Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/the-secret-world-die-ersten-60-minuten-in-der-echtwelt-1207-92939.html    Veröffentlicht: 03.07.2012 19:01    Kurz-URL: https://glm.io/92939

The Secret World

Die ersten 60 Minuten in der Echtwelt

Keine Klassen, keine Level und keine klassische Fantasy: Das Onlinerollenspiel The Secret World macht vieles anders als WoW & Co. Am offiziellen Starttag hat Golem.de einen Ausflug in die Welt der Verschwörungen unternommen - die leider nicht ganz einfach zu durchschauen sind...

"Finden Sie uns - oder wir finden Sie": Mit diesen Worten verabschiedet sich ein mysteriöser Besucher. Er hat uns in unserer Wohnung besucht, in der nach dem Start von The Secret World seltsame Dinge vor sich gehen... Wir sehen unseren Charakter, wie er friedlich im Bett schläft, und wie ihm dann ein Insekt in den Mund krabbelt. Sekunden später stehen wir offenbar in einer anderen Dimension und hören seltsame Worte. Das ergibt alles wenig Sinn - aber als wir dann aufwachen, verfügen wir über Superkräfte. Schon mal nicht schlecht.

Im Engine-Video sehen wir, dass wir offenbar Energie- und Feuerbälle schleudern können, und dass wir lernen, die Fähigkeiten gezielt einzusetzen. Nach einer Woche steht dann der geheimnisvolle Gast vor unserer Tür. Und schickt uns mit seinen Worten nach Brooklyn, New York.

Was sich da so seltsam und mysteriös anhört, sind die ersten paar Minuten von The Secret World. Das MMORPG von Funcom (Age of Conan) verfolgt damit ein ehrgeiziges Ziel: Das Entwicklerstudio möchte ein Onlinerollenspiel etablieren, in dem weder Orks noch Roboter auftauchen - es spielt in einem Szenario, das sich dicht an unsere echte Welt anlehnt. Funcom wagt aber auch spielerisch ein paar Neuerungen. So gibt es keine Klassen und keine Levelaufstiege. Vor den Introsequenzen konnten wir lediglich wählen, ob wir zur Fraktion der Illuminaten, der Templer oder der Drachen gehören möchten. Die Charaktergenerierung fiel entsprechend knapp aus: Wir können das Geschlecht festlegen und dann das Aussehen unseres Charakters weitgehend bestimmen - aber keine Waffen, Fähigkeiten oder sonstigen Extras wählen.

Verschwörung im Waschsalon?

Dann sehen wir, wie unser frischgebackener Echtweltheld aus dem U-Bahn-System in die Straßen von Brooklyn tritt - hier wollen wir ausprobieren, was einen Spieler ohne Vorkenntnisse erwartet. Schräg gegenüber befindet sich ein Waschsalon, und ein türkiser Pfeil schickt uns mitten in das Ladengeschäft. Im hinteren Teil treffen wir dann - erst in einer weiteren Zwischensequenz - auf Dave Screed.

Dave ist ein bisschen überdreht, um es mal nett zu sagen. Jedenfalls faselt er wirres Zeug über Illuminaten, über die Freiheit in Rollenspielen, über Wendepunkte in der Geschichte. Und dass wir den gelben Punkten folgen sollen. Allerdings finden wir erst mal keine gelben Punkte. Stattdessen befragen wir Dave mit einem Klick auf das Symbol neben seinem Kopf zu weiteren Themen - ernsthafte Antworten hat er allerdings nicht für uns, aber immerhin recht witzige.

Versteckte Überwachungskameras

Nach ein paar Augenblicken fällt uns dann aber auf, dass eine Kamera im Waschsalon seltsam gelb umrandet ist. Wir klicken darauf, und tatsächlich scheint es in unserer aktuellen Mission darum zu gehen, "gelbe Dinger" zu finden und so einer Spur zu folgen. Draußen befindet sich eine weitere Kamera, die wir ebenfalls anklicken, dann führt uns ein türkiser Pfeil die Straße runter und um die Ecke zu einem Lagerhaus - dort befinden sich dann gelbe Waben, die wir ebenfalls einsammeln und uns im Kellergeschoss umsehen. Besonders viel ist dort allerdings nicht los. Nebenbei fällt uns auf: Unsere aktuelle Mission trägt den Titel "Kein Schlaf bis Brooklyn" - eine kleine Anspielung auf die Beastie Boys.

