Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/praxistest-fujifilm-x-pro1-stoerrische-kamera-mit-bemerkenswerter-bildqualitaet-1207-92875.html    Veröffentlicht: 03.07.2012 12:07    Kurz-URL: https://glm.io/92875

Praxistest Fujifilm X-Pro1

Störrische Kamera mit bemerkenswerter Bildqualität

Die Fujifilm Finepix X-Pro1 verlangt in der Bedienung dem Anwender einiges ab. Ihr langsamer Autofokus strapaziert die Geduld. Und trotz aller Kritikpunkte entschädigt die Bildqualität für alle Mühen. Golem.de hat die umstrittene Systemkamera einem Praxistest unterzogen.

Mit der Finepix X-Pro1 betritt Fujifilm Neuland. Es ist die erste spiegellose Systemkamera des Herstellers. Dafür musste eine komplett neue Objektivserie entwickelt werden. Bislang stehen drei Stück zur Verfügung: ein Weitwinkel, eine Normalbrennweite und ein Makroobjektiv. Im Inneren der Kamera arbeitet ein neuartiger CMOS-Bildsensor im APS-C-Format (23,6 x 15,6 mm) mit 16,3 Megapixeln Auflösung.

Die Farbfilter des Sensors sind unregelmäßig angeordnet. Sie bestehen aus 6 x 6 RGB-Pixel-Einheiten. Dieser sogenannte Bayer-Filter ist bei herkömmlichen Kamerasensoren in 3 x 3 oder 5 x 5 Einheiten aufgeteilt. Wie Leica bei der S2 verzichtet auch Fujifilm auf einen Tiefpassfilter vor dem Sensor. Dadurch erhöht sich zwar die Gefahr von Moirés, gleichzeitig steigt aber auch die Bildschärfe.

Die Kamera erinnert optisch an eine Messsucherkamera. Die X-Pro1 verfügt jedoch über einen Autofokus, kann aber wie die Vorbilder auch von Hand scharf gestellt werden. In unserem Praxistest musste sich die X-Pro1 unter realen Bedingungen auf einer Städtereise bewähren. Dabei fällt zunächst einmal das geringe Gewicht der Ausrüstung angenehm auf: Die Kamera wiegt mit Akku und SD-Karte rund 450 Gramm. Dazu kommt das Gewicht der drei Festbrennweiten "XF18mm F2.0 R" (27 mm KB) mit 116 Gramm und dem "XF35mm F1.4 R" (53 mm KB) mit 187 Gramm. Das Telemakro "XF60mm F2.4 R Macro" (KB 91 mm) wiegt 215 Gramm. Das ergibt ein verglichen mit Spiegelreflexkameras recht niedriges Gewicht.

Hybridsucher mit optischem und digitalem Bild

Obwohl es sich bei der X-Pro1 um eine Systemkamera handelt, gibt es einen optischen Sucher, der allerdings nicht wie bei einer DSLR den Blick durch das Objektiv erlaubt, sondern lediglich ein Guckloch darstellt. Ähnliches bieten auch einige Kompaktkameras. Der Sucher der X-Pro1 beherrscht allerdings zwei zusätzliche Tricks. Wahlweise überlagert ein elektronisches das optische Bild und kann eine Wasserwaage und weitere Informationen wie die Helligkeitsverteilung einblenden. Wer will, kann auch auf den hellen, rein elektronischen Sucher umschalten. Möglich macht das ein Mikrodisplay im Boden der Kamera, dessen Licht über ein Prisma in den Sucher gelenkt wird. So können sogar die Menüs im Minisucher betrachtet und die Kamera ohne abzusetzen eingestellt werden.

Da der optische Sucher nicht das Bild wiedergeben kann, das die Kamera letztlich aufnimmt, weil er nicht das Objektiv und seinen Bildausschnitt berücksichtigt, wäre er in der Praxis fast nutzlos, wenn Fujifilm nicht einen Trick anwenden würde. Ein eingeblendeter Rahmen zeigt brennweitenabängig an, was im Bild erscheinen wird und wo der Autofokus sitzt. Das klappt zwar auch bei der 60-mm-Telebrennweite, aber der Ausschnitt ist dann sehr klein und reicht nicht mehr zur Beurteilung aus.

