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Mac OS X 10.8 Mountain Lion im Test

Apples Desktop-iOS mit komplizierter iCloud

Mac OS X 10.8 alias Mountain Lion steht zum Download bereit. Die mittlerweile neunte Version bringt viele Kleinigkeiten und eine deutliche Annäherung an iOS. Sehr gut gefällt uns die neue Möglichkeit, Time-Machine-Backups auf mehrere Datenträger zu verteilen.

Vor gerade mal einem Jahr hat Golem.de Mac OS X 10.7 alias Lion getestet, schon gibt es eine neue Version von Apples Betriebssystem mit dem Namen Mountain Lion und der Versionsnummer 10.8. Mehr als 200 Neuerungen listet Apple auf. Viele sind recht interessant.

In dem einen Jahr hat Apple viel umgebaut und dabei die Vorteile, aber auch die Nachteile von iOS auf den Desktop gebracht. Zudem gibt es einige neue Programme, die ebenfalls in der iOS-Welt ihren Ursprung haben und von Apple zu den 200 Neuerungen gezählt werden.

Die Änderungen sind vor allem bei den Programmen recht tiefgreifend. Wer bei der neuen Version von Apple Mail nicht aufpasst, kann schnell seine E-Mails löschen. Vor allem E-Mail-Anfängern könnte das passieren, was wir auf Seite vier näher betrachten.

Zudem werden soziale Netzwerke stärker integriert, derzeit allerdings nur Twitter. Die Facebook-Integration will Apple nachliefern. Hier wird vor allem spannend, inwiefern Apple Facebook die ungefragte Manipulation von Kontaktdaten auf den Rechnern erlaubt, mit der das soziale Netzwerk in Verruf geraten ist.

Unfertiger Berglöwe und Befürchtungen zur Facebook-Integration

Nicht alles, was Apple für OS X auf seiner Mountain-Lion-Webseite bewirbt, ist auch fertig. So fehlt etwa noch die Integration von Facebook. Die gibt es derzeit nur als Vorschau für Entwickler. Erst im Laufe des Herbsts 2012 soll das Modul als Aktualisierung nachgereicht werden. Derzeit steht die Facebook-Integration nur registrierten Entwicklern als Entwicklervorschau zu Verfügung.

Die tiefgreifende Integration von Facebook in ein Betriebssystem sehen wir kritisch. So hat die Firma vor kurzem nicht nur in den Nutzerprofilen eigenmächtig und ohne Rücksprache E-Mail-Adressen ausgetauscht, sondern sogar die Einträge der Adressbücher der Nutzer verändert. Betroffen waren einige Nutzer, die Facebook zur Synchronisation der Kontakte verwenden. Laut Facebook handelte es sich bei der Synchronisationspanne um einen Fehler. Die Manipulation der Absenderadresse des Facebook-Nutzers war hingegen Absicht.


Facebook und Arbeitsrechner


Wer sich jetzt vorstellt, dass ein Mac auch ein Arbeitsrechner ist, begibt sich auf einen gefährlichen Weg. Eine unkontrollierbare Facebook-Integration in Mac OS X wäre ein K.o.-Kritierium für den geschäftlichen und in vielen Fällen auch privaten Einsatz.

Wer vorsichtig sein will, aktiviert die Facebook-Integration lieber gar nicht, wenn sie verfügbar ist.

Ebenfalls unfertig ist nach wie vor die iCloud, denn sie kann immer noch nicht alle Dienste ablösen, die Apple zum Teil vor Jahren etabliert hat. So gibt es beispielsweise immer noch kein Äquivalent zu iWork.com. Apple propagiert zwar, dass iCloud den iWork-Dienst ablöst, aber wir haben weiterhin keine Möglichkeit gefunden, unsere Dokumente über den Desktop dort bereitzustellen. Zudem fehlt die Möglichkeit des kollaborativen Arbeitens, auch wenn das im Falle von iCloud nur das Anheften von Notizen war.

Trotzdem hat Apple viel an der iCloud getan. Sie ist die Grundlage für Anwendungen der Zukunft. Allerdings bedarf es einer Anpassung der Anwendungen für die Nutzung in der iCloud und selbst Apples Anwendungen sind noch nicht alle iCloud-tauglich.

