Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/neues-office-ausprobiert-office-2013-365-zum-anfassen-im-schnelldurchlauf-1207-93243.html    Veröffentlicht: 17.07.2012 16:04    Kurz-URL: https://glm.io/93243

Neues Office ausprobiert

Office 2013+365 zum Anfassen im Schnelldurchlauf

Golem.de hat das neue Office 2013 kurz ausprobiert. Sehr praktisch ist die Streaming-Funktion, denn der Anwender kann schon anfangen, Texte zu bearbeiten, bevor die Installation abgeschlossen ist. Verwirrend ist hingegen die Namenskonvention der neuen Office-Version.

Microsoft hat ein neues Office vorgestellt. Die Oberfläche wurde erneuert und das Bedienungskonzept sanft an Touchscreens angepasst. Uns interessierte, wie sich das neue Office anfühlt. In einem kurzen Test wollen wir zumindest die auffälligsten Änderungen durchgehen. Doch zunächst muss geklärt werden, wie das neue Office überhaupt heißt.

Namenskonfusion

Entwickelt hat Microsoft die neue Version von Office unter dem Namen Office 15. Das zeigt sich auch in der Build-Nummer unserer Installation: 15.0.4128.104. Die Programme in dem Paket nennen sich beispielsweise Word 2013 oder Excel 2013. Im MSDN ist der Download des Gesamtpakets als Office 2013 Professional Plus möglich. Der experimentierfreudige Endanwender lädt hingegen Office 365 herunter, also die Abovariante. Das verwirrt selbst uns und so genau wissen auch wir nicht, wie wir die neue Office-Version nun nennen sollen. Office 365+2013 geht jedenfalls nicht und Office 2378 klingt seltsam.

Wir haben den Eindruck, dass sich Marketingteam und Entwickler kurzfristig dazu entschlossen haben, Office 365 als Namen zu stärken und diese Entscheidung noch nicht in allen Bereichen durchgesetzt wurde. Office 365 steht für die verstärkte Integration im Online-Bereich. Wir haben die Testversion aber eher wie Office 2013 verwendet. Abgesehen von der Speicherung von Inhalten auf dem Skydrive haben wir die Online-Integration für diesen kurzen Test nicht benutzt.

Office kann schon während der Installation benutzt werden

Die Installation von Office 2013 alias Office 15 oder auch Office 365 geht sehr schnell vonstatten. Unser Testrechner ist allerdings auch mit einer SSD bestückt. Da die Installation als Online-Installation ausgeführt wird, ist hier eine gute Bandbreite aber entscheidender als die Geschwindigkeit der Festplatte oder SSD. In gut 15 Minuten war alles installiert. Doch der Nutzer kann schon nach wenigen Minuten mit der Arbeit anfangen. Die neue Streaming-Funktion zieht die notwendigen Inhalte einfach aus dem Netz, die zum sofortigen Arbeiten fehlen, noch während die Hauptinstallation im Hintergrund läuft. Das kostet natürlich etwas Zeit, funktionierte in der Vorschauversion aber erstaunlich gut.

Herkömmliche Installationspakete nur für Entwickler

Alternativ gibt es auch herkömmliche MSI-Pakete, wie Nutzer sie aus alten Office-Versionen kennen. Diese sind derzeit beispielsweise übers Technet oder MSDN verfügbar und können dann als Ganzes heruntergeladen werden. Eine MSI-Version unterstützt aber kein Streaming, und auch eine Parallelinstallation zu Office 2010 ist nicht erlaubt. MSI-Pakete brauchen einen Lizenzschlüssel. Für die normale Preview ist dieser nicht nötig.

Microsoft empfiehlt weiterhin die Installation der 32-Bit-Version von Office. Wir haben eine 64-Bit-Version installieren müssen, da auf unserem Testrechner noch Office 2010 als 64-Bit-Version installiert ist. Eine Mischung mit Altinstallationen von Office lässt Microsoft nicht zu. Office 2013 x86 kann aber auch auf einem 64-Bit-Windows installiert werden.

