Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/linux-kernel-3-5-ist-fertig-1207-93199.html    Veröffentlicht: 22.07.2012 07:43    Kurz-URL: https://glm.io/93199

Linux

Kernel 3.5 ist fertig

Linus Torvalds hat den Linux-Kernel 3.5 freigegeben. Ein neuer Scheduler soll den Netzwerkverkehr weiter optimieren. Hinzugekommen sind auch neue Grafiktreiber.

Linus Torvalds hat Linux 3.5 freigegeben. Er hebt vor allem den Paket-Scheduler namens Controlled Delay alias Codel hervor, der Netzwerkpakete mit einem neuen Algorithmus von Kathleen Nichols und Van Jacobson verwalten soll. Darauf basiert auch der alternative Scheduler "Fair Queue Codel AQM".

Damit soll der Linux-Kernel ein weiteres Werkzeug gegen den sogenannten Bufferbloat erhalten. Bufferbloat wird durch zu großen Datenpuffer für Netzwerkpakete verursacht und führt zu hohen Latenzzeiten und im schlimmsten Fall zu Verbindungsabbrüchen und verlorenen Paketen. Das Problem wurde bereits in früheren Kernel-Versionen von Entwickler David Getty erkannt. Seit Linux 3.3 wurden zahlreiche Lösungen implementiert, die Bufferbloat bekämpfen sollen.

Die Google-Mitarbeiterin Nandita Dukkipati hat die TCP-Stack-Erweiterung Early Retransmit eingereicht, die einen erneuten Verbindungsaufbau nach zu vielen Paketverlusten beschleunigt. Sie erweitert seine Proportional Rate Reduction, mit der die Sendegeschwindigkeit besser an die Kapazitäten der Gegenstelle und dazwischenliegende Router angepasst werden kann. Proportional Rate Reduction wurde bereits in Linux 3.2 integriert. Außerdem kann der Kernel TCP-Verbindungen reparieren, die nach einem Umzug von Linux-Containern auf einen anderen Host entstehen können. Ein entsprechender Artikel auf LWN.net beschreibt die als TCP Connection Repair bezeichnete Funktion.

NFC-Geräte können künftig über das Host Controller Interface (HCI) angesprochen werden. Das soll die Entwicklung von Treibern erleichtern. Das neue Backend übersetzt die NFC-Kern-API in HCI-kompatible Kommandos und Ereignisse.

Eine Liste neuer Funktionen und unterstützter Netzwerkgeräte findet sich auf kernelnewbies.org.

Grafiktreiber

Linux 3.5 enthält zahlreiche neue Treiber für Grafikchipsätze, darunter für die aus der 2000er Serie von Aspeed Technologies und der G200-Serie von Matrox, die beide hauptsächlich in Servern zum Einsatz kommen. Der in Qemu verwendete Cirrus-Chipsatz unterstützt künftig ebenfalls die Kernel Mode Settings (KMS), die für eine automatisch erkannte Auflösung an der Konsole sorgen.

Zwar werden Intels Haswell-Grafikchipsätze erst ab 2013 auf den Markt kommen, in Kernel 3.5 werden die Treiber jedoch bereits aktiviert. Sie müssen aber noch optimiert werden. Außerdem gibt es erste Treiber für Intels Valleyview-Chipsätze, die in kommenden Atom-SoCs die bislang verwendeten PowerVR-Chips ersetzen sollen. Der Treiber für Intels GMA500, genannt Poulsbo, unterstützt die Auflösung 1080p.

Der Radeon-Treiber hat eine bessere Unterstützung für HDMI-Audio sowie weitere Verbesserungen bei der Speicherverwaltung. Gleichzeitig hat AMD die Unterstützung für Radeon-Chipsätze 2000, 3000 und 4000 aus seinem offiziellen Catalyst-Treiber mit der aktuellen Version 12.4 entfernt. Sie werden künftig nur noch als Legacy-Treiber unterstützt. Linux-Anwender, die Grafikkarten mit solchen Chipsätzen verwenden, müssen künftig auf die Open-Source-Treiber des Linux-Kernels zugreifen oder auf aktuellere Updates verzichten.

Der Nouveau-Treiber kann auf die Hardwarebeschleunigung der aktuellen Kepler-Chips der Reihe Geforce GTX 6xx von Nvidia zugreifen, die in Notebooks und Desktop-Grafikkarten zum Einsatz kommen. Allerdings benötigt der Nouveau-Treiber noch den Binär-Blob, der aus dem Treiber von Nvidia extrahiert werden muss.

Im Linux Kernel 3.4 wurde bereits eine erste Version des Frameworks Prime/DMA-Buf implementiert. Mit Prime soll der Datentausch zwischen verschiedenen Grafikkernen effizienter werden, etwa bei Hybrid-Grafiklösungen wie Optimus von Nvidia. Im aktuellen Kernel wurde die Unterstützung für Prime auf die Treiber Nouveau, Radeon, i915, Udl, Exynos und Omap ausgeweitet. Der Xserver 1.13 soll Prime erstmals unterstützen und im September 2012 erscheinen. Der VGA-Switcheroo-Treiber zum Umschalten zwischen zwei Grafikkernen schaltet künftig auch die Audio-Ausgabe über HDMI um.

Dateisysteme

An die meisten Metadaten des Ext4-Dateisystems können künftig CRC32-Checksummen angehängt werden. Sollten die Prüfsummen nicht übereinstimmen, so lässt sich das Dateisystem nicht mehr einbinden, um Daten vor der Zerstörung zu schützen. Sollte das während des laufenden Betriebs passieren, hängt der Kernel das Dateisystem als nur lesbar ein.

Noch muss diese Option explizit beim Erstellen des Dateisystems aktiviert werden. Denn die Funktion lässt sich gegenwärtig nur eingeschränkt nutzen. Ältere Versionen des Linux-Kernels binden solche Ext4-Dateisysteme standardmäßig nur lesend ein. Außerdem wird die Funktion noch nicht von den Dateisystemwerkzeugen E2fsprogs unterstützt. Entwickler Ted T'so will die Funktion auch noch auf mögliche Fehler prüfen.

Weniger Neuigkeiten hat das weiterhin als experimentell eingestufte Dateisystem Btrfs in der aktuellen Kernel-Version erfahren. Immerhin soll die Writeback-Funktion nochmals Optimierungen erhalten haben, die Latenzzeiten beim Schreiben von Metadaten beseitigen soll. Außerdem zählt Btrfs Datenfehler (Failure Tracking).

Linux 3.5 exportiert Datenträger über den sogenannten Firewire Target Disk Modus. Damit können sie unter Mac OS X als Firewire-Geräte eingebunden und genutzt werden. Dazu dient das neue Modul FireWire SBP-2 Target, das auf das Framework SCSI Target zugreift.

Security

Google nutzt das Sicherheitsframework des Kernels Seccomp, um den Flash-Player in seinem Browser Chrome abzusichern. Mit Filterregeln können Applikationen daran gehindert werden, bestimmte Funktionen auszuführen, etwa das Schreiben auf Datenträger. Diese Regeln können künftig in der gleichen Syntax geschrieben werden, wie sie der Berkeley Paket Filter nutzt. Seccomp wurde jüngst auch im Init-System Systemd umgesetzt.

Eine Beschreibung weiterer Änderungen findet sich auf der Webseite linuxnewbies.org. Dort gibt es auch eine Liste aller neuen Treiber oder neuen Funktionen, die bestehende Treiber erhalten haben. Der Quellcode des aktuellen Kernels ist unter kernel.org erhältlich.  (jt)


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