Die iCloud wird ausgebaut, die Softwareaktualisierung abgebaut

Mit dem Ausbau des Datendienstes iCloud macht Apple die Nutzung verschiedener Apple-Geräte ein Stück weit einfacher. OS X und iOS nutzen bereits jetzt in vielen Bereichen eine gemeinsame Datenbasis, wie etwa bei den Bookmarks oder gar den Kontakten.

Neu hinzugekommen ist die Synchronisierung offener Webseiten. Apple nennt das iCloud Tabs. Dafür gibt es ein eigenes Symbol in Safari. Ein Klick darauf zeigt verschiedene offene Tabs den jeweiligen Geräten zugeordnet an. Mobile Geräte können das aber erst ab iOS 6. Das erinnert an die Art und Weise der Synchronisation mit Googles Chrome-Browser oder auch Firefox, der diesen Dienst schon länger anbietet. Die neue Version 6 von Safari war in unserem Test mit dem Goldmaster allerdings deutlich instabiler als die Vorgänger. Abstürze gab es ein- bis zweimal pro Arbeitstag.

Dokumente können jetzt ebenfalls in die iCloud verschoben werden. Das ist sozusagen ein Ersatz für die alte iDisk. Das neue System ist einerseits einfacher, andererseits aber vor allem für erfahrene Anwender komplizierter. Ein Beispiel verdeutlicht das ganz gut: Wer die Vorschauanwendung öffnet - ohne Datei -, sieht in der Ecke ein Wolkensymbol. Wird darauf geklickt, kann der Anwender in das Fenster beliebige Dateien hineinschieben oder sie öffnen, sofern die Vorschau den Dateityp beherrscht. Das ist sehr transparent und übersichtlich. Allerdings auch einschränkend, denn der Nutzer kann beispielsweise nicht einfach ein Disk Image so in die iCloud verschieben, da die Vorschau dieses Format nicht öffnen kann.

Disk Images öffnet normalerweise der Finder, doch der hat keine Möglichkeit, Dateien in der iCloud abzuspeichern. Zudem fehlt im Finder eine Möglichkeit, in der iCloud abgelegte Dateien vernünftig anzuschauen. Das Prinzip ist nämlich, dass jede Anwendung ihren eigenen Platz in der iCloud hat. Das ist vergleichbar mit dem Speicherplatz auf iOS-Geräten. Die Nachteile zeigen sich dann bei Dateien, die mehrere Anwendungen öffnen können. Wer unter iOS etwa Videos im VLC-Player speichert, kommt über eine andere Anwendung an diese nicht heran.

Es gibt aber eine kleine Ausnahme. Unter "Alle meine Dateien" tauchen iCloud-Dateien auf. Allerdings ohne jeden Hinweis darauf, dass die Daten in der iCloud sind. Erst mit einem Rechtsklick auf die Dateien ist der Ort ersichtlich. Erfahrene Nutzer sollten die Statusleiste im Finder einblenden, so lässt sich der Speicherort schneller herausfinden.

Inwiefern das auch unter Mac OS X zu befürchten ist, ist unklar, da die Anzahl der iCloud-kompatiblen Anwendungen noch sehr klein ist. Bereits jetzt können wir aber sagen, dass in der iCloud der Vorschauanwendung abgelegte iWork-Dokumente nicht direkt in iWork geöffnet werden können.

Die iCloud ist damit vorerst keine Ablösung für Dienste wie etwa Dropbox oder auch die ersatzlos gestrichene iDisk von Apple.

Speichern können Anwendungen in der iCloud nur, wenn sie darauf vorbereitet sind. Die einfache Textanwendung und die Vorschau können das beispielsweise. Safari hingegen kann Webseiten nicht in der iCloud, sondern nur lokal speichern. Dafür werden aber Tabs oder die Bookmarks dort abgelegt. Hier zeigt sich eine gewisse Inkonsistenz. Apple hätte zudem auch einfach einen generischen Ablagepunkt im Betriebssystem definieren können, dann könnten auch Altanwendungen einfach den Speicher im Netz nutzen. So einfach will es Apple den Anwendern aber grundsätzlich nicht machen.

