Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/mieterbund-und-verbraucherschuetzer-grundverschluesselung-fuer-kabelfernsehen-ist-wegelagerei-1207-93129.html    Veröffentlicht: 11.07.2012 14:54    Kurz-URL: https://glm.io/93129

Mieterbund und Verbraucherschützer

Grundverschlüsselung für Kabelfernsehen ist "Wegelagerei"

Die Bundesverbraucherzentrale nennt die Grundverschlüsselung frei empfangbarer TV-Programme "moderne Wegelagerei" und fordert zusammen mit Mieterbund, Wohnungsunternehmen und der ZAK-Behörde ein Ende dieser Praxis.

Mieterbund, Wohnungsunternehmen und Verbraucherschützer fordern, die Grundverschlüsselung des Digitalempfangs freier privater TV-Programme aufzugeben. Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (VZBV), erklärte: "Es ist dreist, frei empfangbare TV-Programme erst zu verschlüsseln, um dann für die Entschlüsselung Geld zu verlangen. Das ist moderne Wegelagerei."

Insgesamt 68 Prozent der Zuschauer, die bereits hochauflösendes Fernsehen nutzen, wünschen sich laut TNS Infratest mehr Programme in der erhöhten Auflösung. HD-Signale können per Satellit, Kabel oder als IP-TV zum Fernseher gelangen. DVB-T liefert in Deutschland kein HDTV. Die Februar-2012-Ausgabe der Zeitschrift Test berichtete, dass sich 2011 fast 450.000 Haushalte vom Kabelfernsehen verabschiedet haben. Die meisten wechselten zum Satellitenempfang, weil sie so die monatliche Kabelgebühr sparen und mehr HD-Sender empfangen.

"Es ist höchste Zeit, durch die Aufhebung der Verschlüsselung von Free-TV-Programmen im Kabel die Ungleichbehandlung gegenüber dem freien Empfang dieser Sender über Satellit zu beenden. So können die freiwillige, verbraucherfreundliche Nutzung digitaler Programme im Kabel beschleunigt werden und auch Wohnungsunternehmen aktiv für einen Umstieg werben", sagte Axel Gedaschko, Chef des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW).

Lukas Siebenkotten, Direktor des Deutschen Mieterbundes (DMB), wandte sich dagegen, dass Digital-TV im Kabelnetz "verschlüsseltes Bezahlfernsehen wird." Die zusätzlichen Kosten für die Entschlüsselung sind für die Kabelkunden zudem oft schwer zu erkennen, weil sie zum Teil im Preis der üblichen Digitalpakete verpackt seien.

Am 6. Juli 2012 hatte die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Medienanstalten (ZAK) den Verzicht auf die Grundverschlüsselung privater Free-TV-Programme in SD-Qualität als Impuls für die weitere Digitalisierung des Fernsehempfangs in Deutschland bezeichnet. "Grundlage der Beendigung der analogen Satellitenverbreitung und des erfolgreichen Umstiegs am 30. April 2012 auf diesen Übertragungsweg war, dass private Programme in SD-Qualität digital nicht verschlüsselt werden und deshalb mit jedem digitaltauglichen Empfänger ohne Zusatzkarte und Zusatzentgelte genutzt werden können, ebenso wie bis dahin die analogen Programme", erklärte die Behörde.

Der Kabelnetzbetreiber Unitymedia hatte im Zuge der Übernahme von Kabel Baden-Württemberg die Beendigung der Grundverschlüsselung privater Free-TV-Angebote zugesagt. Die ZAK appellierte an alle Kabelnetzbetreiber, sich dieser Haltung anzuschließen.

Nachtrag vom 11. Juli 2012, 17:32 Uhr

Kabel-Deutschland-Sprecher Marco Gassen sagte Golem.de: "Die Grundverschlüsselung ist derzeit Bestandteil aller unserer Verträge mit privaten Programmanbietern, Ausnahmen bestehen nur für ARD/ZDF und lokale Programme. Die privaten Sender legen nach wie vor Wert darauf, dass das Signal geschützt zum Endkunden gelangt." Neben Signal- und Kopierschutz sprächen auch Gründe des Jugendschutzes für eine Verschlüsselung. Schließlich helfe die Grundverschlüsselung dem Unternehmen, das Problem des Schwarzsehens besser in den Griff zu bekommen.  (asa)


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