotisch wirkenden Betriebssystem umgestellt. Das verwirrt, da sich Metro-Einstellungen und Systemsteuerung beispielsweise in Teilen ergänzen. Der Nutzer muss also beides beherrschen, ob er will oder nicht, denn viele sinnvolle Änderungen finden sich nur in Metro. Und eines lässt sich ganz klar sagen: Microsoft hat es versäumt, die integrierten Desktopanwendungen wenigstens halbwegs an die Touchbedienung anzugleichen. Dabei arbeitet Microsoft schon seit Jahren daran. Die Abspielsoftware Zune ist ein gelungenes Beispiel dafür und hätte integraler Bestandteil von Windows 8 werden müssen.

Letztendlich kann sich der Nutzer mit fast allen Verschlechterungen arrangieren und stößt hier und da auf sinnvolle und hübsche Verbesserungen. Die meisten Neuerungen werden erst mit einem abschließenden Test mit aktueller Windows-8-Hardware ihr Potenzial zeigen können. Wir haben während des Tests sehr ausgiebig den Touchscreen benutzt, auch im Notebookbetrieb. Doch den hat nicht jedes Notebook und auch viele Desktops nicht.

So macht die neue Plattform aus Metro und Windows Runtime zwar den Eindruck, als habe sie Potenzial für die Zukunft. Allerdings wirkt das neue Windows, vor allem im Zusammenspiel zwischen Metro und dem klassischen Desktop, hakelig.  (ase)


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