Das zeigt sich auch an der Übersicht über die gespeicherten Dokumente in der iCloud: Die gibt es in den Systemeinstellungen. Dort sieht der Nutzer dann, welche Anwendung welche Daten beherbergt. Zudem können die Daten dort gelöscht werden. Hinzufügen oder gar Sichern der Daten ist in den Systemeinstellungen allerdings nicht vorgesehen. Die iCloud ist also überraschend kompliziert in der Anwendung, sobald der Nutzer sich damit etwas beschäftigt. Es erinnert an die Art und Weise, wie iOS seine Dateien speichert.

Verschwunden ist die alte Softwareaktualisierung. Der Schritt deutete sich schon vorher an. Zunehmend wurden Apple-Anwendungen über den Mac App Store aktualisiert und die alte Softwareaktualisierung nur noch für Kernkomponenten des Betriebssystems und Altanwendungen verwendet.

Mit dieser unnötigen Trennung macht Apple Schluss. Auch Aktualisierungen für das Betriebssystem werden nun über den Mac App Store eingespielt. Der alte Menüpunkt im System zur Softwareaktualisierung ruft nun den Mac App Store automatisch auf. In der Praxis ließ sich die Zusammenführung der Aktualisierungsmechanismen nur bei den Entwicklungsversionen testen. Apple machte ausgiebig Gebrauch von dieser Funktion.

Safari und Mail wurden deutlich überarbeitet

Apples Mailprogramm setzt jetzt, ähnlich wie der Thunderbird-Ableger Postbox, E-Mails aus verschiedenen Boxen zusammen. Wer beispielsweise eine E-Mail in seine Inbox bekommt sowie in einen fremdabonnierten IMAP-Ordner, bekommt diese beiden E-Mails als Doppel angezeigt. Das hat den Vorteil, dass dann auf Wunsch etwa gleich beide E-Mails gelöscht werden können. Zugleich hat das aber den Nachteil, dass Nutzer beim kollaborativen Arbeiten anderen unbewusst etwas weglöschen können.

Dieser neuen Funktion muss sich der Nutzer erst einmal bewusstwerden, denn nur in wenigen detaillierten Bereichen ist erkennbar, dass die gerade angezeigte E-Mail nicht Teil der Inbox, sondern Teil einer abonnierten IMAP-Box ist. Dasselbe gilt auch für die Integration der Sent E-Mails: In dem Ordner sieht der Nutzer zu einer E-Mail nicht nur das Symbol dafür, dass die E-Mail beantwortet wurde, sondern darüber oder darunter ist die ganze Antwort zu sehen. Ganze Konversationen sind so leicht nachvollziehbar und auf sogenanntes TOFU kann verzichtet werden.

Diese neue Funktion lässt sich global, aber leider nicht ordnerbasiert aktivieren oder deaktivieren.

Safari könnte mit einem Touchscreen bedient werden

In Safari hat Apple nun, wie viele andere auch, die Adress- und Suchleiste miteinander vereint. Wer daran gewöhnt war, beim Öffnen eines Tabs erst einmal die Tabulator-Taste zu drücken, um zu suchen, wird sich umgewöhnen müssen. Neu ist zudem die Möglichkeit, per Kneifgeste die Tabs in einen Übersichtsmodus zu schalten. Wer ein Touchpad hat, kann so bequem zwischen den Tabs scrollen, auch wenn die Leiste für Tabs nicht mehr ausreicht. Damit bietet sich geradezu ein Touchscreen für die Mac-Plattform an, auch wenn Apple das nicht will.

In der Praxis haben wir die neue Funktion aber nicht benutzt. Es ist schneller, einfach die Tableiste zu nutzen, die in der Regel aussagekräftige Titel besitzt, um so zu beurteilen, welche Webseite hinter dem Tab sich befindet.

Messages ist neu und ersetzt iChat

Zu den neuen Anwendungen in Mountain Lion gehört Messages, im Prinzip ein Chatprogramm, das nur ein Protokoll unterstützt. Wer Mountain Lion installiert, verliert dabei die iChat-Installation. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn Messages beherrscht sowohl AIM als auch das Jabber-Protokoll sowie Yahoos Instant-Messenger-Protokoll. Geblieben ist auch das Chatten per Bonjour, was dem Nutzer die Einrichtung von Freunden erspart, da dies automatisch passiert. Allerdings ist Bonjour nur für lokalen Chat, also beispielsweise in einem Büronetzwerk, vorgesehen.