So richtig klar ist uns leider nicht, was wir dann machen sollen. Im Journal befindet sich ein vager Hinweis, dass wir offenbar weitere gelbe Waben sammeln sollen. Das tun wir dann auch und lernen dabei das Stadtviertel ein bisschen besser kennen. Es besteht aus ein paar Straßen unter einer der riesigen Brücken von New York, einem winzigen Park und zwei Lagerhäusern. Wir sehen einen schicken Sonnenaufgang - offenbar gibt es in The Secret World dynamische Tag- und Nachtwechsel.

Mit der Mission kommen wir aber nicht wirklich weiter. Im Chatmenü sehen wir, dass auch andere Spieler ratlos sind: Geht es wirklich darum, die Waben zu sammeln? Oder was sonst ist zu tun? Einige versuchen, einen der gelben Gegenstände, der sich auf einem hohen Baugerüst befindet, zu erreichen - aber das geht nicht, und einen Weg dorthin finden weder wir noch andere Spieler.

Zwischendurch stolpern wir in ein Extragebiet - den Fight Club. Offenbar handelt es sich um ein Player-versus-Player-Kampfgebiet - aber da wir der einzige Besucher sind und die riesige Halle sonst menschenleer ist, verlassen wir das Areal wieder. Nach ein paar weiteren Minuten der Suche entdecken wir immerhin, dass es in einer Ecke von einem der Lagerhäuser einen seltsamen Durchgang gibt, der mitten ins Erdreich bis zu einer großen gelben Scheibe führt - aber machen können wir dort nichts. Gleichzeitig ist aber auch die erste Stunde um, so dass wir unser Abenteuer vorerst abbrechen.

Kosten und Mindesthardware

The Secret World ist ab sofort zum Preis von rund 50 Euro erhältlich; Spieler mit Early Access dürfen bereits seit dem 29. Juni 2012 antreten. Die Vollversion enthält 30 Tage Spielzeit. Danach ist ein Abo nötig, das je nach Laufzeit zwischen rund 13 und 15 Euro im Monat kostet.

Das Programm benötigt laut Funcom einen Rechner mit Windows XP, Vista oder 7, der mindestens über einen 2,6 GHz schnellen Core-2-Duo von Intel oder einen vergleichbaren Hauptprozessor von AMD verfügt. Er muss unter Windows XP über 2 GByte RAM, unter Windows Vista und 7 über 3 GByte RAM verfügen. Als Grafikkarte ist nach Angaben von Funcom eine Nvidia 8800 Series mit 512 MByte VRAM oder eine ATI Radeon HD3850 mit 512 MByte RAM nötig, die kompatibel mit DirectX 9.0c ist - alternativ unterstützt The Secret World übrigens auch DirectX 11. Auf der Festplatte müssen 30 GByte frei sein, der Download des Clients schlägt mit derzeit rund 15 GByte zu Buche. Zum Spielen ist eine Internetverbindung nötig, die mindestens 512 KByte pro Sekunde an Datenverkehr zustande bringt.

Vorläufiges Fazit

Zumindest eines ist nach gut einer Stunde klar: The Secret World ist tatsächlich anders als all die anderen MMORPGs. Wir wurden in keinen Kampf geschickt, haben noch keine Fähigkeit freigeschaltet, uns dafür aber - leider dezent frustriert - mit anderen Spielern darüber ausgetauscht, was zu tun ist. Der Einstieg in das Programm scheint also etwas weniger simpel, als es im Genre sonst üblich ist. Wie sich das Spielgefühl weiter entwickelt, ist derzeit nicht einfach abzusehen. Immerhin: Die Technik macht einen soliden Eindruck - die Grafik wirkt okay, und mit Lags oder sonstigen Problemen oder Bugs mussten wir uns nicht rumärgern.

In der Rubrik "60 Minuten" nimmt Golem.de einen Titel für eine Stunde unter die Lupe - Auspacken und Installieren nicht eingerechnet. Einen Test kann und soll dieser erste Eindruck nicht ersetzen. Er gibt aber Aufschluss darüber, was die Spieler nach dem Start erwartet.  (ps)


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