Genervt davon, wird der elektronische Sucher angeworfen, der mit 1,44 Millionen Bildpunkten ein sehr detailliertes Bild zeigt, das dem entspricht, was wirklich aufgenommen wird. Bei schlechten Lichtverhältnissen hat der elektronische Sucher noch einen weiteren Vorteil: Er ist immer hell und erlaubt die Abschätzung der korrekten Belichtungseinstellung. Ein Echtzeithistogramm erlaubt es, in die automatische Belichtungsmessung einzugreifen. Eine flüssige Wiedergabe beherrscht der elektronische Sucher allerdings nicht, was bei schnellen Bewegungsabläufen und dem Aktivieren des Autofokus negativ auffällt.

Übersät mit Knöpfen und Rädchen

Die X-Pro1 wirkt durch ihr kantiges Gehäuse wie eine alte Fotokamera aus den 60er Jahren. Sie ist vollständig in Schwarz gehalten. Von vorne ist kein Markenname oder gar eine Produktbezeichnung erkennbar. Diese wurde lediglich auf der Kameraoberseite eingraviert. Ein Blitzschuh ist vorhanden, ein eingebauter Blitz fehlt der Kamera jedoch. Fujifilm bietet drei Modelle unterschiedlicher Leitzahl und Größe zum Aufstecken an. Der Blitz EF-X20 (Leitzahl 18) kostet 200 Euro, während die Blitzgeräte EF-20 (Leitzahl 20) für 110 Euro und 200 Euro (EF-42 mit Leitzahl 42) angeboten werden.

Auf der Kameraoberseite befinden sich zudem ein großes Einstellrad für die Verschlusszeit (1/4.000 bis 1 Sekunde), ein kleineres Rad zur Belichtungskorrektur sowie ein Knopf zur ISO-Einstellung und der Auslöser, der vom Ein- und Aus-Schalter eingefasst wird. Die Verschlusszeiten können auch auf nicht eingravierte Zwischenwerte wie zum Beispiel 1/1.000 Sekunde eingestellt werden. Der Auslöser mit Gewinde kann mit einen Drahtfernauslöser verbunden werden.

Im normalen Handel ist ein solch antiquarisches Zubehör kaum noch aufzutreiben, auf Flohmärkten wird man aber schnell fündig. Die Stativbohrung und der kombinierte Akku- und Speicherkartenschacht sind an der Unterseite angebracht. Die Bohrung befindet sich nicht mittig, sondern ausgerechnet in der Nähe des Akkuschachts. Größere Stativplatten verdecken ihn und machen Karten- und Akkutausch unnötig aufwendig.

Die linke Kameraseite ist bis auf die Blitzsynchronbuchse frei von Bedienungselementen, während auf der rechten hinter einer Klappe eine USB- und eine Mini-HDMI-Schnittstelle zu finden sind. Die Rückseite wird beherrscht durch einen hellen, spiegelnden, 3 Zoll großen LC-Bildschirm mit 1,23 Millionen RGBW-Subpixeln (640 x 480 Farbpixel), an dem sich links und rechts der Hauptteil der Bedienelemente befindet.

Die linke Knopf-Dreierreihe ruft die verschiedenen Aufnahmemodi (Einzel- und Serienbild, Reihenbelichtung, Panoramaaufnahme und Filmfunktion) auf und aktiviert die Belichtungsmessung und den Autofokus auf Wunsch manuell. Rechts sind ein Drehrad, ein Play-Knopf, ein Vier-Wege-Pad und eine weitere Taste zu finden. Sie schaltet zwischen unterschiedlichen Anzeigen auf den elektronischen Suchern um. Die Daumenstütze ist mit einem Belichtungs- und Autofokus-Speicherknopf ausgerüstet. Der darunterliegende "Q"-Knopf ruft Schnelleinstellungen im Kameramenü auf, die mit dem Drehrad der Rückseite durchgeschaltet werden können. Vorn ist ein Autofokus-Wahlschalter sowie ein Umschalter für den elektronischen und optischen Sucher zu finden.

Die Bedienung

Bei der Lektüre der Kamerabeschreibung dürfte es einigen schon dämmern: Die Bedienung ist ohne Studium des Handbuchs kaum möglich. Auf Anhieb ist es uns nicht einmal gelungen, zuverlässig zwischen optischem und elektronischem Sucher umzuschalten, weil die Bedienung nicht immer gleich ist. Dafür ist ein kleines Bedienelement an der Kameravorderseite gedacht, das eher an einen Selbstauslöseraufzug erinnert. Es funktioniert aber nicht, wenn die Kamera im Makromodus ist. Dann schaltet die rückwärtige Displaytaste zwischen den Sucherdarstellungen um. Sie ist normalerweise dafür da, zwischen dem rückwärtigen Display und dem Elektroniksucher zu wechseln.