Die Hauptfunktion von Messages ist aber sicher die Kommunikation mit iOS-Geräten. Apples SMS-Ersatz kommt so auf den Desktop. Allerdings haperte es bei uns beim Test mit der finalen Version noch etwas. Bilder ließen sich nicht transferieren und Videotelefonie öffnet sich nicht in Messages, sondern in Facetime. Messages gab es eine Zeit lang auch für Lion zum Download.

Apple hat auch an Gewohnheitsnutzer gedacht. Wer in der Spotlight-Suche iChat eingibt, dem wird Messages vorgeschlagen.

Time Machine kann jetzt mit mehreren Backup-Sets umgehen

Viele Änderungen in Mac OS X sind nicht sofort ersichtlich. Einige davon betreffen die Verwaltung von Dateien. Neuerdings kann der Anwender geöffnete Dokumente einfach in der Anwendung umbenennen. Ein Klick auf den Pfeil in der Titelzeile genügt.

Auch der Transfer von Dateien ist nun angenehmer. Ein Fortschrittsbalken wird nun direkt neben einer noch nicht fertig kopierten Datei angezeigt. Also direkt im Finder.

Das Time-Machine-Backup wird deutlich verbessert

Time Machine war bisher immer nur auf ein Medium beschränkt. Zwar konnte der Anwender durchaus auf andere Medien wechseln, doch das alte Backup war damit nur noch ein Archiv. Mit Mountain Lion ändert sich dies. Zur Hauptsicherung kann nun eine weitere Sicherung angelegt werden. Wer in den Time-Machine-Optionen eine neue Festplatte auswählt, der wird gefragt, ob Mac OS X die alte Sicherung ersetzen und weitere Backups nur noch auf der neuen Festplatte durchführen soll, oder ob beide Festplatten genutzt werden sollen.

Das ist vor allem aus Sicht der Datensicherheit eine enorme Verbesserung. Manuelle Sicherungen können so tendenziell eher entfallen. Ein Einsatzszenario für Arbeitsplätze wäre beispielsweise, dass der Nutzer im Büro ein Backup macht und bei Heimarbeit sein zweites Backup Zuhause durchführt. Im Heimbereich denkbar ist zudem eine eigene Brand- und Diebstahlsicherung, ohne auf die Vorteile von Time Machine zu verzichten. Diese wird an einem anderen Ort gelagert und bietet trotzdem unterschiedliche Speicherpunkte, sofern der Nutzer die Brandsicherung regelmäßig durchführt. Die regelmäßigen Heimsicherungen bleiben davon unberührt.

Übrigens beschränkt sich das Backup nicht nur auf zwei Backupziele, es lassen sich weitere Backupdatenträger hinzufügen. Falls eine Datei in der Zwischenzeit verlorengegangen ist, wird die Handhabung aber unübersichtlich, da der richtige Datenträger verfügbar sein muss.

Mit dem Gatekeeper gegen drohenden Schadsoftware für Mac OS X

In diesem Jahr zeigte sich ziemlich deutlich, dass die Mac-Plattform nicht per se sicher ist. Bisher half den Nutzern von Apples Betriebssystem die geringe Verbreitung. Damit verbunden fehlten auch genug Kriminelle mit Erfahrung auf der Mac-Plattform. Sie fehlen sogar bis heute, wie sich beispielsweise an der Schadsoftware Maljava zeigte.

Die Software wurde sowohl für Mac OS X als auch Windows geschrieben und nutzt eine Java-Sicherheitslücke zum Eindringen in das System aus. Während der Windows-Code, der danach ausgeführt wird, recht fortschrittlich ist, ist der Mac-Code einfach in Python zusammengehackt worden. An der Effizienz ändert das aber nichts, denn viele Mac-Anwender sind schlicht nicht sensibilisiert genug für derartige Angriffe.

In den Standardeinstellungen erlaubt Mac OS X nur die Installation Anwendungen aus Mac App Store sowie von verifizierten Entwicklern. Letztere hätten in der härtesten Einstellung keine Chance. Diese Stufe einzusetzen, ist in der Praxis aber unrealistisch. Kaum ein Nutzer wird nur Programme nutzen, die es nur im App Store gibt.

Doch bereits die Hürde "verifizierte Entwickler" können ein Problem werden. Spieleentwickler Blizzard, immerhin einer der wichtigsten Spieleproduzenten für die Mac-Plattform, gehört in der Regel dazu. Doch der Diablo-3-Installer ließ sich im Unterschied zum Spiel nicht starten.