Unser Testsystem ist ein HP Elitebook 2740p mit Dual-Digitizer von Wacom. Wir können also neben der herkömmlichen Maus-/Tastaturbedienung im Notebookmodus auch einen Digitizer sowie den Touchscreen nutzen. Wir betrachten aber zunächst den normalen Anwendungsfall: das Tippen mit der Tastatur und das gelegentliche Anschubsen den Mauscursors.

Schrift erscheint nicht mehr einfach

Schon beim ersten Tippen fällt auf, dass das Geschriebene erstaunlich flüssig auf dem virtuellen Blatt Papier landet. Das liegt daran, dass der Text mit einer minimalen Animation erscheint. Auch der Cursor springt nicht einfach von A nach B, sondern macht in den meisten Fällen eine echte Bewegung. Das hat sogar Vorteile, da der Nutzer so eine Richtung der Cursor-Bewegung nahezu unbewusst wahrnimmt und ihn schneller wieder findet. Nur bei der Benutzung der Positionstasten (Pos1 und Ende) gibt es keine Bewegung. Der Cursor springt einfach - vielleicht ändert sich das bis zur finalen Version noch. Die Geschwindigkeit wird dadurch nicht beeinflusst und objektiv ändert sich eigentlich nichts. Uns gefällt diese Änderung aber, die Arbeit wirkt irgendwie angenehmer.

Die Ribbons versteckt Microsoft nun in dem Metro-Design standardmäßig. Das liegt sicher auch daran, dass moderne Notebooks in der Höhe mit 768 Pixeln spürbar weniger Platz bieten. Ribbons, Taskleiste und Statusleiste würden sonst zu viel Platz einnehmen. Wenn alles ausgeklappt wird, gehen über 200 Pixel in der Höhe an Nutzfläche verloren. Mit dem Vollbildmodus bei weiterhin sichtbarer Taskleiste reduziert sich das auf knapp unter 100 Pixel. Nutzer, die ihre Tastenkombinationen zur Formatierung und Auszeichnung von Textinhalten im Kopf haben, sind so im Vorteil. Wer Office 2013 unter Windows 8 nutzt, muss übrigens nicht befürchten, dass die Programmbestandteile wie Metro-Apps behandelt werden. Es sind ganz normale Anwendungen, die den alten Desktop benötigen, in der Taskleiste auftauchen und Kontextmenüs im gewohnten Umfang bieten. Damit fehlt aber auch das neue Radio-Menu in der normalen Variante.

Dass die Preview nur in englischer und spanischer Sprache zur Verfügung steht, ist nur ein geringer Nachteil, denn Office erkennt fehlende Korrekturhilfen und schlägt dann einen Download vor. Das deutsche Korrekturpaket ist gerade mal 20 MByte groß und nach einem Neustart funktioniert es dann auch. Die Installation ist aber nicht integriert. Der Nutzer muss noch per Hand im Browser das richtige Paket wählen (x86 oder x64) und die Installation von einem Dateimanager aus starten.

In der Theorie sollten die Wörterbücher auch in der Cloud verfügbar sein. Wir haben das in der Kürze der Zeit aber nicht getestet.

Office zum Anfassen

Microsoft verspricht mit der neuen Version nun eine bessere Unterstützung der Fingerbedienung sowie von Digitizern, also Stiften, die nicht einfach nur einen Zustand kennen, sondern auch über den Bildschirm schweben können - essenziell für den Ersatz einer Maus. Dass wir Office 2013 unter Windows 8 installiert haben, dürfte von Vorteil sein, weil das System besser auf Finger vorbereitet ist. Die neue Touchscreen-Tastatur gehört beispielsweise zu Windows 8 und nicht zu Office.

Microsoft hat dennoch an vielen Stellen gearbeitet und die Bedienung mit Fingern wurde erleichtert. So sind diverse Bedienungselemente größer geworden, was die Trefferwahrscheinlichkeit erhöht. Es fehlt aber so etwas wie eine Trefferzone und die intelligente Behandlung von Treffern neben den Schaltflächen, wie sie bei Smartphone-Betriebssystemen üblich ist. Eingeklappte Ribbons muss der Nutzer ziemlich genau treffen, selbst wenn sie groß genug sind. Die Elemente in der oberen linken Ecke sind weiterhin arg klein. Vielleicht ändert sich dies noch bis zur fertigen Version.