Ein weiteres Manko ist zumindest für den Neuling die unglaubliche Detailfülle des Menüs. Fujifilm scheint das selbst erkannt zu haben: Der Q(uick)-Knopf bietet ein alternatives Menü auf einer Bildschirmseite für die wichtigsten Einstellungen. So muss man sich nicht durch die mehrseitigen Hauptmenüs kämpfen. Ein weiterer Vorteil: Die Kamera bietet Speicherplätze für eigene Einstellungen an, die über das Quickmenü abgerufen werden können. So ist es denkbar, dort zum Beispiel verschiedene ISO-Einstellungen abzulegen. Überhaupt bietet die Kamera ein hohes Individualisierungspotenzial: Selbst für das, was auf dem Display und dem elektronischen Sucher angezeigt werden soll, gibt es Speicherpunkte, die mit der "Display/Back"-Taste abgerufen werden.

Die X-Pro1 liegt gut in der Hand - was angesichts des eckigen Designs vielleicht verwundert. Eine einhändige Bedienung ist problemlos möglich, zur Stabilisierung sollten jedoch beide Hände eingesetzt und die Kamera vor das Gesicht genommen werden. Blind lassen sich nach einiger Eingewöhnungszeit die Knöpfe relativ gut ertasten. Dennoch: Einfach zu bedienen ist die Fujfilm definitiv nicht. Die Vielzahl der Knöpfe, das Umschalten zwischen elektronischem- und Realbildsucher sowie dem Display, die ISO-Verstellung per Knopf und die fummelige Scharfeinstellung sorgen auch im langfristigen Betrieb immer wieder für ein wenig Frustration.

Das Speichern eines Fotos bei aktivierter Einzelbildfunktion dauert im RAW-Modus ungefähr 1,5 Sekunden. Die Serienbildfunktion mit bis zu 6 Fotos pro Sekunde legt nach der Aufnahme die Kamera während des Speicherns auf die SDXC-Karte für eine kleine Ewigkeit lahm. Es ist ärgerlich, wenn dem Fotografen dadurch Fotogelegenheiten verloren gehen.

Eine schnelle Speicherkarte ist unerlässlich: Ein Rohdatenbild ist 26 MByte groß, die JPEGs belegen zwischen 3 und 8 MByte bei niedrigster Kompressionsstufe. Das Auslösegeräusch bei der Einzelbildfunktion ist deutlich vernehmbar, aber nicht so laut wie beispielsweise das der Canon EOS 5D Mark II. Unbemerktes Fotografieren ist in Innenräumen nicht möglich. Das Staccato des Serienbildmodus erregt Aufsehen. Eine Akkuladung reicht für rund 300 Bilder aus. Ein zweiter Akku sollte deshalb beim Kauf gleich mitbestellt werden, damit der Fotograf bei ausgiebigen Shootings nicht plötzlich ohne Stromversorgung dasteht.

Lahmer Autofokus

Die Fujifilm X-Pro1 kann dank ihrer technischen Nähe zu Kompaktkameras nicht nur auf einen Punkt fokussieren, den der Anwender vorgibt, sondern auch Gesichter im Bild erkennen oder auf ein vormarkiertes Objekt kontinuierlich nachfokussieren, auch wenn es sich bewegt. In der Praxis ist es jedoch einfacher, den mittleren Fokuspunkt fest eingestellt zu lassen: Das geht schneller als die Auswahl eines anderen Fokuspunktes per Vier-Wege-Schalter und funktioniert zuverlässiger als die optionale Kameraautomatik.

Durch Schwenken der Kamera kann dann der gewünschte Ausschnitt gewählt werden. Wie bei praktisch allen Kameras wird der Autofokus durch halbes Durchdrücken des Auslösers aktiviert. Wie schnell und präzise die Scharfstellung funktioniert, hängt von den Lichtverhältnissen und dem aufgesetzten Objektiv ab. Das XF35mm ist gefolgt vom XF18mm das schnellste der drei Modelle. Das Makro bildet beim automatischen Scharfstellen mit Abstand das Schlusslicht. Dennoch ist der Autofokus der X-Pro1 erheblich langsamer als bei einer DSLR in gleicher Preislage. Präzise ist er trotzdem.