Auf zwei Rechnern mit Mountain Lion haben wir nur selten Anwendungen mit Startproblemen entdeckt. Im Zweifelsfall lässt sich die Einstellung auch einfach in den Systemeinstellungen heruntersetzen.

Mountain Lions Nachrichtencenter macht Growl fast überflüssig

Das Bedürfnis, regelmäßig Statusnachrichten irgendwo eingeblendet zu bekommen, haben Mac-Nutzer schon lange. Die Software Growl hat dies bisher gut gemacht. Viele Anwendungen wurden soweit angepasst, dass Growl Benachrichtigungen von Chats, FTP-Transfers oder das Einbinden von Datenträgern dem Nutzer in einer Ecke einblendet.

Eine Besonderheit von Growl war und ist die breite Akzeptanz bei den Mac-Entwicklern. Viele alte Anwendungen, die vor allem in die Kategorie anspruchsvoll gehören, können mit Growl umgehen. Zu der Liste der Anwendungen gehören Cyberduck, Adium, und iTerm. Aber auch große Projekte wie Opera, Skype, Tweetdeck und der alternative Browser Camino unterstützen Growl.

Apple setzt nun eine eigene Lösung dagegen und die hat den Vorteil, tief im System integriert zu sein. Während Growl und Mail nur per Erweiterung miteinander kommunizieren, kann das Nachrichtencenter das automatisch. Neue E-Mails gibt es in der Ecke eingeblendet und wer oben rechts auf das neue Icon in der Menu Bar anklickt sieht eine Übersicht wie beim iPhone. Also eine Auflistung von E-Mails, Kalendereinträgen und anderen Informationen diverser Anwendungen. Auch iMessages sieht der Nutzer dort und Tweets sowieso. Zudem kann ein Anwender mit einem Klick Tweets selbst absetzen.

Wer sich nicht stören lassen will, kann die Nachrichten dort auch unterdrücken lassen.

Airplay Mirroring gibt es nicht für alle

Mit Mountain Lion ist jetzt auch die Airplay-Unterstützung erweitert worden. Damit können per iTunes beispielsweise Videos an ein Apple TV der zweiten oder dritten Generation geschickt werden. Das ist soweit bekannt, denn iPad-Nutzer machen das seit eh und je. Eigentlich ist Airplay für Videos auf Macs ein längst überfälliger Schritt. Airplay sorgt dann für einen Puffer, so dass die Videowiedergabe nicht einfach abbricht, sofern die Verbindung kurzzeitig Schwierigkeiten hat. Das funktioniert genauso wie bei iOS-Geräten.

Die Airplay-Funktion arbeitet auch mit alten Macs zusammen. Nur das neue Airplay Mirroring ist eingeschränkt. Damit wird der gesamte Bildinhalt an ein Apple TV geschickt. Was ein rechenschwaches iPad kann, kann aber noch längst nicht ein Mac, so unlogisch das auch klingen mag.

Apple hat die Funktion nur für neuere Macs programmiert. Bei einem Core-2-Duo-Mac aus dem Jahr 2009 passiert diesbezüglich nichts. Wir konnten Airplay Mirroring aber mit einem iMac des Jahres 2011 benutzen. Der Desktop wird dann per WLAN mit sehr guten Ergebnissen dupliziert.

Wir konnten ohne Probleme Videomaterial auf einem Fernseher anschauen. Das ist beispielsweise dann praktisch, wenn ein Videoplayer kein Airplay direkt unterstützt. Außerdem werden Inhalte so nahezu in Echtzeit angezeigt. Für Livestreaming am Computer ist das praktisch. Eine Verzögerung ist zwar spürbar - auf dem Mac werden die Inhalte etwas früher angezeigt -, aber bei Videos nicht störend, da die Ton-Ausgabe an Airplay angepasst ist und somit leicht verzögert ausgegeben wird.

Anders sieht es bei normalen Arbeiten aus. Die Verzögerung ist durchaus wahrnehmbar, aber auch hier im akzeptablen Bereich.