Zoomen ohne Ruckeln

Sehr flüssig ist nun die Unterstützung von Fingergesten. Das Zoomen ist keine ruckelige Angelegenheit mehr, wie es noch bei Office 2010 der Fall war, sondern schön sanft. Wie beim Browser wird die Anzeige erst in der Größe verändert und anschließend neu gerendert. Sehr angenehm ist auch das Navigieren durch die Seiten, beispielsweise in Word. Der neue Read Mode (Lesemodus) ist komplett Touchscreen-optimiert und es lässt sich wunderbar mit dem Finger durch die geschriebenen Seiten navigieren. Doch ausgerechnet mit einem Stift geschriebene Inhalte zeigt der Read Mode nicht an. Vielleicht reicht Microsoft mit der finalen Version diese Funktion noch nach.

Benutzer von Digitizern freuen sich über eine erweiterte Stiftunterstützung. Oder anders formuliert, Word 2013 beherrscht jetzt das, was Onenote schon seit Jahren bietet: die Erkennung der Rückseite eines Stifts. Dort befindet sich häufig die Fläche zum Löschen von Gezeichnetem. Früher musste der Nutzer noch händisch zwischen Stift und Radierer umschalten, außer er nutzte Onenote.

Metro-Apps als Kompagnon

Komplette Optimierung auf Tablets hat Microsoft so aber auch nicht hinbekommen, was wohl der Grund für Companion-Apps ist. Microsoft hat etwa eine Vorschau von Onenote MX vorgestellt. Diese Anwendung läuft als Metr- App, greift auf die Daten zu, die in der Cloud gespeichert sind, und ist mit einem neuen kreisrunden Kontextmenü an Touchscreens angepasst worden. Das neue Kontextmenü würde sich auch in den Desktop-Anwendungen gut machen, allerdings konnten wir auf die Schnelle keine Möglichkeit finden, dieses Kontextmenü zu aktivieren.

Fazit und Verfügbarkeit

Die Vorschau von Office 2013 ist unter office.com/preview verfügbar. Wann die fertige Version in den Handel kommt, ist noch nicht bekannt. Wer Office 365 erwirbt, bekommt laut Microsoft auch die Mac-Version dazu, von der es aber noch keine Vorschau gibt. In der Office-Preview-FAQ gibt Microsoft die Voraussetzungen an. Die neue Version benötigt mindestens Windows 7. Unter Windows XP und Windows Vista lässt sich das Paket laut Microsoft nicht installieren.

Fazit

Der erste Eindruck von Office 15 alias 2013 alias 365 ist gut. Die Integration in die Metro-Welt von Windows 8 gefällt uns prinzipiell, auch wenn Windows-8-Bedienelemente in den Ecken mit denen von Office kollidieren. Die Anpassung an Touchscreens könnte besser sein, trotzdem ist schon eine deutliche Verbesserung zu erkennen. Man merkt der Software noch ihr frühes Entwicklungsstadium an, aber der problemlose Umgang mit der Streaming-Option hat uns überrascht. Wir würden uns für die fertige Version noch die gleichzeitige Installation der Metro-Anwendungen wünschen. Wer von Onenote MX noch nicht gehört hat, wird kaum auf die Idee kommen, die Anwendung aus dem Windows Store zu installieren.

Verglichen mit Office 2010 sind vor allem im Bedienungsbereich Änderungen zu finden - die gefallen uns gut. Alles wirkt flüssiger, selbst das Tippen, und das neue Design fügt sich gut in Windows 8 ein. Wir konnten Office 2013 noch nicht mit Windows 7 testen, gehen aber davon aus, dass es zumindest optisch ein wenig wie ein Fremdkörper wirkt.  (ase)


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