Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-kde-sc-4-9-aktivitaeten-werden-benutzbar-1208-93566.html    Veröffentlicht: 01.08.2012 17:23    Kurz-URL: https://glm.io/93566

Test KDE SC 4.9

Aktivitäten werden benutzbar

Funktionen aus Plasma Active sorgen in KDE SC 4.9 für eine bessere Umsetzung des Aktivitäten-Konzepts. Die GUIs anderer neuer Funktionen sind jedoch teils zu kompliziert, dem KDE-Projekt fehlen eindeutig UI-Designer.

Von der fortschreitenden Integration von Qt Quick in KDE SC 4.9 merken Anwender so gut wie nichts. Denn die auf QML portierten Plasmoids verhalten sich wie ihre Pendants aus älteren Versionen. Spürbar ist jedoch der Einfluss der Tablet-Oberfläche Plasma Active auf die Desktop-Oberfläche. Vor allem die Aktivitäten sind nun intuitiver nutzbar und das Konzept für Anwender wohl einfacher zu verstehen.

Dateien mit Aktivitäten verknüpfen

Der KDE-Entwickler Marco Martin merkte nach einem Entwicklertreffen dieses Jahr an, dass die Aktivitäten der Plasma-Oberflächen ein Alleinstellungsmerkmal seien. Die Umsetzung des Konzepts war bisher jedoch eher wenig erfolgreich, denn selbst KDE-Nutzer verstehen nicht immer, wie Aktivitäten funktionieren. Mit KDE SC 4.9 ändert sich dies jedoch - zumindest ein wenig.

Sowohl der Dateimanager Dolphin als auch die Fensterverwaltung KWin arbeiten nun besser mit den Aktivitäten zusammen. So lassen sich sämtliche Dateien über ein Kontextmenü mit einer Aktivität verknüpfen. Auf die so zugeordneten Dateien lässt sich dank einem Kio-Slave zugreifen, zum Beispiel über Dolphin oder das Plasmoid Ordner-Ansicht.

Kio-Slave für Aktivitäten

Prinzipiell kann jede KDE-Anwendung über den Kio-Slave auf die verlinkten Dateien zugreifen. So wird es für Nutzer tatsächlich einfach, ihre Dateien entsprechend ihrer Aktivitäten zu ordnen - etwa Arbeit, Urlaub oder Hobby - statt wie bisher nach dem klassischen Ordnerprinzip. Leider funktionierte die Darstellung der Dateien im Ordner-Ansichts-Plasmoid bei uns nicht immer wie gewünscht.

Darüber hinaus integrieren die in KDE SC 4.9 enthaltenen Anwendungen den Kio-Slave nicht. Möglich wären zum Beispiel vordefinierte Verknüpfungen in Dolphin, Gwenview oder auch Amarok zu den Aktivitäten, ähnlich denen, die auf Ordner oder Geräte wie Wechselmedien verweisen. In KDE SC 4.9 müssen Nutzer diese mühsam in jeder Anwendung einzeln setzen.

Zusätzlich zu den Neuerungen, die der Kio-Slave erlaubt, wurde auch die Fensterverwaltung KWin um die Erkennung von Aktivitäten erweitert. Anwendungen und Fenster lassen sich nun eben auch nach den Aktivitäten sortieren, in denen sie ausgeführt werden. Der Fensterwechsler (Alt+Tab) sorgt entsprechend auch für einen Wechsel zwischen Aktivitäten.

Zudem können als Technikvorschau einzelne Aktivitäten mit EncFS verschlüsselt werden. Wegen einiger möglicher Probleme und Sicherheitsrisiken wurde aber noch auf ein User Interface (UI) verzichtet, wie Entwickler Ivan Čukić schreibt.

Komplizierte Import-UIs in KDE-PIM



Der E-Mail-Client KMail kann wie so viele KDE-Anwendungen bis auf jedes kleinste Detail den persönlichen Wünschen angepasst werden. Das gilt auch für die neu hinzugefügte Importfunktion für Einstellungen aus anderen E-Mail-Clients wie Thunderbird oder Evolution.

Nach dem Start des Assistenten und der Auswahl der Importquelle wird der Nutzer gefragt, ob alle Daten importiert werden sollen oder nur Teile wie Filter oder Kalender. Doch auch wenn ein Anwender den Import aller Daten auswählt, muss dieser jeden Teilimport per Klick starten und sich anschließend weiter durch den Dialog klicken. Das verursacht unnötig viele Klicks, stattdessen wäre ein Automatismus wünschenswert.

Zusätzlich zu dem Import-Assistenten hat KMail auch eine Funktion zum automatisierten Sichern von E-Mails erhalten, wobei der Intervall selbst festgelegt werden kann. Erfreulich ist auch, dass die Autovervollständigung für Kontakte beim Verfassen von E-Mails wieder funktioniert.

Kein einheitlicher Import des Google-Accounts

In KDE SC 4.9 sind auch zwei Akonadi-Module für Daten aus Google-Konten enthalten. Dadurch können einerseits Kalenderdaten und andererseits auch Kontakte integriert werden, die bei Google hinterlegt sind. Diese können direkt über das Akonadi-GUI, über die Kalenderanwendung oder auch das Adressbuch eingerichtet werden.

Umgesetzt haben die KDE-Entwickler die Integration des Google-Kontos jedoch nicht besonders intuitiv. Denn die Akonadi-Module für E-Mails, Kalender und Kontakte müssen separat voneinander eingerichtet werden, obwohl sie vom selben Google-Konto aus importiert werden. In Gnome 3 ist dies eleganter durch die Onlinekonten gelöst. Dort reicht die einmalige Einrichtung des Kontos, die Daten werden dann in die einzelnen Anwendungen eingepflegt.