Technisch gibt es an Airplay nichts auszusetzen. Die Kompression ist ziemlich gut. In Spitzenwerten haben wir Datenübertragungen von etwas über 1 MByte/s gesehen. Das reicht für fast alles aus, auch HD-Filme. Wer genau hinschaut, wird ein paar qualitative Einbußen erkennen können. Vor allem im Bereich roter Farbe oder bei schnellen Szenenwechseln in Spielen.

Spielen per Airplay erfordert Ausprobieren

Prinzipiell kann der Spieler auch auf einem Fernseher spielen. In Starcraft 2 und Diablo 3 ist die schnelle Reaktion aber wichtig. Damit das Spielerlebnis überhaupt flüssig ist, muss der Anwender dafür sorgen, dass die Grafikkarte nicht zu viel zu tun hat. In hohen Grafikeinstellungen hing die Ausgabe zeitweise immer mal wieder. Bei reduzierten Grafikeinstellungen gibt es keine Probleme. Das lässt darauf schließen, dass die Airplay-Ausgabe in erster Linie von der Grafikhardware übernommen wird. Und es erklärt auch, warum alte Macs die Option nicht bekommen.

Spaß macht das Spiel wegen der allgemeinen Verzögerung von etwa einer Viertelsekunde aber in der Regel nicht. Es gibt nur wenige Genres, bei denen das Spielen auf dem Fernseher interessant wäre. Dazu gehören rundenbasierte Spiele wie etwa die Civilization-Serie.

Airplay Mirroring funktioniert laut Apple nur mit der 2011er- und 2012er-Generation von Macs. Der recht teure Mac Pro wird übrigens nicht zu den unterstützten Geräten gezählt.

Fazit und Verfügbarkeit von Mountain Lion

Mac OS X 10.8 alias Mountain Lion ist über den Mac App Store bereits verfügbar und kostet rund 16 Euro. Der Download ist etwa 4,4 GByte groß. Eine Servervariante des Betriebssystems gibt es als Erweiterung für ebenfalls 16 Euro. Für Unternehmen gibt es Mehrfachlizenzen.

Um Mountain Lion installieren zu können, braucht ein Anwender laut Apple mindestens Mac OS X 10.6.8 alias Snow Leopard. Außerdem werden nicht alle Macs unterstützt. Die Hardwarevoraussetzungen sind dabei recht unterschiedlich. Während ein iMac durchaus der Generation Mitte 2007 entstammen darf, muss es beim Mac Mini mindestens ein Modell aus dem Jahr 2009 sein.

Fazit

Ein großes Update ist Mountain Lion nicht, aber das hat Apple auch nicht so angekündigt und der Preis ist fair. Es ist wie Snow Leopard nur eine kleine Erweiterung zum Vorgängerbetriebssystem mit teils sehr willkommenen Änderungen. Dabei ist es dieses Mal die Masse der kleinen Änderungen, die Mountain Lion interessant machen. Vor allem beim Verwalten von Dateien gibt es zahlreiche Kleinigkeiten, die den Umgang mit dem Computer erleichtern. Die müssen allerdings auch erst einmal entdeckt werden. Sehr positiv sehen wir Apples Unterstützung mehrerer Time-Machine-Sicherungen. Damit wird die Sicherheit der eigenen Daten erheblich verbessert, da ein Backup-Medium auch mal kaputt gehen kann.

Gerade was die iCloud angeht, hat Apple allerdings ein äußerst komplexes Konstrukt erschaffen, das alles andere als einfach zu bedienen ist. Selbst Computeranfänger dürften schnell die Grenzen der iCloud entdecken. Der Anwender muss iCloud als Funktion der jeweiligen Anwendung begreifen, nicht aber als betriebssystemübergreifende Funktion für alles. Leider heißt das auch, dass er eine Weile warten muss, bis viele Anwendungen mit der iCloud zusammenarbeiten.

Die Zusammenlegung von iOS und OS X ist an sich eine willkommene Neuerung. Allerdings werden hier unterschiedliche Bedienungsprinzipien zusammengelegt. Eine einheitliche Systemstrategie wird so kaum erkennbar.

Für die 16 Euro lohnt sich das Update allemal, auch wenn die Nutzer erstmal nur sehr wenig vom neuen Mac OS X bemerken. Der Anwender muss sich mehr denn je mit den Neuerungen auseinandersetzen, um diese sinnvoll einzusetzen. Die Arbeit lohnt sich aber.  (ase)


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