Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kaspersky-lab-gauss-ist-staatliche-malware-zum-kontenraub-1208-93780.html    Veröffentlicht: 10.08.2012 16:16    Kurz-URL: https://glm.io/93780

Kaspersky Lab

Gauss ist staatliche Malware zum Kontenraub

Gauss hat in der Codebasis große Ähnlichkeiten mit Flame, dient aber zum Angriff auf Onlinebankkonten und auf Paypal. Laut Kaspersky Lab ist die Cyberwaffe Gauss ebenfalls staatlich finanziert.

Die Experten von Kaspersky Lab haben bei weiteren Untersuchungen von Flame eine neue Malware entdeckt. Mit Gauss gebe es erstmals eine Cyberwaffe mit den "typischen Charakteristiken eines Onlinebanking-Trojaners", erklärte das Unternehmen am 9. August 2012. Gauss ist nach Angaben von Kaspersky Lab staatlich finanziert. Die Cyberwaffe Flame wurde laut einem unbestätigten Bericht von den USA und Israel entwickelt.

Alexander Gostev, Chief Security Expert bei Kaspersky Lab, erklärte: "Gauss zeigt bei Design- und Codebasis verblüffende Ähnlichkeiten zu Flame. Das erleichterte uns dessen Entdeckung. Wie Flame und Duqu ist Gauss eine Plattform zur Cyberspionage, die allerdings etwas anders ausgerichtet ist. Wie Flame zielt auch Gauss auf Nutzer in bestimmten Ländern, allerdings mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Onlinebanking und Finanzdaten." Kaspersky hat den Gauss-Trojaner als Trojan-Spy.Win32.Gauss klassifiziert.

Angegriffen werden hauptsächlich Anwender im Libanon. Gauss ist für den Angriff auf libanesische Banken, darunter Bank of Beirut, EBLF, Blombank, Byblosbank, Fransabank und Credit Libanais, darüber hinaus aber auch auf die Citibank und den Zahlungsabwickler Paypal programmiert worden.

Gauss stiehlt vor allem Onlinepasswörter, Logindaten zum Onlinebanking, Cookies, die Browserhistorie und Konfigurationsdaten zu Systemeinstellungen der infizierten Computer. Es kann auch USB-Sticks infizieren, wobei dieselbe LNK-Schwachstelle wie bei Stuxnet und Flame ausgenutzt wird. Gauss speichert die gestohlenen Informationen auf dem USB-Stick in einer versteckten Datei. Die genaue Infektionsmethode ist noch nicht bekannt.

Die Architektur und Struktur der Module sowie die Codebasis und Kommunikationsformen mit den Command-&-Control-Servern (C&C) seien in vielen Punkten mit Flame vergleichbar, so der Bericht.

Das Hauptmodul haben die Programmierer nach dem deutschen Mathematiker und Physiker Carl Friedrich Gauß benannt. Auch weitere Komponenten tragen Namen berühmter Mathematiker, etwa die von Joseph-Luis Lagrange und Kurt Gödel.

Laut der Untersuchung dürfte Gauss etwa seit September 2011 aktiv sein. Entdeckt und kurz danach deaktiviert hatte Kaspersky Lab Gauss im Juni 2012. Als Folge befänden sich die noch aktiven Kopien von Gauss "derzeit in einer Art Schlafmodus, da von den C&C-Servern keine neuen Anweisungen mehr erfolgen", so Kaspersky. Seit Ende Mai 2012 wurden mehr als 2.500 Infektionen von Kaspersky Lab aufgezeichnet. Kaspersky erklärte: "Damit dürften die von Gauss infizierten Opfer in die Zehntausende gehen. Die Zahl der Infektionen liegt unter jener von Stuxnet, jedoch deutlich über der Zahl der Attacken durch Flame und Duqu."  (asa)


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