Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/http-2-0-facbook-twitter-und-akamai-unterstuetzen-spdy-1207-93234.html    Veröffentlicht: 17.07.2012 10:26    Kurz-URL: https://glm.io/93234

HTTP/2.0

Facebook, Twitter und Akamai unterstützen SPDY

Googles HTTP-Nachfolger SPDY bekommt weitere prominente Unterstützer: Facebook, Twitter und Akamai unterstützen das von Google entwickelte Protokoll, wollen es aber weiter verbessern. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass SPDY die Grundlage für HTTP/2.0 wird.

Facebook will sich aktiv an der Entwicklung von HTTP/2.0 beteiligen. Das hat Facebook-Entwickler Doug Beaver in der Mailingliste der zuständigen IETF-Arbeitsgruppe angekündigt. Dabei unterstützt Facebook das von Google entwickelte Protokoll SPDY in Version 2 und erhofft sich dank der bereits vorhandenen Browserunterstützung durch Chrome und Firefox direkte Verbesserungen, sobald Facebooks eigene SPDY-Implementierung fertig ist. Das aber soll nicht mehr lange dauern, denn die Arbeiten sind fast abgeschlossen.

Facebook erwartet, dass der HTTP-Nachfolger es ermöglicht, schnellere und sicherere Webdienste zur Verfügung zu stellen. Dazu sollte HTTP/2.0 Multiplexing und eine grundsätzliche Verschlüsselung vorsehen, ohne zusätzliche Latenz genutzt werden können, eine Flusskontrolle je Request und Server Push unterstützen. Nicht alle diese Voraussetzungen erfüllt SPDY, weshalb Facebook auf die Weiterentwicklung des Protokolls setzt, sich daran aber beteiligen will.

So plädiert Facebook dafür, TLS zur Verschlüsselung zu nutzen und die Verwendung von HTTP/2.0 in der TLS-NPN-Erweiterung zu kommunizieren und nicht im Upgrade-Header von HTTP/1.1, da dies zu unnötige Verzögerungen führe.

Beim Thema Server-Push setzt Facebook bislang auf Long-Polling, da der Ansatz mit vielen Browsern kompatibel ist. Ideal sei diese Lösung aber nicht, weshalb Facebook dafür plädiere, einen standardisierten Server-Push-Mechnanismus für HTTP/2.0 zu entwickeln. Um auch Chats damit realisieren zu können, sollte dieser Mechanismus ohne Verzögerungen arbeiten.



Facebook hält SPDY derzeit für den besten Vorschlag

Von den derzeit vorliegenden Vorschlägen erfüllt SPDY diese Ansprüche aus Sicht von Facebook am besten, weshalb Facebook SPDY demnächst einsetzen will, sowohl zur Kommunikation mit Nutzern als auch zur Vernetzung seiner Webserver untereinander. Zwar schreibt SPDY keine Verschlüsselung vor, die bestehenden Implementierungen setzten es aber auf Basis von TLS um, so dass die Kommunikation grundsätzlich verschlüsselt wird.

Zudem spricht die Unterstützung durch Chrome und Firefox für SPDY, da es dadurch schon jetzt von vielen Nutzern verwendet werden kann. Microsofts Vorschlag HTTP Speed+Mobility will Facebook hingegen nicht umsetzen, da hier die Verschlüsselung und Server Push fehlen und Abfragen unnötig verzögert werden.
Auch das unter Beteiligung vom Varnish Cache Project vorgeschlagene Network-Friendly HTTP Upgrade lehnt Facebook als HTTP-Nachfolger ab. Es sei unvollständig und es gebe keine Client-Implementierungen.

Twitter setzt SPDY bereits ein

Auch Twitter favorisiert SPDY und setzt es bereits ein. Seine Implementierungen für SPDY v2 und v3 hat Twitter derweil als Open Source veröffentlicht.

Dabei stellt Twitter vor allem zwei Aspekte in den Mittelpunkt: Multiplexing und Verschlüsselung. Beide sehe Twitter durch SPDY abgedeckt, wünsche sich aber in Sachen Verschlüsselung noch Verbesserungen, schreibt Twitter-Entwickler Jeff Pinner.



SPDY beseitigt nicht alle Probleme

Akamai sieht SPDY zwar kritisch, unterstützt das Protokoll aber ebenfalls. Akamai betont, SPDY beseitige keinesfalls alle Flaschenhälse, und legt in einer Untersuchung dar, dass SPDY im Vergleich zu unverschlüsseltem HTTP kaum Vorteile in Sachen Geschwindigkeit bringt.

Varnish lehnt SPDY ab

Das Varnish Cache Project, das mit Varnish einen populären HTTP-Proxy entwickelt, lehnt SPDY hingegen ab. Sollte die Arbeit an HTTP/2.0 zu einem Protokoll mit breiter Akzeptanz führen, wird es künftig wohl auch von Varnish unterstützt, zum Early Adopter werde man angesichts der aktuellen Vorschläge aber nicht, heißt es in einer E-Mail von Varnish-Autor Poul-Henning Kamp. Kamp ist mit keinem der drei vorliegenden Vorschläge zufrieden, was ausdrücklich auch den Entwurf für Network-Friendly HTTP Upgrade einbezieht, an dem er selbst mitgewirkt hat.

Er habe das Gefühl, alle Vorschläge lösten Probleme von gestern, statt zu versuchen, ein Protokoll zu entwickeln, das für die nächsten 20 Jahre genutzt werde. Zudem leide jeder Vorschlag an einem gewissen Tunnelblick auf die Probleme des eigenen Lagers. So geht Kamp davon aus, dass keiner der drei Vorschläge das Zeug hat, HTTP/1.1 in der Praxis zu ersetzen.

Geht es nach Kamp, müsste HTTP/2.0 Cookies abschaffen und stattdessen eine Mischung aus Session und Identität integrieren. Würde HTTP/2.0 dafür sorgen, dass ein Anbieter automatisch datenschutzkonform ist, wäre das ein großer Vorteil. Zudem sollte die Rolle von HTTP-Routern, wie Kamp Load-Balancer nennt, stärker berücksichtig werden. Gerade SPDY gehe hier mit seiner Header-Kompression den falschen Weg. Kamp plädiert dafür, bei HTTP/2.0 komplett bei null zu beginnen.

Dennoch ist die Unterstützung für SPDY schon recht groß: Außer von Google wird SPDY unter anderem von Mozilla, Facebook, Twitter und Akamai unterstützt. Microsofts Vorschlag für HTTP/2.0 setzt im Kern auf SPDY auf, so dass hier wohl keine unüberbrückbaren Gräben bestehen. Zudem hat SPDY den Vorteil, dass es bereits von Millionen Nutzern verwendet werden kann, da Chrome und Firefox es bereits unterstützen.  (ji)


Verwandte Artikel:
mod_spdy: SPDY-Modul für Apache ist reif für den Einsatz   
(18.04.2012, https://glm.io/91238 )
HTTP Speed+Mobility: Microsoft will eigenen Entwurf für HTTP/2.0 vorlegen   
(26.03.2012, https://glm.io/90730 )
Webserver: Nginx unterstützt SPDY 2   
(15.06.2012, https://glm.io/92566 )
Mozilla: Firefox 13 steht zum Download bereit   
(04.06.2012, https://glm.io/92275 )
Mozilla: Schneller surfen mit Firefox-13-Beta   
(27.04.2012, https://glm.io/91444 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/