Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/asus-padfone-im-test-drei-in-einem-1208-93706.html    Veröffentlicht: 08.08.2012 12:15    Kurz-URL: https://glm.io/93706

Asus' Padfone im Test

Drei in einem

Mit dem Padfone hat Asus ein Smartphone vorgestellt, das auch als Tablet und Netbook genutzt werden kann. Praktisch ist vor allem die lange Akkulaufzeit, die mit der zusätzlich erhältlichen Dockingstation erreicht wird.

Das Padfone von Asus ist nicht nur ein Smartphone, sondern auch ein Tablet. Mit der beigelegten Dockingstation lässt es sich als Netbook nutzen. Alle drei Komponenten haben einen Akku, was eine Laufzeit von fast 12 Stunden ermöglicht. Diese Kombination soll das Smartphone auch als Arbeitsgerät etablieren.

Das Smartphone macht zunächst einen guten Eindruck. Die Abdeckung des Displays ist aus kratzresistentem Gorilla-Glas. Ein Metallrahmen verschafft dem Gehäuse zusätzliche Stabilität und ein hochwertiges Aussehen. Die rückseitige Abdeckung ist aus geriffeltem Hartplastik. Mit den Abmessungen von 128 x 65,4 x 13,55 Millimetern ist es etwas größer als das Galaxy S2, aber kleiner als das Galaxy Nexus von Samsung. Das Smartphone wiegt 129 Gramm und ist damit um 10 Gramm leichter als das etwas größere Galaxy Nexus.

Doppelkernprozessor

Auf der Gehäuserückseite gibt es eine 8-Megapixel-Kamera mit Autofokus und LED-Blitz, die einen BSI-Sensor verwendet. BSI (Back Side Illumination) steht für rückwärtige Beleuchtung und verspricht eine bessere Bildqualität. Auf der Vorderseite steht eine VGA-Kamera für Videotelefonate bereit. Im Smartphone steckt der Dual-Core-Prozessor Snapdragon S4 (MSM8260A Krait) von Qualcomm mit einer Taktrate von 1,5 GHz.

Das Smartphone wird es in drei Ausführungen geben: mit 16, 32 und 64 GByte Speicher. Ein Slot für Micro-SD-Karten hat das Smartphone ebenfalls. In unserer Ausführung konnten bis zu 32 GByte Speicher nachgerüstet werden. Ein Update der Android-Version 4.0.3 alias Ice Cream Sandwich soll auch die Nutzung von Micro-SD-Karten mit bis zu 64 GByte ermöglichen. Bislang ist das Update allerdings nur in Asien verfügbar. Wann es in Europa erhältlich sein wird, ist nicht bekannt. Der Arbeitsspeicher wird mit 1 GByte angegeben.

Probleme mit dem GPS-Modul

Auffällig ist das schwache GPS-Modul, das im Freien neben einem hohen Gebäude nur noch sporadisch funktionierte. An gleicher Stelle hatten wir mit dem Galaxy Nexus keine Probleme. Zudem befindet sich auf dem Homescreen die Wetterapplikation von Accuweather, die in Standardeinstellungen ihre Daten per GPS abgleicht und daher ständig auf das schwache Signal hinweist. Die Sprachqualität des Smartphones von Asus ist gut, der Empfang ebenfalls.

Per WLAN verbindet es sich nach 802.11 b/g/n mit dem Netzwerk. Bluetooth beherrscht das Padfone in Version 4.0. Das Mobiltelefon deckt die beiden UMTS-Frequenzen 900 und 2.100 MHz sowie alle vier GSM-Frequenzen ab und unterstützt GPRS, EDGE sowie HSDPA mit bis zu 21 MBit/s im Download sowie 5,76 MBit/s im Upload.