Im kommenden Kubuntu 12.10, das auf KDE SC 4.9 setzen wird, werden Nutzer zusätzlich zu Google auch auf die Daten von Facebook zugreifen können.

Metadaten in Dolphin und mehr QML



Die in einer Datei enthaltenen Metadaten lassen sich nun im Dateimanager Dolphin anzeigen. Darüber hinaus stehen sie auch als Sortieroption bereit. Das heißt, verschiedene Musikstücke können zum Beispiel entsprechend ihrer Bewertung angeordnet werden, oder Fotos nach Hoch- und Querformat.

Zudem nutzt Dolphin nun nicht mehr das Benachrichtigungsmodul der Kontrollleiste, sondern setzt stattdessen auf ein eigenes kleines Feld in der Anwendung selbst, um den Nutzer zu informieren, beispielsweise bei Fehlermeldungen. Ebenfalls ist es wieder möglich, Dateien direkt in der Ansicht umzubenennen. Mit der für KDE SC 4.8 komplett überarbeiteten Anzeige Dolphins war dies nicht mehr möglich und zum Umbenennen wurde ein eigenes kleines Fenster geöffnet.

QML-Ports nicht spürbar

In KDE SC 4.8 wurde ebenso erstmals Qt Quick samt der Qt-eigenen Programmiersprache QML integriert. So stellt die QML-Bibliothek Plasma-Components ein API bereit, über das häufig genutzte Fensterobjekte wie Schaltflächen, Schieberegler oder Scrollleisten in eine Anwendung eingefügt werden können. Außerdem wurden erste Plasmoids auf QML portiert.

Mit dem aktuellen KDE SC 4.9 setzt sich diese Entwicklung fort. So sind nun weitere Plasmoids in QML geschrieben, etwa die Akkuüberwachung. Gleiches gilt sowohl für die Anzeige zum Hinzufügen neuer Plasmoids als auch für die Leiste zum Steuern der Aktivitäten oder das Dialogfenster zum Abmelden und Herunterfahren.

Ein weiterer QML-Port ist die Theme-Engine Aurorae 3. Diese soll es Entwicklern ermöglichen, Fensterdekorationen im QML zu schreiben. Anwender können so zum Beispiel die Effekte einer Dekoration im Einstellungsdialog testen, etwa die Farbwechsel beim Überfahren eines Knopfes mit der Maus. Mit den bisherigen Theme-Engines ist dies nicht möglich. Der Entwickler von Aurorae 3, Martin Gräßlin, schreibt außerdem in seinem Blog bereits von Plänen für die Engine für KDE SC 4.10. Darin soll ein QML-API weitere Funktionen für die Dekorationen bereitstellen.

Hilfreiche Kleinigkeiten und Fazit



Längst überfällig ist die Möglichkeit, in Okular erstellte Kommentare direkt im PDF-Dokument zu speichern. Bisher erfolgte die Speicherung separat. Der dazugehörige Bug-Report ist fast fünf Jahre alt und die Implementierung dieses Wunsches durch Fabio D'Urso ist sein erster Beitrag an das KDE-Projekt. Dank D'Urso lassen sich nun auch die Kommentare von PDFs richtig drucken. Einzig verschlüsselte PDFs lassen sich noch nicht im Dokument kommentieren, da die Bibliothek Poppler dies noch nicht unterstützt.

Bei längeren Präsentationen von Bildern müssen Anwender zum Wechseln der Ordner nun den Vollbildmodus in Gwenview nicht mehr verlassen. Darüber hinaus können Tabs des Terminal-Emulators Konsole per Drag-and-Drop vom Fenster gelöst und wieder hinzugefügt werden. Wird ein Ordner in der Konsole fallengelassen, kann über ein Kontextmenü zum Ort des Ordners gewechselt werden. Falls Konsole als Teil einer anderen Anwendung genutzt wird, zum Beispiel in Dolphin, wird der Host nun über Ordnerwechsel informiert, die per cd-Befehl erfolgen. Die Anzeige von Dolphin zeigt diesen Wechsel auch an.

Fazit

Die neuen Wizards in KMail und die Akonadi-Module für Google zeigen exemplarisch, dass dem KDE-Projekt nach wie vor Designer und Entwickler fehlen, die sich um die Nutzbarkeit von Anwendungs-GUIs bemühen. Das soll sich jedoch ändern.

Erfreulich hingegen ist, dass die Entwicklung der Desktop-Oberfläche neuen Schwung durch Plasma Active bekommt. Dies gilt bei KDE SC 4.9 vor allem für die Neuerungen bei dem Umgang mit Aktivitäten, welche aus Plasma Active stammen. Mit verlinkten Dateien und deren einfacher Anzeige, wird die Arbeit mit Aktivitäten endlich leichter zu verstehen. Es fehlen jedoch noch Anwendungen, die den neuen Kio-Slave standardmäßig integrieren, um Nutzern das mühsame Erstellen von Verknüpfungen zu ersparen.

Vom fortlaufenden Umstieg auf QML merken Anwender weiterhin zu gut wie nichts. Die bekannten Anwendungen verhalten sich auch nach einer Portierung nicht anders. Falls die Entwickler diesen Kurs beibehalten, werden Nutzer von dem Umstieg auf Qt 5 und der Portierung aller UI-Komponenten auf QML nicht besonders viel mitbekommen. Große Ärgernisse wie beim Umstieg von KDE 3 auf KDE 4 oder von Gnome 2 auf Gnome 3 bleiben den Nutzern damit in Zukunft hoffentlich erspart.

Der Quellcode von KDE SC 4.9 steht auf den Servern des Projekts zum Download bereit. Binärpakete verschiedener Distributionen sollten demnächst folgen.  (sg)


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