Für Schnappschüsse ist es ideal, den Auslöser komplett durchzudrücken und nicht erst auf die Scharfstellung zu warten. Die Kamera stellt immer zunächst scharf, bevor das Bild gemacht wird. Beim manuellen Scharfstellen bietet sich die elektronische Sucherlupe an, die das Bild vergrößert und Feinabstimmungen erleichtert. Hier offenbart sich eine weitere Schwäche des Fujifilm-Systems: Das Sucherbild zittert bei Vergrößerungen stark, weil keine Bildstabilisierung vorhanden ist - weder in den Objektiven noch auf Sensorebene. Verwackelte Aufnahmen bei langen Belichtungszeiten kommen dadurch häufiger vor. Bei der Auto-ISO-Einstellung werden zudem recht lange Belichtungszeiten im Automatikmodus gewählt, die leicht zu verwackelten Bildern führen.

Die Objektive

Fujifilm bietet nur drei Objektive für die X-Pro1 an. Sie decken zwar ein weites Anwendungsspektrum ab, sind aber alles Festbrennweiten, so dass der Fotograf häufiger, als ihm vielleicht lieb ist, das Objektiv wechseln muss. Ein Tele-Zoom mit Bildstabilisierung sowie ein 14-mm-Weitwinkel sollen bald folgen.

Der Blendenring ermöglicht, die Blendenzahl in Drittelwerten einzustellen. Leider kann er in der Automatikstellung nicht arretiert werden, was schnell dazu führt, dass er sich unabsichtlich verstellt, wenn die Kamera aus der Tasche genommen wird. Auch die manuelle Scharfstellung bietet Anlass zur Kritik: Die Objektive übertragen die Drehung des Rings elektronisch an die Kamera (Drive by Wire), die ihrerseits den Objektivmotor ansteuert, um die Linsen zu bewegen. Eine direkte mechanische Übertragung fehlt. Das führt zu ärgerlichen Zeitverzögerungen und einer schwierigen Anpassung der Schärfe. Gepaart mit der wackeligen Ausschnittsvergrößerung gerät das manuelle Scharfstellen zu einem Geduldsspiel.

An der optischen Qualität der Objektive gibt es hingegen nichts zu bemängeln. Das beste der drei ist hinsichtlich der subjektiven Abbildungsschärfe das Makro, das zudem keine sichtbare Bildverzerrung mit sich bringt. Das zweitbeste Objektiv ist das lichtstarke (f/1,4) XF35mm, das mit einer nur geringen Randabschattung, einem relativ schnellen Autofokus und einer guten Schärfe brilliert. Es ist schon bei Offenblende im Bildzentrum sehr scharf.

Ein Abblenden auf f/5,6 und mehr hebt auch die Randschärfe auf ein brauchbares Niveau an. Das XF18mm ist das kleinste und hinsichtlich des Autofokus schnellste Objektiv. Die Randschärfe ist bei leichter Abblendung noch gut, eine Vignettierung ist merklich vorhanden, aber keineswegs übertrieben hoch. Dafür treten an harten Rändern mit harten Kontrasten mitunter lila Farbfehler auf, die sich mit Lightroom und anderen Bildbearbeitungsprogrammen leicht beseitigen lassen.

Die Bildqualität

Der Verzicht auf den Tiefpassfilter zahlt sich aus. Die Bilder der X-Pro1 wirken sehr scharf und detailreich, wobei die Schärfe natürlich auch vom jeweils verwendeten Objektiv abhängt. Dadurch tritt bei feinen Rastern gelegentlich ein Moiré-Effekt auf.

Die Farbwiedergabe in den JPGs ist subjektiv sehr gut, was auch am exakten automatischen Weißabgleich liegt. Wer will, kann diverse Filmsimulationen alter Chemiefilme und mehrere Schwarz-Weiß-Modi in den Kameramenüs aktivieren. In einem Effektmodus können sogar automatisch drei dieser Filmsimulationen auf das Motiv angewendet und in drei verschiedenen JPEG-Dateien abgespeichert werden. Rohdaten können auch nachträglich so bearbeitet und schon in der Kamera in JPEGs verwandelt werden. Der Panoramamodus, der sowohl vertikal als auch horizontal funktioniert, ist eine durchaus nutzbare Funktion zum Fotografieren hoher Gebäude oder Innenräume, die selbst beim Einsatz des Weitwinkels sonst nicht erfasst werden können. Sie werden freihändig aufgenommen, wobei der Fotograf bei durchgedrücktem Auslöser die Kamera langsam schwenkt. Das zusammengesetzte Bild liegt wenige Sekunden später als hochauflösendes JPEG vor. Gelegentlich kommt es zu Bildfehlern, wenn die Kamera zu schnell geführt wird, wie man in unserem Beispiel sieht.