Dunkles Display

Das Amoled-Display des Smartphones hat eine Diagonale von 4,3 Zoll und eine Auflösung von 960 x 540 Bildpunkten, wobei die Navigationstasten dort integriert sind und damit einen Teil des Bildschirms in Anspruch nehmen. Das Display ist etwas zu dunkel. Es lässt sich bei Sonnenlicht draußen kaum nutzen, trotz maximaler Helligkeit. Die virtuelle Tastatur entspricht der des Android-Originals.

Zum Einlegen der SIM-Karte muss der Akku entfernt werden. Ein Steckplatz für eine Micro-SD-Karte ist vorhanden. Der Akku hat eine Kapazität von 1.520 mAh und liefert 5,62 Wattstunden. Bei der Videowiedergabe hielt das Smartphone über sechs Stunden durch, ein guter Wert trotz des schwachen Akkus. Wurde das Padfone intensiv als Navigationsgerät genutzt, war der Akku hingegen nach etwa vier Stunden leer.

Smartphone wird zum Tablet

Das Besondere am Padfone ist das mitgelieferte Tablet, in dem ebenfalls ein Akku integriert ist. Zusammen mit der zusätzlich erhältlichen Dockingstation erhöht sich die Kapazität um 6.600 mAh. Das reicht beispielsweise aus, um das Smartphone noch drei- bis viermal aufzuladen. Videos können bis zu acht Stunden lang wiedergegeben werden.

Das Tablet selbst lässt sich ohne das Smartphone nicht nutzen. Auf der Rückseite befindet sich ein Schacht, in den das Mobiltelefon eingeführt wird. Dafür befindet sich seitlich am Smartphone neben einem Micro-USB-Anschluss auch ein Micro-HDMI-Steckplatz, über den die Displayinformationen ausgetauscht werden. Über drei winzige Platinen an der gleichen Seite fließt der Strom.

Schneller Displaywechsel

Führungsschienen erleichtern das Einlegen des Smartphones in den Schacht. Es wird zum Schluss noch mit leichtem Druck an die Stecker angeschlossen. Mit einer Klappe wird der Schacht verschlossen. Die Klappe hat Aussparungen für die Kameralinse und den Blitz der 8-Megapixel-Kamera des Smartphones, die sich so auch im Tablet nutzen lässt. Außerdem gibt es auf der Vorderseite eine 1,3-Megapixel-Kamera für Videotelefonate.

Die von Asus als DDS bezeichnete Technologie sorgt für schnelles Umschalten zwischen dem Smartphone- und dem Tabletdisplay. Die geöffnete Anwendung auf dem Smartphone bleibt beim Einschieben in das Tablet erhalten und wechselt dabei ins Querformat.

Das Display des Tablets hat eine Auflösung von 1.280 x 800 Bildpunkten und ebenfalls eine Abdeckung aus Gorilla-Glas. Zusammen mit dem Smartphone wiegt es 848 Gramm. Das iPad 3 bringt hingegen nur 662 Gramm auf die Waage.

Mit Stift

Ansonsten hat es naturgemäß die gleichen Funktionen wie das Smartphone. Für die Bedienung der Touchoberfläche hat Asus noch einen kapazitiven Eingabestift beigelegt. Dieser kann zusätzlich als Mikrofon fürs Telefonieren verwendet werden. Dazu wird der Stift über Bluetooth mit dem Padfone verbunden. Aufgeladen wird er über einen Micro-USB-Stecker.

Mit der ebenfalls mitgelieferten Dockingstation lässt sich das Padfone als Netbook oder eine Art Tablet-PC mit Android nutzen. Das Tablet samt Smartphone wird dazu in eine Aussparung in der Dockingstation eingefügt, die eine Arretierung zum Fixieren hat. Einen ähnlichen Mechanismus hat auch das Asus Transformer.

Kippelig

Ist das Display so weit wie möglich aufgeklappt, liegt der Schwerpunkt zu weit hinten, so dass das gesamte Gerät leicht nach hinten kippen kann. Insgesamt wiegt die Dockstation samt Tablet und Smartphone 1.477 Gramm. Zum Vergleich: Das NC10-Netbook von Samsung wiegt 1.326 Gramm.