Bis zu einer Lichtempfindlichkeit einschließlich ISO 3.200 sind auch kleinere Strukturen gut erkennbar und das Rauschverhalten äußert sich nur zurückhaltend. Die Qualität eignet sich auch für größere Ausdrucke. In dunklen Bereichen nimmt das Rauschen jedoch spürbar zu, wenn der Anwender mehr als ISO 5.000 einstellt. Wer den Auto-ISO-Mode aktiviert, sollte als Obergrenze deshalb ISO 3.200 einstellen, was gleichzeitig auch kurze Belichtungszeiten ermöglicht, bei denen die Gefahr von Verwacklern gering ist. Natürlich sind Bilder auch bei den noch höheren ISO-Werten verwertbar, wenn sie stark verkleinert werden. Das Bild wird dann zwar etwas matschiger, aber für kleine Ausdrucke im Postkartenformat ist das praktisch unerheblich.

Die ISO-Bereiche jenseits von 6.400 können übrigens nicht als Rohdaten, sondern nur als JPGs abgespeichert werden. Fujifilm hatte mit der Aussage, dass die Bildqualität an die von DSLRs heranreicht, nicht übertrieben. Andere sehr gute Systemkameras wie die Pentax K-01 übertrumpft sie problemlos, besonders in extremen Bereichen wie ISO 12800.

Filmen mit Summen im Ohr

Videoaufnahmen in Full-HD mit 24p (H.264) oder 720p können mit oder ohne kontinuierlichem Autofokus gemacht werden. Das lästige Pumpen bei der automatischen Scharfstellung selbst bei statischen Szenen nervt und erzwingt förmlich den Rückgriff auf die manuelle Scharfeinstellung. Das Nachführen der Schärfe per Hand ist angesichts des zeitverzögernden Drive-By-Wire-Prinzips der Objektive nicht einfach und auch hier entstehen Motorgeräusche, die im Film nerven.

Das Full-HD-Originalvideo (120 MByte) der Kamera ist hier als Download erhältlich.

Immerhin lässt sich eine Entfernungsskala in den Bildschirmen einblenden. Die Blendenöffnung lässt sich beim Filmen jedoch nicht verstellen. Grundsätzlich ist die Filmaufnahmefunktion nur ein nettes Zusatzfeature, aber nicht der Hauptanwendungszweck für die Kamera. Das zeigt sich nicht zuletzt am fehlenden Eingang für ein externes Mikrofon.

Fazit: Für wen eignet sich die Kamera?

Ohne Frage ist die Fujifilm X-Pro1 sehr teuer. Das Gehäuse allein kostet rund 1.600 Euro Listenpreis. Das Makro wird für rund 700 Euro verkauft, während die beiden anderen Objektive für rund 600 Euro erhältlich sind.

Wer sich nur ein Objektiv leisten will, sollte das 35-mm-Modell wählen. Der Listensystempreis liegt dann bei 2.200 Euro. Die Kamera erreicht dafür aber auch eine professionell nutzbare Bildqualität und ist deutlich kleiner und unauffälliger als eine große DSLR. Der ziemlich langsame Autofokus, die fehlende Bildstabilisierung und die hakelige Bedienung stellen die Minuspunkte dar, die vor dem Kauf vom Interessenten berücksichtigt und auch geprüft werden sollten. In dieser Disziplin können andere Evil-Kamerahersteller wie Panasonic und Olympus eher überzeugen, allerdings haben sie schon die dritte Kamerageneration veröffentlicht, während Finepix X-Pro 1 Fujifilms bemerkenswerter Erstling ist, der gleich eine überragende Bildqualität erzielt. Für Reise-, Porträt- und Straßenfotografien ist die Fujifilm Finepix X-Pro1 eine Überlegung wert. Wer hingehen Action- und Sportfotografie vorzieht, dürfte am Autofokus schlichtweg verzweifeln.

Die Rohdatenbilder aus diesem Artikel bieten wir als ZIP-Datei (216 MByte) zum Download für eigene Versuche an. Auch eine Reihe von JPEGs sind in einem separaten ZIP-Archiv als Download (180 MByte) verfügbar.  (ad)


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