Wir haben eine Qwerty-Tastatur bekommen, in Deutschland soll die zusätzlich erhältliche Dockingstation mit einer Qwertz-Tastatur ausgeliefert werden. Allerdings hat Asus dazu noch keinen Termin genannt. Gut gelöst sind die in die Tastatur der Dockingstation integrierten Funktionstasten. In der Benutzerführung sind uns aber kleine Inkonsistenzen aufgefallen. Beispielsweise ist in der Symbolleiste ein Symbol für die Stummschaltung zu sehen, das aber in den darüber geöffneten Systemeinstellungen nicht auftaucht.

Tastatur-Navigation

In manchen Apps funktioniert die Interaktion zwischen Tastatur und Toucheingabe nicht. In der Zeitschriftenapplikation beispielsweise muss per Toucheingabe gescrollt werden, die Pfeiltasten funktionieren nicht. Im Standardbrowser wechseln die Pfeiltasten nur zwischen Links auf einer Webseite. Auch der integrierte Dateimanager funktioniert nur per Toucheingabe. Im Chrome-Browser hingegen können die Pfeiltasten zum Scrollen genutzt werden. Der Cursor des Touchpads reagiert oft träge. Er verändert auch nicht sein Aussehen, etwa wenn er sich über einem Link befindet.

In Googles Play Store gibt es zahlreiche teils kostenpflichtige Applikationen, mit denen auch Büroarbeit erledigt werden kann, etwa das Bearbeiten von Word- und Excel-Dateien. Asus legt dem Padfone die Applikation Supernote bei, mit der Notizen angelegt werden können. Bilder oder Audiodateien lassen sich dort ebenfalls einfügen. Auch handschriftliche Notizen lassen sich dort mit dem Stift eingeben.

Verfügbarkeit und Fazit

Einzeln - also ohne Tabletgehäuse - wird es das Padfone nicht geben. Die Dockingstation soll im regulären Handel für 150 Euro verkauft werden. Asus hat derzeit nicht vor, das Padfone auch gleich im Paket mit Docking-Tastatur anzubieten. Der Stift wird mit dem Smartphone samt Tablet ausgeliefert.

Seit dem 1. August 2012 verkauft die E-Plus-Marke Base das Padfone von Asus. Zunächst wird es das Gerät nur bei Base geben, später wird es dann auch allgemein im Handel verfügbar sein. Base verlangt für das Gerät in der 16-GByte-Ausführung ohne Vertrag 720 Euro. Asus selbst verkauft es mit 16 GByte später zum Listenpreis von 700 Euro.

Fazit

Die Kombination aus Smartphone und Tablet ist interessant, vor allem in Verbindung mit der Dockingstation. Da jedes der drei Teile über einen Akku verfügt, summiert sich die Akkukapazität durch das zusammenstecken deutlich. Erst dann ist das Padfone auch für Vielreisende sinnvoll. Allerdings bezahlt der Nutzer dafür mit einem Gewicht von insgesamt 1.477 Gramm. Netbooks wie das Samsung NC-10 wiegen zwar fast genau soviel, haben aber einen deutlich höhere Leistung.

Die Komponenten sind allesamt gut verarbeitet und machen einen hochwertigen Eindruck. Kleine Mängel wie der etwas unglückliche Schwerpunkt der Dockingstation kann man verschmerzen. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass das Tablet nicht genutzt werden kann, wenn das Smartphone mal kaputt geht.

Mit der geeigneten Software lässt sich das Padfone für die Büroarbeit nutzen und ist damit auch für Businesskunden interessant. Auch der Preis ist in Ordnung.

Insgesamt macht das Gerät trotz kleiner Macken einen soliden und hochwertigen Eindruck.  (jt)


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